Leserstimmen zu
Sieh mich an

Erin Stewart

(64)
(21)
(2)
(1)
(0)
€ 16,00 [D] inkl. MwSt. | € 16,50 [A] | CHF 22,90* (* empf. VK-Preis)

Hat mich leider nicht überzeugt

Von: Lotterluise

05.11.2019

Das Buch ist flüssig geschrieben und lässt sich sehr leicht lesen. Es gibt weder komplexe Zusammenhänge noch unerwartete Wendungen oder komplizierte Personenkonstellationen. Nachdem ich die Vorabinformationen gelesen hatte, war ich auf schwere Kost eingestellt. Da ich eine sehr emotionale Leserin bin, die üblicherweise leicht zu packen ist - hatte ich damit gerechnet, in den nächsten Stunden und Tagen in Avas Leben einzutauchen, mit ihr gemeinsam zu zittern, zu hoffen, zu bangen und schwere sowie hoffentlich auch schöne Augenblicke erleben zu dürfen. Die Autorin hat sich sehr bemüht, das schwere Schicksal Avas - also den Verlust ihrer Eltern, ihrer Cousine, ihres Zuhauses und ihres alten Selbst, ihre schweren inneren und äußeren Verletzungen, die Tortur der vielen Operationen und schmerzhaften Behandlungen - ohne Schnörkel und so, wie es ist, darzustellen und klar zu benennen. Das ist Erin Stewart auch gut gelungen. Die Darstellung von Avas Rückkehr in den "normalen" Alltag einer 16-jährigen Jugendlichen leider nicht. Für die Schilderung des US-amerikanischen Highschool-Lebens hat die Autorin alle Klischees, die man sich irgendwie vorstellen kann, bemüht und verwendet. Die dort vertretenen Charaktere wirken entsprechend platt und stereotyp. Die Sportcracks sind - natürlich! - dumm wie Brote. Die Highschool-Diva ist - natürlich! - wunderschön und zugleich ein intrigantes Biest. Und der einzige brauchbare Junge an der Schule hat - natürlich! - eine Vorliebe für Musicals und wegen seiner "weichen" Seite, seiner Hautfarbe und seiner nerdigen Art - natürlich! - ebenfalls einen schweren Stand an der Schule. Diese extrem oberflächlichen und völlig vorhersehbaren Anteile der Geschichte haben auf mich sehr abgegriffen, uninspiriert und schwach gewirkt. Genauso wie die immer wiederkehrenden plakativen Botschaften à la "Du schaffst alles, wenn du nur willst", "Jeder Mensch ist schön!" oder "Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!". Auch sie kamen mir wie lieblos aneinander getackerte Textbausteine vor, die in Endlosschleife durch den Roman geisterten, bis sie aber auch wirklich jeder entdeckt und verstanden hatte. Diese Schwachstellen, die leider einen sehr großen Part des Buches ausmachen, haben vermutlich dazu geführt, dass mich "Sieh mich an" insgesamt weder gepackt noch tiefer berührt hat. Die Kerngeschichte ist gut. Daraus hätte eine phantasievollere Autorin vielleicht eine wunderbare, anrührende Geschichte entwickeln können. So hat es mich eher an eine Mischung aus Hollywood-Schinken und Disney-Drama erinnert, die mich leider nicht erreichen konnte.

Lesen Sie weiter