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Leserstimmen (36)

Leïla Slimani: Dann schlaf auch du

Dann schlaf auch du Blick ins Buch

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-630-87554-5

Erschienen: 21.08.2017
Dieser Titel ist lieferbar.

Bestseller Platz 28
Spiegel Hardcover Belletristik

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Gewaltig - in jeder Hinsicht

Von: Monia [www.ichlesehaltgern.com] Datum : 27.11.2017

www.ichlesehaltgern.com

3 Dinge, die mir spontan zum Buch einfallen:
ich werde nie verstehen, weshalb sich Leila mit Trema schreibt, wunderschönes Cover mit toll geriffeltem Papier, nein! die Frau hat nix mit den Slimanis auf Youtube zu tun!

Das sagt der Verlag zum Buch:
Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen?

Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen – eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Wie mit unsichtbaren Fäden hält Louise die Familie zusammen, ebenso unbemerkt wie mächtig. In wenigen Wochen schon ist sie unentbehrlich geworden. Myriam und Paul ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen, das sie besitzen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich die fünfzigjährige Frau zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.

Meine bescheidene Meinung:
Mal wieder ein Buch, bei dem es mir alles andere als leicht fällt, eine Rezension zu schreiben. Nicht, weil es besonders gut oder besonders schlecht wäre – im Gegenteil: ich weiß nicht, wo ich anfangen und wo aufhören soll…

Die Handlung beginnt schon mal mit einem Paukenschlag und hat mich so sehr in ihren Bann gezogen, dass ich einfach weiterlesen musste. Dran glauben mussten auch noch gefühlte hundert Post Its, denn es gab Textstellen, die konnte man gar nicht zurücklassen, ohne sie nicht vorher markiert zu haben, wie zum Beispiel diese hier, die Louises Macht, die sie binnen kürzester Zeit erlangt hat, auf das Treffendste beschreibt:

Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr perfektioniert Louise die Kunst, zugleich unsichtbar und unverzichtbar zu sein. […] Sie ist die Wölfin mit der Zitze, an der sie alle trinken, die verlässliche Quelle ihre Familienglücks. (S. 55)

Louise hat einen Strauß Dahlien ins Wohnzimmer gestellt. […] Wir können unmöglich auf sie verzichten, denken sie. Sie reagieren wie verwöhnte Kinder, wie Hauskatzen. (S. 131)

Slimani macht es dem Leser schwer, wenn nicht sogar unmöglich, Louise, Paul oder Myriam zu mögen und dies aus unterschiedlichen Gründen: bei Louise handelt es sich um etwas Offensichtliches, das ich jedoch nicht spoilern will, auch wenn es auf der ersten Seite schon ersichtlich ist.

Bei Paul und Myriam war es in meinen Augen ebenso einfach: sie sind durch und durch Opportunisten. Sie möchten einfach alles auf einmal haben: Kinder, die behütet aufwachsen, regelmäßige Mahlzeiten bekommen und abends mit einer Gutenacht-Geschichte ins Bett gehen.

Wer hier einhakt und sagt, dass das ja nun wirklich nichts Verwerfliches ist, kann ich bis hierhin zustimmen. Allerdings lechzen beide auch nach ihrer beruflichen Karriere und so wird es immer mehr Usus, dass Louise nicht nur die Nanny, sondern auch das Mädchen für alles gibt: neben dem Kinderaufpassen kocht sie, putzt, kauft ein und ermöglicht so allen Beteiligten einen reibungslosen Tagesablauf. Sie kommt morgens in der Früh, damit Myriam in die Kanzlei oder zu Gericht gehen kann und geht erst spät in der Nacht, wenn diese wieder den Weg in die Altbauwohnung im 10. Arondissement gefunden hat.

Paul verbringt seine Nächte im Studio, gierig nach Musik, nach neuen Ideen, nach Lachanfällen. […] „Louise ist doch da!“, sagt er seiner Frau immer wieder, wenn sie sich besorgt über ihre häufigen Abwesenheiten zeigt. (S. 116)

Wer nun denkt: arme Louise – die wird ja komplett ausgenutzt! liegt nicht ganz richtig, denn tatsächlich ist dieses Arrangement eine absolute Win-Win Situation für alle. Trotzdem kann man sich des Eindrucks, dass Louise einfach nur ausgenutzt wird, nicht erwehren. Selbst die Tatsache, dass das Paar die ältere Dame mit in den Griechenland-Urlaub nimmt, hinterließ bei mir einen mehr als bitteren Nachgeschmack; so beschreibt Slimani Pauls Reaktion auf die Tatsache, dass Louise nicht schwimmen kann, folgendermaßen:

Die Nanny ist beschämt zurückgewichen. Sie wollen gerade eine Erklärung von ihr verlangen, als sie langsam murmelt: „Ich habe Ihnen nicht gesagt, dss ich nicht schwimmen kann.“ […] Paul ist peinlich berührt, und dieses Gefühl macht ihn wütend. Er nimmt es Louise übel, dass sie ihre Bedürfnisse und ihre Schwäche mit hierhergebracht hat. Dass ihre Leidensmiene ihnen den Tag vermiest. (S. 69)

Und ja, ich weiß: dazu gehören immer 2 Parteien: die, die es macht und die andere, die es mit sich machen lässt. Und auch wenn ich Louise nicht mag, tut sie mir leid, da sie einen sehr bedürftigen Eindruck auf mich macht, der sich auch durch die Macht, die sie ob ihrer aufopfernden und omniipräsenten Art erlangt hat, nicht übertünchen lässt: Sie lebt als Witwe, deren Tochter bereits vor Jahren das Haus auf Nimmerwiedersehen verlassen hat, in einem schmuddeligen Einzimmer-Appartement am Rande von Paris.

Auch hier schafft es Leïla Slimani wieder wortgewaltig und anschaulich, der Person Louise und auch der Stadt, in der sie lebt – Paris – ein hässliches Gesicht zu geben

Die Einsamkeit hat sich aufgetan wie ein klaffender Riss, ind em Louise sich versinken sah. Die Einsamkeit, die an ihrem Körper, an ihren Kleidern haftete, fing an, ihre Züge zu modellieren und ihr die Gesten eines alten Mütterchens zu verleihen. […] Jeden Tag traf sie Schicksalsgenossen, Schwachsinnige, Clochards, Letue, die Selbstgespräche führten. (S. 98f)

Das ist die Sorte Mann, die sie verdient. Der Typ,den keiner haben will, aber den sie, Louise, nimmt, so wie sie gebrauchte Kleidung nimmt oder schon gelesene Zeitschriften mit herausgerissenen Seiten oder sogar Waffeln, die die Kinder halb aufgegessen haben. (S. 140)

Wie man unschwer sehen kann, ein nicht unbedingt lebensbejahendes Buch, eher eines, das nicht nur den Finger in die Wunden unserer Gesellschaft legt und ordentlich darin herumstochert – nein, das reicht Leïla Slimani nicht – sie streut noch meisterlich eine Prise Salz hinterher. Das Paris, das der Leser durch Louises Augen sieht, erinnerte mich leider sehr oft an das Lied The Streets of London von Ralph McTell, welches – passenderweise – ursprünglich Streets of Paris hieß.

Ich bin die ganzen 223 Seiten (die sich wie ein Vierfaches lasen) ein gewisses beklemmendes Gefühl nicht losgeworden, was nicht zuletzt an den letzten beiden Sätzen liegt:

Kommt, Kinder. Ab in die Badewanne.

Irgendwann möchte ich das Buch nochmal im Original (Chanson Douce) lesen – die Übersetzung kam mir manchmal was die Zeitenübersetzung anging, etwas holprig vor (wenn z. B. bei durchgängigem Präsens stellenweise und plakativ Plusquamperfekt benutzt wird).

Ein gewaltiges Werk, das noch lange in einem nachhallt und einen im besten Fall das eigene Tun auch mal überdenken lässt und veranlasst, bei unserem Gegenüber vielleicht etwas genauer hinzuschauen.

Leila Slimani, Dann schlaf auch du

Von: Lobe den Tag Datum : 22.11.2017

lobedentag.blogspot.de/

"Das Baby ist tot."
Die französisch-marokkanische Autorin Leila Slimani hat mit ihrem Buch „Dann schlaf auch du“, für das sie in Frankreich mit dem höchsten Literaturpreis des Landes, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet wurde, den Alptraum einer jeden Mutter in Literatur verwandelt. Ich glaube, wirklich jede Mutter kennt diese Furcht, dass man die Kinder zur Strafe dafür, dass man sie allein lässt, nie wieder lebend sieht.

Ich wollte dieses Buch zunächst nicht lesen. Denn ich kann es, seitdem ich selbst Kinder habe, nur schwer ertragen, wenn in einem Buch oder Film Kindern Leid geschieht. Es fällt mir schwer, davon zu abstrahieren. Dennoch war ich neugierig und las diesen ersten Satz. „Das Baby ist tot.“, der sofort eine unglaubliche Sogwirkung erzeugte. Ich konnte das Buch nicht mehr beiseitelegen.

Myriam und Paul sind ein ganz normales Pariser Paar, das so aber auch in New York, Berlin, London leben könnte. Sie hat ein Jurastudium erfolgreich abgeschlossen, er produziert Musik. Sie haben eine Wohnung mitten in der Stadt. Sie wünschen sich eine Familie. Als Mila kommt, ist es für Myriam selbstverständlich, zunächst zuhause zu bleiben. Sie hat ein hohes Ideal davon, wie sie als Mutter sein möchte. Dieses Ideal beinhaltet, dass sie sich sehr intensiv um ihr Kind kümmert, dass nur sie ihr Kind wirklich kennt und weiß, was es braucht. Schon nach geraumer Zeit fällt es ihr nicht mehr so leicht. Sie langweilt sich und die stupide Hausarbeit, das intellektuell wenig anregende Zusammensein mit einem Kleinkind sind ihr nicht genug. Nach etwas über einem Jahr kommt Adam auf die Welt, ein zweites Wunschkind für Myriam, die die Kinder auch nutzt, um vor den Ansprüchen der Berufswelt zu flüchten. Mit zwei kleinen Kindern aber kollabiert in Myriam etwas. Während ihr Mann weiter draußen arbeitet, fühlt sie sich wie im Gefängnis. Als sich ihr die Chance bietet, als Anwältin in die Kanzlei eines alten Studienkollegen einzusteigen, greift sie zu.

„Sie hatte die Vorstellung immer weit von sich gewiesen, dass die Kinder ihren persönlichen Erfolg und ihre Freiheit beeinträchtigen könnten. Wie ein Anker, der einen mit nach unten reißt, der das Gesicht des Ertrunkenen in den Schlamm zieht. Diese Erkenntnis hat sie anfangs total deprimiert. Sie fand es ungerecht und entsetzlich frustrierend. Ihr war klar geworden, dass sie das Gefühl, unvollkommen zu sein, die Dinge nicht richtig zu machen, einen Bereich ihres Lebens zugunsten eines anderen zu opfern, nie wieder loswerden würde. Sie hatte ein Riesendrama daraus gemacht und partout nicht von ihrer Idealvorstellung der Mutterrolle abweichen wollen. Hatte darauf beharrt zu glauben, dass alles möglich sei, dass sie alle ihre Ziele erreichen würde, dass sie weder verbittert noch erschöpft sein würde. Dass sie weder die Märtyererin noch die Mutter Courage geben würde.“

Paul und Myriam geben ein Inserat auf und finden Louise, die scheinbar perfekte Nanny, Nounou genannt, die sich innerhalb kürzester Zeit in ihr Leben einnistet, die sich unentbehrlich macht, nicht nur die Kinder betreut, sondern auch den Haushalt schmeisst, unzählige Überstunden klaglos macht. Das klingt vielleicht wie ein Klischee, aber das Buch bedient an keiner Stelle Klischeevorstellungen. Die Zeichnungen der Personen, vor allem auch Louise', sind psychologisch feinsinnig und tiefgründig. Die Verzweiflung dieser Frau, ihre Einsamkeit, ihre Armut. Sie lebt vollkommen am Rande der Gesellschaft und niemand schaut hinter ihre Fassade aus rosa Nagellack und wohl riechendem Puder. Paul und Myriam vertrauen ihr rund um die Uhr ihre Kinder an, nehmen sie mit in den Urlaub, und bemerken trotz zunehmender Zeichen nicht, wie verzweifelt, wie nah am Abgrund diese Frau sich bewegt. Sie wollen es vielleicht auch nicht bemerken, denn es würde dieses Konstrukt bedrohen, das ihr Alltag ist und der ohne Nounou nicht funktionieren könnte.
Auch Myriam wird sehr empathisch und für mich absolut überzeugend gezeichnet, in ihr das Dilemma der modernen Frau, die auch Mutter sein möchte. Die in jeder ihrer Rollen perfekt sein möchte, es könnte kaum besser beschrieben werden. Louise und Myriam. Zwei Frauen, die sich wie zwei Seiten einer Medaille gegenüberstehen. Zwei Typen, die beide nötig sind, um die moderne Gesellschaft rollen zu lassen.
Der Autorin gelingt es, diese beiden Frauen liebevoll darzustellen. Der Leser kommt beiden sehr nah und es ist unmöglich, ein Urteil über sie zu fällen. Vielmehr nimmt man das Dilemma wahr, dass die Frauen stellvertretend für die gesamte Gesellschaft tragen. Wenn Egoismus das Mittel ist, Erfolg zu haben, dann stehen Mütter, die aufgrund ihrer Rollen per definitionem ein gehöriges Maß an Selbstlosigkeit benötigen, um die Bedürfnisse ihrer Kinder erfüllen zu können, in einer spagatartigen Grätsche über einem Abgrund. Jede Mutter, die Karriere machen möchte, benötigt jemanden, die an ihrer Statt für ihre Kinder sorgt. Wir wissen über Psychologie heutzutage viel zu viel, um nicht auch zu wissen, dass Kinder, deren Bedürfnisse konsequent missachtet werden, leiden. Wir wissen auch, dass es nicht damit getan ist, die Bedürfnisse von Kindern mechanisch zu erfüllen. Sie müssen wirklich geliebt werden. Wenn die Eltern dazu kaum Timeslots frei haben, dies aber eine andere Person, wie im Buch Louise, scheinbar perfekt übernimmt, klaffen die Problemzonen weit offen. Wie viele Kinder hat diese Frau bereits an Eltern statt versorgt und wie ihre eigenen Kinder geliebt? Wurde sie von irgendeinem Kind jemals wie eine Mutter zurück geliebt? Welche emotionalen Kosten verursacht ein solches Arrangement auf allen Seiten?

