Marschmusik

Roman

(2)
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Tief unter der Erde hält der junge Mann aufgeregt und fiebrig ein warmes Stück Kohle in der Hand. Zum ersten Mal. Hier im Streb, wo Generationen von Bergleuten malocht haben. Bald endet die Kohleförderung in Deutschland. Und damit das Leben unter Tage. Dann ist im Ruhrpott Schicht im Schacht. Und es bleiben nur noch Erinnerungen: an den wortkargen Vater und die Abende mit Bier, Schnaps und Marschmusik aus dem Küchenradio. An ein Milieu, das für immer verschwinden wird.

In den frühen Sechzigern lernen sich die Eltern des jungen Mannes kennen: Sie ist Näherin, er ist Kohlenhauer. Viele Jahrzehnte später will der erwachsene Sohn endlich Licht ins Dunkel der eigenen Familiengeschichte bringen: Wie hat die Familie gelebt inmitten von Zechentürmen, Taubenschlägen und Schrebergärten? Und was ist eigentlich noch übrig vom bescheidenen Reihenhaus, das dem erwachsenen Sohn doch früher vorkam wie ein Palast? Wie lange wird seine Mutter noch rauchend im Sessel sitzen und sich an den verstorbenen Vater erinnern? Und was bleibt, wenn es das alles wirklich bald nicht mehr gibt? Martin Becker erzählt vom Aufwachsen in einer proletarischen Familie am Rande des Ruhrgebiets. Vom Außenseitertum der kleinen Leute, aber auch von Momenten großen Glücks, die in einer vermeintlich tristen Kleinstadtkindheit doch immer wieder aufblitzen. »Marschmusik« ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden, ein Buch über die magische Welt des Kohlebergbaus und über die verführerische Kraft der Finsternis unter Tage – allem Verschwinden zum Trotz immer wieder erzählt mit Leichtigkeit und Witz.

»Klarheit und Lakonie, Witz und Ironie - kaum ein deutschsprachiger Autor versteht es derzeit, diesen rhetorischen Vierklang so kraftvoll erklingen zu lassen wie Martin Becker.«

Joachim Dicks / NDR kultur (22. März 2017)

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ISBN: 978-3-641-18668-5
Erschienen am  13. März 2017
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

In Zeiten der sterbenden Kohleindustrie ein hochaktuelles Buch!

Von: Aufgeblättertes

11.02.2019

Mit einem Kurzbesuch bei seiner Mutter, beginnt für den Protagonisten eine Reise in die Vergangenheit. Oder besser: in verschiedene Ebenen, verschiedener Vergangenheiten. So beleuchtet er zum einen die Geschichte seiner Eltern: der Vater beginnt schon als Jugendlicher als Bergmann im Tagebau zu malochen. Die Mutter ist Hausfrau mit verschiedenen Gelegenheitsjobs. Irgendwann kehren sie dem Ruhrpott und dem Bergbau den Rücken, dennoch bleiben sie diesem Leben bis zum Schluss verbunden. Weiterhin beschreibt der Protagonist sein Zusammentreffen mit einem alten Kumpel des Vaters. Diesem stellt er all die Fragen über das Leben als Bergmann, die er seinem Vater nicht mehr stellen konnte. Schließlich beschreibt der Erzähler seinen Versuch aus dem Arbeitermilieu auszubrechen, indem er beginnt, Posaune zu spielen und davon träumt, ein großer Musiker zu werden. All diese Stränge geben ein interessantes Bild von Verlust und Verbundenheit. Der Zerfall dieser Familie verläuft parallel zum Zerfall des Bergbaus im Ruhrgebiet, was das Buch sehr aktuell macht. Die verschiedene Vergangenheitsstränge sind klar strukturiert und werden bis zum Ende des Buches durchgehalten. An einigen Stellen gräbt man sich sehr tief in den Berg ein. Dort fehlten mir ein paar mehr Erklärungen zum Bergbau-Jargon. Das wäre leicht möglich gewesen, weil der Erzähler selbst immer wieder einräumt, nichts mit den Fachausdrücken anfangen zu können. Am Anfang fand ich das Buch zu wehmütig und mitleidheischend, aber das hat sich im Laufe der Geschichte gefangen. Das Buch scheint autobiografisch zu sein und nur so kann ich mir erklären, warum der Marschmusikstrang so unglaublich präsent ist. Hier hatte der Autor wohl noch eine offene Rechnung mit sich selbst. Ich finde, das Buch liefert einen schönen Beitrag zu den Arbeiterkindbüchern der letzten Jahre (Eribon, Louis etc.). Es legt darauf zwar keinen Fokus, aber gerade in den Beschreibungen von Eltern-Kind-Beziehungen und in dem distanzierten Blick, den der Erzähler auf seine Herkunft wirft, erinnert es sehr stark an die berühmten Vorbilder. Für alle die sich für diese Thematik, aber auch die schwindende Welt des Bergbaus interessieren, spreche ich eine klare Leseempfehlung aus.

