Leserstimmen zu
Nacht über Tanger

Christine Mangan

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John wollte nach Tanger. Für Alice kam das alles überraschend. Es war wie eine Fata Morgana. Es war im Jahr 1956 als sie endgültig nach Tanger gingen. Von England nach Marokko. Alles schien surreal für Alice, genau wie die schnelle Heirat damals mit John...Die beiden stranden in einem Land, zu einer Zeit, in der die politische Stimmung sehr aufgeheizt war. John lebt sich rasch ein und genießt das Nachtleben Tangers in vollen Zügen aber Alice bleibt in ihrer Welt zu Haus. Sie wird depressiv. Eines Tages taucht plötzlich Lucy Mason vor ihrer Tür auf. Lucy war mal die Zimmerkameradin Alice‘ und ebenso eine gute Freundin zu Zeiten des Colleges in Vermont. Sie haben sich lange nicht mehr gesehen. Durch Lucy entdeckt Alice Tanger. Sie kommt so langsam aus ihrem Schneckenhaus hervor, fühlt sich aber bald von ihrer Fürsorge erschlagen. Und als John urplötzlich verschwindet kommen die schrecklichen Geschehnisse von Vermont wieder in Alice Gedächtnis zurück. Alice weiß nicht mehr an wen oder was sie noch glauben kann, darf, soll...Wer ist Freund? Wer Feind? Christine Mangan hat mit „Nacht über Tanger“ einen sehr ruhigen, unaufdringlichen aber auch extrem psychologischen, tiefgründigen Roman verfasst. Durch die Ich-Erzählperspektive kann man als Leser beispielsweise sehr gut in Alice Gedankenwelt eintauchen. Man kann viele Dinge nachvollziehen aber auch hier und da schon ahnen was als nächstes geschehen wird. Die Art und Weise wie Mangan schreibt, hat mir sehr gut gefallen. Ihr Schreibstil ist ruhig, klar und bewusst. Sie verführt den Leser auf eine ganz besondere Weise und wickelt ihn ein. Man weiß irgendwann nicht mehr genau was man noch glauben soll. Psychologisch gesehen, eine sehr gute Taktik den Leser zu verführen. Ebenso gut gefallen hat mir das marokkanische Flair. Mit Alice durch Tanger zu streifen war sehr angenehm und extrem bildhaft geschildert. Als dann Lucy ins „Spiel“ kommt, ändert sich alles für Alice und genau dieser Punkt war für mich als Leser faszinierend beschrieben. Es war ab einem gewissen Punkt ein sehr verstricktes „Spiel“ was Mangan da niedergeschrieben hat. Faszinierend irgendwie. Denn die Wendung wie aus Freundschaft auch Feindschaft werden kann, hat Mangan genau auf den Punkt getroffen. Alles in allem war dieses Buch anders als andere Bücher und dessen Geschichten, aber ich war beeindruckt und empfehle es hiermit sehr gern weiter! Erwähnenswert ist auch noch die Covergestaltung. Die Dame passt sehr gut in die damalige Zeit und verkörpert eine gewisse Zurückhaltung und durch das verdecken ihrer Augen nicht nur schutzsuchend sondern auch als Zeichen des „nicht sehen wollen“ oder Versteckens....sehr passend und stimmig für dieses Buch gewählt. Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Jetzt mal ganz spontan, nein, nicht überlegen: Woran erinnert Euch dieses Cover? Na? Genau - ich habe auch sofort an die junge Ingrid Bergmann denken müssen und dann diesen Songtext dazu im Ohr gehabt ... "You must remember this A kiss is just a kiss A sigh is just a sigh The fundamental things apply As time goes by" .... ... das und die legendäre Abschiedsszene mit Humphrey Bogart auf dem Rollfeld in Cassablanca vor Augen, den Satz "Spiel es noch einmal, Sam" im Kopf. Schwupp war die