Leserstimmen zu
Anleitung zum Widerspruch

Franzi von Kempis

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Ein wichtiges und lehrreiches Buch!

Von: books.books.travel

04.12.2019

Schon im Vorwort von "Anleitung Zum Widerspruch" hätte ich am liebsten hinter jeden Satz von Franzi von Kempis ein dickes Ausrufezeichen gekritzelt. Oder ständig laut 'Ja!' gerufen. Hass und Hilflosigkeit sind oft nicht weit voneinander entfernt: Oft verfallen die, die z.B. im Netz Hasstiraden der 'lauten Minderheit' lesen, ob der Wut und der falschen Informationen in fassungsloses Schweigen. Vielleicht auch, weil diskutieren vermeintlich nichts bringt. Oder sie schweigen, weil sie sich nicht gut genug mit der Thematik auskennen. Aber: Genau das tun die Lauten ja meist auch nicht, im Gegenteil. Die Autorin bereitet den Leser auf jene Situationen vor, in denen er sich bewusst für eine Diskussion entscheidet. Sie nennt zu sechs aktuellen Themengebieten (Klimawandel, Antisemitismus, Verschwörungstheorien, Islamismus, Feminismus und Flüchtlinge) gängige Vorurteile bzw. Lügen und gibt anhand wissenschaftlich fundierter Fakten eine Anleitung, wie man eine Gegenargumentation aufbauen kann. Damit die wenigen nicht lauter werden als die Mehrheit #wirsindmehr. Natürlich stehe ich persönlich 'auf der Seite' der Autorin, und bin daher schon aus Prinzip ein Fan des Buches. Gleichzeitig habe ich aber auch gelernt (bzw. wurde daran erinnert), dass man keinesfalls alles, was ins eigene Weltbild passt, ungefragt akzeptieren sollte. Und auch beim Thema Feminismus, wo ich dann doch im ein oder anderen Punkt nicht ganz d'accord gehe mit ihr, habe ich einige Sachen besser verstanden als vorher. Also: Leseempfehlung meinerseits, denn als Anstoß dafür, sich mit einigen Themen noch mal eingehender zu beschäftigen, und auch zu entscheiden, wann man seine Energie in eine Diskussion stecken sollte, wirklich hilfreich!

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"Anleitung zum Widerspruch" ist ein Leitfaden, der Antworten zu populistischen, unwahren oder hetzerischen Aussagen zu den Themen Klimawandel, Antisemitismus, Verschwörungstheorien, Islamismus, Gender oder Geflüchteten liefert. Jedes Kapitel ist dabei gleich aufgebaut. Die Abschnitte werden mit Aussagen wie „In der Arktis nimmt die Eismasse zu“ oder „Frauen sind doch längst gleichberechtigt“ eingeleitet und diese durch fundierte Argumente und Nachweise widerlegt. Zum Schluss des Abschnittes werden diese Argumente noch einmal gebündelt zusammengefasst und bieten somit eine gute Übersicht. Franzi von Kempis "Anleitung zum Widerspruch" ist ein guter Einstieg in die oben genannten Themenbereiche und gibt überzeugende Argumente für Diskussionen zu diesen Themen sowie Tipps zur Führung von Diskussionen, die sowohl im privaten Rahmen wie auch in den sozialen Medien hilfreich sein können. Zudem habe ich meine eigene Argumentation durch die Schilderung einiger psychologischer Aspekte hinterfragt, wie z.B. das "confirmation bias". Dieser Begriff beschreibt, dass Personen nur nach Informationen auf die Suche gehen, die ihre eigenen Überzeugungen bestätigen. Dieses Muster ist mir bei mir selbst aufgefallen und in Zukunft möchte ich bei Recherchen noch verstärkt andere Seiten beleuchten. Des Weiteren habe ich festgestellt, dass es in Diskussionen wichtig ist, Fragen zu stellen, um die Gegenseite besser zu verstehen. Darauf möchte ich ebenfalls mehr achten. Darüber hinaus habe ich sehr viele neue Sichtweisen und Informationen erhalten und konnte schon einige Argumente in Diskussionen anwenden. Eine, wie ich finde, sehr gute Anleitung für Diskussionen zu wichtigen Themen der heutigen Zeit, in der ich auf jeden Fall noch öfters blättern werde. Von mir gibt es also eine klare Leseempfehlung.