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Glück auf!

Von: Buecherseele79

01.02.2019

In dem Buch "Marschmusik" schreibt Martin Becker über eine durchschnittliche Ruhrpott Familie. Eine Familie die mehr für sich lebt, 3 Söhne hat, versucht über die Runden zu kommen, der Erzähler des Buches ist der jüngste Sohn und Nachzügler, er erhielt gerade von den Eltern immer viel Liebe und Aufmerksamkeit. Aber der jüngste Sohn lebt auch am weitesten von der alten Heimat entfernt, als er seine Mutter mal wieder besucht erinnert er sich an sein bisheriges Leben und interessiert sich gerade für den schon verstorbenen Vater der im Bergbau tätig war. Für mich ist das Buch von Martin Becker eine ganz grosse Liebe und Hommage an den Ruhrpott, gerade an die Menschen die im Bergbau tätig waren, die die Nation mit Kohle und Energie versorgten, die immer am malochen waren und nie gejammert haben. Der Schreibstil des Buches ist einfach, realistisch, so wie die Menschen im "Pott" reden, denken und leben und genau hier liegt, für mich als Leser, das Besondere, das Liebevolle, das Wahre des Buches. Man muss sich auf den Schreib- und Erzählstil einlassen, sonst denke ich dass viele Leute ein Problem mit diesem Buch haben werden. Das Buch weist einige Erzählstränge auf, einmal geht es um den jüngsten Sohn der immer das Nesthäkchen war, der aber als Einziger das Weite gesucht hat und verschiedene Bahnen von Gefühlen durchlebt wenn er die Mutter daheim besucht. Er möchte nicht zu Besuch kommen, auf der anderen Seite möchte er aber auch nicht gehen. Man erfährt von seiner Jugend, dass er immer eher ängstlich war, viel krank, ja manchmal fast paranoid, wieviel ihm das Posaune spielen in der Marschkapelle bedeutet hat, er suchte den Weg zu der ganz grossen Bühne und wollte berühmt und angesehen werden. Und dann gibt es das Leben der Eltern, was ich persönlich am interessantesten fand, denn diese Abschnitte beschreiben das Leben und Arbeiten im Ruhrpott sehr deutlich. Wie die Eltern sich kennenlernten, wie sie nach Jobs suchten und immer versuchten über die Runden zu kommen, dass das Leben damals kein Zuckerschlecken war, aber es gab nie ein böses Wort oder Grund zu Jammern, denn- "man kann ja nichts machen", es wird schon irgendwie weitergehen. Wer dieses Buch liest sollte sich für den Bergbau, den Ruhrpott und die Mentalität des Ruhrpotts interessieren bzw. vielleicht schon mal dort gewesen sein. Mein Freund stammt aus dem Pott, seine Oma und andere Verwandte leben noch dort, viele haben damals noch in den ganz grossen Industrieanlagen gearbeitet. Durch regelmässige Urlaube kann ich mittlerweile sagen dass das Buch den Ruhrpott genau so wiedergibt, es war eine Freude es lesen zu dürfen. Und gerade heute ist der Pott mehr als nur Bergbau, grau und dreckig, sondern grün, interessant und von einem ganz eigenen Schlag. Ich bedanke mich bei dem btb-Verlag, dem Randomhouse Verlag sowie dem Bloggerportal die mir das Buch als Rezensionexemplar überlassen haben. (Dies hat keine Auswirkungen auf meine Rezension!) Mich konnte das Buch bestens unterhalten, es gibt tiefe Einblicke in das einfache Leben einer Familie die mit dem Bergbau aufgewachsen ist und ist eine wahre Hommage an den Ruhrpott. Glück au,In dem Buch "Marschmusik" schreibt Martin Becker über eine durchschnittliche Ruhrpott Familie. Eine Familie die mehr für sich lebt, 3 Söhne hat, versucht über die Runden zu kommen, der Erzähler des Buches ist der jüngste Sohn und Nachzügler, er erhielt gerade von den Eltern immer viel Liebe und Aufmerksamkeit. Aber der jüngste Sohn lebt auch am weitesten von der alten Heimat entfernt, als er seine Mutter mal wieder besucht erinnert er sich an sein bisheriges Leben und interessiert sich gerade für den schon verstorbenen Vater der im Bergbau tätig war. Für mich ist das Buch von Martin Becker eine ganz grosse Liebe und Hommage an den Ruhrpott, gerade an die Menschen die im Bergbau tätig waren, die die Nation mit Kohle und Energie versorgten, die immer am malochen waren und nie gejammert haben. Der Schreibstil des Buches ist einfach, realistisch, so wie die Menschen im "Pott" reden, denken und leben und genau hier liegt, für mich als Leser, das Besondere, das Liebevolle, das Wahre des Buches. Man muss sich auf den Schreib- und Erzählstil einlassen, sonst denke ich dass viele Leute ein Problem mit diesem Buch haben werden. Das Buch weist einige Erzählstränge auf, einmal geht es um den jüngsten Sohn der immer das Nesthäkchen war, der aber als Einziger das Weite gesucht hat und verschiedene Bahnen von Gefühlen durchlebt wenn er die Mutter daheim besucht. Er möchte nicht zu Besuch kommen, auf der anderen Seite möchte er aber auch nicht gehen. Man erfährt von seiner Jugend, dass er immer eher ängstlich war, viel krank, ja manchmal fast paranoid, wieviel ihm das Posaune spielen in der Marschkapelle bedeutet hat, er suchte den Weg zu der ganz grossen Bühne und wollte berühmt und angesehen werden. Und dann gibt es das Leben der Eltern, was ich persönlich am interessantesten fand, denn diese Abschnitte beschreiben das Leben und Arbeiten im Ruhrpott sehr deutlich. Wie die Eltern sich kennenlernten, wie sie nach Jobs suchten und immer versuchten über die Runden zu kommen, dass das Leben damals kein Zuckerschlecken war, aber es gab nie ein böses Wort oder Grund zu Jammern, denn- "man kann ja nichts machen", es wird schon irgendwie weitergehen. Wer dieses Buch liest sollte sich für den Bergbau, den Ruhrpott und die Mentalität des Ruhrpotts interessieren bzw. vielleicht schon mal dort gewesen sein. Mein Freund stammt aus dem Pott, seine Oma und andere Verwandte leben noch dort, viele haben damals noch in den ganz grossen Industrieanlagen gearbeitet. Durch regelmässige Urlaube kann ich mittlerweile sagen dass das Buch den Ruhrpott genau so wiedergibt, es war eine Freude es lesen zu dürfen. Und gerade heute ist der Pott mehr als nur Bergbau, grau und dreckig, sondern grün, interessant und von einem ganz eigenen Schlag. Ich bedanke mich bei dem btb-Verlag, dem Randomhouse Verlag sowie dem Bloggerportal die mir das Buch als Rezensionexemplar überlassen haben. (Dies hat keine Auswirkungen auf meine Rezension!) Mich konnte das Buch bestens unterhalten, es gibt tiefe Einblicke in das einfache Leben einer Familie die mit dem Bergbau aufgewachsen ist und ist eine wahre Hommage an den Ruhrpott. Glück auf!

