Kalter Sommer

Ein Fall für Maresciallo Fenoglio

(3)
Taschenbuch
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Der Sommer 1992 ist ein extrem kalter Sommer in Süditalien. Und es ist der Sommer der brutalen Mafia-Anschläge auf die Staatsanwälte Falcone und Borsellino. In Bari wütet derweil ein regelrechter Krieg zwischen verschiedenen Mafia-Gangs. Als der Sohn des Clanführers Grimaldi entführt und kurz darauf tot aufgefunden wird, übernimmt Maresciallo Fenoglio die Ermittlungen. Der Verdacht fällt schnell auf Grimaldis Gegenspieler Lopez, der Fenoglio daraufhin Informationen anbietet, um seine Familie zu schützen. Doch ist Lopez wirklich für den Tod des Jungen verantwortlich?

»Carofiglio verwandelt Wirklichkeit in unwiderstehliche Fiktion.«

Friedrich Ani

Aus dem Italienischen von Verena von Koskull
Originaltitel: L’estate fredda
Originalverlag: Giulio Einaudi Editore S.p.A
Taschenbuch, Broschur, 352 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-47358-8
Erschienen am  18. Juni 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Dieses Buch spielt in: Bari, Italien

Leserstimmen

Grauzonen

Von: Barbara62

13.07.2019

1992 erschütterten zwei schwere Attentate Italien, die bis heute Spuren hinterlassen haben: Am 23.05. wurde der ehemalige Mafia-Richter und Direktor im Justizministerium Giovanni Falcone mitsamt seinen Begleitern bei Palermo mit Hilfe einer halben Tonne Sprengstoff unter der Autobahn zerrissen, am 19.07. starben auf ähnlich spektakuläre Weise mitten in Palermo sein Richter-Kollege Paolo Borsellino und dessen Leibwächter. Beide Anschläge gingen auf das Konto der sizilianischen Cosa Nostra, die damit vom Verbrechersyndikat zur Terrororganisation wurde. Langfristig führten diese Terroraktionen jedoch zu einem Niedergang der sizilianischen Mafia. Genau zum Zeitpunkt dieser spektakulären Attentate spielt der Krimi - oder der Roman, wie der Verlag ihn bezeichnet - des ehemaligen Antimafia-Staatsanwalts und gebürtigen Barinesers Gianrico Carofiglio. In der eher kleinen Mafiagruppierung „La Società Nostra“ in der apulischen Hauptstadt ist im April 1992 ein interner Krieg zwischen dem Anführer Nicola Grimaldi alias „der Blonde“ oder „Dreizylinder“ und seinem Stellvertreter Vito Lopez ausgebrochen. Kurz darauf wird Grimaldis Sohn auf dem Schulweg entführt, es geht eine Lösegeldforderung ein und kurz darauf wird das Kind tot aufgefunden. Niemand zweifelt an der Täterschaft von Lopez und seinen Anhängern. Maresciallo Fenoglio, 41-jähriger Turiner und seit zehn Jahren der Liebe wegen in Bari, übernimmt die Ermittlungen der Operation "Kalter Sommer". Geschockt und traurig, weil seine Frau Serena ihn vor zwei Monaten vorläufig verlassen hat, taucht er in ein Milieu ein, das er mittlerweile allzu gut kennt. Als sich Lopez der Polizei stellt, weil er als Hauptverdächtiger Grimaldi mehr fürchtet als die Carabinieri und als „wandelnder Toter“ die Kooperation mit der Justiz als „einzige Hoffnung“ sieht, führt Fenoglio die tagelangen Vernehmungen mit dem mehrfachen Mörder. Während der jedoch eine Vielzahl von Verbrechen gesteht, detailliert die Gründung der Gruppe und ihre Struktur darlegt und über die Beziehungen zur Lokalverwaltung und zu einzelnen Politikern berichtet, bestreitet er vehement jegliche Verwicklung in die Entführung. Trotz aller offensichtlicher Indizien kommen auch Fenoglio immer mehr Zweifel und es zeigt sich immer deutlicher, dass Schwarz und Weiß keineswegs immer scharf zu trennen sind und es für die Ermittler jede Menge Grauzonen gibt. Gianrico Carofiglios Bari-Reihe um den Strafverteidiger Guido Guerrieri gehören zu meinen absoluten Lieblingskrimis, vor allem wegen des sympathischen Protagonisten und der ausführlichen Gerichtsszenen. Ob "Kalter Sommer" aus dem Jahr 2016, auf Deutsch 2018, im Untertitel „Ein Fall für Maresciallo Fenoglio“, ebenfalls als Reihe geplant ist, kann ich dem Band leider nicht entnehmen. Mit Sicherheit hat der Protagonist viel Potential für eine Fortsetzung und ich würde gerne mehr über sein Privatleben, seine Arbeit und seine Kollegen erfahren. Auch wenn mir die wörtlichen Vernehmungsprotokolle Vito Lopez‘ im Mittelteil etwas zu lang waren, hat mir auch dieser Krimi gut gefallen. Die gelungene Einbettung der beiden eingangs beschriebenen, realen Mafiamorde in die Geschichte, der Einblick in Mafiastrukturen, die Carofiglio-typischen Erläuterungen zum italienischen Recht und die überraschende Auflösung lohnen die Lektüre allemal.

