Leserstimmen zu
Gullivers Reisen

Jonathan Swift

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Startschwierigkeiten, dann im Sog Ich habe Gullivers Reisen in der wunderbaren deutschen Übersetzung von Christa Schuenke gelesen. Nach einigen Startschwierigkeiten, weil ich die Sprechweise, die Swift für seinen Gulliver erdacht hat, als gekünstelt und anstrengend empfand, hatte ich mich spätestens nach dem ersten Teil an die floskelhafte Sprache gewöhnt. Dann konnte ich mich an Swifts Fabulierkunst erfreuen, denn die Abenteuer, die er seinen Reisenden erleben lässt, werden von Fahrt zu Fahrt bunter, wilder und verrückter. In der Manesse-Ausgabe, die ich gelesen habe, berichtet die Übersetzerin Schuenke von den Schwierigkeiten, vor denen sie bei der Übersetzung stand und freue mich, dass sie sich schließlich für wunderbare Worte wie „Neubegierde, Sacktuch (Taschentuch) und gezwungenlich (zwangsläufig)“ entschieden hat. Satirisch, bissig, misanthrop Jonathan Swift spielt mit seinem Leser ein literarisches Verwirrspiel. Dem Werk ist das Vorwort des fiktiven Herausgebers Richard Sympson vorangestellt. Dieser ist der Cousin des fiktiven Autors Lemuel Gulliver. Damit nahm Swift zu damaligen Zeit schon so manchen Leser auf den Arm; einige brüsteten sich gar damit, die fiktive Figur Gulliver persönlich zu kennen. Überrascht war ich von der Schärfe, mit der Swift Korruption, Standesunterschiede und die menschliche Natur im Allgemeinen anprangert. In Lilliput liest der Leser über die Spitzen gegen das britische Königshaus noch leicht hinweg. Zum Glück gibt es einen ausführlichen Anhang mit gut 200 Endnoten; viele zeitgenössische Witze sind ohne Hilfestellung heute gar nicht mehr zu verstehen. Spätestens im letzten Teil lässt Swift seinen Protagonisten den Glauben an das Gute (und die Vernunft) im Menschen vollends verlieren. Sein Gulliver ist angeekelt von menschlicher Gesellschaft und seine Kritik ist durch und durch misanthrop. Unappetitliche Gesellschaftskritik Während die ersten beiden Teile durchaus noch als Jugendliteratur durchgehen, verliert sich diese Eigenschaft bei Teil III und IV völlig. Zwar wird in diesen Teilen alles fantastischer, fast schon Science-Fiction-lastig, doch steht hier Gesellschaftskritik im klar Vordergrund. Diese untermauert der Protagonist in seinen Reden mit teils unappetitlichen Vergleichen und sexuellen Bezügen (siehe obiges Zitat zum Adel). Sein Abscheu vor der Menschheit findet sein Äquivalent in der Verrohung seiner Sprache. Fazit Alle vier Teile von Jonathan Swifts „Gullivers Reisen“ waren die Lektüre wert. Wer nur den ersten Teil liest und auf Lilliput verweilt, hat nicht einmal den halben Spaß. Durch die ausführlichen Anmerkungen im Anhang meiner Ausgabe habe ich in englischer und in römischer Geschichte was dazu gelernt. Hat man sich erst mit der umständlichen Sprache des Protagonisten arrangiert, ist der Weg frei für Swifts unterhaltsame Fabulierkunst und satirisches Talent.

