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SPECIAL zu Matias Faldbakken

Die skandinavische Misanthropie

»Zustimmung ist der Satan [...] wenn sie dich gut finden, hast du verloren. « Simpel

Tut uns leid, Simpel, aber wir finden dich und deinen Autor richtig klasse. Jahrelang hüpften wir unbedarft durch die moderne Autorenwelt, fanden neben den ganzen Vollidioten diverse Mängelexemplare und hatten die Hoffnung auf Besserung bereits aufgegeben, als uns in der Buchhandlung dein Werk ins Auge sprang: auf dem Cover nackte Frauen und pornopinke Typo, das hob sich erfreulich von der Restmasse ab.

In »The Cocka Hola Company« bekommen die traditionellen Begriffe und Bereiche des Lebens ihr Fett weg: Schulpädagogik, Design, Werte, Moral. Bei Simpel, dessen sozial-dekonstruierende Projekte einen bleiben-den Eindruck hinterlassen, fühlt man sich gut aufgehoben, und auch Lonyl, Speedo und all die anderen Charaktere, die beim Untergang der Pornoproduktionsfirma DESIREVOLUTION im Spiel sind, unterhalten uns hervorragend. Sie sprechen die Dinge an, die uns und ihnen nach eigenem Bekunden auf die Nerven gehen: das allgemeine Klagen über Geld, das vorne und hinten nicht reicht; »das andere, wovon wir die Schnauze voll haben, ist der Rest der Welt. Wie Normen und Regeln und Strukturen […] funktionieren, das ist genauso bescheuert und vorhersehbar wie das Geldgerede.«

Für »Macht & Rebel« wird der sagenumwobene Unter-grund als Tummelplatz von Nerds und anderen gescheiterten Existenzen entlarvt. Einmal durch Macht, der Ideen aus der Untergrundszene an große Firmen verkauft, und durch Rebel, dem einfach alles egal ist, diese als Stoizismus getarnte Eigenschaft aber geschickt einzusetzen vermag. Im Gegensatz zu Simpel scheitern sie nicht, sondern stehen in der letzten Szene als gefeierte Helden auf dem Schlachtfeld der Straße.

»Unfun« sprengt schließlich die vermeintlich letzte Institution – die Familie. Ein Computerspiel soll Reichtum und Selbstverwirklichung bringen und bildet den Mittelpunkt der Handlung. Dieses dritte Buch lässt sich schwerer einordnen als die beiden Vorgänger, aber dank einiger wirklich guter Ideen Faldbakkens findet die Trilogie hier ihren würdigen Abschluss.

Faldbakken ist Pflicht für alle, die der Lifestylewelt seitenweise entkommen wollen. Doch hoffentlich sind es nicht zu viele, denn:
»Tausend toughe Alternativen zusammengefügt mit dem Leim des Individualismus Bilden doch immer wieder nur den guten alten Mainstream.«