Entscheidung für dieses Hörbuch gefallen, die Notalgikerin in mir hatte gesiegt. Ich war gespannt, kommt wir hören mal rein, es liest unter anderem Bibiana Beglau, Gewinnerin des Deutschen Hörbuchpreises als Beste Interpretin 2016: Nacht über Tanger (Christine Mangan) Eine Stadt wie ein Trugbild. Der spanische Sommerwind trug Wärme und Gewürzduft, der ihre Erinnerung an Tanger wachrief. Wie schnell doch die Zeit verging und einem das Gefühl gab, das das was man erlebt hatte, gar nicht real war, ein Traumbild. Flirrend wie eine Fata Morgana ... Tanger, 1956. Mit noch nicht einmal einundzwanzig Jahre war Alice ihrem Mann hierher gefolgt, widerwillig, in diese heiße, staubige Stadt am Ende der Welt. Die Folgen seiner sorglosen Erklärung, er könne nicht wirklich mit Geld umgehen sollten ihr erst dann in aller Konsequenz bewußt werden, als er auch ihr Vermögen durchgebracht hatte. Alice Shipley war auch geflohen, geflohen vor einem Leben mit einer Erinnerung, auf das sich jetzt endlich der Schleier des Vergessens gelegt hatte. Warum nicht hier neu anfangen? Fern ab von allem. In Afrika. Leider gelang es nicht nur finanziell nicht so wie sie es sich vorgenommen hatten, denn ihn ihrem Gepäck war ihr etwas gefolgt, dass die Ärzte leise und hinter vorgehaltener Hand "Wahnvorstellungen" nannten. Wie unsichtbare Fesseln ketteten sie Alice an's Haus und trieben gleichzeitig ihren Mann hinaus, so schien es ... Und noch etwas, vielmehr jemand war Alice gefolgt. Lucy war über New York aus Vermont nach Tanger aufgebrochen, um sie zu suchen, ihre gemeinsame Vergangenheit und Alice Shipley. Mit Worten in unterschiedlichen Sprachen hatte sie sich bewaffnet um der Fremdheit Marrokos Herr zu werden. Vorübergehend würde sie diese Stadt als ihr zu Hause akzeptieren, alles hatte eben seinen Preis ... Zimmergenossinnen waren sie am College gewesen, Alice finanziell gut versorgt, Lucy Mason hingegen wußte genau, was es bedeutete wenn man jeden Cent zweimal umdrehen musste und hatte nur mit einem Stipendium hier überhaupt Aufnahme finden können. Die beiden waren von Beginn an unzertrennlich gewesen obwohl, oder vielleicht auch weil beide so grundunterschiedlich waren, hatten sie sich gegenseitig angezogen. Alice, die zarte, verletzliche, beinahe durchsichtige, ätherisch Schöne, schien aus Licht gemacht und Lucy, die burschikose, selbstbewußt Anpackende mit dem alles durchdringenden Blick, raffiniert, manipulativ, berechnend, schien aus den Schatten geboren zu sein ... Christine Mangan, geboren 1982 legt mit Nacht über Tanger ihren ersten Roman vor. Die Rechte dafür wurden nach Verlagsangaben schon in 20 Länder verkauft und die Filmrechte an die Firma von George Clooney. Man stößt hier auf zwei vielschichtige Frauenfiguren eingebettet in einen soliden, gut konstruierten Plot. Er kommt zunächst ganz harmlos daher, mit seiner nostalgischen Verpackung, und hat es dabei faustdick hinter den Ohren. Verfilmt kann ich sie mir sehr gut vorstellen diese Story, die Atmosphäre in Tanger kann man sicher auch mit Bildern sehr gut einfangen und die Geschichte gut besetzt auch in Bilder sehr schön erzählen. Das würde ich mir in jedem Fall anschauen, was Herr Clooney daraus macht. Hier kann man über Souks bummeln, sich von einem Menschenstrom mitreissen lassen, von Hühnerkadavern bis hin zum exotischen Gewand alles in Ruhe bestaunen. Von tollwütigen