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Mit viel internem Wissen gestaltet

Von: Michael Lehmann-Pape

04.07.2018

„Soeben ist ein Anruf eingegangen. In Enziteto ist eine Schießerei auf offener Straße…..im Gang“. Und als die Carabinieri anlangen, mit Verstärkung, ist der Spul bereits vorbei. Die Straße übersät mit Munitionshülsen, aber natürlich hat keiner der Anwohner etwas gesehen oder bemerkt. Was das Problem im Kampf gegen die Mafia an sich ist. Angst, Ehre, Schweigen um jeden Preis, selbst wenn das eigene Kind entführt wird, eine Unsumme an Lösegeld bezahlt wurde und das Kind dennoch nur noch tot aufgefunden werden kann. Allerdings, wenn es der Sohn eines der Mafia-Chefs von Bari ist, dann ist dem Carabinieri Fenoglio umgehend klar, dass hier das letzte Wort nicht gesprochen sein wird. Und auch der leitenden Staatsanwältin geht ein ungutes Licht auf, als der Hauptverdächtige „Konkurrent“ des Mafia-Bosses, Lopez, sich der Polizei zur Verfügung stellt und die „Omerta“ ganz weit nach hinten rückt, um intern auszupacken. Der Mann hat eh nichts mehr zu verlieren, die halbe Mafia der Stadt macht bereits Jagd auf ihn. Als ehemaliger Staatsanwalt im Bereich des organisierten Verbrechens ist Carofiglio Insider und bewandert genug, um detailliert die Organisation, das Vorgehen, den „Alltag“ der Mafia geschickt in den Thriller mit einfließen zu lassen. Decknamen, das Wissen um mannigfaltige Gewalttaten, die vermeintliche Ehre, die vor allem eine Verteidigung der eigenen Macht darstellt, all das liest sich realistisch, packend und gut. IN Verbindung mit dem Mord an einem unschuldigen Kind und der Bedrohung für die Staatskräfte, die an jeder Ecke lauert, entfaltet sich ein attraktives Puzzle mit Spannung und Tempo. Ein Gesamtbild, in dem auch der „menschliche Faktor nicht zu kurz kommt. Die leiden einer Mutter, Freundschaften und Feindschaften und auch der Carabinieri Fenoglo zeigt menschlich allzu menschliches in Bezug auf seine Ehe, die gerade pausiert und öffnet sich gar Kollegen gegenüber, was in früheren Zeiten unvorstellbar gewesen wäre. „Ich weiß, du magst mich nicht. Ich mag mich auch nicht, und das schon seit einer ganzen Weile. Ich kanns dir also nicht übelnehmen“. „Es ist, als hättest du eine Art Superkraft…… Das macht mich sauer, und ich bewundere es. Vielleicht macht es mich sauer, weil ich es bewundere“. Aber alle vermeintlichen Superkräfte nutzen zunächst nicht, wenn lange unklar bleibt, was da eigentlich für ein Spiel gespielt wird, wer den Tod des Jungen verschuldet hat und das man Grimaldi, die örtliche Mafia-Größe, einfach nicht wirklich zu fassen bekommt auf seinem verborgenen Feldzug der Rache und seiner Bedrohung gegen Staatsanwältin und überhaupt jeden, der meint, sich ihm in den Weg stellen zu müssen. Mit der Besonderheit im Stil, dass Carofiglio großen Wert auf realistische Abläufe legt und phasenweise das Tempo des Romans zurücknimmt gegenüber der eher ruhigen, schrittweisen Ermittlungstätigkeit der Polizei vor Ort anzuführen. Dadurch gewinnt der Roman an sachlicher Tiefe und führt den Leser gut ein in die Welt des Mafia-bedrohten, teils -bestimmten Lebens in Süditalien, dieser Realismus benötigt aber auch die entsprechende Geduld und Ruhe des Lesers bei der Lektüre. Schnellschüsse finden sich in diesem Werk nicht. Eine empfehlenswerte Lektüre.

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Vita

Gianrico Carofiglio wurde in Bari geboren und arbeitete viele Jahre als Antimafia-Staatsanwalt. Er war Parlamentsberater für den Bereich organisierte Kriminalität und jahrelang Mitglied des italienischen Senats. Seine Bücher wurden in 27 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen geehrt.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

»Eine packende Lektüre.«

Hamburger Abendblatt

»Krimikunst auf höchstem Niveau.«

literaturmarkt.info

»Sehr nah an den Ereignissen dieser kalten, gefährlichen Zeit.«

Publishing Perspectives

»Gianrico Carofiglio schreibt phantastische Kriminalromane.«

FAZ