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Vita

Martin Becker, 1982 geboren. Macht Radio. Schreibt Bücher. Mag Hunde. Er ist in der sauerländischen Kleinstadt Plettenberg aufgewachsen, freier Autor für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Literaturkritiker beim Deutschlandfunk und bei Deutschlandradio Kultur und berichtet in Features und Reportagen unter anderem aus Tschechien, Frankreich, Kanada und Brasilien. 2007 erschien sein mehrfach ausgezeichneter Erzählband »Ein schönes Leben«, 2014 sein Roman »Der Rest der Nacht«, 2017 sein Roman »Marschmusik«, außerdem die Anthologie »Die letzte Metro. Junge Literatur aus Tschechien« (gemeinsam mit Martina Lisa). Er realisierte eine Reihe von Hörspielen und Lesungen gemeinsam mit dem tschechischen Schriftsteller Jaroslav Rudiš. Martin Becker lebt in Köln.

Zur AUTORENSEITE

Events

30. Nov. 2019

Lesung und Gespräch

Halle (Saale) | Lesungen
Martin Becker
Warten auf Kafka

Pressestimmen

»Martin Becker macht sich auf, die schwarze Seele des Ruhrgebiets zu ergründen - und beschreibt in seinem heitermelancholischen Roman das Erbe dieser Region.«

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (09. März 2017)

»Martin Becker erzählt diese autobiograhische Geschichte auf seine eigene, unerhaltsame Weise."«

mephisto 97.6 (31. Mai 2017)

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