All diese Abgründe unserer Gesellschaft, die sich an den Kinderfrauen und Müttern so deutlich ablesen lesen, beschreibt die Autorin glasklar und präzise, ohne Pathos. Da ist es nur konsequent, dass Paul, obzwar deutlich gezeichnet, letztendlich eine Randfigur bleibt. Er hat weder Schuldgefühle noch wird er von irgendwem verantwortlich gemacht.

Slimanis Buch entwickelt vom ersten Satz an „Das Baby ist tot.“ eine inhärente Logik, die einen nicht mehr los lässt. Obwohl das Buch brutal ist, traurig, hat es doch von Anfang an eine Schönheit, die in der Sprache liegt, die so klar ist und auf den Punkt trifft. Es gibt keine Überflüssigkeiten, keinen Schnickschnack. Hier wird eine Geschichte erzählt. Vergeudet wird dabei nicht ein Wort.

Es ist ein Brennglas, das auf den Zustand unserer modernen Gesellschaft gerichtet ist. Was geschieht in dieser Gesellschaft mit Müttern, mit Kindern, mit jenen Personen, die schlecht bezahlt unsere Kinder betreuen müssen und die im Berufsleben geforderte Flexibilität der Eltern mit eigenen Opfern erst ermöglichen? Was geschieht in unserer Gesellschaft mit berechtigten Bedürfnissen und tiefen Gefühlen? Es ist ein Buch über die Einsamkeit der Frauen in unserer Leistungsgesellschaft, die immer noch mit einem großen Teil der Arbeit und des schlechten Gewissens alleine zurecht kommen müssen und auch untereinander wenig Solidarität erfahren und geben. Das erfährt Myriam zum Beispiel knallhart mit ihrer Schwiegermutter: "Sie hat Myriam verantwortungslos und egoistisch genannt. Hat an ihren Fingern all die Dienstreisen aufgezählt, die sie unternommen hatte, selbst wenn Adam krank und Paul gerade mit der Fertigstellung eines neuen Albums beschäftigt war. ... Sie hatte nicht die Kraft, sich gegen diese Anklagen zu verteidigen, ... Da war nicht das kleinste bisschen Raum für Nachsicht und Mitgefühl. Nicht ein wohlmeinender Rat wurde erteilt, von Mutter zu Mutter, von Frau zu Frau."

Last but not least ist es ein hochgradig feinsinniger und lückenlos gestrickter Thriller. Wir wissen von der ersten Seite an, dass die Kinder sterben und wer sie ermordet. Dennoch wird die Spannung von Seite zu Seite größer, will man immer unbedingter durchdringen, wie es dazu kommen konnte. Leila Slimani seziert die Vorgeschichte Schritt für Schritt. Sie erzählt einfach, was geschehen ist. So ist dieses Buch auch ein psychologisches Meisterwerk und ich möchte in vieler Hinsicht eine große Leseempfehlung für das Werk aussprechen!

Herzlichen Dank an den Luchterhand Verlag für das Rezensionsexemplar. Dieses Buch wird mir sicher noch lange Stoff zum Nachdenken geben.

(c) Susanne Becker


„Meine Nanny ist eine Fee.“ Oder auch nicht.

Von: Eva Fl. Datum : 14.11.2017

https://wasliestdu.de/mitglied/evafl

Myriam und Paul sind auf der Suche nach einer Nanny, damit die Kinder Mila und Adam beaufsichtigt sind und Myriam endlich wieder in den Beruf einsteigen kann. Als sie Louise kennen lernen, sind sie überzeugt von ihr, einer Nanny wie aus dem Bilderbuch. Sie ahnen nicht, wie verletzt sie wirklich ist, welche Abgründe sich hier bei Louise auftun, denn sie handhabt den Alltag der Familie so wunderbar perfekt. Doch dann bricht die Tragödie über die Familie herein und nichts ist mehr wie zuvor.

Die Geschichte des Buches schien nicht unbedingt einfach zu sein, das war mir von Anfang an klar, aber gerade das hat mich so neugierig auf dieses Buch gemacht. Zumal das Buch gerade wirklich „in aller Munde“ ist.

Der Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen, es ist eine angenehme, aber keine einfache Sprache. Man merkt auch inhaltlich den Anspruch, dennoch ist es nicht schwer verständlich, keine großartigen Fremdwörter oder Fachbegriffe sind vorhanden. Auch die Sätze sind nicht ellenlang, es ist wirklich „schön“ zu lesen. Die Wechsel der Zeiten fand ich interessant, hier muss man dann je nach Kapitel immer kurz überlegen, wo man sich gerade befindet. Jedoch wechselt es nicht arg oft.

Die Geschichte ist wirklich emotional und berührend, wenngleich sie so geschrieben ist, dass man direkt mit der Tragödie konfrontiert wird. Man weiß also, wozu es geführt hat und liest dann erst die Geschichte von Beginn an, wie sich alles entwickelt hat. So bekommt man einen Eindruck der Familie und von Louise, die doch auch das ein oder andere Problem hat, sich aber mit niemandem wirklich austauscht. Es war regelrecht schwer das Buch aus der Hand zu legen, denn es war so gut geschrieben, dass man immer weiter lesen wollte. Es war unheimlich spannend all dies zu lesen, auch welche wirren Ideen die Nanny schließlich teilweise hat – mehr möchte ich aber nicht wirklich verraten. Mich hat das Buch überzeugt, wenngleich es in gewisser Weise beklemmend war.

Wenngleich es hier heftiger Stoff ist, die Umsetzung, die Schreibweise, all das hat mir gut gefallen. Entsprechend gibt es von mir hier 5 von 5 Sternen und eine Empfehlung.

Liebe Nanny-fleißige Nanny-tödliche Nanny

Von: Gisela Simak Datum : 09.11.2017

lese-himmel.blogspot.de/

Meine Meinung

Gleich zu Anfang möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Thriller harte Kost für Mütter von kleinen Kindern sein dürfte. Im Prolog erlebt mein ein Massaker mit, welches wahrlich nicht leicht verdaulich ist.
Myriam und Paul sind ein Ehepaar mit stark ausgeprägten beruflichen Ehrgeiz. Myriam leidet darunter, nur noch Mutter und Hausfrau zu sein. Um ihren Beruf als Anwältin nachzugehen, stellen sie eine Nanny ein. Louise ist ein Frau um die 50. Louise ist klein, zart und geschminkt wie ein Püppchen. Sie hat feingliedrig Hände, trotz ihrer Arbeiten im Haushalt. Ihre Fingernägel sind stets tadellos lackiert. Sie hat Kräfte. Sie ist zäh. Louise kommt mit den Kindern fabelhaft zurecht. Louise bekocht die Familie und deren Freunde. Louise hält die kleine Pariser Wohnung Im 10. Arrondissement tadellos sauber. Ohne Louise geht gar nichts mehr. Sie wird unentbehrlich. Genau das will sie!

Mir hat Louise irgendwie leid getan. Ihre Einsamkeit springt einen förmlich an. Ihr Leben war und ist alles andere als leicht.
Für Myriam konnte ich keine Sympathie entwickeln. Sie kam mir manchmal vor, als wenn sie Mutti sein wollte, wenn es ihr gerade in den Kram gepasst hat.
Obwohl man eigentlich gleich zu Anfang erfährt, was mit den Kindern passiert ist, fiebert man dem Ende entgegen. War es wirklich Louise, die den Kindern so etwas Grausames angetan hat? Ich war auf ein Ende gefasst, welches den Prolog Lügen straft. Dachte mir, da liegt bestimmt ein Missverständnis vor.

Gesellschaftskritisch beschreibt die Autorin das Leben eines Ehepaares, welches überwiegend die eigenen Interessen vertritt. Myriam wollte Kinder, aber nicht auf ihren Beruf verzichten. Noch nicht einmal kürzer treten. Lieber vertraut sie diesem eigenartigen Persönchen, von dem sie eigentlich gar nichts weiß.

Der Schreibstil mutet nüchtern an. Darüber war ich froh. Ich konnte keinen richtigen Bezug zu den Kindern aufbauen. Ich wusste von Anfang an; es gibt diese Kinder nicht mehr. Wer will schon zu fremden, toten kindern eine Bindung aufbauen? Wer will sie an sich heran lassen? Wer würde das verkraften?

Mein Fazit

Ein Thriller, der in der dritten Person erzählt wird. Das Augenmerk ist hauptsächlich auf die eigenartige Nanny gerichtet. Obwohl das Ende gleichzeitig der Anfang ist, rast man förmlich durch die Seiten. Der nüchterne Schreibstil verhindert, dass man als Leser verzweifelt. Der Prolog strapaziert Nerven und Gemüt ohnehin bis an die Grenzen. Man würde es gar nicht die ganze Geschichte entlang aushalten. Das Baby ist tot. Das kleine Mädchen wird ihr Leben bald aushauchen. Nein, mehr will und kann man nicht verkraften!!! Louise kann nicht mehr befragt werden.

Ein brillanter Thriller, den ich nur bedingt empfehlen kann. Nicht jede Mami kann ihn verkraften.

Danke Leïla Slimani

Berührender und überzeugender Roman

Von: Vera Datum : 07.11.2017

https://herzensbuecher.blog/

Der Preis des Glücks

Klappentext

Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen?

Meine Meinung

Dieses Buch hat mich erstmal sprachlos zurückgelassen. Es hat eine Weile gedauert bis ich die Rezension schreiben konnte - ich finde es einfach grandios!

Das Buch beginnt mit dem Unfassbaren - beide Kinder sind tot - ermordet! Von der Nounou (Nanny) die sooo perfekt schien, die puppenhafte, immer perfekte Louise die die Kinder geliebt hat, den Haushalt perfekt organisiert hat und so gut gekocht hat. Myriam konnte endlich wieder arbeiten gehen und wusste ihre Kinder in besten Händen.... bis zu diesem Tag!

Das Buch, das sowohl ein gesellschaftskritischer Roman als auch ein psychologischer Thriller ist, beschäftigt sich nicht mit dem Mord und dem Täter - weil dies wird auf der ersten Seite schon vorweggenommen, sondern damit, wie es soweit kommen konnte.

Als Leser sieht man fassungslos zu wie sich die Situation zuspitzt und niemand etwas merkt - man möchte die ganze Zeit Mark und Myriam wachrütteln und zurufen: seht her, hier läuft etwas schief! Passt auf, ihr überseht etwas!

Karriere und Kinder - kein Problem!?

Hier wird die Problematik der Klassengesellschaft und des Gesellschaftssystem in Frankreich aufgezeigt. Hier sind die Rollen anders herum verteilt, als man denken möchte: Myriam hat einen Migrationshintergrund, Louise ist Französin. Das Paar, Mark und Myriam, sind gebildet und möchten Karriere machen. Mark arbeitet als Musikproduzent, Myriam hat gerade ihr Jurastudium beendet und träumt von einer glanzvollen Karriere. Dann wird sie schwanger und mit dem Leben als Hausfrau konfrontiert. Bald wird ihr klar, dass sie dieses Leben nicht will und entscheidet sich für ihren Beruf und "gegen" ihre Kinder -aber ist das wirklich so?

Louise stammt aus einer bildungsfernen Schicht, und lebt am Rande der Gesellschaft. Ihr Mann hat sie unterdrückt, ihre eigene Tochter ist ausgerissen und ihre finanzielle Situation ist katastrophal.

Fazit

Mich hat das Buch fasziniert und zu tiefst berührt. Slimani schafft es mit ihrem nüchteren Erzählstil in kurzen Kapiteln das Grauen vor dem Leser auszubreiten.

Für mich ist es eines der wichtigsten Bücher in diesem Jahr, es hält der Gesellschaft, aber vor allem uns Frauen einen Spiegel vor, ohne dabei anklagend zu wirken.

Nicht ohne Grund hat Leila Slimani, den Prix Goncourt, den begehrtesten Französischen Literaturpreis für ihr 2. Buch "Dann schlaf auch du" gewonnen.

Dieses Buch kann ich wirklich nur jedem ans Herz legen - unbedingt lesenswert!

Erschreckend Realitätsnähe Alptraum

Von: buecherecke Datum : 02.11.2017

buecherecke8.blogspot.de

Inhalt:
Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen?

Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen - eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Wie mit unsichtbaren Fäden hält Louise die Familie zusammen, ebenso unbemerkt wie mächtig. In wenigen Wochen schon ist sie unentbehrlich geworden. Myriam und Paul ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen, das sie besitzen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich die fünfzigjährige Frau zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.

Mein Lieblingszitat:


Meine Meinung:
Da ich von diesem Buch aus Frankreich schon viel Gutes gehört habe, wollte ich es auch unbedingt lesen. Als ich einmal mit dem Lesen angefangen hatte, konnte ich den Roman kaum aus der Hand legen und habe ihn in einem Rutsch durchgelesen. Ich konnte sofort nachvollziehen, warum dieses Buch den höchsten Literaturpreis Fankreichs im Jahre 2016 gewonnen hat. Leïla Slimani schreibt mal in der Vergangenheit, mal in der Gegenwart, sodass bestimmte Handlungen und Dialoge in ihrer Erzählung hervorgehoben werden. Ihr Schreibstil, der sehr poetisch ist, beschreibt sehr realitätsnah das Leben einer durchschnittlichen Familie, mitsamt der kleinen, schönen Momente und der düsteren Launen. Oft gibt sie Einblicke in die Vergangenheit einzelner Charaktere, und auch in ihre Gedanken und Gefühle. Meiner Meinung nach ist das sehr wichtig, um die Hauptprotagonisten in ihrem Handeln zu verstehen. Auf der einen Seite stehen Myriam und Paul mit ihren beiden kleinen Kindern Mila und Adam, auf der anderen ihre perfekt erscheinende Nanny Louise. Im Verlauf des Buches bröckelt die Fassade der idealen Kinderfrau und nach und nach wird ihre Einsamkeit und ihre Verzweiflung offenbart. Obwohl schon im ersten Satz des Buches der Ausgang desselben angekündigt wird, bleibt während der ganzen Handlung die Spannung auf einem hohen Level erhalten und man hofft auf eine Wendung des Schicksals. Nachdem ich das Buch beendet hatte, habe ich noch einige Minuten fassungslos dagesessen und über diese unglaublich erschreckende Geschichte nachgedacht.

