Leserstimmen zu
Äquator

Antonin Varenne

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Ein Experiment. Zwei Leser. Zwei Meinungen. Eine Rezension. Eine Premiere in Petras Bücher-Apotheke. Wie es uns beiden, Andreas und Petra, beim gemeinsamen Lesen ergangen ist? Kann ein Roman Männlein und Weiblein gleichermaßen ansprechen haben wir uns gefragt? Wer liest was heraus, wem gefällt was am besten? Neugierig? Dann lest mir, wir sinnieren über: Äquator von Antonin Varenne Das meint Andreas: Wir schreiben das Jahr 1871. Das Jahr, in dem Deutschland mit Frankreich im Clinch lag und nach dem Ende der Auseinandersetzung in Deutschland ein Kaiser gekrönt wurde, Kaiser Wilhelm I. Das nur so viel zur Einordnung der Jahreszahl, die deutsche Geschichte betreffend. Jetzt springen wir über den atlantischen Ozean, in die Vereinigten Staaten von Amerika. Diese haben ihren Bürgerkrieg, der 600.000 Amerikaner das Leben kostete, hinter sich und die entscheidenden Indianerkämpfe noch vor sich. Häuptling Seattle hat in einer eindrücklichen Rede 1854 den Niedergang seines Volkes bereits erkannt: “Es gab eine Zeit, da bevölkerten wir das ganze Land, so wie die Wellen des windgekräuselten Meeres über den muschelübesäten Meeresgrund rollen doch bald wird mein Volk versiegen, wie der fallende Wasserspiegel, der nicht mehr steigt” ….. aber das ist eine andere Erzählung. Aber kehren wir zunächst wieder zurück nach 1871, zu einer Zeit, in der Städte entstanden, die den Namen von Präsidenten trugen, zum Beispiel Lincoln in Nebraska. Dort nimmt die Geschichte von Pete Ferguson ihren Anfang. Wir werden ihn und sein treues Pferd Reunion 8.000 km lang begleiten auf seinem Weg als Reiter, Schiffsreisender, Wanderer, bis an sein Ende. Bis an das Ende seines Weges, nicht seiner Abenteuer ...... Petra erzählt von: Nebraska, irgendwo in den Plains. Sechzehn Tage im Sattel waren die Männer schon in der Prärie unterwegs. Kein einziger Büffel hatte sich ihnen in diesem endlosen Meer aus Halmen bisher gezeigt. Immer seltener waren die großen Herden geworden, immer versprengter fand man die Tiere in den weiten Ebenen. Vom Militär reichlich mit Waffen und Munition ausgestattet waren die Jäger aufgebrochen. Zu Handlagern gemacht. Es störte sie nicht, dass sie mit ihrer Jagd auf die gewaltigen Tiere den noch frei lebenden Indianern die Nahrungsgrundlage entzogen, sie damit in die Reservate trieben wie Vieh. Sie sahen nur die Felle, das Geld das sie ihnen einbringen würden. Pete Ferguson hatte sich ihnen unter einem seiner falschen Namen als Billy Webb angeschlossen, war hier untergetaucht auf der Flucht nach seiner letzten Schießerei mit Todesfolge. Wie ein Geschenk Gottes empfanden sie jetzt diese Begegnung, es mussten mehr als einhundertvierzig Bisons sein, die da gelassen grasten. Die Ernte konnte beginnen. Wie die Berserker trieben die Jäger ihre Pferde zwischen die Herde, zuerst erwischte es die Jungtiere, dann die tonnenschweren Bullen, die Kühe. Schon am folgenden Tag lag ein Gestank über der Ebene, der den Männern die Tränen in die Augen trieb. Die gehäuteten Kadaver verwesten bereits, am Abend würde man Teile von ihnen mit Strichnin versetzen, um die Wölfe die in der Nacht kamen ebenfalls noch "abzuernten", denn auch ihre Felle brachten gutes Geld ... "Immer eine Waffe in der Hand haben, töten, um zu leben, tagelang die Hände in Fleisch tauchen, die Überlebenden eines Bürgerkriegs sein, keine Familie und kein Heim haben - das alles machte aus den Bisonjägern schweigsame Männer, denen im Wind der Plains die Tränen die Wangen hinabliefen, heimgesucht von bösen Erinnerungen. Es machte sie zu Menschen, die im Kontakt mit ihresgleichen eher ängstlich als gefährlich waren." (Textzitat Seite 65). Andreas findet: Obwohl hier Pferde, Komantscheros, Büffel, Gewehre