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Manche Klassiker der Weltliteratur sind scheinbar so populär und allgegenwärtig, dass sie an ihrem Erfolg zu ersticken drohen. Jeder glaubt, sie zu kennen oder gelesen zu haben, ihre Fabeln und Figuren sind längst eingegangen in das Gedächtnis unserer Kultur. Doch der Eindruck täuscht. Wer hat schon Don Quijote wirklich gelesen, diesen ersten modernen Roman der europäischen Literatur, der bis heute Maßstäbe für episches Erzählen setzt? Oder Moby Dick, die einzige wirkliche Great American Novel, die je geschrieben wurde? Oder die Lederstrumpf-Romane des James Fenimore Cooper, neben deren erhabener Schönheit der Kitsch des Möchtegern-Cowboys Karl May unerträglich bieder daherkommt? Wenn diese Texte überhaupt noch als Lesestoff existieren, dann als Bearbeitungen für Kinder (meistens Jungs) – gekürzt und vereinfacht, reduziert zu bloßen ‘Abenteuerromanen’ und damit aller Kraft, Herbheit und Größe beraubt. In Ermangelung wirklicher Kinder- und Jugendbücher wollte man damit in vergangenen Zeiten junge Leser zur Literatur hinführen. Aber das ist längst Geschichte. Dumbledore schlägt Captain Ahab um Längen. Ein Schicksal ruhmvoller Vergessenheit erleidet auch das wohl wichtigste Werk des irischen Satirikers, Essayisten und Aufklärers Jonathan Swift (1667-1745). Mit dem Titel Gullivers Reisen (engl. Travels into Several Remote Nations of the World, 1726) dürften selbst diejenigen etwas anzufangen wissen, denen Bücher – wenn überhaupt – als Raumdekoration dienen. Geschildert werden die Irrfahrten des Arztes Lemuel Gulliver, der als Schiffsmediziner anheuert und zur See fährt. Mehrfach erleidet er Schiffbruch und strandet in fernen Ländern, von denen kein Mensch zuvor jemals gehört hat. Auf der Insel Liliput, die von nur sechs Zoll kleinen Menschen bewohnt wird, muss er sich mit den im wahrsten Wortsinn kleinlichen Problemen der dortigen Gesellschaft auseinandersetzen. Denn die Liliputaner sind tief gespalten. Die Parteien der ‘Trackmesan’ (tragen hohe Schuhabsätze) und der ‘Slackmesan’ (tragen niedrige Absätze) liegen so heftig miteinander im Streit, dass kein Diskurs mehr möglich ist. Außerdem droht Krieg mit der Nachbarinsel Blefuscu, wo man aus reiner Infamie sein Frühstücksei von der anderen Seite aufschlägt als auf Liliput. Weil Gulliver jedoch einen Brandanschlag der gegnerischen Nachbarn auf den liliputanischen Königspalast vereitelt, indem er das Feuer mit seinem Urin löscht, verurteilt man ihn wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses zum Tode. Gerade noch rechtzeitig kann Gulliver von der Insel fliehen und wird gerettet. Wenig später verschlägt ein erneuter Schiffbruch den Arzt nach Brobdingnag, einer von Riesen bevölkerten Insel. Als er dem dortigen König das britische Gesellschaftssystem zu erklären versucht, wendet sich dieser voll Ekel ab: “Aber nach allem, was ich deinen Erzählungen entnehmen konnte […], kann ich daraus nichts anderes schließen, als dass die Eingeborenen bei euch zur übergroßen Mehrheit das zäheste und widerwärtigste kleine Gewürm sein müssen, dass die Natur jemals auf dieser Erde hat kriechen lassen.” Weitere Unglücksfälle auf hoher See führen Lemuel Gulliver unter anderem in ein Land, dessen Bevölkerung verelendet, während die akademische Elite sich mit vorgeblich revolutionären, in Wahrheit aber völlig abstrusen Forschungen beschäftigt. Man arbeitet dort etwa an der Rückverwandlung von Kot in menschliche Nahrung und der Extraktion von Sonnenlicht aus Gurken. Swift hält mit seiner bitterbösen Satire der zeitgenössischen Gesellschaft einen Spiegel vor, in dem sich alles zur Karikatur verzerrt. Politische Parteien, Konfessionen, eitle Macht- und Herrschsucht, der Fortschrittsoptimismus der Wissenschaften – all das wird auf höchst unterhaltsame Weise durch den Kakao gezogen. Allerdings machte sich der Schriftsteller mit derlei Späßen nicht nur Freunde. Schon als Theologiestudent am Trinity College in Dublin eckte Swift so häufig an, dass er sein Examen 1686 trotz überdurchschnittlicher Leistungen nur ‘by special grace’, also gnadenhalber, bestand. 