Mein Fazit:
Dieser Romsn illustriert die schlimmsten Alpträume, die zwei Eltern haben können und erzeugt dabei eine so große Spannung, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen möchte.

Ein großes Dankeschön an den Luchterhand Literaturverlag für das Rezensionsexemplar!

Dann schlaf auch du bekommt von mir volle 5/5 Sterne!

Geht tief unter die Haut

Von: DaniS Datum : 31.10.2017

www.buchwelt.co.at

Ich frage mich, warum ich in letzter Zeit immer zu solch melodramatischen Romanen greifen muss, in denen ich auf Teile meiner Realität treffe. Vermutlich wäre ich glimpflicher davon gekommen, hätte ich nur die ersten zweieinhalb Seiten gelesen – besser noch: ich hätte sie nicht gelesen. Und dennoch wird sich dieser Roman als einer der besten im Jahr 2017 in mein Bücherregal reihen, denn wer mit so viel Gefühl und gleichzeitig extremer Klarheit schreibt, dem gebührt aller Ruhm.

Paul und Myriam sind ein eher ungleiches Paar im stressigen Paris. Ihre beiden Kinder müssen versorgt werden und Myriam findet sich in ihrer Mutterrolle, bis sie einen alten Studienkollegen wieder trifft. Der fragt sie, ob sie nicht wieder arbeiten möchte und bietet ihr eine Stelle in seiner Anwaltskanzlei. Angetan vom Lob und dem ihr entgegengebrachten Vertrauen entschließen sich Myriam und Paul dazu, eine Nanny zu engagieren. Sie finden in Louise eine überkorrekte und allzeit bereite Aufpasserin für Adam und Mila, bis sich die Angestellte zu sehr in die Familie einmischt. Schließlich kommt es zum Streit, der unausweichlich war und dessen Folgen einen immensen Einschnitt ins Leben der Jungfamilie macht.

Es sind so viele Dinge, die das Buch so besonders machen. Zum Einen ist es die Sprache, mit der Leïla Slimani so klar umgeht, zum Anderen aber die Gefühle, die sie schon von der ersten Seite an so gut drapiert, dass man sie annehmen und zulassen muss. Die Beschreibung der etwas eigenartigen Nanny war so detailgetreu, dass man sich diese erfundene Frau wirklich vorstellen konnte, obwohl ich nicht glaube, dass es eine Louise in der heutigen Zeit geben könnte. Selten habe ich bei einem Buch mehrmals Tränen vergossen – hier schon. Nicht umsonst wurde der Roman 2016 mit dem Prix Goncourt (ehrt u.a. den besten französischen Roman) ausgezeichnet.

Eindringlich, spannungsgeladen und atmosphärisch portraitiert die Autorin die Abgründe einer Nanny.

Von: Tina / Kill Monotony Datum : 31.10.2017

www.killmonotony.de

Mit „Dann schlaf auch du“ baut Leïla Slimani ein eindringliches Portrait einer Familie auf, wie man sie aus Filmen oder Büchern kennt: Mann und Frau arbeiten Vollzeit und sehr energisch ihren ehrgeizigen beruflichen Zielen entgegen, während die Kinder von einer Nanny gehütet werden. Doch das war nicht immer so, denn Myriam ringt zunächst mit sich selbst, ob sie ihr Heiligstes einer Tagesmutter überlassen möchte, bevor sie wieder ins Karriereleben einsteigt. Ihr Mann Paul unterstützt sie und gemeinsam machen die Beiden sich auf die Suche nach der perfekten Nanny. Auftritt Louise: Die Frau mittleren Alters wohnt alleine und ist komplett flexibel. Ihr ganzes Leben lang hütet sie schon die Kinder anderer. Die Referenzen sind toll, die Nanny macht einen guten Eindruck und versteht sich auf Anhieb mit den Kindern — das muss das Kindermädchen ihrer Träume sein! Es entwickelt sich eine starke Abhängigkeit, nicht nur Pauls und Myriams von Louise, sondern auch umgekehrt: An den Wochenenden oder an freien Tagen sehnt sich die Nanny nach den Kindern, nach dem Haushalt „ihrer“ Familie, verliert sich immer tiefer in ein tiefes Loch, bis eines Tages die sonst stets gefasste Fassade der perfekten Kinderfrau zu brechen droht.

„Meine Nanny ist eine Fee.“ Das sagt Myriam, wenn sie erzählt, wie Louise in ihren Alltag geplatzt ist.

„Das Baby ist tot.“ — Mit diesem Satz beginnt Leïla Slimanis preisgekröntes Buch. Der Leser findet sich in einem Scherbenhaufen wieder, einer Szene, der Probleme, Streits und Eskalation vorangehen müssten – bis auf die Tatsache, dass es kaum etwas derartiges gab. Die mustergültige Nanny erledigte ihren Job tadellos, liebte die beiden Kinder abgöttisch und verlor so gut wie nie die Fassade. Bis auf die Male, wo sie sich auf die Nachbarin ihrer Familie stürzt und sie um Arbeit anfleht, damit sie ihre Rechnungen bezahlen kann. Die Leere, die sie einhüllt, sobald sie nach Hause fahren muss. Das endlose Schwarz, das ihr Leben ist. Doch genügen diese Gründe, um einen Mord an zwei kleinen Kindern zu verüben? Leïla Slimani hebt den Leser in die Rolle des Richters, der anhand der ihm vorliegenden Geschichte urteilen muss, ob es Gründe gab. Gründe, die Louises Tat in irgendeiner Weise rechtfertigen. Wir erfahren die Hintergründe der Nanny, ihre Vergangenheit wird uns in einigen Kapiteln näher gebracht. Wir erfahren, wie Paul und Myriam besorgt um die Gesundheit der Nanny sind, die ein leicht zwanghaftes Verhalten an den Tag legt und strikt gegen Verschwendung vorgeht, indem sie die Kinder beispielsweise ein von Myriam bereits weggeworfenes Hühnchen aus dem Müll fischt und bis zum Knochen verspeisen lässt. Wir erfahren, wie trist Louises Alltag außerhalb ihrer Arbeit ist, wie sie sich selbst und vor allem ihre Seele immer weiter in Richtung eines schwarzen Loch treiben lässt, wie sie immer abhängiger von ihrer Arbeit wird und Paul und Myriam sogar heimlich ihren Wunsch nach einem dritten Kind unterschmuggeln will, das die Beiden „für sie“ zeugen sollen, damit sie als Nounou der Kinder nicht ausgedient hat und sich die Familie noch weiter von ihr abhängig macht. Mit Schrecken kann der Leser beobachten, welche Abgründe sich während Myriams und Pauls Abwesenheit in Louise auftun, und wenn wir als Leser nicht schon den schlimmen Ausgang kennen würden, würde man ihn doch im Verlauf des Buchs irgendwann vermuten. Louise hat sich gegen Ende der Geschichte so sehr in das Leben der Familie eingenistet, dass selbst, als ihr Verhalten eine Grenze überschreitet, Myriam und Paul ratlos sind, wie sie die Nanny wieder loswerden können. Louise zu kündigen erscheint nicht als Möglichkeit:

"Sicher, man könnte einfach einen Schlussstrich ziehen, das Ganze hier beenden. Aber Louise hat die Schlüssel zu ihrer Wohnung, sie weiß alles, sie hat sich so gründlich in ihrem Leben eingenistet, dass es jetzt unmöglich erscheint, sie daraus zu entfernen. Sie werden sie hinausdrängen, und die Nounou wird wiederkommen. Sie werden Lebewohl sagen, und Louise wird gegen die Tür hämmern, sie wird trotzdem hereinkommen, drohend, wie ein gekränkter Liebhaber."

Fazit: Leïla Slimani schafft es, mit ihrem Roman „Dann schlaf auch du“ eine unangenehme Grundstimmung zu erzeugen, man ist permanent angespannt, ob die Nanny bereits vor ihrer Gräueltat damit beginnt, Brotkrumen zu streuen, die darauf hinweisen könnten, dass sie zu so etwas fähig ist. Bei eines Szene habe ich mir dies tatsächlich auch gedacht, und die Eindrücke anderer Personen von Louise, beispielsweise von ihrem Vermieter, dem ihre Art, ihre Kälte, unangenehm ist, bestätigen die Theorie von den ersten Anzeichen. Dadurch, dass der Leser bereits zu Beginn des Buchs das Grauen erfährt, was Myriam und Paul widerfahren ist, hat der Roman seine Spannung direkt nach vorne gepackt, einen wirklichen Spannungsanstieg zum Ende hin gibt es nicht, nur eben die bereits erwähnte Grundspannung. Mich persönlich hat das Ende des Romans enttäuscht. Nichtsdestotrotz erzählt Slimani diese Geschichte eindringlich, mit klaren Worten und in einem Schreibstil, der den Leser aufsaugt und erst wieder freigibt, wenn das Buch zu Ende ist. Punktabzug gibt es wegen dem leider nicht so gelungenen Ende.

Tiefgründig

Von: Deltajani Datum : 20.10.2017

deltajani.blogspot.de

Ich hatte Angst, dass bereits schon zu viel verraten worden ist, denn mit 224 Seiten ist das Buch auch verhältnismäßig dünn. Doch viel mehr geht das Buch in die Tiefe und die Psyche von Louise. Warum sie so ist wie sie ist. Man lernt sie kennen und fühlt mit ihr. Man erfährt, dass sie Alleinerziehend ist und ihren Lebensunterhalt schon immer damit verdiente sich um die Kinder von anderen - denen es meist deutlich besser im Leben ging als ihr - zu kümmern.

Es ist besonders eindrucksvoll dargestellt wie sich Louise immer mehr verändert, glaubt sie doch ihr perfektes Leben gefunden zu haben. Auch die Kinder lieben ihr neues Kindermädchen, und da Louise auch im Haushalt zur Hand geht gehört sie bald zur Familie mit dazu.
Doch wie es Louise geht wenn sie sich nicht um die Kids kümmert sieht keiner, will keiner sehen. Louise sieht es als Chance ein besseres Leben zu haben und aus ihrem Loch zu entkommen.
Doch sie merkt dabei nicht, dass sie immer mehr klammert, sich zum negativen verändert und Myriam und Paul immer öfter mit ihr nicht zufrieden sind.

Während des Lesens erfährt man immer wieder Details aus der Sicht von Bekannten von Louise, ihrer Tochter, dem Vermieter. Und versteht so immer mehr was wohl in ihr vorgehen mag.

Der Prolog ist im Grunde sogleich das Ende - als Leser weiß man somit von Anfang an auf was er sich einlässt und ist sofort von der Geschichte gefesselt.
Die Charaktere sind so unterschiedlich, so facettenreich und man kann sich in jeden einzelnen hinenversetzen.

Es ist eine wunderbar erzählte Geschichte, ein Roman der unter die Haut geht und einen vielleicht auch einmal nachdenken lässt über sein eigenes Leben, seine Prioritäten und vielleicht auch darüber wie sehr man sich für seine Mitmenschen interessiert.

Schlafende Kinder sollst du nicht töten...

Von: Bücherphilosophin Datum : 12.10.2017

eineigeneszimmer.com/

Leila Slimanis zweiter Roman kommt hoch dekoriert in den deutschen Buchläden an, von der französischen Kritik gefeiert und mit dem Prix Goncourt, was hierzulande wohl dem deutschen Buchpreis entspricht, ausgezeichnet. Und ich als Leserin und spätere Rezensentin stehe gleich vor zwei unüberwindbar scheinenden Hürden, die mich von diesem Buch und seiner Geschichte zu entfremden drohen. Mit der ersten Hürde werde ich noch vor der eigentlichen Lektüre konfrontiert und diese Hürde heißt Erwartungen. Diese gilt es nämlich zu zügeln bevor mir all die Vorschusslorbeeren, die der Roman eingeheimst hat, bevor ich ihn in Händen hielt, die Sicht auf den eigentlichen Text versperren. Die zweite Hürde stellt sich mir nun, da ich diesen Roman rezensiere in den Weg, sie besteht aus den Lobeshymnen Dritter, denen ich mich anzuschließen gedrängt fühle, damit mir am Ende niemand unterstellen kann, ich hätte den Roman als einzige nicht verstanden und seine Größe verkannt. Mir stellt sich an dieser Stelle also eine besonders aufdringliche Frage: Ist die Kaiserin nackt? Oder ist ihre Gewand einfach nur nicht so kunstvoll wie man es mir von jenseits der Grenze versichert hat?

„Dann schlaf auch du“ beginnt antiklimaktisch am Ende der Geschichte, die Kinder sind tot, ermordet von ihrer Nounou, dem französischen Equivalent einer Tagesmutter, die das Messer mit dem sie das Mädchen im Kindergartenalter auf brutalste Weise erstach, anschließend gegen sich selbst richtete, dabei aber weniger erfolgreich war. Leila Slimani beschreibt das Verbrechen in all seinen blutigen Details, beschreibt sogar den markerschütternden Schrei der Mutter, die die Leichen ihrer Kinder in deren Zimmer vorfindet, mit einer Dringlichkeit, die mich meinen lässt ihn aus großer Ferne, einem vornehmeren Teil der Millionenstadt Paris, selbst zu hören, wenn auch nur ganz leise. Gleichzeitig nimmt sie mit dieser Herangehensweise ihrer Geschichte jegliche Spannung, die ähnlich schnell verklingt wie der Schrei der Mutter, am schwärzesten Tag ihres Lebens.

Ich kann nicht umhin zu überlegen, ob mir dahingehend nicht meine eigenen literarischen Ambitionen den Genuss des Romans erschweren. Denn die Schriftstellerin in mir räuspert sich diskret und sagt, fast beiläufig, das hätte ich ganz anders geschrieben. Ich hätte das dicke Ende dort verortet, wo es dem Namen nach hingehört, und will einfach nicht davon lassen. So dass sich meine innere Leserin etwas pikiert zu ihr umwendet und ihr zuraunt – wer hat hier denn bitte den Literaturpreis gewonnen, du oder Frau Slimani (und danach herrscht erst einmal wieder Ruhe.) Und auch über den plumpen Anfang der Erzählung komme ich irgendwann hinweg, rufe ich mir doch Kapitel für Kapitel ins Bewusstsein, dass es sich bei „Dann schlaf auch du“ eben nicht um einen klassischen Spannungsroman handelt – entscheidend für das Leseerlebnis ist also nicht das Ziel, sondern der Weg dahin.

