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SPECIAL zu Liz Balfour

Interview mit Liz Balfour zu »Emmas Geheimnis«

Sie erzählen in „Emmas Geheimnis“ die bewegende Geschichte einer Frau, die durch einen Schicksalsschlag gezwungen wird, ihren bisherigen Lebensweg und ihre Vorstellung vom Glück zu hinterfragen. Glauben Sie, dass es trotz Trauer und Verlust eine zweite Chance auf das Glück gibt?
Liz Balfour: Manchmal brauchen wir sogar Trauer und Verlust, um unseren Lebensweg in Perspektive rücken zu können und zu überprüfen, ob es der richtige Weg ist. Wie viele bleiben aus Bequemlichkeit einer Sache treu, obwohl sie, wenn sie ehrlich sind, lieber etwas ganz anderes machen würden? Trauer und Verlust sind schlimme und gleichzeitig wichtige Erfahrungen, aus denen wir Stärke und neuen Mut ziehen können und müssen, sonst gehen wir kaputt. Es gibt ein geflügeltes Wort, ich kenne es nur aus dem Englischen: „If you want to make God laugh, tell him about your plans“. Es wird Woody Allen zugesprochen. Aber es bedeutet: Wir können planen, wie wir wollen, es kommt doch anders. Darauf muss man sich einlassen und die neuen Chancen ergreifen. Und ja, ich glaube, es gibt immer eine zweite Chance. Und eine dritte und vierte …

Auch Ihr zweiter Roman spielt an der irischen Küste und thematisiert den Gegensatz von Stadt und Land: Für Kate ist der Rückzug aufs Land die reinste Medizin, und die Natur hilft ihr, ihre Trauer zu bewältigen. Wo gefällt es Ihnen besser? Kann eine wilde Landschaft die Seele heilen?
Liz Balfour: Ich wohne sehr grün, und ich habe es nicht weit zum Wasser, und mit „nicht weit“ meine ich, dass ich zu Fuß hingehen kann. Auf jeden Fall kann eine schöne Landschaft helfen, die Seele zu heilen! Die kräftigen Farben der Natur sind Balsam im Vergleich zum Grau der Häuser und Straßen. Kinsale hat mich immer begeistert, weil man von überall aus das Wasser sehen kann und der Ort an sich sehr hübsch ist. Man kommt dort an und hat sich schon erholt. Einmal war ich mit einer Freundin dort, und sie murmelte alle paar Meter vor sich hin: „Wunderschön, wunderschön!“ Orte wie dieser können nur gut tun!

Kate und Emma sind Freundinnen, die sich nach Jahren wieder begegnen und an alte Zeiten anknüpfen. Doch ein Geheimnis droht ihre Freundschaft zu zerstören. Kann eine Freundschaft so etwas aushalten? Was macht eine gute Freundschaft für Sie aus?
Liz Balfour: Eine Freundschaft bedeutet Geben und Nehmen, und das muss im Gleichgewicht sein. Natürlich muss man auch in einer engen Freundschaft dem anderen seine oder ihre Geheimnisse zugestehen. Vielleicht gibt es sogar Bereiche, über die ein Mensch überhaupt nicht reden möchte. Aber wenn so ein Geheimnis die Freundschaft berührt, wird es schwierig. Dann fangen irgendwann die Lügen an, und es gibt keinen Ausweg mehr. Irgendwann fliegt alles auf – und dann muss man eben sehen: Kann man der Freundin, dem Freund verzeihen? Kann man sie oder ihn sogar verstehen? Hätte man genauso gehandelt? Oder ist das alles nur ein Beweis dafür, dass die Freundschaft schon lange keine mehr ist? Für mich bedeutet eine gute Freundschaft, dass man sich jederzeit alles sagen kann und offen und respektvoll miteinander umgeht, dass man sich aber auch Freiräume gibt. Dass man sich unterstützt und vertraut.

Kate hat große Opfer für ihren verstorbenen Mann gebracht. Sie hat sich immer Kinder gewünscht aber aus Liebe zu Brian darauf verzichtet. Wie weit darf man für die große Liebe gehen? Hält die Liebe solche Opfer aus?
Liz Balfour: Die Liebe hält einiges aus. Durch eine Beziehung ändern sich ja oft eigene Pläne und Wünsche, und wenn die Beziehung eine große Erfüllung ist, warum sollte man dann nicht mal seine Pläne ändern? Aber die Frage, wie weit man dabei gehen darf, ist sehr wichtig. Wenn es an Selbstverleugnung grenzt, kommt immer irgendwann der Tag, an dem man sich fragt, ob es das alles wert war, und an diesem Punkt ist Kate schneller, als sie es sich jemals vorgestellt hätte. Wäre ihr Mann noch am Leben, hätte sie vermutlich ohnehin sehr bald abwägen müssen, was ihr wichtiger ist: einmal ein Kind zu haben, bevor es zu spät ist, oder mit Brian alt zu werden. Kate hat sehr viel Erfüllung von Brians Liebe erhofft, sie war immer bereit, alles dafür zu geben, dass sie ein glückliches Leben haben, und sie wusste wohl instinktiv von Anfang an, dass sie nun mal die Stärkere, die Belastbarere von beiden ist. Jetzt muss sie sich fragen, ob sie dafür wirklich das bekommen hat, was sie sich gewünscht hat.

Sie schreiben in Ihren Romanen über Schicksalsschläge, neue Hoffnungen, wilde Landschaften und tiefe Gefühle. Wie inspirieren Sie sich für Ihre Geschichten?
Liz Balfour: Immer wieder, besonders dann, wenn es gar nicht weitergeht mit den Ideen, ein Stunde Nichtstun. Nur die Gedanken purzeln lassen. Man ist ja im Alltag dauerabgelenkt. Fernsehen, Internet, Radio, Zeitung. Die Ohren und Augen haben ständig zu tun. Das muss sich irgendwann auch mal setzen. Und da hilft nur Ruhe. Eine Stunde aufs Wasser schauen, ganz ohne Ablenkung, oder im Wintergarten sitzen und den Baum vorm Fenster anstarren – mir hilft das.

Zwei Frauen, eine tragische Liebe und ein dunkles Geheimnis

Kate will eigentlich nur vergessen. Nach dem Tod ihres Mannes Brian vor einem halben Jahr hat sie sich in ihr Heimatdorf an der Küste Irlands zurückgezogen. Mit der Unterstützung ihrer Eltern und ihrer Jugendliebe Sam kommt sie langsam zur Ruhe. Eines Tages steht plötzlich ihre Schulfreundin Emma vor ihrer Tür. Die beiden Frauen knüpfen an vergangene Zeiten an, doch Emma verheimlicht etwas. Kurz darauf findet Kate einige unangenehme Wahrheiten über Brian heraus, und bald schon muss sie sich eingestehen, dass ihr Mann ein anderer Mensch war, als sie immer glaubte.

Emmas Geheimnis Blick ins Buch

Liz Balfour

Emmas Geheimnis

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