1694 wurde Swift zum Reverend der Church of Ireland ordiniert. Später engagierte er sich auch in der Politik, zunächst bei den liberal-progressiven ‘Whigs’, dann bei den konservativen ‘Tories’. Als deren Stern rapide sank, kehrte Swift der Politik den Rücken und wurde schließlich zum Dekan von St. Patrick in Dublin ernannt. Seine regelmäßig publizierten Satiren, mit denen er unter anderem die Ausbeutung der irischen Bevölkerung durch die englischen Gutsbesitzer anprangerte, brachten Swift mehrmals in ernsthafte Schwierigkeiten mit Justiz und Klerus. Den Vorwurf seines Bischofs, er würde mit seiner Scharfzüngigkeit das Volk aufwiegeln, erwiderte er gelassen mit den Worten: ‘Ich bräuchte nur meinen kleinen Finger rühren und Sie würden in Stücke gerissen.’ Auch Gullivers Reisen ist in erster Linie eine bissige, politisch-gesellschaftliche Satire und weniger ein Roman. Charaktere und Handlung sind hauptsächlich Aufhänger für Swifts erfindungsreichen Spott. Doch bei allem Witz, den der Text auch heute noch versprüht, durchzieht das ganze Werk doch eine ernste, fast melancholische Grundmelodie. Denn Swift bringt der menschlichen Natur ein abgrundtiefes Misstrauen entgegen. Vor allem der letzte Teil des Buches, der Gullivers Erlebnisse im Land der Houyhnhnms schildert, ist an Misanthropie kaum noch zu überbieten. Dort leben keine Menschen, sondern ausschließlich vernunftbegabte und zivilisierte Pferde – die Houyhnhnms -, sowie eine weitere Spezies, die haarig, hässlich und dumm erscheint. Diese ‘Yahoo’ genannten Wesen haben menschliche Züge, wie Gulliver entsetzt feststellt. Rasch identifizieren ihn die klugen Pferde mit diesen niedrigen Geschöpfen und sperren ihn ein. Mühsam muss Gulliver das Vertrauen der Houyhnhnms erlangen, was ihm zunächst auch gelingt. Doch mit der Zeit muss Gulliver einsehen, dass er als Mensch den Yahoos ähnlicher ist als den weisen und friedlichen Pferden. Schlussendlich muss er die Insel wieder verlassen und kehrt zurück in seine Heimat. Doch dort kann Gulliver sich nicht mehr einfügen, alles Menschliche stößt ihn fortan ab und führt ihm den großen zivilisatorischen Abstand vor Augen, der seine Spezies von den edlen Houyhnhnms trennt. Der Mensch, so lautet die Einsicht dieses letzten Teils von Gullivers Reisen, ist zu einer wirklich moralischen und friedlichen Existenz schlicht unfähig. Dieses Fazit überrascht, vor allem, wenn man Swift im Kontext seiner Zeit als einen Autor der Aufklärung versteht. Aber diese Einschätzung ist eben nur die halbe Wahrheit. Denn die Aufklärung von Voltaire und Rousseau über Hume und Kant bis hin zu Marx hat den Menschen stets als ein Wesen verstanden, das grundsätzlich zur Vervollkommnung fähig ist. Wenn wir uns nur kräftig genug anstrengen, wenn wir uns aller inneren und äußeren Hindernisse entledigen und unsere Vernunft zur vollen Entfaltung bringen – dann können wir als Menschen unter Menschen gut und richtig leben. Der Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit ist möglich. Swift widerspricht diesem Kerngedanken weitgehend, er würzt die fortschrittsgläubige Aufklärung mit einer gehörigen Portion Skepsis. Nein, wir Menschen sind nicht gut, und Staat und Gesellschaft, diese Hervorbringungen unserer stolzen Kultur, sind es erst recht nicht. Wir sind schlecht gezähmte Yahoos, die einander die Butter auf dem Brot missgönnen und ihresgleichen bedenkenlos wegen nichts und wieder nichts abschlachten. Mit dieser Ansicht steht Swift pessimistischen Philosophen wie Schopenhauer und Nietzsche deutlich näher als seinen schier grenzenlos zuversichtlichen Zeitgenossen. Es ist nicht verkehrt, gerade heute dem heiteren Misanthropen Jonathan Swift wieder eine angemessene Würdigung zuteil werden zu lassen. Die maßstabsetzende Übersetzung von Christa Schuenke, die den Text sanft aktualisiert ohne seinen Entstehungskontext zu verleugnen und überdies mit hilfreichen Anmerkungen daherkommt, macht dies möglich.

