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SPECIAL zu Richard Yates

Die Wiederentdeckung von Richard Yates

Einer der Möchtegern-Selbstmörder in Nick Hornbys Bestseller A Long Way Down hat auf seinem Weg in den Tod ein Buch in der Tasche, um seinem Freitod einen geheimnisumwobenen Nimbus zu verleihen und auch um den einen oder anderen zum Lesen dieses Buches zu bewegen.

Das Buch, für das sich Hornbys Hauptfigur noch über seinen Tod hinaus einsetzt, ist der Roman Revolutionary Road (dt.: Zeiten des Aufruhrs) von dem US-amerikanischen Autor Richard Yates – ein Debüt, das über Jahrzehnte hinweg als Geheimtipp unter Schriftstellern galt. Richard Ford, Tennessee Williams, Raymond Carver – für sie zählt Yates, dessen 1961 erschienenem Erstling noch sechs Romane und zwei Kurzgeschichtensammlungen folgten, zu den wichtigsten stilbildenden Schriftstellern der Vereinigten Staaten. Kurt Vonnegut rühmte ihn gar als „die Stimme einer ganzen Generation“.

Eine wahrhaft mutige Stimme, denn mit realistischer Schärfe entlarvt Yates das bürgerliche Durchschnittsleben im Amerika der Vierziger- bis Sechzigerjahre. Es sind immer menschliche Tragödien, die er mit einer klaren, zurückgenommenen Sprache beschreibt, Geschichten von unaufhaltsamen Abstürzen und Untergängen, von Einsamkeit, Alkoholismus und Selbsttäuschung im sauberen, scheinbar unschuldigen Vorstadtidyll. Die große Stärke von Yates ist die Präzision, mit der er sich auf die Suche danach macht, wo die Lüge beginnt, die das Leben durchdringt und vernichtet. Mit welchem Blick sie beginnt, mit welcher Geste, mit welchem Wort. Auch mit welchem Wort, das nicht gesagt wird. In der unüberwindbaren Kluft zwischen Gesagtem und Gedachtem, zwischen Äußerlichem und Innerlichem, zwischen Schein und Sein – darin entfalten Yates' Werke ihren unentrinnbaren Sog.

Doch zu Yates' Lebzeiten konnte nur sein Debüt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen. Zeiten des Aufruhrs wurde von der Kritik gefeiert und für den National Book Award nominiert. Danach geriet der 1926 im Bundesstaat New York geborene Yates schnell in Vergessenheit – bis Stewart O'Nan vor einigen Jahren voller Leidenschaft zur Wiederentdeckung des 1992 gestorbenen Autors aufrief.

Und sein Ruf wurde gehört: Es kam zu einer Neuauflage seines Gesamtwerks in den USA, und die DVA sicherte sich die deutschen Rechte. 2002 wurde Zeiten des Aufruhrs in der hoch gelobten Neuübersetzung von Hans Wolf aufgelegt, gefolgt von den Erzählbänden Elf Arten der Einsamkeit (2006) und Verliebte Lügner (2007) sowie den Romanen Easter Parade (2007), Eine besondere Vorsehung (2008), Ruhestörung (2010), Eine gute Schule (2012), Eine strahlende Zukunft (2014) und Cold Spring Harbor (2015). Mit der DVA-Edition ist in Deutschland eine wahre Yates-Euphorie ausgebrochen. Seine Werke werden hymnisch von der Presse besprochen und schaffen es auf Bestseller- und Bestenlisten. Mit der Publikation der nachgelassenen Erzählungen Eine letzte Liebschaft 2016 sind nun alle Werke von Richard Yates ins Deutsche übersetzt.

"Die Deutsche Verlags-Anstalt publiziert seit 2002 das Gesamtwerk von Yates erstmals auf Deutsch, eine verlegerische Glanzleistung, der für jeden neuen Band applaudiert werden muss". Frankfurter Allgemeine Zeitung"