und Pistolen im Spiel sind, ist das Buch kein Western, wie wir ihn aus vielen Filmen mit John Wayne, Richard Widmark und anderen kennen. Es ist eher das "Roadmovie" eines jungen Mannes, der auf der Suche ist nach Vergebung, nach Sinn, nach Halt. Mit ihm bereisen wir einen Teil, einen gewaltigen Teil von Amerika. Wir lernen Menschen kennen, mit denen er die letzten Büffelherden sucht und jagt. 30 Millionen Büffel gab es seinerzeit. Genug zu jagen für Jedermann, bis schließlich nur noch etwa 1.000 Tiere übrig waren. Sehr eindrücklich wird im Buch diese Jagd und die danach folgende Arbeit geschildert. Auf seinem weiteren Weg lernt Pete die unterschiedlichsten Ureinwohner kennen, die um ihre Rechte, ums Überleben ihrer Kultur kämpfen. Er wird in einen Staatsstreich verstrickt und lernt eine Indiofrau kennen, die ihn zunächst eher unfreiwillig begleitet. Ein Glück für ihn, wie sich später noch zeigen wird ... Nach einer überstürzten Abreise führt ihn sein Weg in den Vorhof zur Hölle,zur Île du Diable, vor der Küste Französisch-Guayanas. Hier haben die Franzosen ihre Strafgefangenen versteckt. Getreu dem Motto, was ich nicht sehe, regt mich nicht auf, hat man die Straftäter hierher verfrachtet. Innerhalb des ersten Jahres der Gefangenschaft starb fast die Hälfte der Inhaftierten. Übrigens: Als Vorbild für diese Strafkolonie diente England, welches damals 162.000 Verurteilte nach Australien verschiffte. Für mich fängt in Französisch Guayana der interessanteste Teil dieser Reise an. Was Petra meint: Antonin Varenne, studierte Philosophie in Paris, mit den wichtigsten französischen Krimipreisen wurden seine Werke ausgezeichnet, sie waren wochenlang zu Gast auf der KrimiZeit-Bestenliste. Sein Verlag gibt an, dass er schon Hochhauskletterer und Zimmermann war, in Island, Mexico und USA gearbeitet hat. In den USA hat er dann auch seinen ersten Roman geschrieben. "Die sieben Leben des Arthur Bowman" habe ich mir noch vorgemerkt, auch hier agiert Varenne wohl ebenso wie in seinem "Äquator" genreübergreifend und das macht richtig Laune. Sprachlich ist er weit weniger rauh unterwegs, als einen dieser Plot vielleicht vermuten läßt. Im Gegenteil, nachdenklich und sehr szenisch beschreibt er die Haltung der damaligen Machthungrigen und Konquistadoren. Unfassbar welche Verbrechen an den Ureinwohnern Nord-und Südamerikas man sich damals so gönnte! Es vermischen sich die Genre, erst mutet die Geschichte wie ein Western an, modern erzählt, um dann den Schwenk zum guten alten Abenteuerroman zu machen. Ihre Helden sind zerrissen, ihre Ambitionen durchaus auch politisch motiviert. Beginn und Ende der Geschichte haben mich an Kevin Costners "Der mit dem Wolf tanzt" denken lassen, Szenen aus "Papillon" blitzten ebenfalls auf, das garniert mit einer Prise "lasst uns eine neue Welt entdecken". Ausgerottet, als Kanonenfutter missbraucht, oder auf riesigen Kakao-oder Kaffeeplantagen versklavt. Der Sinn dieser Plantagenwirtschaft sollte sich dabei den unterdrückten Indios nie erschließen, in ihrem Wertekatalog kam es einfach nicht vor, mehr anzubauen als man selbst verbrauchen konnte. In der Hoffnung sich retten zu können gingen sie Mischehen ein, eine neue Ethnie wurde geboren, die Mestizen. Varenne nimmt uns mit, mit seinen Waldläufern, berichtet von Fluchten, Leichtsinn und unerfüllten Träumen. Gemeinsam erleben wir Saloon-Schlägereien, befreien wir Galgenvögel in franz. Guyana, werden seekrank, überstehen mit knapper Not eine Meuterei. Wild und wagemutig durchquert er mit uns den tropfnassen Dschungel von Brasilien, wo sich Blutegel in unsere Waden verbeissen, uns Insekten stechen, deren Namen wir nicht einmal kennen. Bunt und überbordend erleben wir diese urwüchsige Welt, der mächtige Amazonas, sein Delta, versunkene Städte, rastlos, atemlos, staunend - Brasilien war definitiv meine Lieblings-Etappe. Sein Held Pete Ferguson wirkt auf mich seltsam fremdgesteuert und getrieben. Wie der Queue eine Billardkugel stoßen ihn das Handeln der anderen Hin und Her. Der Fluss des Lebens reißt ihn mit, wie ein Stück Treibholz, spült ihn mal ans Ufer, nimmt ihn dann wieder mit. Nicht einmal das Ziel dieser Reise der "Äquator" ist sein eigener Traum. Sogar ihn hat er von einem Gefährten geliehen, diesen Traum vom Nabel der Welt, ihrer Taille. Hier soll sich die Welt anders herum drehen, das Wasser der Flüsse aufwärts fließen, die Vögel sollen hier zu Fuß gehen und die Menschen Steine in den Taschen tragen um nicht davonzufliegen - so sagen sie. Hier wo alles besser ist, wo sich der zivilisierte Norden vom wilden Süden trennte ... In diese Geschichte sind Briefe eingestreut, oder sind es doch eher Tagebucheinträge? Pete schreibt an sich selbst, an den Bruder, den er zurückgelassen hat. An die Eltern, an Lebende und an Tote, an die, die er liebt und vermisst. Dabei sind Bindungen doch eher nicht so sein Ding? Hier lebt Varenne seine philosophische Ader aus und in diesem Zusammenhang habe ich auch eine meiner Lieblingsstellen gefunden: "Manchmal brauchte es den Bleistift und die Langsamkeit der Finger, damit die Worte kamen. Manchmal fand er es leichter, sie sich vorzustellen, ohne die aufs Papier gebrachten Buchstaben überprüfen zu müssen." (Textzitat Seite 210). Andreas fragt sich: Wie weit muss ein Mensch gehen, bis er das Gesuchte findet? Genügt es nicht auch, einfach einmal die Sicht auf die Dinge zu verändern? “Sein Bruder hatte stets das Gute in jedem Menschen sehen wollen, während Pete immer nur instinktiv das Böse gewittert hatte. Sie hatten nicht die gleiche Art, sich vor der Welt zu schützen” (Textzitat Seite 404). Unser Held wird Antworten finden und beinahe sein Leben verlieren. Nicht jedes Buch schafft es, dass, wenn ich mich an es erinnere, ein Glöckchen in mir klingt und sich automatisch ein vertrautes Gefühl einstellt. Dieser Roman wird sich lange in meinem Gedächtnis halten, denn er schmeckt für mich nach Sehnsucht, Zufriedenheit und Heimat ...

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Rezension Antonin Varenne - Äquator Klappentext: Dieb und Brandstifter in Nebraska, Deserteur im amerikanischen Bürgerkrieg, Mörder in Nevada: Pete Ferguson ist ein Mann auf der Flucht. Er ist auf der Suche nach dem Äquator, dem Ort, wo sich angeblich alles ins Gegenteil verkehrt, die Träume wahr werden und er von seinen Dämonen befreit wird. Wird er dieses verheißungsvolle Land finden? In Äquator schildert Antonin Varenne virtuos Pete Fergusons Weg von den großen Weiten des amerikanischen Westens über Guatemala bis in die dichten Urwälder Brasiliens. Mit dieser atemberaubenden und zutiefst ergreifenden Odyssee bestätigt der Autor seinen Ruf als Erneuerer des großen Abenteuerromans mit den erzählerischen Mitteln des 21. Jahrhunderts. Meinung: Ich schaue mittlerweile sehr gerne Western an und auch für Abenteuerfilme konnte ich mich als Kind schon begeistern. Äquator schien lt. Inhaltsangabe genau das zu enthalten. Es geht in diesem Buch um einen Mann namens Pete Ferguson. Dieser wird als Brandstifter und Dieb gesucht, ist als Deserteur eingestuft und auch Mord geht auf sein Konto. Sein Leben verbringt er auf der Flucht, nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch vor sich und seiner Vergangenheit, vor dem Mann, der aus ihm wurde und den Altlasten, die er mit sich trägt. Als er von einem sagenumwobenen Land namens Äquator hört, hofft er, dort alle Bedingungen für seine Erlösung zu finden. Und so macht er sich auf den langen Weg von den USA nach Südamerika. Äquator ist ein richtiger Abenteuerroman. Der Leser und die Hauptfigur müssen so manche Abenteuer und