Dieser stößt diese Leserin wiederum darauf, was passiert, wenn man, wie das junge Ehepaar, welches die mörderische Nounou Louise einstellt, unwissender Weise und mit einer großen Portion priviligierter Naivität, mit bloßer Hand in die Schere zwischen arm und reich greift. Mutter Myriam ist erschöpft und desillusioniert von ihrem Leben, das sich trotz Jurastudium, nur noch zwischen Küche und Kinderpo abzuspielen scheint, während ihr Mann Paul langsam aber stetig die Karriereleiter erklimmt – ja, meine liebe Leserin, das gibt es selbst in Frankreich, dem Kinderkrippenparadies. Insofern kann ich gut nachvollziehen, was sie in der zierlichen Louise sieht, ein Rettungsboot nämlich aus der vergifteten See der Hausfrau und Mutter. Glücklich darüber endlich wieder am Alltag teilnehmen zu dürfen, übersieht sie jegliche Warnsignale im Bezug auf Louises Person, die mit Fortschreiten der Handlung jedoch immer deutlicher werden.

Ein Kontrastprogramm zu dem gutbürgerlichen, wenn auch bescheidenen, Leben der Familie, die sie betreut, sind die Passagen des Romans, die Louise nach Hause folgen, in ihre modrige, aber trotzdem völlig überteuerte Einzimmerwohnung in einem Pariser Außenbezirk. Früh verwittwet und von der einzigen Tochter alleine gelassen, verliert Louise hier immer mehr den Bezug zur Realität. Sie ignoriert Rechnunngen und den teils baufälligen Zustand ihrer Wohnung ebenso wie die Umzugskartons, die seit Monaten die Wände säumen. Der desolate Zustand von Louises Lebensraum steht in krassem Kontrast zu ihrer gepflegten Erscheinung und lässt diese Leserin immer wieder hinter die Fassade blicken, auf das Seelenleben einer Frau am Abgrund.

„Dann schlaf auch du“ ist kein getriebener Roman, gemächlich trottet die Handlung ihrem so unvermeidlichen, wie blutigen, Ende zu. Doch ist dieses Ende wirklich nicht zu verhindern gewesen? Die mir im Vorfeld der Lektüre bekannten Rezensionen sprachen durchweg von dem Konflikt zwischen denen, die man als Globalisierungsgewinner bezeichnen mag und dem Präkariat. Ganz abwegig ist diese Erklärung für den Kindermord zwar nicht, aber sie unterstellt der Figur der Nounou doch Neid auf eine scheinbare Dekadenz ihrer Arbeitgeber, die ich persönlich zwischen den Seiten so nicht vergefunden habe. Mir scheint vielmehr Louises Angst vor dem endgültigen, unwiderufbaren sozialen Abstieg und ihr zeitgleicher psychischer Verfall, den Zündstoff für die mörderische Flamme zu liefern. Ausschlaggebend für meine Annahme sind viele kleine Szenen, in der Handlung verstreut wie vergiftete Brotkrumen.

Diese führen die geneigt Leserin Schritt für Schritt zum Haus in dem die böse Hexe gerade dabei ist das Geschwisterpaar zu töten und mich im besonderen zu der Erkenntnis mit welcher Hintersinnigkeit Leila Slimani diese Tragödie, welche sich so oder so ähnlich in den Vereinigten Staaten zugetragen hat, auf die gesellschaftlichen Verhältnisse im heutigen Frankreich umgemünzt hat. Und das wiederum, lässt mich denken, dass der Prix Goncourt doch um einiges verdienter war, als es zunächst den Anschein nahm. Denn aus der Perspektive des Laien heraus ist „Dann schlaf auch du“ zunächst ein untertriebener, ja fast schon spannungsarmer Roman, der seine volle Genialität nur langsam offenbart, und zwar nur denjenigen Leserinnen, die bereit sind sich auch über die Lektüre hinaus mit dem Text und der ihm zugrunde liegenden gesellschaftlichen Dynamik zu beschäfftigen.

Unsere Nanny ist eine Fee

Von: ele aus xxxx Datum : 11.10.2017

Beklemmendes Drama um den Tod zweier Kinder.
Myriam und Paul, ein junges Paar, er Musikproduzent und sie Anwältin, haben zwei Kinder Mila und Adam, Myriam, die nach dem Studium sofort Mutter wurde und dann auch noch Adam bekam, fühlt sich als Hausfrau und Mutter überfordert und dabei doch nicht ausgelastet, eines Tages begegnet ihr eine Studienkollege und bietet ihr an, in seiner Kanzlei einzutreten. Die Eltern machen sich die Suche nach einem Kindermädchen nicht leicht, schließlich wird Louise eingestellt, die perfekte Nanny, sie ist eine Perle, die Kinder lieben sie, für Myriam und Paul wird sie unentbehrlich und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Das Buch ist im auktorialen Stil verfasst. Obwohl der Prolog mit dem Satz „Das Baby ist tot“ beginnt handelt es sich bei vorliegender Geschichte um keinen Kriminalroman. Slimani beschreibt in klaren Worten und in einem nüchternen geradezu abgeklärten Schreibstil, rückblickend, das Leben der Familie, bis es zu dieser schrecklichen Tat kommt. In der Erzählung sind immer wieder Kapitel dazwischen gestreut, in denen der Leser Näheres über Louises Privatleben erfährt, über ihre Tochter, die sich schon sehr bald von zu Hause abgesetzt hat, über ihren Mann der ein Stänkerer und Faulenzer war und ihre Armut, ihr Dahinvegetieren in einer klammen schimmeligen Wohnung und die Probleme die die Schulden ihres Mannes verursachen.
Nachdem ich die Leseprobe gelesen hatte, wollte ich dieses Buch auf jeden Fall haben, der Einstieg haut den Leser geradezu um und er will unbedingt wissen wie diese schreckliche Tat geschehen konnte. Leider lässt die Spannung im Lauf der Geschichte nach. An jeder Stelle des Buches dachte ich, wann kommt der Riss, ab wann zeichnet sich dieses schreckliche Ende ab, was ist der Auslöser, ja der Grund warum Louise derart ausrastet? Leider habe ich auf meine Fragen keine richtige Erklärung gefunden. Ich konnte mit keiner der Charaktere im Buch so richtig warm werden, Myriam, der ihre Karriere wichtiger war als ihre Kinder? Paul, den die Erziehung der Kleinen oder das Gefühlsleben seiner Frau kaum interessiert? Letztendlich Louise, die Täterin, die durchgeknallte Nanny, so perfekt wie sie den Haushalt der Familie führt, wie sie sofort Bezug zu den Kindern aufbaut, wie sie sich in der Familie als moderne Mary Poppins erweist, eigentlich kann ich nicht nachvollziehen wieso sie ihr Privatleben nicht auf die Reihe kriegt. Nach dem Tod ihres Mannes, ignoriert sie sämtliche Briefe und Mahnungen die bei ihr eintreffen. Ihre Einzimmerwohnung ist ein mieses Loch. Da frage ich mich, was Louise mit dem Geld für ihren Job getan hat? Ihre Schulden und ihre Wohnung hat sie damit wohl nicht bezahlt. Essen konnte sie mit den Kindern, sogar in den Sommerurlaub durfte sie mit. Und dennoch hat sie mit ihrem „letzten Geld“, Mila ein Eis gekauft. Die Hilfe die ihr Paul angeboten hat, hat sie auch abgelehnt. Da ist der Roman für mich ein wenig undurchsichtig, dort habe ich keinen Zugang gefunden, nichtsdestotrotz habe ich das Buch an einem Nachmittag durchgelesen. Am Ende hätte ich gerne noch gewusst, wie das Leben der Figuren weitergeht, wie Louise bestraft wird. Insgesamt von mir gutgemeinte 3 Sterne.

Rezension zu Dann schlaf auch du

Von: lebenslesezeit Datum : 06.10.2017

https://lebenslesezeit.jimdo.com/

Klappentext
Sie wollen das perfekte Paar sein, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, alles irgendwie richtig machen. Und sie finden die ideale Nanny, die ihnen das alles erst möglich macht. Doch wie gut kann man einen fremden Menschen kennen? Und wie sehr kann man ihm vertrauen?
Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen - eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissement. Wie mit unsichtbaren Fäden hält Louise die Familie zusammen, ebenso unbemerkt wie mächtig. In wenigen Wochen schon ist sie unentbehrlich geworden. Myriam und Paul ahnen nichts von den Abgründen und von der Verletzlichkeit der Frau, der sie das Kostbarste anvertrauen, das sie besitzen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich die fünfzigjährige Frau zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.

Meine Meinung
Gesehen habe ich das Buch recht häufig auf Instagram jedoch habe ich eine völlig falsche Assoziation bezüglich des Namens gehabt, welche mir im Nachhinein auch echt peinlich ist. Man sollte halt mal recherchieren und nicht nur denken. Aber nun gut. Nachdem ich es dann bei vielen Bloggern/Instagrammern sah, deren Meinung ich sehr schätze und dort auch durchweg positives las, musste ich mich doch mal näher mit dem Buch beschäftigen. Als ich das dann getan hatte, wurde der Wunsch und das Verlangen in mir, das Buch zu lesen, immer größer und ich habe es schließlich beim Bloggerportal angefragt und glücklicherweise auch bekommen. Ich habe es dann auch am gleichen oder übernächsten Tag angefangen und war schon vom ersten Kapitel gefangen. Nicht, dass es eine besonders schöne, traurige oder leidenschaftliche Geschichte wäre. Es ist ein Buch, dass erschreckt und nachdenken lässt. Ich habe es im September gelesen und komme erst jetzt, mindestens eine Woche später dazu, es zu rezensieren, weil mir einfach die Worte dazu fehlen. Es ist so komplex, was das Buch mit einem macht. Wobei ... es ist weniger das Buch, als Leila Slimani. Schließlich hat sie das ja geschrieben und mich, uns, damit in diese Lage gebracht. Kommen wir erst mal zum am "einfachsten" zu beschreibenden an dem Buch. Und zwar der Schreibstil. Zuerst dachte ich, dass es sich hier um ein sehr sehr literarisches Werk handelt, dass auch den dazugehörigen Schreibstil inne hat. Aber dem ist nicht so. Zwar ist es kein 08/15 Schreibstil oder ein besonders einfacher aber er ist sehr gut zu verstehen und man muss die Sätze nicht fünf mal lesen, um zu verstehen, was da jetzt passiert ist. Slimai nimmt einen mit nach Paris zur Familie und zur Nanny. Nebenbei erfährt man auch immer etwas, was vorher war oder parallel. Man kriegt ein paar Eindrücke von Charakteren, die so nicht in der Handlung vorkommen und doch wichtig sind. Und obwohl man alles mitbekommt un miterlebt, versteht man doch nicht so ganz, was da eigentlich passiert ist. Man bekommt es mit aber man versteht es einfach nicht. Eine Person aus dem Verlagswesen sagte zu dem Buch, dass es ganz interessant und das Besondere an der Geschichte ist, dass man nicht wirklich weiß, wem man die Schuld an dem geben soll und kann, was passiert ist. Und da stimme ich zu 100% zu. Man könnte jedem und niemandem die Schuld geben. Immer wenn man denkt "Ja. So wie die die Nanny behandeln, ist es ja verständlich, dass die irgendwann durchdreht", tut sich eine völlig andere Variante auf und man ist wieder am Anfang. Und genau das macht das Buch so unglaublich gut. Es gibt kein richtig und falsch. Kein Schuld und Unschuld, gut und böse. Jeder trägt seinen Teil zu dem, was passiert ist bei ... und das macht das Buch lesenswert!
Ich weiß, dass so eine Lektüre nicht für jeden etwas ist. Aber es ist weder sonderlich brutal noch wertend geschrieben. Und das ist noch ein Punkt, der an Slimani geht. Sie schreibt diese Geschichte mit solch einer Distanz, dass eine Wertung komplett und zu 100% in der Hand des Lesers liegt. Sie schreibt nicht gefühlskalt, sondern distanziert. Sie sagt dem Leser nicht, wer welche Rolle einnimmt und sie bewertet das Geschehene nicht. Der Leser muss hier wirklich selbst denken und fühlen.

Wie gesagt, das Buch wird nicht für jeden etwas sein. Man muss sich zum einen auch für Literatur interessieren, für subtile und ruhige Literatur, die nicht vorschreibt, was man zu fühlen und denken hat und man muss sich drauf einlassen. Auf eine Geschichte, die einen schokiert und nicht mehr loslässt. Eine Geschichte, die einem die Worte nimmt und sprachlos zurücklässt. Aber ich kann es jedem, der sich darauf einlassen möchte, nur ans Herz legen, dieses erstaunliche Buch zu lesen.

Was bleibt ist ein Scherbenhaufen

Von: BuchundBrimborium Datum : 03.10.2017

www.buchundbrimborium.wordpress.com

Ich habe mir am heutigen Tag ein Bild machen können. Von Familien. Von Frauen. Und von ihren Ehemännern. Ihren Kindern. Aber auch von einer gesellschaftlichen Trennung. Einer Schere, die weit auseinander geht. Von Menschen, die von einer Einsamkeit befallen sind, dass es wehtut. Zu allem Übel nicht nur ihnen selbst.

Es gibt Momente in meinem Leben, da mag ich es mir tatsächlich nicht so dramatisch vorstellen – die Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Ich denke, dass es schon irgendwie gehen wird, dass da Menschen sein werden, die einem unter die Arme greifen, dass man ja schließlich alles planen kann – das Leben.

Myriam und Paul, dem Ehepaar aus dem Roman „Dann schlaf auch du“ von Leïla Slimani aus dem Verlag Luchterhand, mag es ähnlich ergangen sein. Sie haben sich allerdings für eine andere Lösung entschieden. Eine Nanny sollte es sein. Vertrauensvoll. Engagiert. Erfahren. Den Fragen im Vorstellungsgespräch gewachsen.

Und sie bekommen eine solche Nanny. Nounou nennen sie sie. Louise heißt sie mit bürgerlichem Namen und ist genau das, was die Familie aus einem besser gestellten Stadtteil von Paris sucht. Denn sie hütet nicht nur die ihr anvertrauten Kinder, sondern kümmert sich dazu noch um den Haushalt, wartet mit kleinen Überraschungen auf, fährt mit in den Familienurlaub. Myriam kann nun endlich wieder ihrem Beruf als Juristin nachgehen, Paul arbeitet wie jeher als Musikproduzent.