Hunden kann man in Bars gebissen werden, von namenlosen Schatten verfolgt und in Revolutionswirren verstrickt werden. Tapetenwechsel mit Autounfall in einem Blizard gibt es inklusive. Besonders gut gefallen hat mir, das Unterschwellige, das latent Lauernde und wie die Story so unweigerlich in eine Eskalation läuft, langsam aber unaufhaltsam. Der Schlüssel liegt wie so häufig für die Motivation der Handelnden in der Vergangenheit, auch das wird geschickt in rückwärts gerichteten Einsprenklern erzählt. Immer präsent ist dabei das, was sich für Frauen seinerzeit "geschickt" hat und was nicht. Was ihrer zugedachten Rolle entsprach, an der auch ein Studium nichts änderte, außer das man dann ein schmückenderes Beiwerk für den eigenen Mann war, zu wirklicher Unabhängigkeit verhalf es nicht. Wir, die wir heute einen Emanzipationsgrad erreicht haben, über den man zwar immer noch streiten kann, können feststellen auf welchem Niveau wir da anklagen. Ich gehe dabei mal von der westlichen Welt aus, nicht das ich hier gleich Prügel beziehe. In dieser Geschichte halten diese und andere Abhängigkeiten eine Figur in einem Kreis gefangen, der sich von ihr allein nicht durchbrechen läßt. Sie gerät an einen Ehemann, der bei ihr jegliche Kreativität im Keim erstickt, sie betrügt und hintergeht. Was würde passieren, wenn sie ihn damit konfrontiert? Wie kann er sie gehen lassen, würde mit ihr ja auch quasi seine Geldquelle versiegen. Sie gerät an eine Freundin, bei der sie nicht sicher sein kann, ob sie sie als Sprungbrett in eine andere Welt begreift, ob sie ein ehrliches, freundschaftliches Interesse oder gar eine obsessive Verliebtheit für sie empfindet. Ist diese Freundin aus Studientagen wirklich der ersehnte Retter in der Not? Was ist das für eine Freundin, die aus einem das noch so kleinste Geheimnis herauskitzelt und über sich selbst stets geschickt zu schweigen versteht? Eine Freundin, die auch von den Schatten weiß, der man anvertraut, welcher Angst und Panik man sich ausgesetzt sieht ... Uns läßt die Autorin da gleich mit im Ungewissen bis beinahe zuletzt, in mir keimte derweil ein ungeheurer Verdacht. Dabei legt Mangan bereits im Prolog ganz schön vor und zieht eine Leiche aus dem Wasser. Damit läßt sie uns eigentlich schon erahnen, dass es in ihrer Geschichte nicht ganz so einvernehmlich zu gehen wird, weiß aber durchaus auch mit Wendungen zu bluffen. Also ich, ich gebe mich jetzt auch mal besser geheimnisvoll und verrate nix mehr, für alle die diesen kurzweiligen Roman noch für sich entdecken wollen. Vielleicht dann aber lieber gelesen als gehört, denn - Die Hörbuch-Fassung schlägt ungekürzt mit rund 10 Stunden zu Buche. Bibiana Beglau liest die die Figur der Lucy und Friedericke Kempter übernimmt den Part von Alice Shipley. Klingt nach einer Top Besetzung, die mich aber leider nur eingeschränkt überzeugen konnte. Viel erwartet hatte ich von Beglau, die aber hier so übertrieben deklamierend liest, dass sie mir komplett die Lust an diesen Stoff genommen hätte, wäre da nicht noch der charmante Vortrag von Kempter gewesen, der im Vergleich zu Beglau wohltuend anders daher kommt. Die junge Schauspielerin, die ich aus ihrer Rolle als Nadeshda Krusenstern aus dem Münteraner Tatort kenne, macht ihre Sache ausgezeichnet und verleiht der fast durchsichtigen, unsicheren Lucy eine mehr als glaubwürdige Stimme.

