Donna Tartt

Donna Tartts neuer Roman »Der Distelfink« im Goldmann Verlag

»Der Distelfink« von Carel Fabritius und seine Rolle in Donna Tartts gleichnamigem Roman

Carel Fabritius „Der Distelfink“ - Signiert und datiert 1654 Öl auf Holz, 34 x 23 cm Den Haag, Mauritshuis Bild: CC-Lizenz, Wikimedia Commons
Über den Distelfink oder auch Stieglitz geht die Sage, dass er, als Gott den Vögeln ihre Farbe gab, bescheiden abgewartet hätte. Als er dann schließlich an der Reihe gewesen sei, sei keine Farbe mehr da gewesen. Darauf habe Gott aus allen Töpfen noch ein paar Farbklekse zusammengetragen und sie dem Distelfinken zugeteilt. Eine andere Geschichte erzählt, dass Gott den Stieglitz ganz vergessen habe und schließlich die Pinsel an seinem Gefieder ausgewischt hätte.

Der farbenfrohe Distelfink mit rotem Kopfgefieder, weißer Brust und braunem Rücken ist vor allem an seinen fast schwarzen Flügeln mit leuchtend gelber Binde zu erkennen.

In der Kunst des Mittelalters ist der nur 12,5 cm große, heute fast weltweit verbreitete Singvogel ein beliebtes Motiv. Als Beigabe auf Bildnissen gilt er ikonografisch als Symbol für Ausdauer und Beharrlichkeit des Dargestellten. In der christlichen Kunst verweist der Distelfink im Zusammenhang mit dem Jesuskind auf die Passion und den Opfertod Christi. Andererseits wird der Distelfink auch als Symbol der geretteten Seele des Gläubigen gedeutet.

Eines der berühmtesten Gemälde des Distelfinken ist das nur etwa Din A4 große Ölbild des niederländischen Malers Carel Fabritius, das heute als eins der wenigen erhaltenen Gemälde des Künstlers gilt und in der Gemäldegalerie Mauritshuis in Den Haag hängt.
Fabritius, 1622 in Midden-Beemster geboren, gilt Kunsthistorikern als Bindeglied zwischen Rembrandt und Jan Vermeer. Es gilt als wahrscheinlich, dass er im Jahr 1641 nach seiner Übersiedlung nach Amsterdam Kontakte in die Werkstadt Rembrandts hatte. Ob er dort als Mitarbeiter oder Schüler tätig war, lässt sich anhand historischer Quellen allerdings nicht eindeutig belegen.

1650 zieht Fabritius mit seiner zweiten Frau nach Delft, 1652 lässt er sich dort in das Meisterbuch der St. Lukasgilde als Maler eintragen. Mit seinem Weggang aus Amsterdam entfernt sich Carel Fabritius zunehmend auch von der künstlerischen Sprache Rembrandts. Lange Zeit ging die Forschung davon aus, dass der zehn Jahre jüngere Jan Vermeer van Delft Schüler von Fabritius gewesen sei. Diese These lässt sich heute wohl allerdings nicht mehr halten.

Carel Fabritius stirbt am 12. Oktober 1654 bei einer gewaltigen Explosion der Delfter Pulvermühle. Nur sehr wenige Bilder des damals erst 32-jährigen Künstlers haben sich bis heute erhalten. Eins der wichtigsten Werke der Spätphase aus Delft ist das kleine Gemälde des Distelfinken, das aus dem Todesjahr des Malers datiert.

Um dieses Bild dreht sich nun auch der neue Roman „Der Distelfink“ von Donna Tartt, der im März 2014 bei Goldmann erscheinen wird.

Der 13jährige Theo flüchtet mit seiner kunstbegeisterten Mutter vor einem Regenschauer ins New Yorker Metropolitan Museum of Art. In einer Ausstellung niederländischer Meister möchte seine Mutter sich vor allem das kleine Gemälde von Carel Fabritius ansehen, das sie seit Kindheitstagen begeistert und das sie bislang nur aus Büchern kennt. Theo hingegen hat eigentlich nur Augen für ein anderes Mädchen, das die Ausstellung mit ihrem Großvater besucht. Während Theos Mutter nach dem schnellen Rundgang im Museumsshop nach einem Geschenk sucht, versucht Theo Kontakt zu dem Mädchen aufzunehmen. In diesem Moment erschüttert eine große Explosion die Ausstellungsräume. Theo wacht in den Trümmern auf und findet den strebenden Großvater, der ihm die kleine Holztafel mit dem Distelfinken in die Hand drückt. Unter Schock verlässt Theo mit dem Gemälde das zerstörte Museum. Erst später wird er realisieren, dass auch seine Mutter bei der Explosion ums Leben gekommen ist. Was ihm bleibt, ist das Bild, dessen unrechtmäßiger Besitzer er nun ist.

Links zum Buch:
Interview mit Donna Tartt auf goodreads.com [engl.]
Book Review in der Vanity Fair [engl.]

Der Distelfink

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