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In dieser Ausgabe vom Manesse Verlag handelt es sich um die Originalausgabe von 1726, die wenig mit der Kindergeschichte zu tun hat. Swift (1667 – 1745) hat ein sehr sozialkritisches Buch geschrieben, dass die Missstände der herrschenden Oberklasse und später der Menschen im Allgemeinen anprangert. Eine Satire der Extraklasse. Gulliver begibt sich viermal auf eine Schiffsreise und jedes mal kommt es zu einem Unglück und er strandet alleine auf einer Insel. Hier erlebt er die unterschiedlichsten Völker, von denen niemand sonst in Gullivers Welt ahnt. Als erstes strandet Gulliver in Lilliput, wo er ein Riese ist. Nachdem er verspricht, sie an alle Gesetze und Paragraphen zu halten, wird er von seinen Fesseln befreit und lernt in Folge die Sprache der Lilliputaner, um sich mit ihnen austauschen zu können. Die Kaiserin von Lilliput steht vermutlich für Königin Anna von Großbritannien, während der Kaiser von Lilliput für König Georg I. steht, den Swift verachtete. In Swifts satirischer Darstellung bekommt der Kaiser von Lilliput all jene Eigenschaften, die König Georg I. nicht besaß. Beeindruckend fand ich, mit welchen subtilen Stilmittel Swift hier seine damalige Regierung anprangerte. So steht Gullivers Leibesvisitation durch die Lilliputaner für die systematischen Hausdurchsuchungen der Whig-Regierung an den Tory-Anhängern. (Beides Parteien im Parlament von Großbritannien zu Swifts Lebezeiten.) Diese ganzen Feinheiten werden einen natürlich nur durch die zahlreichen Fußnoten und Anmerkungen des Verlages deutlich. Erziehung: Gut gefallen hat mir bei den Lilliputanern, dass sie der Ansicht sind, dass Kinder ihren Eltern nicht dankbar sein müssen, da „[...] der Grund, der Mann und Frau dazu bewegt, sich zu vereinigen, ebenso wie bei anderen Tieren auch, die sinnliche Begierde ist und dass die Zärtlichkeit, welche sie ihren Jungen schenken, auf das nämliche Naturgesetz zurückgeht, weshalb sie es auch durchaus abwegig finden, dass ein Kind dem Vater etwa für seine Zeugung dankbar zu sein habe oder seiner Mutter dafür, dass sie es auf die Welt gebracht, weil dies in Anbetracht des mannigfachen Elends in der Menschen Leben weder eine Wohltat an sich bedeutet, noch die Eltern, deren Gedanken bei ihren Liebesvereinigung schließlich auf anderes gerichtet waren, etwa die Absicht hatten, eine solche zu vollbringen.“ So ein Gedanke ist ja heute noch revolutionär. Auch erziehen die Lilliputaner die Mädchen und Jungen (fast) gleich. Generell merkt man im Laufe des Buches allerdings schon, dass auch Swift nur ein Kind seiner Zeit ist und bei Frauen, Dienern und anderen Ethnien die zu seiner Zeit herrschenden Denkmuster hat. Schließlich kommt es auf Lilliput zu einem Vorfall, bei dem Gulliver etwas tut, um das Leben der Königsfamilie zu retten und mit der Art, wie er es tut, gleichzeitig des Königs ganze Wut auf sich zieht. Swift hätte wohl keine bessere Metapher finden können, um seine Verachtung gegen die herrschenden Klasse auszudrücken. Seine zweite Reise führt ihn nach Brobdingnag, ins Land der Riesen. Hier ist Gulliver nicht größer als ein Käfer. Die Geschichte hat mir großen Spaß gemacht, denn es war eine echte Hirnleistung, sich immer wieder die Maße vorzustellen. Das Gefühl, auf etwas hinunter zu schauen, wie in Lilliput, das ist uns vertraut. Aber nach oben zu schauen und selber klein zu sein, ist etwas ganz anderes. Sich vorzustellen, man ist nur ein kleines Tier und kann jederzeit unter den Schuh geraten, empfand ich immer wieder als akrobatisches Hirntraining, was mir aber