Zen im Alltag

Kurze Auszeiten in der Stadt

Mitten im Trubel einen Ort zu finden, der aufatmen lässt, das wünschen sich viele Stressgeplagte. Doch es ist gar nicht nötig, aus der Stadt zu fliehen, um Ruhe zu tanken. Denn die Entspannung beginnt am Hauptbahnhof! Mit Achtsamkeit und einer veränderten Wahrnehmung bietet die Großstadt erfrischende Begegnungen, neue Sichtweisen und pulsierendes Leben. Testen Sie unsere Meditation in der Warteschlange!

Die Stadt mit neuen Augen sehen

City-Orte für kurze Auszeiten

Einige Orte sind besonders gut geeignet für kurze Auszeiten und Meditationen, die den Geist zur Ruhe bringen:
• das Meditationskissen zu Hause
• der Balkon
• der Garten
• das Auto
• Kirchenräume, Moscheen, Synagogen
• Meditations- oder Yogazentren
• Räume der Stille (wie es sie mittlerweile in vielen Städten gibt)
• Friedhöfe
• Parks
• Treppenhäuser
• öffentlich zugängliche Dachterrassen
• Brachland
• Parkdecks
• Badewanne
• Toiletten

City um 5 Uhr in der Früh

Diese Orte entfalten ihren Reiz besonders zu bestimmten Tageszeiten:
• die Stadt um 4 oder 5 Uhr in der Früh
• Spielplätze am frühen Morgen oder späten Abend
• große Parkplätze am frühen Morgen, späten Abend oder sonntags

Glocken der Achtsamkeit

Mit Glocken der Achtsamkeit zu experimentieren und die für uns am besten geeigneten zu entdecken, ist überaus hilfreich. Die Glocken der Achtsamkeit unterstützen uns darin, dass wir uns ganz wesentliche Funktionen der Achtsamkeit immer wieder wachrufen: die des Innehaltens und der Entschleunigung.

Glocken der Achtsamkeit können sein:
• Kirchenglocken
• die Rufe der Muezzin in Moscheen
• Polizeisirenen
• rote Ampeln
• Zebrastreifen
• Bushaltestellen, an denen wir warten
• Supermarktkassen, an denen wir in der Schlange stehen
• Bildschirmschoner
• Computerprogramme, die die PC- Tastatur regelmäßig für einige Minuten sperren (In der sanften Variante kann man sie selbst wieder entsperren, in der Hardcore-Variante muss man warten, bis das Programm es tut.)
• Erinnerungszettel an sichtbaren Plätzen in Wohnung oder Büro mit entsprechenden Merksätzen oder Versen.

Meditation beim Schlangestehen

Meinen Atem im Heben und Senken des Bauches spürend, nehme ich wahr, dass ich am Ende einer Reihe von Menschen am Postschalter stehe, meine Füße, fest auf dem Boden, stehen schulterbreit auseinander, ich spüre Anspannung im Bauch – und suche sie zu lösen, atme in die Anspannung hinein; mein Gesicht ist angespannt, die Mundwinkel nach unten gezogen, ich versuche sie in einem Halb-Lächeln zu entspannen.

Den Atem spürend, sehe ich die Menschen vor mir, sehe ... Den Atem spürend, merke ich, wie der Gedanke: »Wie kann man nur so langsam sein und nicht vorher wissen, was man genau will«, durch mein Bewusstsein zieht und ein Gefühl des Ärgers auslöst.

Den Atem spürend, lasse ich den Ärger los und wende
meine Aufmerksamkeit wieder dem Heben und Senken der
Bauchdecke zu. Den Gedanken: »Diesen Idioten sollte man ...«, lasse ich los, bevor ich ihn zu Ende gedacht habe, und spüre wieder den Atem. Ich sehe die Menschen vor mir und spüre auf einmal ein Gefühl der Verbundenheit und des Mitgefühls:
Uns hat es hier in dieser Schlange zusammengeführt. Wir alle sind in unseren eigenen Gedankenwelten und Fantasien verfangen, erleben Ungeduld und Ärger, dabei wollen wir eigentlich alle nur glücklich sein und schaffen das doch nur so selten.
Ich spüre meinen Atem, sehe, dass der Mensch vor mir ein,
zwei Schritte nach vorn geht, hebe den rechten Fuß, bringe ihn ein Stück nach vorne und setze ihn dann auf, hebe den rechten Fuß und verfahre ebenso.
Nehme den Gedanken wahr: »Die könnten doch wirklich noch einen zweiten Schalter aufmachen, statt immer nur den Service zu verschlechtern«, der von einem erneuten Gefühl heftigen Ärgers begleitet wird, und spüre wieder den Atem, spüre das irgendwie warme, vertraute Gefühl des Hebens und Senkens der Bauchdecke ... Ich trete an den Schalter, sehe die Frau auf der anderen Seite freundlich an, lächle und sage ...