Leserstimmen zu
Das ungeschminkte Leben

Maryse Condé

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Maryse Condé ist eine französische Schriftstellerin, die 2018 den alternativen Literaturpreis erhielt. "Warum endet der Versuch, von sich zu erzählen, jedes Mal in einem Gewirr von Unwahrheiten?" Und sie versucht ihre Lebensgeschichte so „ungeschminkt“ und wahr wie möglich zu erzählen. Somit zeigt sie, dass ihr Leben eher ein Überlebenskampf als eine Identitätssuche ist. Sie wuchs in einer privilegierten Familie auf. Doch als sie mit 16 zum Studium nach Paris ging, wird sie zum ersten Mal mit Vorurteilen gegenüber Schwarzen konfrontiert. Sie berichtet über Entwurzelung, Rassismus und über ihre eigene politische Entwicklung. Obwohl die Sprache und ihr Stil sehr angenehm ist, ist dieses Buch keine leichte Kost, gerade weil alles sehr offen und ehrlich beschrieben ist. Es ist das erste Buch, das ich von Maryse Condé gelesen habe, wird bestimmt nicht das Letzte sein.

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„Das ungeschminkte Leben“ von Maryse Condé Maryse Condé, die große französische Schriftstellerin von den Antillen, die mit dem alternativen Literaturnobelpreisträger geehrte wurde, berichtet hier von der schwierigsten Zeit ihres Lebens. Es war die Zeit, bevor sie zu schreiben begann, ein unruhiges, bewegtes Leben in Europa und Afrika führte. Sie wuchs in einer privilegierten, bürgerlichen Familie als Tochter der ersten schwarzen Lehrerin und eines schwarzen Bankiers in Guadeloupe auf. Mit sechzehn ging sie zum Studium nach Paris und wurde hier erstmalig mit Vorurteilen und Demütigungen als Schwarze konfrontiert. Sie bekam ein uneheliches Kind und Tuberkulose und wurde daraufhin von den Antillanern gemieden. Sie fand Rückhalt in der afrikanischen Community und heiratete 1958 Mamadou Condé, einen Studenten aus Westafrika. Sie begann, die Lyrik der sogenannten „Négritude“ zu lesen und beschloss, als ihre Ehe nicht gut lief, eine Stellung an der Elfenbeinküste anzunehmen, um ihre Wurzeln und den Afrikanischen Kontinent kennen zu lernen. Die Sechziger Jahre waren auf dem Afrikanischen Kontinent eine bewegte Zeit. Viele der Länder erhielten die Unabhängigkeit von ihren französischen oder englischen Kolonialmächten und neue afrikanische Staatspräsidenten traten entweder als Marionette der alten Kolonialherren an, als Sozialisten oder Diktatoren. Maryse Condé erlebt die Feiern zur Unabhängigkeit in Abidjan. Sie beschreibt aber auch die Animositäten der afrikanischen Nationalitäten untereinander und die Diskriminierung beispielsweise nigerianischer Einwanderer an der Elfenbeinküste. Sie versucht, den Tribalismus der unterschiedlichen Gruppen zu verstehen und beschreibt Vielfalt und Diversität dieses Kontinents, die nicht nur Problem sondern auch Chance ist. Später arbeitete sie in Guinea, wo sie aufgrund ihrer Kontakte verbannt wurde und nach Ghana ging. Dort wurde sie wiederum als guineeische Spionin ausgewiesen, heiratete später einen Engländer und lebte schließlich in den USA und den Antillen. Die schwierige politische Umbruchszeit erlebte sie hautnah. Komplizierte persönliche Beziehungen und vier Kinder machten ihr Leben als alleinerziehende Nomadin nicht gerade leicht. Aber sie traf auf zahlreiche intelligente, politisch aktive Menschen, hatte eine Affäre mit dem unehelichen Sohn des Haitianischen Diktators Duvalier, lernte persönlich den Regierungschef Guineas sowie die zukünftigen Führer der Elfenbeinküste, Benins und Angolas kennen. In Ghana traf sie die afroamerikanischen Intellektuellen auf der Suche nach ihren Wurzel und lernte unter anderen Maya Angelou und Malcom X kennen. Diese Autobiografie ist so nüchtern und ungeschminkt, wie im Titel versprochen. Es werden keine idyllischen Lehmhütten bemüht, jeglicher Afrika-Kitsch ist obsolet. Dafür spürt man die drängende Unruhe, die Zerrissenheit und das Gefühl dieser Autorin, sich überall als Fremde zu fühlen: in Guadeloupe zu privilegiert, in Frankreich rassistisch gedemütigt, in Afrika als zu überlegen und frühkolonisiert abgelehnt. Dass sie diesen Kontinent liebt, er ihr aber nicht das geben konnte, was sie suchte, wird im Verlauf des Buches immer deutlicher. Ich las den Bericht dieses atemlosen, entwurzelten Lebens völlig fasziniert, weil ich selber ein Jahr in der demokratischen Republik Kongo gelebt habe und die Probleme mir durchaus bekannt vorkamen. Teilweise klingt es wie ein WHO is WHO der afrikanischen Befreiungsbewegungen, der Revolutionäre und Staatengründer. Besonders spannend fand ich, dass es bereits in den Sechzigern zahlreiche schwarze SchriftstellerInnen sowohl der frankophonen „Négritude“ als auch der anglophonen „Harlem Renaissance“ gab, die bekannt und geschätzt träumten. Ihr Traum vom Panafrikanismus hat sich bis heute noch immer nicht erfüllt hat.