Aber nach und nach schleicht sich noch etwas anderes ein. Abhängigkeit. Und zwar auf beiden Seiten. So wie Louise für die Erziehung der Kinder und damit auch das berufliche Leben der Eltern unentbehrlich wird, so kann sich selbst bald ein Leben ohne die Familie nicht mehr vorstellen. Ein schleichender Prozess setzt sich in Gang, dessen Verlauf die psychischen Auffälligkeiten der Kinderfrau nach und nach zutage fördern, während sich Myriam immer öfter mit der Frage auseinandersetzen muss, ob sie nicht gerade wieder vollkommen wegen so mancher Verhaltensweise der Nanny übertreibt. Bis es zu einem Unglück kommt, in dem alle Beteiligten die Verlierer sind.
Für mich ist dieser Roman wie kein anderer. Und er wird mir nachhängen, das ist ganz deutlich. Denn in diesem schmalen Bändchen von nur knapp 230 Seiten werden ganz unterschiedliche Themen aufgegriffen, die allerdings schnell ein Ganzes ergeben.

Da geht es um Frauen. Es geht um Frauen, die arbeiten, den Haushalt besorgen und bestenfalls noch wunderbare Kinder erziehen sollen. Gleichzeitig müssen sie sich damit konfrontiert sehen, den eigenen Idealen und Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden. Es geht hierbei um Myriam, die so unbedingt einem Beruf, den sie liebt, nachgehen möchte und von einem Leben, dass sie allein mit den Kindern in ihrer Wohnung führt, gelangweilt ist. Sie möchte mehr. Und wer würde es ihr verübeln? Es geht auch um Louise, die den Kontakt zu ihrer eigenen Tochter verloren hat. Die verwitwet in einer Wohnung mit einem einzigen Zimmer nahezu am Rande der Gesellschaft lebt, kaum Kontakte pflegt und sich einfach grundlegend einsam fühlt. Und diese Angst vor der Einsamkeit, die sie jeden Abend aufs Neue befällt, wenn sie nach der Arbeit nach Hause fährt, wird zu einem Unglück führen. Aber irgendwie ist es auch die Geschichte von Sylvie, Myriams Schwiegermutter, die weder unterstützend noch verständnisvoll auf ihre Schwiegertochter reagiert. Voller Unverständnis Vorwürfe macht was die Kinder und die Erziehung angeht.

Für mich ist es auch eine Geschichte voller Scham. Scham, den eigenen Träumen und Wünschen nachgekommen zu sein. Diese immer wieder mit einem schlechten Gewissen in Verbindung bringen zu müssen. Allen Parteien gerecht werden zu müssen. Eine Scham der anderen Art ist auch auf der gegenüberliegenden Seite zu finden. Louise schämt sich. Wegen ihrer Wohnung, die sie angemietet hat, von Schimmel befallen und deren Fenster niemals sauber zu sein scheinen. Wegen ihrer Schulden, denen sie sich einfach nicht stellen kann – Briefe werden erst nicht geöffnet und dann vernichtet. Hilfsangebote kann sie nicht annehmen. Und was dann hinzukommt ist die Angst, die sich in ihr aufbaut. Die Angst davor, nicht mehr gebraucht zu werden – krampfhaft versucht sie, die ihr einzig einfallende und logisch erscheinende Lösung durchzusetzen. Allerdings ohne Erfolg.

Ich finde diesen Roman grandios. Kurzweilig ohne platt zu wirken baut dieser Roman chronologisch eine Atmosphäre des Grauens auf. Wir Leser müssen uns am Ende entscheiden – kann man sich doch irgendwie doch mit beiden Parteien identifizieren…

Das lesenswerte Protokoll eines einsamen Lebens - mitten unter uns …

Von: Karla Paul aus Hamburg Datum : 02.10.2017

www.buchkolumne.de

Zwei kleine Kinder sind gewaltsam verstorben. Das Baby, so der Arzt, habe nicht leiden müssen, anders sieht es bei der etwas älteren Schwester aus, der Teppich im Kinderzimmer ist blutgetränkt. Verantwortlich dafür ist ihre Nanny Louise, Mary Poppins im Wolfspelz. Dabei hatten die Pariser Myriam und Paul so ein gutes Gefühl bei ihr, sie las ihnen jeden Wunsch und jedes Problem von den Augen ab, wie ein Hausgeist sorgte sie sich um alles und jeden, wie ein Familienmitglied wurde sie aufgenommen. Aber je näher Louise dem jungen, erfolgreichen Ehepaar und ihren Kindern kommt, desto weniger Fragen werden gestellt. Viel zu groß sind die Probleme, die diese mit ihrem Alltag, ihrer Karriere und den eigenen Bedürfnissen haben, viel zu verblendet sind sie von der Sorge um sich selbst. Bis zum Schluss, bis zur Katastrophe setzt kein Begreifen ein für das, was in ihrem eigenen Heim geschieht …

Die französische Autorin Leila Slimani wurde für diesen Roman mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet, er verkaufte sich in über 30 Länder. Das Problem der sozialen Kälte ist international, Louise könnte überall anheuern, in jeder Großstadt hätten Eltern ihr viel Geld dafür bezahlt, ihre Kinder bei Laune zu halten und bitte bloss nicht selbst noch Befindlichkeiten mitzubringen. Aber welch Mut, die Tat an den Anfang und die Aufklärung dahinter zu stellen und sie einfach so gut zu beschreiben, die Charaktere so sauber und messerschaft zu sezieren, dass sich die Spannung trotzdem weiter bis zum Schluß hält, gar steigert. Das wahre Grauen ist meist das, was uns am nächsten ist und hier setzt Slimani an. Sie lässt uns entscheiden, wer hier eigentlich Täter ist, wer welchen Anteil an der Schuld trägt, sie hat ihre Gesellschaftskritik so geschickt verpackt, dass man sich final selbst Vorwürfe macht. So kann dies nicht nur ein stilistisch feiner, auf hohem Spannungsniveau geschriebener und sehr unterhaltsamer Roman sein, sondern auch ein Ansatz, es besser zu machen, sich umzusehen, sich zu sorgen und zu kümmern, die zu hören, die sonst keine Stimme haben.

ein Thriller, der unter die Haut geht

Von: Renie Datum : 27.09.2017

renies-lesetagebuch.blogspot.de/

Der Roman "Dann schlaf auch du" von Leïla Slimani beginnt mit dem entsetzlichen Ende. Es tritt das ein, was man sich als Eltern nicht vorstellen möchte, und das einem hoffentlich nie passieren wird: Die Kinder sind tot, Mila und Adam Massé, ermordet von der eigenen Nanny Louise. Wie es zu dem Verbrechen kam und was die fürsorgliche Louise, die ihr Leben für die Kinder gegeben hätte, am Ende dazu brachte, ihre Schützlinge zu töten, sind Fragen, auf die dieser Roman Antworten liefert.

Die Tragödie der Familie Massé beginnt mit der Suche nach einem Kindermädchen für Mila und Adam. Lange hat Myriam, die Mutter, überlegt, ob sie diesen Schritt wagen soll. Es ist nicht einfach, die eigenen Kinder in die Obhut einer Fremden zu geben. Man kann einem Menschen schließlich nur vor den Kopf gucken. Doch Myriams Wunsch, wieder zu arbeiten und an einer Welt fernab von Windeln, Spielplätzen und Müttergesprächen teilzuhaben, ist größer als ihre Bedenken. Sie hat sich seit Milas Geburt vor etwas mehr als 3 Jahren, ausschließlich um ihre Kinder und die Wohnung gekümmert. Doch dafür hat sie nicht studiert, um am Ende nichts aus ihrer Ausbildung zu machen. Das Jobangebot eines ehemaligen Kommilitonen erleichtert ihr die Entscheidung zwischen Familie oder Karriere.

Die Eltern Massé entscheiden sich für Louise, um die 50, ein Kindermädchen mit viel Erfahrung und den besten Referenzen. Von Beginn an übernimmt Louise das Zepter im Haushalt der Massés. Sie kümmert sich nicht nur um die Kinder sondern sie kocht, sie wäscht, sie putzt, sie kauft ein. Anfangs hat Myriam ein schlechtes Gewissen, dass sie einen Großteil ihrer Pflichten als Hausfrau und Mutter abgibt. Doch relativ schnell siegt bei ihr die Bequemlichkeit. Louise ist einfach zu perfekt, in dem was sie tut. Ihre Anwesenheit bedeutet eine enorme Entlastung für die Familie. Dank Louise genießen die Massés endlich wieder ihr Familienleben. Und Myriam kann sich voll und ganz dem Neufanfang ihrer Karriere widmen, die sie seit der Geburt der Kinder erst mal auf Eis gelegt hat.

Die Kinder lieben Louise. Mila, die 3-Jährige, scheint jedoch ihren eigenen Kopf zu haben. Sie testet ihre Grenzen gegenüber Louise aus. Am Ende sitzt die Erwachsene jedoch immer am längeren Hebel.

Alles könnte perfekt sein in der Familie Massé, wenn da nicht die kleinen, feinen Spuren wären, die die Autorin Leïla Slimani auslegt. Diese Spuren hinterlassen Risse in dem perfekten Bild von Louise, und man fragt sich, was hinter dieser Fassade steckt, und wer Louise tatsächlich ist, was sie macht, wenn sie keine Kinder hütet, welche Vergangenheit sie hat, wer ihre Freunde sind etc. etc. ... Fragen, die im übrigen so gut wie nie von Louises Arbeitgebern gestellt werden. Louise ist für sie Mittel zum Zweck und Bewahrerin des familiären Wohlfühlfaktors. Jemand, der einem das Leben erleichtert, weil er sich der meisten Alltagspflichten annimmt. Der Mensch Louise ist dabei uninteressant.

Mit der Zeit nimmt das Unbehagen über Louise zu. Durch einen stetigen Wechsel in den Erzählperspektiven lernt der Leser Louise kennen, aus welchen Verhältnissen sie kommt, wie die Nachbarn sie sehen, ja sogar, welches Verhältnis die eigene Tochter zu Louise hatte und hat.

Und von Louise entsteht das Bild einer Frau, der man am besten nicht seine Kinder anvertraut hätte. Sie wird von der perfekten und liebevollen Nounou zu einer seelisch gestörten Frau, die es nicht ertragen würde, nicht mehr gebraucht zu werden.

Dieser Gedanke setzt sich bei ihr fest. Insbesondere als sie feststellt, dass die anfängliche Sympathie der Eltern in Aversion umschlägt. Louise legt merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag, die nicht mit dem Bild der liebevollen Nanny, zu vereinbaren sind. Die Eltern ahnen, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Aber sie zögern den Moment, sich von Louise zu trennen, hinaus. Ein fataler Fehler!

"Louise wartet. Sie beobachtet die Kinder, wie man einen frisch geangelten Fisch mit blutigen Kiemen betrachtet, dessen Körper im Todeskampf zuckt. Den Fisch, der im Bootsrumpf zappelt und erschöpft nach Luft schnappt, den Fisch, der keine Chance hat, davonzukommen." (S. 47)

Leïla Slimani hat mit diesem Roman einen Psychothriller geliefert, der unter die Haut geht und dabei fast ohne Blut auskommt. Hier wird mit der Urangst von Eltern gespielt, nämlich der Angst, dass dem eigenen Kind etwas zustößen könnte. Trotzdem man durch den Romananfang weiß, was passieren wird, begleitet den Leser während der kompletten Lektüre ein gewisses Unbehagen. Man schwankt zwischen Verständnis und Unverständnis für die Eltern. Jede Frau, die in ihrem Beruf aufgegangen ist und sich entschieden hat, aufgrund der Kinder Hausfrau und Mutter zu sein, wird sich fragen, ob diese Entscheidung richtig war. Daher ist es prima, wenn die Möglichkeit besteht, Karriere und Kind miteinander zu vereinbaren. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man sein Kind in fremde Hände zur Betreuung gibt. Dass diese fremden Hände dem Kind jedoch schaden könnten, ist nichts, woran man zu denken wagt. Und in diesem Roman denkt man permanent daran.

Fazit:
Ein sehr intensiver Thriller, der unter die Haut geht, weil er mit den Ängsten von Eltern spielt und solchen, die noch Eltern werden wollen. Hier ist Hochspannung garantiert!

Düstere und beklemmende Familientragödie grandios geschrieben

Von: Seehase1977 Datum : 22.09.2017

seehases-lesewelt.blogspot.de/

Myriam und Paul und ihre beiden Kinder sind vordergründig die perfekte Familie. Doch hinter den Kulissen brodelt es, denn das Paar möchte Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, was ohne Hilfe nur schwer gelingt. Ein Elternteil muss immer zurückstecken. Doch dann finden die beiden das ideale Kindermädchen. Louise ist der Traum von einer Nanny, sie kümmert sich nicht nur um die Kinder, Louise kocht, backt und hält die Wohnung sauber. Schon nach wenigen Wochen ist die Nanny unentbehrlich geworden. Myriam und Paul bemerken nicht, wie Louise immer mehr das Zepter in der Hand hält und die kleine Familie lenkt wie Marionetten an unsichtbaren Fäden.

Niemand ahnt, dass das dunkle Abgründe und tiefe Einsamkeit das Leben von Louise bestimmen. Die kleine Familie treibt langsam, aber unaufhaltsam auf eine schreckliche Tragödie zu…

Meine Meinung:

„Dann schlaf auch Du“ von Leila Slimani ist ein Buch, welches nicht eindeutig einem bestimmten Genre zugeordnet werden kann. Für mich war das Buch Psychothriller, Familiengeschichte und Drama zugleich. Ein Roman, der mich geschockt wie fasziniert zurückgelassen hat.

Leila Slimani startet ihren Roman wie andere Autoren ihre Bücher beenden. Nämlich mit der Auflösung der Geschichte. Das Kindermädchen Louise tötet die beiden ihr anvertrauten kleinen Kinder ihrer Arbeitgeber. Mein erstes Gefühl war Enttäuschung. Warum soll ich ein Buch zu Ende lesen, wo ich doch das Ende gleich im ersten Kapitel auf dem Silbertablett präsentiert bekomme. Doch was bleibt ist die Frage nach dem Warum und genau hier setzt Slimani an und beleuchtet Seite um Seite die Geschichte eines Dramas, einer Familientragödie.