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Wi(e)dersprechen

Von: oceanloveR

29.10.2019

Angenehm zu lesen, informativ und hilfreich - ob als Lexikon zum schnellen Nachschlagen von Konterargumenten oder um zu einem Themengebiet einen ersten Überblick und Grundverständnis zu bekommen. Manchmal sagt jemand etwas, das mich sprachlos macht - obwohl ich darauf reagieren könnte, müsste und sollte - als ich also dieses Buch entdeckte, wusste ich, dass ich es lesen MUSS!! Bereits von der ersten Seite an gefiel mir die ruhige und dennoch emotionale, klar positionierte Schreibweise. Mit Argumenten wird man nicht jede*n mehr abholen können, mit Vorwürfen und Rundumschlägen aber noch viel weniger - deshalb fasst die Autorin (Gegen-)Argumente ganz sachlich zusammen und präsentiert mögliche Antwortformulierungen. Durch genaue Recherche und viele Quellenabgaben eignet sich dieses Buch nicht nur dazu, nachzuschlagen, wie man auf eine bestimmte verquere Aussage konkret reagieren könnte, sondern auch, um sich einfach mal zu einem Themengebiet zu belesen, das eigene Wissen zu erweitern. Denn Unwissenheit hat noch nie jemandem genützt! Nach der allgemeinen Einleitung, wie man eigentlich "richtig" diskutiert und was es zu beachten gilt, gliedert sich das Buch in sechs Sachthemen: Klimawandel, Antisemitismus, Verstörungstheorien, Islamfeindlichkeit, Frauen-/ LGBTIQ-Feindlichkeit und Xenophobie bzw. Hetze gegen Geflüchtete. Natürlich kann das Buch bei 253 Textseiten nicht in die Tiefe gehen, auf jede mögliche Aussage und ihre Erwiderung eingehen. Gerade im Verschwörungstheoriekapitel blieb mir vieles zu flach bzw. fehlten Ansichten, die schwieriger zu bewerten sind. Meiner Meinung nach hat die Autorin jedoch die aktuell wichtigsten Gebiete abgestreckt und die häufigsten Aussagen aufgegriffen. Gerade beim Thema Geschlechter habe ich nochmal was dazugelernt bzw. Halbwissen verfestigt und auch vom Youtube DataViewer von Amnesty International wusste ich bis dato nichts. Voller Stickynotes ist das Buch nun - gelungene und treffende Erwiderungen, überraschende oder für mich neue Fakten, interessantes Hintergrundwissen, schockierende Zahlen und Erwähntes, das ich nochmal genauer recherchieren möchte. Definitiv eine bereichernde Lektüre also - egal ob Politikstudentin oder außerhalb von Wahlen wenig politisch aktiver und/oder interessierter Mensch. Dieses Buch kann man am Stück lesen oder selektiert wie ein Lexikon, man kann nachschlagen oder nachlesen, sich informieren und weiterbilden oder es jemandem in die Hand drücken, den man für Argumente (noch) zugänglich hält. Denn es ist so wichtig, Hass und Lügen nicht einfach im Raum, digital oder real, stehen zu lassen, Betroffene nicht zu unterstützen und Zweifler mit ihrer Skepsis allein zu lassen.