großes Vergnügen bereitet hat. Hier erklärt Gulliver dem König wie das politische System daheim aufgebaut ist. Der König kann das alles nicht verstehen. „Alsdann begehrte er [der König] zu wissen, was für Kniffe denn bei der Wahl von denen angewendeten würden, die ich die Bürgerlichen nannte. Ob nicht vielleicht ein Fremdling mit prallen Beutel Einfluss auf die einfachen Wähler nehmen könnte, damit sie ihm den Vorzug gäben vor ihrem eigenen Gutsbesitzer oder dem Manne, der in ihrer Gegend das höchste Ansehen genieße, Wie es wohl komme, dass die Leute so ungemein darauf erpicht seien, in diese Ratsversammlung zu gelangen, obwohl die Mitgliedschaft darin einem doch, wie ich selber eingeräumt hätte, nichts als Verdruss und Kosten einbringe[...].“ Hier bedient sich Swift dem stilistischem Mittel, dass Gulliver den König unbedingt davon überzeugen möchte, dass die Politik daheim bei ihm gut ist und der König ihm aber immer widerspricht. Der König ist der Meinung, so ein kleines Hirn kann nichts Großes hervorbringen. Und um so mehr Gulliver versucht den König zu überzeugen, um so mehr scheitert er. Dieses Land hat mir mit dem letzten am Besten gefallen! Reflexion: Das Buch ist nicht leicht zu lesen, das merkt Ihr an meinen Zitaten. Die Sätze sind lang und verschachtelt und man muss sich sehr konzentrieren. Dabei sind Lilliput und das Land der Riesen noch der leichtere Teil. Den dritten Teil fand ich persönlich am schwierigsten. Der vierte Teil hat mich am meisten beeindruckt. Ich werde nicht verraten, was die Besonderheiten dieses Landes sind. Doch dieser Abschnitt hat am deutlichsten gemacht, wie die Menschen sich verhalten, wie sie tief im Inneren ticken. Mit solch einer schonungslosen Ehrlichkeit, dass man nur stumm mit dem Kopf nicken kann. Obwohl es schwer zu lesen ist, hat mir das Buch Spaß gemacht. Ich fand es beeindruckend, mit welchen stilistischen Mitteln Swift etwas sagte, ohne es direkt zu sagen. Er hatte auch einen schöpferischen Einfall, der damals eine Neuerfindung war. Es gibt ein Vorwort, das von einem fiktivem Verleger geschrieben wurde, der sich als Übermittler der Manuskripte ausgab. Viele Menschen glaubten damals, Gulliver gäbe es wirklich und manche behaupteten sogar, ihn zu kennen. Wie Swift an manchen Stellen über „die Weiber“ redete oder über Afrikaner, ist mir schon sehr gegen den Strich gegangen. Zum Glück hielten sich solche Abschnitte in Grenzen. Die Anmerkungen sind Gold wert!! Hier erfährt man nicht nur die Anspielungen und Metaphern, sondern auch, dass in anderen Ausgaben nicht unbedingt alles ganz genau so abgedruckt wurde, wie in dieser und warum es so war. Es ist ein ganz anderes Lesen, als wir es heute üblicherweise gewohnt sind. Angefangen von Satzbau und Tempo, bis hin zu eben der Analyse, was Swift wirklich sagen wollte. Doch genau darin lag für mich der Reiz. Die neue Ausgabe des Manesse Verlages ist optisch und haptisch ein wahres Schmuckstück. Unter anderem mit einer bunten Fadenheftung und dem anspruchsvollem Umschlag. Das Buch beinhaltet auch historische Abbildungen. Dazu gibt es, neben dem wunderbaren Anhang, in dem die Fußnoten erklärt werden, ein Nachwort von Dieter Mehl, einem deutschen Anglist, der einige Dinge zu Swift erklärt und wie Gullivers Reisen damals bei den Menschen angekommen ist. Danach folgt ein Abschnitt der Übersetzerin Christa Schuenke. Zu kritisieren ist, dass die Schrift doch sehr klein ist. Obwohl ich weitsichtig bin, hat es mich ganz schön angestrengt. Fazit Ein tolles Leseerlebnis, wenn man sich auf die Sprache und die Satire samt „Übersetzung“ einlassen kann.