Der Leser lernt Myriam und Paul kennen, die jungen Eltern der Kinder Mila und Adam. Beide wollen Kinder und Job unter einen Hut bekommen, was selten gelingt und worunter vor allem Myriam immer mehr leidet. Das Leben als Vollzeitmutter und Hausfrau liegt ihr nicht. Als die beiden die Nanny Louise engagieren, kann das Paar sein Glück kaum fassen. Die Fünfzigjährige entpuppt sich nicht nur als liebevolle Kinderbetreuung, sie ist auch Putzfee und Küchenengel zugleich. Alle sind glücklich und zufrieden. So scheint es zumindest, jedoch steuern die Eheleute direkt auf die totale Abhängigkeit von ihrer Kinderfrau zu. Louise macht sich unentbehrlich. Die Autorin gibt nach und nach immer mehr über die Hintergründe, über das Leben der Nanny preis und zum Vorschein kommt eine zutiefst einsame, verzweifelte und irgendwie auch hilflose Frau, die für ihr neues Glück, ihre neue Familie alles geben würde.

Leila Slimani schildert die Geschichte einfach grandios. Ihr Erzählstil wirkt scheinbar objektiv und emotionslos, genau damit fesselt sie ihre Leser. Sie baut feine Spannung auf und schockiert mit vordergründig einfachen, nebensächlichen Sätzen. Außerdem schlägt die Autorin einen sanften, gesellschaftskritischen Unterton an, ohne anklagend zu werden.

Den wenigen Protagonisten wurden ausgereifte und tiefgründe Charaktere zugeschrieben. Nie wirkten sie auf mich oberflächlich oder langweilig, sondern lebendig und authentisch.

Mein Fazit:

„Dann schlaf auch Du“ von Leila Slimani ist ein großartiges, sprachgewaltig erzähltes Buch und Psychothriller, Drama, Familiengeschichte und Gesellschaftsroman zugleich. Silmani rollt die Geschichte von hinten auf, der Schluss wird vorweggenommen und das Augenmerk liegt allein auf der Frage nach dem „Warum?“

Leila Slimanis Buch hat mich gefesselt, schockiert und gleichzeitig auch unheimlich traurig gemacht. Von mir gibt es eine ganz klare und absolute Leseempfehlung.

Unheimlich tolles Buch!

Von: Judith Datum : 22.09.2017

www.polanka.de

Ein unheimlich tolles Buch - sowohl unheimlich als auch unheimlich toll! Der erste Satz und das erste Kapitel deuten die Tragödie an, aber das was dann kommt, ist noch viel schaudernder, aber gleichzeitig großartig. Vor allem sprachlich ist das Buch eine Wucht. Ich kann es nur empfehlen!

Düster und bedrückend

Von: Buchlieblinge Datum : 20.09.2017

www.buchlieblinge.de

Inhalt:

Myriam und Paul möchten gerne Kinder und Beruf unter einen Hut bringen. Doch sie möchten ihre Kinder Mila und Adam nicht einfach irgendeinem Kindermädchen anvertrauen, sondern sind bei der Auswahl sehr gewissenhaft. Doch es dauert nicht lange und die perfekte Nanny ist gefunden: Louise. Schon bald ist Louise für die Familie unentbehrlich geworden und die unaufhaltsame Tragödie nimmt ihren Lauf.

Meine Meinung:

Das nostalgische Cover ist mir sofort aufgefallen. Es strahlt auf mich etwas Faszinierendes, aber auch etwas Beängstigendes aus. Schon nach ein paar Seiten wird klar, welchen Bezug das Cover zum Buch hat. Daher finde ich es perfekt gewählt.

Der Schreibstil von Leïla Slimani hat mir sofort gut gefallen, denn er ist sehr einfach und leicht zu lesen. Auch ist das Buch mit seinen 224 Seiten nicht gerade dick und somit schnell gelesen.

Allerdings ist der Inhalt des Buches alles andere als leicht. Schon auf den ersten Seiten wird der Leser mit dem Tod von Mila und Paul konfrontiert. Somit ist klar, dass das Buch kein gutes Ende für die Familie nehmen wird. Unklar ist nur, warum das alles passieren muss. Durch das komplette Buch zieht sich ein düsterer Schauer, auch wenn nicht alle Ereignisse wirklich traurig und niederdrückend sind. Gerade zu Anfang passieren eigentlich viele schöne Dinge. Dennoch kann man als Leser den Kopf einfach nicht ausschalten und muss mitansehen, wie die Familie in ihr Verderben steuert. Für mich war es sehr hart, das alles beim Lesen auszuhalten.

Denn Mila und Adam sind absolute Wunschkinder und Myriam und Paul überglücklich, sie zu haben. Dennoch wird schnell klar, dass Myriam mit der Kinderbetreuung völlig überfordert ist und sich nach ihrem Job als Juristin zurücksehnt. Denn auch Paul hat als Musikproduzent ein erfülltes Berufsleben. Als Myriam dann ein verlockendes Jobangebot erhält, beschließt sie gemeinsam mit Paul, eine Nanny einzustellen. Die beiden machen es sich nicht leicht und prüfen die Bewerberinnen wirklich gründlich. Denn die Angst ist groß, dass Mila und Adam nicht liebevoll und zuverlässig betreut werden könnten.

Mit Louise scheinen sie die perfekte Nanny für ihre Kinder gefunden zu haben. Denn Louise hat bereits eine erwachsene Tochter, ist ansonsten ungebunden und kommt auf Anhieb mit den Kindern klar. Auch ist sie sehr ordnungsliebend und schmeißt somit neben der Kinderbetreuung auch noch Myriams Haushalt. Für Myriam und Paul könnte es nicht perfekter laufen.

Doch nach und nach lässt Leïla Slimani den Leser hinter die Fassade von Louise blicken. Man erfährt etwas über ihre Ehe mit dem verstorbenen Jacques und über ihre Tochter Stéphanie. Was man nun erfährt hat nichts mit dem Scheinbild zu tun, das Louise um sich aufgebaut hat. Die Gefahr für Mila und Paul wird mit jeder gelesenen Seite greifbarer, erdrückender und unausweichlich. Man wünscht sich so sehr, dass doch noch etwas am Schicksal gedreht werden kann ... Aber vergebens ...

Dieses Buch hat mich wirklich absolut in seinen Bann gezogen. Einfach weil es so furchtbar realistisch ist. Das Thema Kinderbetreuung und Berufsleben ist ja doch allgegenwärtig. Mich hat der Schreibstil von Leïla Slimani absolut gefesselt und ich denke, die Geschichte wird noch einige Zeit bei mir nachhallen.

Mein Fazit:

Eine sehr bedrückende, aber durchaus realistische Geschichte, die mich als Mutter noch eine ganze Weile beschäftigen wird. Der flüssige und spannende Schreibstil hat das Buch zu einem absoluten Lese-Highlight gemacht, das ich unbedingt weiterempfehlen möchte.

Düster und bedrückend

Von: Buchlieblinge Datum : 20.09.2017

www.buchlieblinge.de

Inhalt:

Myriam und Paul möchten gerne Kinder und Beruf unter einen Hut bringen. Doch sie möchten ihre Kinder Mila und Adam nicht einfach irgendeinem Kindermädchen anvertrauen, sondern sind bei der Auswahl sehr gewissenhaft. Doch es dauert nicht lange und die perfekte Nanny ist gefunden: Louise. Schon bald ist Louise für die Familie unentbehrlich geworden und die unaufhaltsame Tragödie nimmt ihren Lauf.

Meine Meinung:

Das nostalgische Cover ist mir sofort aufgefallen. Es strahlt auf mich etwas Faszinierendes, aber auch etwas Beängstigendes aus. Schon nach ein paar Seiten wird klar, welchen Bezug das Cover zum Buch hat. Daher finde ich es perfekt gewählt.

Der Schreibstil von Leïla Slimani hat mir sofort gut gefallen, denn er ist sehr einfach und leicht zu lesen. Auch ist das Buch mit seinen 224 Seiten nicht gerade dick und somit schnell gelesen.

Allerdings ist der Inhalt des Buches alles andere als leicht. Schon auf den ersten Seiten wird der Leser mit dem Tod von Mila und Paul konfrontiert. Somit ist klar, dass das Buch kein gutes Ende für die Familie nehmen wird. Unklar ist nur, warum das alles passieren muss. Durch das komplette Buch zieht sich ein düsterer Schauer, auch wenn nicht alle Ereignisse wirklich traurig und niederdrückend sind. Gerade zu Anfang passieren eigentlich viele schöne Dinge. Dennoch kann man als Leser den Kopf einfach nicht ausschalten und muss mitansehen, wie die Familie in ihr Verderben steuert. Für mich war es sehr hart, das alles beim Lesen auszuhalten.

Denn Mila und Adam sind absolute Wunschkinder und Myriam und Paul überglücklich, sie zu haben. Dennoch wird schnell klar, dass Myriam mit der Kinderbetreuung völlig überfordert ist und sich nach ihrem Job als Juristin zurücksehnt. Denn auch Paul hat als Musikproduzent ein erfülltes Berufsleben. Als Myriam dann ein verlockendes Jobangebot erhält, beschließt sie gemeinsam mit Paul, eine Nanny einzustellen. Die beiden machen es sich nicht leicht und prüfen die Bewerberinnen wirklich gründlich. Denn die Angst ist groß, dass Mila und Adam nicht liebevoll und zuverlässig betreut werden könnten.

Mit Louise scheinen sie die perfekte Nanny für ihre Kinder gefunden zu haben. Denn Louise hat bereits eine erwachsene Tochter, ist ansonsten ungebunden und kommt auf Anhieb mit den Kindern klar. Auch ist sie sehr ordnungsliebend und schmeißt somit neben der Kinderbetreuung auch noch Myriams Haushalt. Für Myriam und Paul könnte es nicht perfekter laufen.

Doch nach und nach lässt Leïla Slimani den Leser hinter die Fassade von Louise blicken. Man erfährt etwas über ihre Ehe mit dem verstorbenen Jacques und über ihre Tochter Stéphanie. Was man nun erfährt hat nichts mit dem Scheinbild zu tun, das Louise um sich aufgebaut hat. Die Gefahr für Mila und Paul wird mit jeder gelesenen Seite greifbarer, erdrückender und unausweichlich. Man wünscht sich so sehr, dass doch noch etwas am Schicksal gedreht werden kann ... Aber vergebens ...

Dieses Buch hat mich wirklich absolut in seinen Bann gezogen. Einfach weil es so furchtbar realistisch ist. Das Thema Kinderbetreuung und Berufsleben ist ja doch allgegenwärtig. Mich hat der Schreibstil von Leïla Slimani absolut gefesselt und ich denke, die Geschichte wird noch einige Zeit bei mir nachhallen.

Mein Fazit:

Eine sehr bedrückende, aber durchaus realistische Geschichte, die mich als Mutter noch eine ganze Weile beschäftigen wird. Der flüssige und spannende Schreibstil hat das Buch zu einem absoluten Lese-Highlight gemacht, das ich unbedingt weiterempfehlen möchte.

Die Nanny

Von: Das Echo vom Alpenrand Datum : 20.09.2017

https://derachentaler.de

Myriam, erfolgreich promovierte Anwältin, leidet zunehmend unter ihrer alleinigen Rolle als Mutter und sie fühlt sich immer elender. Ihr Selbstwertgefühl ist auf einem ziemlichen Nullpunkt angelangt, und so ergreift sie kurzentschlossen die Gelegenheit in der Anwaltskanzlei eines ehemaligen Kommilitonen wieder ins Berufsleben einzusteigen. Ihr Ehemann Paul steht diesem Wunsch zunächst skeptisch gegenüber. Doch als sie Louise, eine, als Perle geschilderte Nanny kennenlernen, glauben sie die perfekte Lösung gefunden zu haben um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Paul und Myriam verlassen sich mehr und mehr auf die ihnen eigentlich unbekannte Frau. Obwohl sie Louise teilweise sogar an ihrem Leben teilhaben lassen, wissen sie im Grunde genommen nichts über sie und so sind sie weit davon entfernt zu ahnen auf welche Katastrophe sie unaufhaltsam zusteuern.

Fazit
Eine ungewöhnliche Geschichte, die sich absehbar ihrem vorweggenommenen Ende nähert, bevor es zum dramatischen Showdown kommt. Ein Buch das zum Nachdenken anregt und einen noch lange beschäftigt.

Die Bedrohung von innen

Von: Barbara62 Datum : 13.09.2017

mit-büchern-um-die-welt.de/

Frankreich ist im Oktober 2017 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse und aus diesem Grund liegt derzeit ein besonderer Fokus auf der Literatur unseres Nachbarlands. Vor allem eine Neuerscheinung hat dabei mein Interesse geweckt: "Dann schlaf auch du", 2016 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet, das zweite Buch der 1981 in Rabat geborenen, mit 17 Jahren zum Studium nach Paris übersiedelten Autorin Leïla Slimani. Der Roman stand monatelang auf der französischen Bestsellerliste, was nicht immer selbstverständlich mit der Auszeichnung einhergeht.

Bereits mit dem ersten Satz schlägt Leïla Slimani zu: „Das Baby ist tot.“ Und zwei Seiten später heißt es am Schluss des ersten Kapitels: „Adam ist tot. Mila wird ihren Verletzungen erliegen.“ Zwei tote Kinder, erstochen von der vermeintlich perfekten Nanny - wie konnte es zu dieser Tragödie kommen?