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Buch und Büro Ute Schmid

Von: Bianca Schmid-Paech aus Hilpoltstein

14.06.2018

Wendungsreich, vielschichtig und beklemmend.

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Meine Meinung Nach über Tanger

Von: Angela Lauchenauer aus Rapperswil-Jona, Schweiz

03.06.2018

Ich habe das Buch letzte Woche gelesen und bin mir immer noch unschlüssig wie gut ich es finde. Trotzdem musste ich immer wieder weiterlesen, weil ich wissen wollte wie es weitergeht. Am Anfang vom Buch hatte ich leichte Orientierungsprobleme da das letzte Kapitel zum Anfang gezogen wurde. Was ich gut fand ist, dass die Sichtweisen der beiden Protagonistinnen wechselweise dargestellt wird. Mir hat teilweise eine Zuspitzung der Spannung gefehlt. Ich hatte das Gefühlt, dass jedes Mal wenn die Spannung stieg diese erstickt wurde. Später in der Geschichte wurde jeweils der Sachverhalt erklärt. Alles in allem finde ich es trotzdem lesenswert.

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Die Buchhandlung Karola Brockmann

Von: Karin Sawallich-Ünver aus Brühl

17.05.2018

Ein großartiger psychologischer Spannungsroman mit wunderbarem Blick für subtile Details. Für mich eines der Lesehighlights in diesem Jahr, was ich unseren Kunden gerne wärmstens empfehlen werde.

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Anspruchsvolle Unterhaltung mit grandioser Atmosphäre

Buchhandlung Jost GmbH

Von: Tobias Wrany aus Bonn

01.05.2018

Christine Mangan benötigt keine blumigen Umschreibungen oder weitschweifende Erkundungen von Seelenlandschaften, um ihre Figuren gleichermaßen prägnant, wie eingehend vorzustellen und ihre nuancierten Befindlichkeiten auszuloten. Sie nutzt die eigene Sprachkraft und wählt ihre Worte so punktgenau, dass die Lektüre häufig selbst unvermittelt ausreicht, um ihren Protagonisten unangestrengt ganz nahe zu kommen. Damit hat Christine Mangan die ideale Grundlage geschaffen, um ihr kriminelles Trauerspiel um enttäuschte Liebe, zersplitterte Lebensträume und fehlgesteuerte Ambitionen mit gnadenloser Präzision ablaufen zu lassen. Abzüge müsste sich die Autorin allenfalls dahingehend gefallen lassen, als sie ihr Opfer so anlegt, dass sie es ihrer Gegenüber letztlich unnötig einfach macht - andererseits ist aber auch anzuerkennen, dass "Nacht über Tanger" gerade nicht auf formelhaft konstruierten Intrigen basiert, sondern (in gewissem Umfang nachvollziehbare) menschlich verständliche Enttäuschungen in die Motivlage einfließen lässt. Der wirklich entscheidende Punkt, welcher den Roman aber tatsächlich auszeichnet (ebenso fiesliche, wie virtuose Intrigenspiele könnte man ja tatsächlich auch oder eher bei Klassikern, wie jenen von Patricia Highsmith erhalten) ist die atemberaubend dichte Atmosphäre des Schauplatzes, Tanger in den späten fünziger Jahren: Bar jedweden exotischen Kitsches und mit traumwandlerisch sicherem Blick für jedes kleine prägnante Detail spürt man in jedem Moment die mörderische Hitze, fühlt (mit den Protagonisten) den steten Hauch von Verunsicherung in dieser so fremden Umgebung und sieht in klaren Bildern, die mediterrane Schönheit, ebenso, wie die angedunkelten, unschönen Ecken und Winkel. Gerade in einem solchem Umfeld ganz ohne billige Klischees auszukommen und statt dessen auf einem sprachlichen Premiumniveau gänzlich im Dienste der Geschichte und des absolut stimmigen Gesamtkolorits zu agieren, zeichnet Christine Mangan (und die Übersetzerin Irene Eisenhut) aus und macht "Nacht über Tanger" zu einem perfekten Beispiel eines anspruchsvollen Unterhaltungsromans.

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