Gefahren bewältigen, sich durch abwechslungsreiche Landschaften bewegen und mit vielen unterschiedlichen Charakteren beschäftigen. Gerade in den Landschaftsbeschreibungen liegt die große Stärke des Romans. Der Autor schafft es mühelos, die Szenerien bildlich zu umreißen und das Kopfkino anzuwerfen. Ein wenig holpriger sind leider die Figuren, von denen man gerade zu Anfang relativ wenig erfährt und die einiger Zeit bedürfen, um mit ihnen warm zu werden. In Briefen erfährt man in Rückblicken mehr über Petes Vergangenheit und kommt so seinem Charakter nach und nach auf die Spur. Man muss also ein wenig Geduld für die Figuren mitbringen. Aber auch ein paar Überraschungen hält die Geschichte bereit und sorgt dafür, dass der Verlauf nicht zu eintönig wird, was nach dem etwas behäbigen Einstieg in die Geschichte auch nötig ist. Doch das Durchhalten hat sich gelohnt, denn neben der eigentlichen Story bietet der Roman auch einen interessanten Einblick in das 19. Jahrhundert. Fazit: Äquator ist ein schöner und gelungener Abenteuerroman, der nach leichten Startschwierigkeiten eine durchaus interessante Geschichte und einen spannenden Einblick in die Vergangenheit bereithält. Von mir gibt es 4 von 5 Punkten. Vielen Dank für das Rezensionsexemplar.

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Pete Ferguson ist auf der Flucht. Er wird als Dieb, Brandstifter, Deserteur und Mörder gejagt. Als er bei einer Gruppe von Bisonjägern von einem Ort namens Äquator erfährt, macht er sich auf den Weg dorthin. Denn dort soll angeblich alles besser sein, dort sollen Träume wahr werden und, wenn alles gut geht, Ferguson von seinen inneren Dämonen befreit werden. Pete Ferguson macht sich auf den Weg durch die Weiten des amerikanischen Westens über Guatemala bis hin zu den dichten Urwäldern Brasiliens. . Varennes Geschichte um einen Mann, der sich ein Ziel setzt und alles daran setzt, dieses zu erreichen, mag dem ein oder anderen Leser nicht hundertprozentig zusagen. Das liegt vor allem am außergewöhnlichen Schreibstil und der nicht immer massentauglichen Erzählstruktur, die der Autor in seinem neuesten Werk präsentiert. Vieles wirkt im ersten Moment sperrig und emotionslos, offenbart sich aber dem Leser, wenn er es nach ein paar Seiten geschafft hat, sich auf dieses literarische Ausnahme-Experiment einzulassen. Denn Antonin Varenne hat es zum Beispiel bei mir hervorragend geschafft, mich vollkommen in eine andere Zeit (und Welt) zu entführen, aus der ich mich oftmals überhaupt nicht mehr entfernen wollte. Vieles an den Handlungsweisen des Protagonisten erscheint ein wenig wirr, aber wenn man einmal darüber nachdenkt, wie man sich selbst in solchen Situationen verhält (verhalten würde) ergibt das Ganze durchaus Sinn. „Äquator“ ist ein ruhiges Buch. Keine Action und keine großartige Schießereien. Es wird einfach nur eine Geschichte erzählt, die es aber in sich hat. Es handelt sich um einen Abenteuerroman, der eher auf die klassische Art (ähnlich wie zum Beispiel Karl May) Länder und Sitten anschaulich macht und dadurch eben ein gewisses Abenteuergefühl aufkommen lässt. Ich fühlte mich wirklich hervorragend unterhalten und empfand an keiner einzigen Stelle im Buch Langatmigkeit geschweige denn Langeweile. Varenne schreibt sehr bildhaft, wenngleich sein Schreibstil, wie bereits erwähnt, für den ein oder anderen gewöhnungsbedürftig sein könnte. Seine Dialoge sind filmreif, erscheinen einem während des Lesens wie die Worte aus einem Drehbuch. Vielleicht ist es auch diese Tatsache, die einen mitten im Geschehen sein lässt. Varenne spielt auch immer wieder auf sein Buch „Die sieben Leben des Arthur Bowman“ an, das ich (noch) nicht kenne. Auf jeden Fall stieg bei mir das Interesse an diesem Vorgänger, das wohl eine Art Vorgeschichte zum vorliegenden