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Auf Instagram bin ich über das Buch „Anleitung zum Widerspruch“ gestolpert, dessen Titel und Klappentext hohe Erwartungen meinerseits geschürt haben. In einer Zeit, in der sich der Diskurs immer weiter nach rechts verschiebt – frei nach dem Motto: Das wird man jawohl noch sagen dürfen – kommt ein „Spickzettel gegen Intoleranz“ gerade recht. Denn wer kennt sie nicht, die Tante, die bei der großen Familienfeier plötzlich verkündet, Frauen in Burka gehöre in den Kopf geschossen. Oder die Freundin, die Homosexualität immer noch für etwas Unnatürliches hält. Wie tritt frau* dem entgegen? Der Klappentext zum Buch verspricht Abhilfe: „Doch was entgegnet man, wenn jemand den Klimawandel leugnet, an die BRD-GmbH glaubt oder gegen Geflüchtete hetzt? Fanzi von Kempis gibt uns fundierte Argumente und sorgfältig recherchierte Fakten an die Hand, damit wir uns sicherer fühlen, um populistischen, unwahren oder hetzerischen Parolen etwas entgegenzusetzen. Wem wird widersprochen? Von Kempis widerspricht in ihrem Buch so einigen – und sie tut das wohlüberlegt und gut informiert. Ganze 26 Seiten Quellenbelege in Schriftgröße 8 oder so am Ende des Buches zeugen davon. Dabei wird die ganze Bandbreite moderner Arschlöcher (frei nach dem Motto des Spiegels: „Sagen, was ist.“) abgegrast. Ob Klimawandelleugner*innen, Antisemit*innen, Verschwörungstheoretiker*innen, Sexist*innen oder Nazis: Häufige Argumente der Personen werden vorgetragen und dann wissenschaftlich fundiert widerlegt. Am Ende jeden Absatzes findet sich eine kurze Zusammenfassung der Argumente, sozusagen als „Spickzettel“. Wenn also das nächste Mal jemand behauptet, Impfungen verursachen Autismus, oder laut darüber nachdenkt, wie die Islamisierung unsere christlichen Traditionen zerstöre, hätte ich jetzt theoretisch das wissenschaftliche Fachwissen, nicht nur zu widersprechen, sondern die Argumente meines Gegenübers auch noch in Kleinteile zu zerlegen. Aber: Gewinne ich damit die Diskussion, beende die Debatte, bekehre vielleicht gar mein Gegenüber von ihrem* Irrglauben? Was ist das Ziel des Widerspruchs? Damit so eine Diskussion überhaupt eine Chance auf Fruchtbarkeit hat, muss mein Gegenüber doch grundsätzlich empfänglich für rationale Argumente sein – und wenn mein Gegenüber grundsätzlich empfänglich für rationale Argumente wäre, wie konnte sie* dann überhaupt zu solchen Überzeugungen geraten? Auch von Kempis gibt zu, dass Argumente nicht immer weiterhelfen. Widerspruch sei wichtig, vor allem für die „stumme Mehrheit“. Denn „Was geschieht, wenn irgendwann im Netz nur noch Verschwörungstheorien stünden, weil schlicht niemand mehr dagegen hält?“. Frau* solle sich aber vorher bewusst machen, wie viel Energie sie in eine solche Diskussion investieren wolle und welche Ziele sie dabei verfolge. Also auf jeden Fall widersprechen? Ja, aber… Mit oder gegen Rechte reden? Mely Kiyak schreibt in ihrem sehr guten Essay „Haltung – Ein Essay gegen das Lautsein„: „All denen, die meinen, mit Haltung in Form von permanentem, rhetorischen Widerstand gegen Demokratiefeinde auf der Gewinnerseite zu stehen, sei gesagt: Vergesst es! Indem wir uns ständig mit ihnen beschäftigen und versuchen, sie zu integrieren, sorgen wir nicht dafür, dass sie klüger und offener werden. Sie wollen uns zermürben.“ In einem Artikel der Zeit zum Thema „Lassen sich Rechtspopulisten entzaubern?“ (Online leider nur hinter einer Paywall) streiten sich Sascha Lobo und die Aktivistin Laura Zimmermann über genau dieses Thema. Lobo argumentiert für mich sehr nachvollziehbar: „[Dass die Meinungsfreiheit auch für die absurdesten Äußerungen gelten soll] ist spektakulär naiv und gefährlich. Wenn man ernsthaft sagt, dass in der Öffentlichkeit jede Meinung einen Platz hat, dann hat man weder liberale Demokratie noch den Diskurs verstanden. Und erst recht hat man nicht verstanden, um was es den hier gemeinten Rechten geht: nicht um eine Debatte, sondern um eine Zerstörung der Debatte. Wenn man solchen Menschen nun entgegentritt und so tut, als sei deren Meinung diskutabel, dann ist das gefährlich.“ Also ja, Widerspruch ist unendlich wichtig und dafür ist das Buch sehr hilfreich. Aber Diskussionen mit Nazis, Verschwörungstheoretiker*innen und sonstigen Arschlöchern machen in meinen Augen nur bis zu einem gewissen Punkt Sinn und frau* sollte sich vorher gut überlegen, wie viel Energie sie in eine solche Debatte stecken möchte. Unabhängig davon liest sich „Anleitung zum Widerspruch“ auch so als informative Faktensammlung zu aktuellen politischen Themen, bei denen uns allen ein bisschen mehr Wissen nicht schadet. Von mir vier von fünf Sternen.

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