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Zum Inhalt von Gullivers Reisen muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren, denn dieser dürfte den meisten ohnehin bekannt sein. Schon als Kind wird man ja meist mit der entschärften Kinderbuch-Version konfrontiert, so erging es mir zumindest. Die vorliegende Ausgabe des Manesse Verlags, in der kongeniealen Übersetzung Christa Schuenkes, ist jedoch ungekürzt und für erwachsene Leser bestimmt. So wird man als Leser, neben den bekannten Reisezielen, wie Lilliput und Brobdingnag, auch in die dritte und vierte Reise Gullivers nach Laputa und ins Lande der Houyhnhnms entführt. Der Anhang veranschaulicht mit seinen erklärenden Anmerkungen Swifts Ausführungen zudem. Eine Gesellschaftssatire, kritisch und voll von politischen und gesellschaftlichen Anspielungen, viele davon übertragbar in die heutige Zeit. Sonderausgaben sind ja immer etwas ganz Außergewöhnliches, denn sie sind nicht nur wunderschön anzusehen, sondern begeistern auch durch ihre Einzigartigkeit. So auch die Ausgabe des Manesse Verlags. Der Band ist fadengeheftet, in Leinen gebunden und zudem mit einem geschmackvollen Schutzumschlag mit goldener Prägung versehen. Das ebenfalls goldfarbene Leseband vervollständigt das Ganze. Die Neuauflage des Klassikers ist mit rund 15 cm Höhe im bewährten Manesse Format gehalten, besitzt aber dennoch beachtliche 704 Seiten. Edel gestaltet begeistert Gullivers Reisen durch seine erlesene Optik und wunderbare Haptik. Gullivers Reisen ist ein Klassiker der Weltliteratur, welchen man gelesen haben sollte. Die ästhetische Ausgabe des Manesse Verlags finde ich absolut gelungen.

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Da kommen Erinnerungen hoch. An Verfilmungen und das, was man in Kindertagen gelesen hat. Damals faszinierten die Superlative auf den Inseln "Lilliput" und "Blefuscu" sowie deren Umkehrung in "Brobdingnag". Kinderherzen schlugen höher, wenn fabuliert wurde, dass wohl mindestens 1724 Lilliputaner in den Körper Gullivers passen würden. Später durfte er an eigenem Leib erfahren, wie man sich als "Kleinwüchsiger" fühlt, als ihn ein Riese mit Daumen und Zeigefinger packte, um dieses vermeintlich gefährliche Tier zu inspizieren. Natürlich waren das die entschärften Versionen für Kinder und Jugendliche, weshalb auch heute längst nicht jeder weiß, dass es sich bei "Gullivers Reisen" um einen satirischen Roman handelt. Aus heutiger Betrachtungsweise sind gesellschaftliche Seitenhiebe, die der Autor auf sehr originelle Art und Weise in seinen Text eingebaut und versteckt hat, eine kleine Sensation, und das nicht nur, weil sie teilweise mühelos auf heutige Verhältnisse übertragbar sind. Beispielsweise werden Kriege zwischen "Hochhacken" und "Flachhacken" ausgetragen. In der Tat geht es hier um eine ebenso langwierige wie ernsthafte Auseinandersetzung um die Höhe von "Schuhabsätzen". Es ist auch keineswegs egal, von welcher Seite man ein Ei aufschlägt. Usus war, dies am runden Ende zu tun, was der damalige Kaiser aber aufgrund eines ernsten Vorfalls unter Strafe stellte. "Rundendlerismus" galt fortan als Ketzerei. Allerdings regte sich in der Bevölkerung Widerstand und man ging lieber in den Tod, als sich zu unterwerfen und die Eier "fürderhin am spitzen Ende aufzuschlagen". Für die Deutung dieser Kuriositäten ist es deshalb für den an Hintergrundwissen interessierten Leser eine große Hilfe, das Lesebändchen in den Anmerkungen ab Seite 645 einzulegen, um anhand von 193 Fußnoten jeweils sofort nachschlagen zu können, was Jonathan Swift tatsächlich