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Maryse Boucolon, wird 1937 auf der Karibikinsel Guadeloupe geboren und als „Nachfahrin der »Grand Négres«, erzogen in der hochmütigen Verachtung für die unter ihr Stehenden“. Sie berichtet in ihrer Autobiographie hauptsächlich von ihren zwanziger Lebensjahren, ihre härtesten, so wie ich er herauslas. Ereignisse, die sich früher oder später zugetragen haben, schiebt sie geschickt ein. Mit einundzwanzig lernt Maryse ihren späteren Ehemann Mamadou Condé in einem Studentenwohnheim kennen. Zu diesem Zeitpunkt ist sie bereits alleinerziehende Mutter eines Zweijährigen, sitzengelassen von einem Haitianer („Ich wehrte mich lange gegen die einzig mögliche Erklärung: meine schwarze Hautfarbe.“). Die Heirat mit Condé vollzieht sie schnell, denn sie ist „lieber schlecht verheiratet als ein gefallenes Mädchen“. Auf den Abbruch ihres Studiums folgt nach nur wenigen Monaten die Trennung, eine weitere Schwangerschaft und der Aufbruch in ein ihr unbekanntes Afrika. Sie bekommt eine Stelle als Lehrerin am Collége in Bingerville (Elfenbeinküste) und zu spüren, dass ein großer, ganz Afrika durchziehender Graben sie von den Afrikanern trennt (s. S. 43). Die Antillaner blieben unter sich. Sie schreibt: „Mein erster Kontakt mit Afrika war keineswegs Liebe auf den ersten Blick ( … ) Ich war bestürzt über das Elend in der Menschenmenge (…) Im Kontrast dazu sah man blitzsaubere, gut gekleidete Weiße am Steuer ihrer Autos.“ Nach einem Jahr besteigt sie mit Sohn Denis und Tochter Sylvie-Anne einen Flieger nach Guinea und zieht zu Condé. All das passiert bis Seite 56. Es folgen 244 weitere, die zeigen, wie sehr sie von Afrika, von Männern angezogen, geliebt und enttäuscht wird. Sie berichtet über Entwurzelung, Exil und Rassismus, über ihre eigene politische Entwicklung und über die Sehnsucht, in Afrika ein Land zu finden, das sie nimmt, wie sie ist, bzw. wie sie es sich wünscht, zu sein. Das alles mit einer Offenheit, einer Ungeschminktheit, die mich in den Bann zog. 'Das ungeschminkte Leben' war trotz der angenehm zu lesenden Sprache keine leichte, dafür aber eine lehrreiche Lektüre. Die relativ kurz gehaltenen Kapitel, verteilt auf drei Teile, lassen Pausen zu. Die Kapitel sind überschrieben mit bekannten Zitaten, was ich sehr ansprechend fand. Maryse Condé begegnet vielen (teils hochrangigen) Menschen, wechselt Orte und berichtet über politische Lagen. Die Lektüre stellte sich als gute Wahl heraus, denn ich lernte jemanden kennen: Eine Frau mit Stärken und Schwächen, die sich gesellschaftlichen, politischen, gesundheitlichen und inneren Widerständen entgegenstellte. Eine, die nicht tat, was erwartet wurde - gelegentlich auch nicht das, was ich erwartet hätte. Maryse Condés Autobiographie hat mich neugierig gemacht auf ihre Werke. Im Text finden sich zahlreiche, interessante Bezüge dazu.

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Schon früh stand für die auf Guadeloupe geborene Maryse Condé fest, dass sie in einem afrikanischen Staat leben wollte. Das schreibt sie in ihrer 2012 erschienen Autobiografie „La vie sans fards“, die jetzt im Luchterhand Literaturverlag unter dem Titel „Das ungeschminkte Leben“ erschienen ist. Und sie macht es uns tatsächlich leicht, in ihr ebenso spannendes wie bewegtes Leben einzutauchen. Strikt subjektiv und mit einem oft schonungslos kritischen Blick setzt sie sich nicht nur mit den eigenen Empfindungen, Motiven und Entscheidungen auseinander, sondern sie erzählt auch aus der aufregenden Epoche der 1950er/60er Jahre, als sich immer mehr afrikanische Staaten von ihren Kolonialherren lossagten, um ihren eigenen, meist weiterhin steinigen Weg zu gehen. Ein besonderes Augenmerk legt sie dabei auf Guinea, das unter dem Präsidenten Sékou Tuorè lange kommunistisch regiert wurde und in dem Vieles nicht so lief, wie nicht nur Maryse Condé gehofft hatte. So ist „Das ungeschminkte Leben“ ein intensiver und sehr persönlicher Einblick in die Lebenserfahrungen einer großen Schriftstellerin, die 2018 für ihre gut dreißig (!) Romane und Erzählungen mit dem Alternativen Literaturpreis der schwedischen Neuen Akademie ausgezeichnet wurde. Unbedingt lesenswert.

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