SPECIAL zu den Erfolgsromanen von Kate Morton

SPECIAL zu den Erfolgsromanen von Kate Morton

Familiengeheimnisse mit langer Wirkung

Rezension von Manuela Haselberger

Als der erste Roman der Australierin Kate Morton, „Das geheime Spiel“, 2007 in Deutschland erschien, war die Überraschung groß, da die gesamte Auflage des Taschenbuchs schon nach kurzer Zeit restlos vergriffen war. Das Buch entpuppte sich als absoluter Liebling der Buchhändler, vermutlich vor allem der Buchhändlerinnen, und die geheimnisvolle Familiengeschichte aus der Zeit des 1. Weltkriegs eroberte die Herzen der Leser im Sturm. Ein gutes Jahr später erscheint nun Kate Mortons zweiter Roman „Der verborgene Garten“.


Eine Erbschaft in Cornwall
Alles beginnt mit einer Erbschaft. Die junge Australierin Cassandra hat ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Großmutter Nell, schließlich wurde sie von Nell großgezogen, und als Nell mit fünfundneunzig Jahren stirbt, wundert es keinen, dass sie ihre Enkelin im Testament bedenkt. Doch was soll Cassandra mit einem verlassenen Cottage? Noch dazu in Cornwall? Cassandra beginnt, sich mit dem Leben ihrer Großmutter Nell näher zu beschäftigen und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nell entpuppt sich als das große Mysterium der Familie. „Jede Familie hat ein Geheimnis, keine Frage, aber manche haben halt ein besonders großes.“

Blinder Passagier an Bord
Nell war im Alter von drei Jahren 1913 nach Australien gekommen. Sie war ganz allein als blinder Passagier auf einem Schiff aus Europa gereist. Aus Mitleid wurde sie vom Hafenmeister mit nach Hause genommen und als sein eigenes Kind adoptiert. Nell wächst unbekümmert heran und erfährt lange nichts von ihrer unbekannten Herkunft. Erst nach dem Tod ihres Ziehvaters erhält sie die Kiste, mit der sie als kleines Mädchen nach Australien gereist war. Als sie das alte abgegriffene Märchenbuch mit den wunderbaren Illustrationen aus der Schachtel nimmt, werden sofort wieder Erinnerungen an längst vergessene Ereignisse wach. Nell erinnert sich an die Frau, die diese Märchen verfasste. Sie kennt sie nur unter dem Namen „die Autorin“, doch auch mit über sechzig Jahren scheut sich Nell nicht davor, die eigene Vergangenheit zu erkunden. Voller Erwartungen reist sie nach London.

Im Labyrinth verstrickt
Mit der ihr eigenen Hartnäckigkeit und Sturköpfigkeit schafft es Nell, mit Hilfe eines Antiquars herauszufinden, dass die Autorin des Märchenbuches, Eliza Makepeace, in Cornwall zusammen mit ihrer Cousine Rose gewohnt hat. Als Nell im verlassenen Garten des Herrenhauses steht, kehren alte Erinnerungen wieder. In diesem Garten hat sie als kleines Mädchen gespielt, und als sie das kleine Haus hinter dem heruntergekommenen Labyrinth sieht, weiß sie sofort, dass dort vor vielen Jahren die Autorin gewohnt hat. Kurz entschlossen kauft Nell das alte Gemäuer. Es wird Zeit, die Zelte in Australien abzubrechen und einen Neuanfang in Cornwall zu wagen. Doch wieder hat das Leben und die Familie eine Überraschung für Nell. Es ist ihr nicht möglich, die alten Familiengeheimnisse letztlich zu klären, und deshalb steht Enkelin Cassandra nun vor dieser Herausforderung.

Panorama des zwanzigsten Jahrhunderts aus weiblicher Sicht
Kate Morton spannt in ihrer Familiengeschichte, die von starken Frauen getragen wird, einen weiten Bogen vom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Geschickt taucht sie in Ereignisse der Vergangenheit ein und setzt am Ende ein großes europäisches Sittenbild zusammen, das aus der wechselnden Sicht von drei sehr verschiedenen Frauen erzählt wird. Wenn Eliza von der Kindheit mit ihrer Cousine Rose schwärmt, erinnert dies ein wenig an einen Roman von Dickens. Die strengen gesellschaftlichen Konventionen der Zeit, in der die Mädchen heranwachsen, führen zu familiären Verstrickungen, die noch Generationen später nachwirken. Nell mit ihrer erfrischend zupackenden Art versucht in Australien Fuß zu fassen und ist mit ihrer Aufgabe als Mutter total überfordert. Erst Cassandra gelingt es, die losen Fäden zu verknüpfen.

Perfekte Unterhaltung
Den Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, das geheimnisvolle Labyrinth, das für die Kinder Rose und Eliza immer streng verboten war, hat Kate Morton von der amerikanischen Kinderbuch-Autorin Hodgson-Burnett entliehen, die darüber in ihrem Klassiker „Der geheime Garten“ schreibt und ganz am Rande dafür mit einem Auftritt in Kate Mortons Roman bedacht wird.

„Der verborgene Garten“ bietet alle Zutaten des perfekten Unterhaltungsromans: eine breit angelegte Familiensaga mit lebendigen Figuren, die man gerne begleitet, kombiniert mit atmosphärisch dichtem, gesellschaftlichem und historischem Hintergrund. Nicht zu vergessen ein ordentliches Maß an Spannung. Was will man mehr?

Manuela Haselberger
(bookinist)
Geislingen, Dezember 2008

Der verborgene Garten

(4)
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