Das Licht jener Tage

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Eine Reise in den Nahen Osten wird zur Reise in die eigene Vergangenheit.

Robert Landauer, einst international geachteter Mediziner, wagt nach einem Pharmaskandal einen Neuanfang in Berlin. Als er einer ohnmächtigen jungen Frau hilft und sie nach Hause fährt, trifft er auf deren Vater, Fouad Tamimi. Es ist nicht die erste Begegnung zwischen den beiden Männern: Ihre gemeinsame Geschichte führt zurück ins Jahr 1982, in den kriegsgebeutelten Libanon; Tamimi hat Landauer damals das Leben gerettet, doch seine große Liebe Sahira verloren. Nach dem Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern von Beirut fehlte von ihr jede Spur. Landauer lässt sich darauf ein, Tamimi bei der Suche nach Sahira zu helfen. Er macht sich auf den Weg in den Nahen Osten und stößt dabei nicht nur auf seine eigene Vergangenheit, sondern auch auf eine Geschichte von ungeahnten politischen Ausmaßen.


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ISBN: 978-3-641-21801-0
Erschienen am  23. September 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Vielschichtig: Das Licht jener Tage

Von: Erdhaftig schmökert

19.10.2019

Ein Roman, dessen Klappentext irgendwie auf Abenteuer mit Krimi hinweist. Tatsächlich ist die Geschichte spannend und sie ist vielschichtig. Sie greift politische Geschehnisse in Beirut und im Libanon nahe der israelischen Grenze um 1982 auf. Wird dadurch persönlich, dass der Erzähler damals als junger Kerl in die Ereignisse rutschte und nun, vierzig Jahre später, wieder damit konfrontiert wird. Sein Umgang damit, die Beschreibungen der gesellschaftlichen Landschaften, in denen er sich nun bewegt, sind lesenswert. Sachlicher Erzählstil Die Geschichte ist von einem maskulinen, sachlichen Erzählstil geprägt. Manchmal sehr detailliert, aber nie zu beschreibend, oft so, dass man sich einiges denken kann und nie zu viel vorab erahnen kann. Man erfährt die Geschichte, wie der Erzähler: peu á peu und sieht die Gegenden durch seine Augen. Denn daran lässt der Autor gut teilhaben. Man kann sich vieles bildlich vorstellen - ob in Berlin, Beirut oder Tel Aviv. Dieser Roman ist kein Schmöker, in dem man versinkt und erholt wieder auftaucht. Einiges zu Lesende ist durchaus verstörend, anderes wiederum neckisch. Ich hatte einige Tage etwas von dieser Geschichte und finde sie insgesamt lesenswert.

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Palästinensische Vergangenheit

Von: letteratura

10.10.2019

Robert Landauer war einst ein sehr angesehener Mediziner, doch ein Pharmaskandal sorgte für einen enormen Karriereknick. Zwar muss Landauer die Arbeitslosigkeit nicht fürchten, doch sein Ruf ist beschädigt. Er lebt allein, von seiner Frau ist er seit langem getrennt, die Ehe zerbrach am Tod der gemeinsamen Tochter. In Berlin hat er eine folgenreiche Begegnung, als er einer jungen Frau hilft, die bei hohen Temperaturen einen Schwächeanfall erleidet. Er kümmert sich um sie und erhält kurze Zeit später eine Einladung ihres Vaters, der sich bedanken will. Fouad Tamimi, so sein Name, und Landauer kennen sich aus der Vergangenheit, ja, aus so etwas wie einem früheren Leben. Tamimi bittet Landauer um einen Gefallen, denn Landauer steht in dessen Schuld, wegen dem, was viele Jahre zuvor passiert ist. Landauer macht sich auf die Suche nach der Frau, die Tamimi vor vielen Jahren geliebt und verloren hat. Tamimi hatte mit Sahira aus dem Nahen Osten fliehen und ein neues Leben mit ihr beginnen wollen, doch die beiden wurden getrennt. Angeblich wurde Sahira beim Massaker im palästinensischen Flüchtlingslager getötet, so wie ihre gesamte Familie, doch es gibt keine Beweise. Landauer reist in den Libanon, um die Spuren Sahiras aufzunehmen und trifft dabei auch auf vergessen Geglaubtes aus seiner eigenen Vergangenheit. Gleichzeitig macht man ihm schnell klar, dass einige mächtige Männer es lieber sähen, wenn er seine Recherchen einstellen würde. Landauer wird bedroht. Es ist eine brisante Geschichte, der er immer näher kommt. „Das Licht jener Tage“ von Stephan Abarbanell folgt Robert Landauer auf seiner rasanten Suche nach Sahira und dem, was mit ihr passiert ist. Orte und Zeiten wechseln dabei schnell, Informationen erhält Landauer und damit auch der Leser nach und nach. Was recht harmlos beginnt, gewinnt an Tiefe und Brisanz, und immer deutlicher zeigt sich, dass Landauer auf gefährlicher Mission ist. Landauer ist ein versehrter Charakter, einer, der geliebt und verloren hat, der sich in seine Arbeit stürzte und der zu Beginn der Geschichte an einem Punkt ist, an dem sich entscheiden wird, wie er von nun an, mit schätzungsweise um die 50, weiterleben will. Sehr viele starke Frauen tummeln sich in „Das Licht jener Tage“, angefangen von Landauers Exfrau über seine Jugendliebe, seine Kollegin Monique, die verschollene Sahira bis hin zur Journalistin Mila, die Landauer auf seiner Reise kennenlernt. Viele, positiv besetzte Frauencharaktere, die wissen, was sie wollen. Abarbanells neuer Roman lebt von der Spannung, von dem langsamen Aufschlüsseln aller Fragen, die im Laufe der Geschichte aufgeworfen werden, aber auch von der Hauptfigur Robert Landauer und der Entwicklung, die dieser durchmacht. Dabei findet sich zwar teilweise etwas Pathos und einige Dialoge sind etwas gestelzt und unnatürlich geraten, insgesamt fällt dies aber nicht allzu schwer ins Gewicht. Die Stärke von „Das Licht jener Tage“ liegt weniger in Sprache und Stil, der Roman lebt ganz klar von seiner spannenden Geschichte und der undurchsichtigen Vergangenheit, der der Protagonist auf die Spur zu kommen versucht. Ganz nebenbei erfährt man auch noch etwas über den Nahostkonflikt. „Das Licht jener Tage“ ist eine spannende, höchst unterhaltsame Geschichte um einen Mann und seine Mission, um Geheimnisse und Geschichte, um Israelis und Palästinenser, um eine große, jäh zerplatzte Liebe. Zwar teils pathetisch, aber nicht kitschig, insgesamt eine recht runde Sache.

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Vita

Stephan Abarbanell, 1957 in Braunschweig geboren, wuchs in Hamburg auf. Er studierte Evangelische Theologie sowie Allgemeine Rhetorik in Hamburg, Tübingen und Berkeley und nahm am Creative-Writing-Kurs bei Walter Jens teil. Heute ist Abarbanell Kulturchef des rbb. Sein Romandebüt, Morgenland, erschien 2015 bei Blessing. Stephan Abarbanell lebt mit seiner Frau, der Übersetzerin Bettina Abarbanell, in Potsdam-Babelsberg.

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