meinte und ausdrücken wollte. In diesem Zusammenhang sind auch die Anmerkungen der Übersetzerin interessant, die auf falsche Zeitangaben hinweisen. Unglaublich hingegen, dass er zwar Geistlicher war, mit Kritik bezüglich kirchlichen und politischen Themen aber keineswegs sparte und mit jener an der menschlichen Vernunft, die im vierten Kapitel den Höhepunkt findet, schon gar nicht! Die wohldosierten Worte des "Verlegers" in der Einleitung warnen vor einem "schlichten und einfachen" Schreibstil, gleichwohl vor einer umständlichen Ausdrucksweise. Dieses Leseerlebnis der ganz besonderen Art haben wir wohl der ambitionierten Übersetzungskunst von Christa Schuenkes zu verdanken. Zu diesem "Behufe" kann es durchaus sinnvoll sein, sich ein Zettelchen bereitzulegen, um gewisse Wortschätze einmal zu notieren, die im heutigen Sprachgebrauch leider fast völlig oder ganz verschwunden sind. Jene "Patina" war ihr ein Anliegen, auch jenes, welche die geneigte Leserschaft in den "fiktiven Realismus" Swifts geradezu eintauchen lässt. Das frühe 18. Jahrhundert fühlbar zu machen ist ihr gelungen. Weniger erbaulich ist der kleine Schriftgrad, der, insbesondere der älteren Leserschaft, einiges an eventuell nicht mehr vorhandener Sehstärke abfordert. Grenzwertig wird es gar in den einleitenden, kursiv gedruckten Texten der Kapitelanfänge sowie im winzigen Fußnotentext. "Lilliput" lässt grüßen. Den positiven Gesamteindruck kann dieser Umstand jedoch "nichtsdestominder" schmälern. Die liebevolle Aufmachung des im Postkartenformat gestalteten Büchleins ist nicht nur die Jubiläumsausgabe zum 350. Geburtstag des Autors, sondern auch ein wertvolles Sammlerstück, wobei "welchselbiges" sich nach einmaligem Lesen nicht unbedingt ins Bücherregal verabschieden möchte, sondern am liebsten noch einmal gelesen werden möchte.

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Ich finde es immer wieder faszinierend, Geschichten, die ich aus meiner Kndheit kenne, noch einmal zu lesen. Vor allem, wenn es sich dabei um Klassiker handelt. Mit den meisten Klassikern konnte ich damals nicht viel anfangen, die habe ich erst im Studium zu schätzen gelernt, aber ein paar mochte ich damals schon. Alice im Wunderland, Der Zauberer von Oz, Winnie the Puh, Gullivers Reisen... Als Kind sind es einfach nur zauberhafte Geschichten. Als Erwachsene erkennt man plötzlich, dass sie so viel mehr sind. Lemony Snickets A Series of Unfortnate Events sah ich plötzich in einem ganz anderen Licht, als ich die 13 Bände für meine Literaturabschlussarbeit an der Uni noch einmal las. Und auch Gullivers Reisen hatten diese Wirkung auf mich. Diese wunderschöne bibliophile Ausgabe aus dem Manesse Verlag hat nun also ihren Weg in mein Bücherregal gefunden. Sie erschien anlässlich des 350ten Geburtstages des Autors in der Übersetzung von Christa Schuenkes. Für so ein Büchlein ist sie alles andere als preiswert, aber das ist es mir wert und außerdem hat dieses kleine Buch stolze 704 Seiten, was man ihm auf den ersten Blick gar nicht ansieht. Und sie passt optisch perfekt neben meine Frankstein Ausgabe aus dem Manesse Verlag. Das Buch besteht nicht nur aus Gullivers wundersamen Reisen, die auf vier Kapitel aufgeteilt sind. Es gibt auch noch einen Anhang mit vielen zusätzlichen Informationen für alle, die mehr über die Hintergründe erfahren wollen. Denn Gullivers Reisen ist nicht nur Fantasy, es ist auch eine politische Satire über die damalige Zeit. Diese wunderschöne Ausgabe ist ein Muss für jeden Fan und für jeden Nostalgiker.

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