Etwas mehr als 200 Seiten lang berichtet die Autorin nüchtern und ohne zu (ver-)urteilen über die Vorgeschichte des Doppelmords. Sie erzählt von den Eltern, der arabischstämmigen Myriam, der nach der Geburt ihrer Kinder zuhause die Decke auf den Kopf fällt, und die wieder in ihren geliebten Beruf als Anwältin einsteigt, und Paul, dem Musikproduzenten. Als Louise sich bei Ihnen vorstellt, ist es Liebe auf den ersten Blick von Seiten der Eltern und der Kinder. Louise ist die gute Fee, die nicht nur Adam und Mila betreut und letztere bändigt, sie verwandelt die Wohnung in einen hellen, ruhigen, aufgeräumten Ort, kocht für die Familie und deren Gäste und bleibt abends so lange, bis Myriam spät aus dem Büro kommt: „Louise ist da und hält diese fragile Konstruktion aufrecht. Myriam lässt sich bereitwillig bemuttern. Jeden Tag überlässt sie einer dankbaren Louise weitere Aufgaben.“ Und: „Sie ist die Wölfin mit der Zitze, an der sie alle trinken, die verlässliche Quelle ihres Familienglücks.“ Alle beneiden die Familie Massé um diese „Nounou“, doch schlich sich bei mir relativ früh auch ein latentes Gefühl der Bedrohung ein. Und auch Myriam und Paul spüren sie. Louise kommt immer früher und geht immer später, „baut sich beharrlich ihr Nest inmitten der Wohnung“ und übernimmt immer mehr die Kontrolle. Sie ist unverzichtbar und doch träumt Paul schließlich davon, „sich von Louises Herrschaft zu emanzipieren“ und Myriam „würde sie gerne aus ihrem Leben verschwinden lassen“, aber viel zu tief sind bereits die Abhängigkeiten. Dabei wissen die Massés eigentlich kaum etwas über Louise, über ihre finanziellen und familiären Schwierigkeiten, ihre Vergangenheit, ihr Außenseiterdasein als Weiße unter den meist farbigen Nannys und ihre Angst, nicht mehr gebraucht zu werden, wenn Adam in den Kindergarten kommt.

Herausragend an Leïla Slimanis Roman waren für mich die Milieuschilderungen der bürgerlichen Mittelschicht, der Generation Y und des Prekariats, die fast protokollarisch wirkende, knappe Erzählweise, bei der es meist nicht einmal Kapitelüberschriften gibt, und das schrittweise einsetzende Gänsehautgefühl, das sich schnell bei mir einstellte und bis zum Ende nicht mehr verschwand.

Bitteres Lied

Von: Elke Heid-Paulus Datum : 13.09.2017

www.lovelybooks.de/mitglied/Havers/rezensionen/

Der Tod eines Kindes – für alle Eltern DIE Katastrophe schlechthin. Rund um diesee Thematik hat die französisch-marokkanische Autorin Leila Slimani ihren Roman „Dann schlaf auch du“ (im Original „Chanson douce“) angelegt, der 2016 mit dem renommierten Literaturpreis Prix Goncourt ausgezeichnet wurde.

Vater, Mutter, Kinder - eine Bilderbuchfamilie in gesicherten Verhältnissen, bei der alles passt. Paul, der Vater, Musikproduzent und beruflich stark engagiert, Myriam, die Mutter, ausgebildete Juristin, zunehmend unzufrieden mit ihrer Lebenssituation, erschöpft von dem täglichen Einerlei mit den Kindern, möchte wieder in den Beruf zurück. Also suchen und finden sie eine Kinderfrau. Kein junges Ding, sondern Louise, eine gestandene Frau, alleinstehend mit einer erwachsenen Tochter. Die Kinder lieben sie, aber auch Paul und Myriam sind restlos begeistert, denn nebenher nimmt ihnen Louise auch noch jede Menge alltägliche Verrichtungen ab, weshalb sie auch schnell zum unverzichtbaren Bestandteil der Familie wird. Aber genau so, wie die Familie sich in Abhängigkeit von Louise begibt, vereinnahmt auch diese nach und nach deren Alltag. Es ist ein langsamer, schleichender Prozess, und bis sich Paul und Myriam darüber bewusst werden, dass ihre Kinderfrau massive Probleme – nicht nur psychischer Art – hat, ist es bereits zu spät und das Unglück geschehen.

Die Geschichte, die Slimani erzählt, ist bitter. Denn gerade die Kleinkindbetreuung ist auch in Deutschland für viele Berufstätige ein Thema. Das Kind jemandem anzuvertrauen, von dem man eigentlich nichts weiß, dürfte, wie bei dieser französischen Familie, auch hier die Regel sein. Zu erwarten, dass die Nanny das fremde Kind wie ihr eigenes liebt, scheint illusorisch, denn trotz allem macht Louise diesen Job zum einen, um ihrer Einsamkeit, ihrem tristen Alltag zu entfliehen, zum anderen ist sie hoffnungslos verschuldet und auf den Verdienst angewiesen. Die Arbeitgeber wissen das nicht, für sie ist diese Frau ein Dienstbote, sie als Person interessiert sie nicht, entscheidend ist nur das Resultat ihrer Beschäftigung. Selbstverwirklichung und Bequemlichkeit, auf diesem Altar wird letztendlich das Leben der Kinder geopfert. Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen – bis es zu spät ist.

Slimani rollt den Fall von hinten auf. Sie schreibt nüchtern und klar, emotionslos und als distanzierter Beobachter. Damit schildert sie umso eindringlicher den Weg in die Katastrophe. Gleichzeitig hält sie der französischen Gesellschaft, noch immer eine Klassengesellschaft und im Standesdenken verhaftet, damit einen Spiegel vor. Oben und unten, Herren und Diener, wobei die Herren keine Veranlassung sehen, sich für das Schicksal und die Befindlichkeiten der Diener zu interessieren.

Bewegend und intensiv

Von: Sarahs Bücherregal Datum : 13.09.2017

https://sarahs-buecherregal.blogspot.com

Myriam und Paul sind ein erfolgreiches Ehepaar, sie ist Anwältin und er arbeitet als Musikproduzent. Nach der Geburt der Kinder Mila und Adam bleibt Myriam zunächst zu Hause, doch nach einiger Zeit frustriert sie ihr Leben als Hausfrau, sie will zurück in den Job. Eine Nanny soll sich um die Kinder kümmern und so kommt die Familie zu Louise. Sie scheint perfekt, sie kocht, putzt und die Kinder lieben sie abgöttisch. Louise wird zum Mitglied der Familie, immer flexibel, immer da und auch im Urlaub mit dabei. Louise ist unersetzlich, bis das Unvorstellbare passiert.
Leïla Slimanis Roman „Dann schlaf auch du“ ist der intensivste Roman, den ich seit langem gelesen habe. Geschickt erhöht sie durch Rückblenden und Perspektiven anderer Figuren die Spannung und kommt doch immer wieder zurück auf das Zentrum der Geschichte, das Familienleben von Myriam und Paul mit den Kindern und Louise. Da man gleich zu Beginn erfährt, dass etwas wahrlich grausames passiert, wird die Lektüre umso eindringlicher und bewegender, denn über all den glücklichen Szenen schwebt das unweigerliche Damoklesschwert des eigentlich bereits vorweg genommen Endes. Ich habe den Roman fast in einem Zug durchgelesen, weil ich mich von der Spannung und den Figuren nicht lösen konnte und wider besseren Wissens doch irgendwie die ganze Zeit gehofft habe, es ginge noch gut aus.
Besonders fasziniert hat mich die absolute Neutralität, mit der Leïla Slimani die Geschichte erzählt, es gibt keine Schuldzuweisungen, keine Erklärungsversuche, sie stellt die Geschichte einfach dar und überlässt es dem Leser, zu urteilen und sich eine Meinung zu bilden. Es geht nicht um Gut oder Böse, um Schuld oder Unschuld, um Rabenmütter oder Vollzeithausfrau, es geht einfach nur um die einzelne Geschichte und ihren Verlauf, ohne Vorbild oder Beispiel zu sein.

Der Roman „Dann schlaf auch du“ von Leïla Slimani ist ein beeindruckendes Buch, eine kleine Sternstunde für alle Leser. Für mich ist es das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe und es wird mich sicher so schnell nicht loslassen, daher kann ich nur jedem Leser dieses ganz besondere Buch ans Herz legen: Bitte lest es!

Psychotische Nanny torpediert den Alltag einer jungen Familie - Psychothriller, den man nicht mehr aus der Hand legen kann

Von: schnäppchenjägerin Datum : 12.09.2017

erdbeersekt-testet.blogspot.de/

Myriam und Paul Massé sind verheiratet und haben zwei kleine Kinder. Myriam fühlt sich zu Hause unterfordert und als die studierte Juristin nur noch müde und gelangweilt ist, beschließt das Paar, sich eine Nanny zu leisten, damit auch Myriam wieder arbeiten gehen kann.

Mit Louise haben sie die perfekte Kinderfrau gefunden. Die Kinder mögen sie auf Anhieb und wie eine Perle kümmert sich Louise bald nicht nur um die Kinder, sondern erledigt auch ungefragt viele Tätigkeiten im Haushalt, geht einkaufen und kocht für Familie und Freunde.

Myriam und Paul können sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren und werden von Bekannten, um ihre zuverlässige "Nounou" beneidet. Je mehr sich Louise in der Pariser Altbauwohnung unentbehrlich macht, desto unangenehmer wird ihnen diese für sie eigentlich fremde Frau. Sie wissen nichts über ihre Herkunft, dass ihr Mann Jacques vor Kurzem verstorben ist und einen Berg Schulden hinterlassen hat, dass sie in einem schäbigen Einzimmerappartement haust und ihre eigene Tochter Stéphanie nicht im Griff hatte.

Immer häufiger kommt es zu unangenehmen Situationen, wenn Myriam oder Paul mit Louise nicht einer Meinung sind. Diese gibt zwar kaum Widerworte, der unterschwellige Zorn und der Neid auf das Leben der Besserverdiener ist jedoch spürbar.

Das Buch beginnt mit dem Ende der Tragödie und in einer chronologischen Rückblende erfährt der Leser, wie es dazu kommen konnte und ob es Anzeichen gegeben hätte, das Drama zu verhindern.
Der Roman stellt die Unterschiede der Pariser Gesellschaft sehr eindringlich dar. Auf der einen Seite hat man das bürgerliche Paar, das genügend verdient, um in einer schicken Altbauwohnung im 10. Arrondissement zu wohnen und sich als Doppelverdiener, die sich in ihrem Beruf verwirklichen wollen, eine Nanny leisten können. Auf der anderen Seite ist die soziale Unterschicht, die in den Banlieues wohnt, die sich mit schlecht bezahlten Jobs über Wasser hält. Menschen wie Louise, die vom eigenen Ehemann oder gierigen Vermietern unterdrückt werden und die anderen Nannys aus dem Maghreb oder Asien, die für einen geringen Lohn für gut situierte Paare arbeiten.

Ob der soziale Neid oder der Druck, der auf Louise lastete Auslöser für die dramatischen Ereignisse war oder ob das Kindermädchen psychisch krank war, bleibt am Ende offen, was ich etwas schade fand. Ich hätte gern mehr über die Motive von Louise und ihre Verhaltensveränderung gegenüber den Kindern erfahren.

Auch wenn das Ende schon zu Beginn vorweg genommen wird, bleibt der Roman durchgehend spannend geschrieben. Louise verursacht durch ihre biedere, verbissene Art bereits sehr früh ein unbehagliches Gefühl und löst Gänsehaut aus. Man spürt die Spannung in der Familie und fragt sich, warum es sich Myriam und Paul so einfach gemacht haben, die Anzeichen der Gefahr für ihre Kinder nicht erkennen konnten oder wollten und sich nicht mehr mit ihrem Kindermädchen auseinandergesetzt haben. Obwohl sie im Kontakt mit Louise zunehmend ein ungutes Gefühl hatten, war es ihnen wichtiger, ihre Kinder versorgt zu wissen, als sich nach einem harten Arbeitstag auch noch Gedanken um eine andere Lösung zu machen.

"Dann schlaf auch du" ist ein schockierender Psychothriller, der zeigt, wie hoch der Preis für das bisschen Glück eines perfekten Familienlebens ist und der die Schere zwischen Arm und Reich sehr realitätsnah und aus dem Leben gegriffen schildert. Für meinen Geschmack hätte der kurze Roman noch etwas ausführlicher sein können, insbesondere um das Handeln von Louise besser verstehen zu können oder um mehr Raum für eine detailliertere Aufklärung des Mords durch die Kommissarin Nina zu haben.

Beklemmende Tour de Force

Von: Readaholic aus Trippstadt Datum : 24.08.2017

Das Buch beginnt mit einem Paukenschlag: zwei kleine Kinder wurden ermordet, offensichtlich von ihrem Kindermädchen. Nach diesem schockierenden Auftakt erfährt der Leser in Rückblenden Details über das Leben der Nanny, Louise, sowie des jungen Paares Myriam und Paul mit ihren Kindern Mila und Adam.
Louise zu finden erscheint dem Ehepaar zunächst wie ein Segen. Die Nanny, die immer gepflegt und pünktlich ist, von den Kindern geliebt wird, der nie etwas zu viel ist und die zudem hervorragend kocht und die Wohnung in Schuss hält. Myriam und Paul werden von ihren Freunden um sie beneidet.
Doch nach und nach erscheinen kleine Risse in der perfekten Fassade. Der Leser ahnt schon vor Myriam und Paul - spätestens bei der Schilderung des grausamen Versteckspiels, das Louise mit den Kindern spielt -, dass mit ihr etwas nicht stimmen kann. Paul, der eines Tages früher als sonst nach Hause kommt, erwischt Louise dabei, wie sie die kleine Mila wie eine Prostituierte geschminkt hat. Er ist entsetzt, doch es folgen keine Konsequenzen. Auch Myriam macht unangenehme Erfahrungen mit dem Kindermädchen, das sich mehr und mehr in ihrem Leben breitmacht, indem sie sogar manchmal die Nacht in der Wohnung verbringt.
Alle warnenden inneren Stimmen werden ignoriert. Die Kinder lieben ihre Nanny, und für Paul und Myriam gehen die Bequemlichkeit sowie ihre Karrieren vor.
Mit atemloser Spannung verfolgt man als Leser die unheilvolle Entwicklung, weiß man doch von Anfang an, in welcher Katastrophe sie enden wird.
„Nun schlaf auch du“ ist ein faszinierendes Buch, das man kaum aus der Hand legen kann. Man taucht tief ein in die Welt der arbeitenden jungen Ehepaare, die ihre Karriere über alles andere stellen, und die diametral entgegengesetzte Welt der Kindermädchen aus aller Welt, die sich um die Kinder dieser Ehepaare kümmern und deren Sorgen ganz anderer Art sind. Die virtuose Erzählweise der Autorin sowie die hervorragende Übersetzung aus dem Französischen machen dieses Buch zu etwas ganz Besonderem.

Segen oder Alptraum?