Roman darstellt. „Äquator“ ist ein Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte, denn es steckt bei weitem mehr in den Sätzen, als man auf den ersten Blick wahrnimmt. Manchmal ist es fast schon poetisch und philosophisch, was Varenne da zu Papier gebracht hat. Ein weiterer erwähnenswerter Punkt ist das grandiose Cover des Romans. Auch wenn es nicht zum Verdienst des Autors gehört, muss ich sagen, dass es ein fantastisches Bild ist, dass der Verlag da ausgesucht hat. Die Einsamkeit des Protagonisten, die im Roman immer wieder dargestellt wird, findet hier eine perfekte bildhafte Ausdrucksweise. ich kann gar nicht sagen, wie oft ich mir während des Lesens dieses unglaublich ausdrucksstarke Umschlagsbild angesehen habe. Zusammen mit der Geschichte prägt sich dieser Roman, zumindest verhält es sich bei mir so, im Gehirn ein und hinterlässt ein beeindruckendes Gesamtbild. Auch wenn ich mir hin und wieder eine noch detailliertere Beschreibung der Vorgänge und eine tiefergehende Charakterisierung des Protagonisten gewünscht hatte, zählt für mich „Äquator“ zu einem fast schon nostalgischen Abenteuerroman, wie es sie heutzutage nur noch selten gibt. Durch diesen Roman bin ich auf jeden Fall neugierig, was Antonin Varenne noch so geschrieben hat und werde mich Schritt für Schritt durch sein Werk lesen. . Fazit: Ein ruhiger, melancholischer Abenteuerroman im klassischen Stil. Wer Action erwartet, wird enttäuscht, Freunde ruhigerer Momente werden begeistert sein. © 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Weites Land

Von: wal.li

05.05.2018

Pete Ferguson, der Deserteur, ist ein Suchender. Seinen kleinen Bruder hat er vor dem amerikanischen Bürgerkrieg gerettet. Er hat mit seinem Vater gestritten, der die Brüder nicht gut behandelte. Er hat einen Mann um gebracht. Ferguson reist unter falschem Namen. Er geht auf Bison-Jagd, schon in dem Wissen, dass es bald keine Bisons mehr geben wird. Er zieht Richtung Mexico, wo er bei wandernden Komantscheros unterkommt. Diese bezahlen ihn für die Teilnahme an einer Revolution in Guatemala, eine Revolution, die er im letzten Moment verhindert. Und langsam kommt Pete Ferguson seinem Ziel näher, dem Äquator. Am Äquator sei alles besser, hat man ihm erzählt. Dort müsse man sich Steine in die Tasche stecken, um die Verbindung zur Erde nicht zu verlieren, die Flüsse flössen anders herum. Auf dem Weg zum gelobten Äquator lernt Pete Menschen kennen, die ihm helfen, denen er zuhört, bei denen er etwas lernt. Doch er trifft auch solche, die ihm Übles wollen, ihm nach dem Leben trachten. Pete weiß sich zu wehren, immer wieder schafft er es Gefahren zu entrinnen. Manchmal allerdings wird es wirklich knapp. Und sein Ziel scheint lange nicht wirklich näher zu rücken. Was ist überhaupt das Ziel? Offensichtlich konnte man im Jahr 1871 noch Menschen begegnen, die glauben, dass auf der anderen Erdhalbkugel alles auf dem Kopf steht, die es als großes Abenteuer sehen, sich selbst auf den Kopf zu stellen. Vielleicht ist ja gerade das das Ziel, sich selbst auf den Kopf stellen, sein raues Wesen in ein umgänglicheres zu wandeln, seine Angst und Wut in eine Kraft zu kanalisieren, die es ermöglicht, eine gute Beziehung einzugehen. Vielleicht muss man den Äquator nicht einmal erreichen, um sich zu läutern, um in sich zu gehen. Seine Gedanken niederzuschreiben, seine Ansichten auszutauschen. Pete Ferguson ist eine Persönlichkeit, der man sich langsam nähert, die aber in dieser Langsamkeit eine ungewöhnliche Anziehungskraft entwickelt. Für Pete gibt es irgendwann ein Vorwärts, dass ihn zu einer ganzen Person werden lässt. Antonin Varenne versteht es ausgesprochen gut, mit ungewöhnlichen Geschichten zu unterhalten und zum Nachdenken anzuregen.

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