Leserstimmen zu
Zwei Hälften des Lebens.

Eberhard Rathgeb

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Biografien von bedeutenden Persönlichkeiten zu lesen, kann ungemein bereichern. Einen besonderen Reiz hat das Ganze, wenn sich zwei Lebensläufe verschränken und die Freundschaft und ihr paralleles Schaffen im Mittelpunkt stehen. Um solch eine Beziehung geht es in diesem Buch, und zwar zwischen dem Philosophen Hegel und dem Dichter Hölderlin. Beide wurden 1770 geboren, studierten gezwungenermaßen Theologie im Evangelischen Stift Tübingen, obwohl sie der Philosophie viel näher standen und waren von den Werken Rousseaus begeistert. Nach dem Studium trennten sich ihre Wege und kreuzten sich später in Frankfurt am Main, wo sie beide als Hauslehrer tätig waren. In ihrer Weltanschauung entwickelten sie sich unterschiedlich: Während Hegel alles der Vernunft unterwarf, ließ Hölderlin sich von seinen Stimmungen, Sehnsüchten und persönlichen Neigungen leiten und brachte seine Empfindungen dichterisch zu Papier. Zwischendurch reflektiert der Autor darüber, warum er sich gerade mit diesen beiden Gelehrten so intensiv beschäftigt und wie seine Tochter oder seine Nachbarn darauf reagieren. Wiederholt stellt er die enormen Unterschiede zwischen der damaligen und heutigen Zeit heraus und fragt sich, ob wir wohl jemals ihre Werke gänzlich verstehen werden. Womit ich mit schwer tat, waren die häufigen Abschweifungen. Kaum hatte ich mich ein wenig in die Person von Hölderlin oder Hegel vertieft, wurde ich herausgerissen, weil eine Vielzahl von Zeitgenossen die Bühne betraten und die literarischen, politischen und sozialen Hintergründe detailliert erläutert wurden. So blieb bis zum Schluss eine Distanz zu den Hauptakteuren, ähnlich wie in einem Geschichtsbuch. Nichtsdestotrotz bekam ich einen interessanten Einblick, wie schwer es damals für Intellektuelle war, ohne Amt oder Auftrag finanziell über die Runden zu kommen und wie sie sich mit Gleichgesinnten verbündeten, um nicht in geistige und soziale Isolation zu geraten. Öffentlich traten sie als Bedienstete auf, im Geheimen folgten sie ihren intellektuellen Ambitionen. Erstaunlich fand ich auch, wie wenig die Geschehnisse im revolutionären Frankreich die beiden Herren berührte. Sie zogen es vor, sich in die Ideale der griechischen Antike zu flüchten. Wer sich eher unbedarft wie ich an die Lektüre dieses fakten- und zitatenreichen Buches wagt, sollte Geduld und Konzentration mitbringen; Hegel- und Hölderlin-Kenner werden sicher einen viel leichteren Zugang zu der Thematik finden.

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