Von: Karin Pangl aus Leobersdorf Datum : 23.08.2017

Beeindruckend. Dann schlaf auch Du kommt vom Cover her ganz leise daher, entpuppt sich aber als packender Psychothriller. Das Baby ist tot - der erste Satz erzeugt einen Sog dem man nicht entkommt. Ein intensives Buch über das Verlangen und die Zerrissenheit von Frauen allem und sich selbst gerecht zu werden, über Einsamkeit und Verzweiflung, über Wünsche und Abgründe. Die Geschichte hat mich gepackt, fasziniert und ordentlich durchgeschüttelt. Ein anfänglicher Segen endet im Horror.

Eindringliches Protokoll eines Dramas

Von: ulrikerabe aus Perchtoldsdorf Datum : 19.08.2017

www.facebook.com/mrsrabesbookaccount

Dieses Buch beginnt mit aller Wucht. Das Schlimmste, was passieren kann, tritt ein. Ein Baby tot, das Kleinkind schwerst verletzt. Der Schrei der verzweifelten Mutter schallt laut, so laut durch das Haus.
Was ist hier passiert, was hat hinter dieser wunderbaren gutbürgerlichen Fassade so geschwelt, dass zu dieser Explosion gekommen ist?
Das junge Paar Myriam und Paul Massé sucht nach einer Nanny für die Kinder. Myriam, die anfangs in ihrer Mutterrolle aufgegangen ist, nur sie meinte zu wissen, was gut für die geliebten Kleinen gut ist, will wieder arbeiten. Sie durchlebt das, was vielen Müttern passiert, ausgelaugt von der täglichen Routine, intellektuell unausgelastet, schier am Verzweifeln. Sie fressen mich auf, klagt sie manchmal.
Mit äußerster Sorgfalt wählen die Massès die Frau aus, die auf ihre Kinder aufpassen soll, nicht ohne Papiere, keine Kinder soll sie haben, zumindest nicht in Frankreich, kein Kopftuch. Sie entscheiden sich für Louise, eine zarte mittelalte Französin mit guten Referenzen.
Hin und her gerissen zwischen dem schlechten Gewissen den Kindern gegenüber und dem immer erfolgreicheren Berufsleben überlasst Myriam blad das Regiment der Erziehung, aber auch der Haushaltsführung gänzlich Louise. Paul, für den es beruflich auch aufwärts geht, beäugt die Verschiebung der Verhältnisse manchmal kritisch, verzichtet aber zugunsten der Bequemlichkeit auf eine Auseinandersetzung sowohl mit seiner Frau als auch mit dem Kindermädchen.
Louise beginnt immer mehr Platz im Leben der Massés einzunehmen, lebt beinahe deren Leben, bis ihre Vergangenheit sie einholt.
Leila Slimani schafft mit ihrem literarischen Protokoll eines schrecklichen Verbrechens ein ungemein dichtes Psychodrama. Vor allem die Gegenüberstellung der Bedürfnisse Myriams und Louises zeigt, wie trotz aller Emazipation auch heute noch Frauen versuchen müssen, mehrere Leben miteinander zu vereinbaren. Der Vater, hier Paul, bleibt da zu meist immer noch Statist. Im Grunde beuten Frauen Frauen aus, um selbst im Berufsleben aufgerieben zu werden. Das Nur-Muttsersein findet selbst unter Frauen weder Anerkennung noch Unterstützung. Das Leben ist oft eine einzige Rechtfertigung.
Ich habe dieses Buch nahezu am Stück verschlungen, in vielen Gedanken Myriams kommt ich mich auch ein bisschen wieder erkennen. Dieser Roman, der 2016 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, erhält von mir eine absolute Leseempfehlung.

Von: Stephanie Wolff-Rohe aus Aachen Datum : 16.08.2017

Buchhandlung: Buchhandlung am Markt, Aachen

Der Leser weiß es von Anfang an: Die Geschichte endet in der Katastrophe, denn schon der erste Satz stellt es klar: "Das Baby ist tot." Rückblickend erzählt Leila Slimani dann die Geschichte, die zu den dramatischen Ereignisse des Romananfangs führen wird.
Myriam ist Anwältin, ihr Mann Paul ist im Musikbusiness tätig. Als die Kinder Mila und Adam geboren werden, hört Myriam auf zu arbeiten. Doch sie ist zunehmend unzufrieden und möchte ihre Karriere fortsetzen. Deswegen stellen Myriam und Paul eine Nanny, eine "nounou" ein, die sich um Kinder und Haushalt kümmern soll. Mit Louise glauben sie, die perfekte Kandidatin gefunden zu haben. Und tatsächlich: die nounou schafft es in kürzester Zeit, eine liebevolle Beziehung zu den Kindern herzustellen, und den Haushalt in allen Belangen zu perfektionieren. Myriam kehrt in ihren aufreibenden Job zurück, und zunächst sind alle zufrieden.

Dann wendet sich die Darstellung zunehmend der Persönlichkeit von Louise zu, und dem Leser wird schnell klar: Diese Frau ist einsam, ihre obsessive Bindung an ihre Arbeitgeber ist nicht gesund. (Und wir wissen ja von Anfang an, dass das Ganze schlimm enden wird). So entwickelt der Roman einen unwiderstehlichen Sog. Die feine psychologische Ausarbeitung und der bewusst zurückgenommene Erzählstil der Autorin machen den Schrecken transparent und für den Leser erträglich.

Dann schlaf auch du

Von: Miss.mesmerized aus Deutschland Datum : 27.07.2017

https://missmesmerized.wordpress.com/

„Das Baby ist tot. Wenige Sekunden haben genügt. “ – Mit der Ankündigung des Todes des Babys beginnt Leïla Slimanis Roman „Dann schlaf auch du“ (im Original: „Chanson douce“). Doch wie kam es dazu? Myriam und Paul Massé sind jung, erfolgreich und die perfekte Familie mit der kleinen Mila und Baby Adam. Doch Myriam fühlt sich zunehmend falsch in der Rolle als Hausfrau und Mutter und als sie einen ehemaligen Studienkollegen trifft, der sie an ihre Karriere Anwältin erinnert, ist die Entscheidung schnell getroffen: eine Nanny muss her. Nach einem langen Casting entscheiden sie sich für Louise, die sofort die Herzen der ganzen Familie erobert. Sie kann nicht nur die trotzige Mila bändigen, sondern geht auch ganz in der Haushaltsarbeit auf und bald schon erstrahlt die Pariser Wohnung in ungeahntem Glanz. Immer abhängiger werden die vier von der resoluten und gutmütigen Frau; Myriam arbeitete mehr und mehr und auch Paul sehnt sich nach dem Leben vor den Kindern zurück und verbringt zunehmend mehr Zeit in seinem Tonstudio. Aber Louise hatte auch ein Leben vor den Massés und obwohl sie immer mehr in die Familie hineinwächst und dort praktisch einzieht, holt sie dieses Leben langsam wieder ein.

Leïla Slimanis Roman wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem dem Prix Goncourt 2016. Auch wenn ein Mord geschieht, handelt es sich nicht um einen Krimi, wirkliche Spannung wird auch nicht aufgebaut, eher ungute Ahnung. In Form der Analepse erzählt – immerhin weiß man vom ersten Satz an, dass die Kinder die Erzählung nicht überleben werden – nähert man sich langsam diesem Ereignis. Während die Handlung um den Haushalt Massé chronologisch voranschreitet, erfährt über Rückblenden von Louises Leben vor der Anstellung dort: ihr Mann, ein Taugenichts, der sein Leben mit Klagen verbrachte; ihre Tochter Stéphanie, die viel zu früh kam und unter den unsäglichen Verhältnissen stumm litt; die Vermieter und Arbeitgeber, die Louise systematisch schikanierten.

Der Roman lebt von den Figuren, vor allem die zwei Protagonistinnen symbolisieren hervorragend die Tragik der modernen Frau: Myriam, zerrissen zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen dem Wunsch eine gute Mutter zu sein und dem Verlangen nach beruflicher Selbstverwirklichung und Anerkennung. Das schlechte Gewissen als ständiger Begleiter, sowohl gegenüber den Kindern wie auch gegenüber ihrer Arbeit und den Klienten. Es scheint keinen wirklichen Zwischenweg zu geben und trotz aller Emanzipation bleibt der Ehemann und Vater bei dieser Problematik außen vor. Louise hingegen ist gefangen in den typischen Geringverdienerjobs als Pflegerin oder Kindermädchen, die ihr nie einen finanziellen Ausstieg aus der Misere ermöglichen. Dazu die Abhängigkeit von einem Mann, der nichts zum Haushalt beiträgt und sie in sein Unglück mit hineinzieht. Für kurze Zeit können die beiden Frauen sich der Illusion hingeben, ihrem Schicksal zu entkommen und die ausgelassene Freiheit von Bürden zu leben, doch dann werden sie von der Realität eingeholt, die brutal zuschlägt und den Moment der Glückseligkeit zerschlägt.

„Dann schlaf auch du“ ist erst der zweite Roman der Franco-Marokkanerin und lässt die Erwartungen für weitere Bücher der Autorin hoch steigen.

Von: Tanja Bemerl aus Waldmünchen Datum : 24.07.2017

Buchhandlung: Buchhandlung Gustav Fuss

An und für sich ist das Buch super spannend, aber das Ende lässt sehr zu wünschen übrig. Weil es gibt kein richtiges Ende. Es ist alles sehr verständlich und leicht zu lesen.

Myriam und Paul wollen ihrer Karriere nachgehen und stellen ein Kindermädchen für ihre Kinder Mila und Adam ein. Louise ist anfangs die gute Fee, die das Haus putzt, wäscht und kocht. Die Kinder lieben sie. Aber nach und nach entwickelt sie sich als Psychopatin, die sich stundenlang vor den Kindern versteckt und ihnen Angst macht. Irgendwann lockt sie die Kinder dann in die Badewanne und bringt beide um.

Und jetzt fehlt hier eine Erklärung. Warum tut sie das???? Leider wird das nicht aufgeklärt und somit macht es das Buch nicht zum Bestseller.

Und es gibt dafür leider auch nur 3 Sterne. Und das nur weil es wirklich spannend geschrieben ist.

Beste Herbst-Neuerscheinung

Von: Iris Schneider aus Schleswig Datum : 20.07.2017

Buchhandlung: Buchhandlung am Gänsemarkt

Während einer sechsstündigen Zugfahrt von Schleswig nach Mannheim habe ich dieses Buch regelrecht verschlungen. Großartig geschrieben, spannend und unter die Haut gehend!

Note 2+

Von: Ute Schmid aus Hilpoltstein Datum : 22.06.2017

Buchhandlung: Buch und Büro Ute Schmid

Belämmernde Psychogramme, protokollartiger Erzählstil, nicht alltäglicher Roman,

LESENSWERT!

Von: Jacqueline Masuck aus Berlin Datum : 29.05.2017

Buchhandlung: Dussmann

Ich hatte mir das Buch unter allen Leseexemplaren herausgeangelt, denn sowohl Cover als auch Titel und Name der Autorin weckten meine Neugier. Erst dann entdeckte ich, dass sie ja den Prix Goncourt gewonnen hat -

Literarisch hat es mir sehr gut gefallen, ich war sofort in der Story drin. Louise in ihrem Perfektionswahn und ihrer neurotischen Anpassung war mir schnell unheimlich. Auch dass sie immer wie eine Puppe wirkt, jagte mir kleine Schauer über den Rücken. Gleichzeitig hatte sie mein ganzes Mitgefühl! Beide Eltern - überstrapaziert aber auch überambitioniert in ihrem Wahn, schnell Karriere auf Kosten der Kinder zu machen - haben mich sehr in Rage gebracht. Besonders die Bemerkung des Vaters, sie bräuchten eine Nounou, die richtig schuften kann, damit sie selbst in Ruhe schuften könnten!

Slimani beschreibt all das großartig und gibt sicher Stoff für heftige Debatten. Ich fand auch die Rolle der Kindermädchen aus Indien, Marokko, Eritrea, ... äußerst spannend. Das Schattensein, das sie leben. Jahrelang unentbehrlich und dann ... vergessen. Keinerlei Rechte!

Bin gespannt, wie das Buch hier in Deutschland aufgenommen wird.

Ein Buch wie ein Film von Hitchcock

Von: Stefanie Westenberger aus 38100 Braunschweig Datum : 15.05.2017

Buchhandlung: Graff

Dies ist das erste Buch, welches ich aus dem großen Leseexemplar-Paket herausgefischt habe: gleich ein "Glückstreffer".
Wenn ein Buch mit dem schlimmsten aller möglichen Sätze beginnt: "Das Baby ist tot" - dann weiß man ja, was auf den Leser zukommt.
Retrospektiv erfährt man die Geschichte einer kleinen Familie und ihrer scheinbar perfekten Nanny.
Was als größtes Glück beginnt, endet in einer Katastrophe. Richtig sympathisch ist einem in diesem Buch - bis auf die Kinder natürlich - niemand: die Eltern eine Spur zu "selbstsüchtig", die Nanny eine verlorene Seele.
Slimani gelingt es, die vielen Facetten einer traurigen Geschichte aufzuzeigen - ein intensives Leseerlebnis.

Von: Tobias Wrany aus Bonn Datum : 15.05.2017

Buchhandlung: Buchhandlung Jost GmbH

Was auch als (austauschbarer) Psychothriller hätte erzählt werden können, gestaltet Leila Slimani glücklicherweise als geradezu klassich tragisches Drama.

Auf knappem Raum umreißt sie ihre Protagonisten so eindringlich und lebensnah, dass man ihnen in ihrer Normalität erschreckend nahe kommt - erwächst die tödliche Konsequenz der Handlung doch aus dem ganz Alltäglichen, das jeder selbst tagtäglich durchlebt.

Mit ihrer scharfen Beobachtung der Gegebenheiten von Status und Handlungsmotivation ist "Dann schlaf auch du" aber nicht nur subjektives Drama, sondern zugleich ein großer Gesellschaftsroman (und gewiss nicht nur der französischen Gesellschaft).

Allenfalls gegen Ende hätte es die Geschichte unter Umständen weit besser abgerundet, wenn auch noch die Zuspitzung zum finalen Akt auf dieselbe beiläufige (und doch unaufhaltsame) Art und Weise konstruiert gewesen wäre, wie der Rest des Romans - war es doch gerade die Schilderung der subtilen Zunahme des innerlichen, wie äußerlichen Drucks auf die Hauptfigur, welche "Dann schlaf auch du" mit einem so gefährlich realistischen Spannungsmoment auflädt.