Leserstimmen zu
Ich und meine Mutter

Vivian Gornick

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eBook
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Passend zum Muttertag habe ich auch das Buch "Ich und meine Mutter" aus dem Penguin Verlag beendet. In dem Buch erzählt Vivian Gornick von ihrer Kindheit und Jugend und die Beziehung zu ihrer Mutter. Dabei sind die Beiden sehr unterschiedlich, da Vivian eher unabhängig ist und Schriftstellerin werden möchte. Die Story zieht sich für mich persönlich etwas, da es mir manchmal zu wenig Dialog war und dafür zu viel Erzählungen aus der Vergangenheit. Interessant fand ich, dass es ein autobiographischer Roman ist und daher die Zeit von früher sehr deutlich zeigt. Der Roman ist schon früher erschienen, wurde allerdings erst jetzt auf Deutsch übersetzt. Ebenfalls hat mir gefallen, dass die Geschichte in New York stattfindet. Den Schreibstil fand ich insgesamt auch gut, allerdings musste ich mich ein wenig mehr konzentrieren als bei anderen autobiografischen Romanen Den Preis finde ich ein wenig zu teuer. Zwar ist es ein Hardcover, doch es hat leider nur um die 220 Seiten. Drei oder vier Euro weniger hätte ich besser gefunden. Daher gibt es von mir insgesamt 3,5 von 5 Sternen, da es ein interessantes Buch ist wenn man sich für diese Zeit in New York interessiert oder wenn man autobiographische Romane mag.

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Journalistin Vivian Gornick erzählt Erinnerungen aus ihrer Kindheit und Jugend, von Spaziergängen mit ihrer Mutter durch New York, von Begegnungen, Beziehungen, Enttäuschungen. Sie beschreibt, wie es war, als jüdisches Arbeiterkind in Brooklyn aufzuwachsen, zwischen gewalttätigen Männern, unterforderten Hausfrauen und überforderten Müttern. Ihre Bezugsgrößen sind weiblich: Mutter, Nachbarinnen, Freundinnen, Mütter von Freundinnen. Ihr Vater stirbt früh, an ihrem Bruder scheint sie kein großes Interesse zu haben. Und so wird sie älter, entwickelt Neugier für das andere Geschlecht und stößt damit auf die Grenzen, die der verklemmte Umgang mit Sexualität in ihrer Kindheit aufgebaut hat. „Ich und meine Mutter“ erschien bereits 1987 in den USA. Jetzt, 32 Jahre später, wurde das Buch endlich auch auf Deutsch übersetzt. Mit radikaler Offenheit geht sie hart mit sich und ihrer Mutter ins Gericht, Fairness hat dabei nicht immer oberste Priorität. Dabei sind die Parallelen zu diskursprägenden Werken der letzten Jahre unübersehbar: Wenn sie beispielsweise von ihren kommunistischen Eltern aus der Arbeiterklasse erzählt, wie sie sich von ihnen durch ihren Collegebesuch emanzipiert und die Mutter nur Angst und Unverständnis für den Intellekt der Tochter aufbringt, dann erinnert das stark an Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“. Die Intimität der Mutter-Tochter-Beziehung, wie sie auch Nadja Spiegelman in „Was nie geschehen ist“ herzustellen vermag, tut weh, die Vorwürfe der Mutter, ihr eigenes Leben nie gelebt zu haben, dringen bis zu den Lesenden durch. Gornick, die in den 1970er Jahren zur New Yorker feministischen Front Row gehörte und in Deutschland weitestgehend unbekannt ist (und damit meine ich, dass es keinen deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag über sie gibt), hat viel zu sagen und schreibt das mit Liebe zum Detail und viel Reflexionsvermögen über das eigene Gefühlsleben auf. Es ist gut, dass dieses Buch übersetzt wurde.

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