Leserstimmen zu
»Mich hat Auschwitz nie verlassen«

Susanne Beyer, Martin Doerry

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Hardcover
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Ein Buch, das man später seinen Kindern schenkt, damit die es den Enkeln ins Regal stellen. Ein Buch zum Weitergeben, gegen das Vergessen, für die Menschlichkeit. Unbedingt Lesen!

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Vorab möchte ich auch hier darauf hinweisen, dass ich mir keine Meinung über das Leben bzw. das Überleben der interviewten Personen anmaße. Ich bewerte in dieser Rezension lediglich die Aufmachung des Buchs und die Umsetzung. Die Geschichten der betroffenen Personen sind ihr Allerheiligstes, ihr Inneres, ihre Vergangenheit, die sie auch heute noch immer wieder einholt. Die Story Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das Konzentrationslager Auschwitz. Mehr als eine Million Menschen waren hier von den Nationalsozialisten ermordet worden; nur wenige Gefangene kamen mit dem Leben davon. Diejenigen, die die Lagerhaft überlebten, konnten oder wollten in den Jahren nach der Befreiung meist nicht über ihre Erlebnisse sprechen. Sie fühlten sich außer Stande, über die Exzesse der Entwürdigung, die sie in Auschwitz erfahren mussten, zu reden, oder sie fanden für ihre Erinnerungen kein Gehör. Weltweit haben SPIEGEL-Redakteure und -Mitarbeiter nun ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers besucht und befragt, Susanne Beyer und Martin Doerry haben diese Berichte in einem Buch zusammengestellt. Die beeindruckenden Schilderungen der letzten überlebenden Zeugen von Auschwitz werden reich bebildert mit Porträts, die die Fotografen Sara Lewkowicz und Dmitrij Leltschuk für diesen Band anfertigten Meine Meinung Ich bin stark interessiert an dieser dunklen Vergangenheit unseres Landes. Ich informiere mich so oft und so viel ich kann, sammele Berichte, Bücher und lese mich in die Leben der Betroffenen ein. Ich empfinde Mitleid, versuche das Geschehene zu begreifen, zu verstehen. Zu verstehen, was Menschen zu so etwas treiben kann. Zu verstehen, wie es danach weiterging, wie die Menschen nicht nur überleben, sondern auch weiterleben konnten. Der SPIEGEL hat hier viele Nachforschungen angestellt und zeichnet mit diesem Buch ein Porträt von Gezeichneten. Insgesamt wurden 20 Zeitzeugen, Überlebende des KZ Auschwitz interviewt. Allesamt hatten sie grausame Geschichten zu erzählen - wahre Geschichten, die manche immer noch bis in den Schlaf verfolgen. Das Buch enthält zu jedem der Zeitzeugen mehrere Fotografien. Dabei handelt es sich um aktuelle Fotos, die zum Zeitpunkt des Interviews aufgenommen wurden, aber auch um private Aufnahmen der Überlebenden. Das verleiht dem Buch eine gewisse Nähe. Man liest nicht nur die Namen der Menschen, man sieht sie. Sie sind keine Nummer, nicht nur Buchstaben. Man bekommt eine direkte Verbindung zu ihnen. Zu Beginn jedes neuen Kapitels, jedes neuen Erfahrungsberichts, sieht man ein aktuelles Porträt der interviewten Person. Dazu ein kleines Zitat mit einer kurzen Einleitung. Jedes einzelne dieser grausamen Schicksale wird erneut erzählt. Eine Tochter, die ihre Mutter nicht alleine lassen wollte und daher freiwillig mit ins KZ ging. Grausame Todesmärsche die Abertausende das Leben kostete. In den Krematorien arbeiten, schlafen, die einem bekannten Leichen verbrennen. Die Ungewissheit, was mit den Eltern geschah - vermutlich liegen sie in einem Massengrab. Tattowierte Nummern auf Unterarmen, die zwar verblassen, aber nie verschwinden werden. Furchtbare und ergreifende Schicksale. Diese ganze Last liegt auf den Schultern der Überlebenden. Mir trieb es oft die Tränen in die Augen. Diese Geschichte stecken voll Leid und Schmerz. Diese Menschen überlebten eine Grausamkeit, die die Menschheit selbst zu verantworten hat. Im Anschluss an die Zeitzeugenberichte findet sich auch noch eine Übersicht mit Kurzbiografien. Hier lässt sich der Werdegang nach dem Grauen nachlesen. Außerdem bekommt man auch eine Übersicht über die Autoren und Fotografen. Besonders wichtig finde ich, dass die Geschichten von den Autoren lediglich wiedergegeben werden. Hier werden keine Ergänzungen gemacht, sodass man das Gefühl bekommt, man selbst spräche mit den Menschen. Für mich ist es wichtig zu ergänzen, dass wir diese Zeit niemals vergessen dürfen. Wir müssen hinterfragen, nachforschen und vorallem sind wir in der Pflicht. Wir haben die Verantwortung, dass so etwas nie wieder passieren darf. Für damalige Taten sind wir nicht verantwortlich. Daran tragen wir keine Schuld. Dennoch darf das Geschehene nie vergessen werden. Es muss uns ein Mahnmal sein, zu was Menschen fähig sein können. Es bleiben mit der Zeit nicht mehr viele Menschen übrig, die man nach Geschehenem fragen könnte. Diese Dokumentation der Berichte der Zeitzeugen ist also umso wertvoller für uns und folgende Generationen. "Du wirst überleben, und du wirst erzählen." Erna de Vries

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<em>Die Flüchtlingskrise spaltet unsere Gesellschaft. Gleichzeitig sterben Zeitzeugen aus, die aus der Zeit des Nationalsozialismus erzählen können. Um Erlebnisberichte für künftige Generationen zu erhalten, besuchten Redakteure und Mitarbeiter des SPIEGEL anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz ehemalige Häftlinge und zeichneten ihre Erinnerungen auf.</em> Das Buch beginnt mit einer kurzen Einführung über Auschwitz und dieses Buchprojekt. Einfühlsam wird mit einem kurzen Text und einem Porträtbild in die jeweilige Geschichte eingeleitet. Anschließend kommen die Zeitzeugen zu Wort, die nach der Methode „Oral History“ ohne Zwischenfragen erzählen. Die Berichte geben Zeugnis über die katastrophalen Zustände, die Misshandlungen und Erniedrigungen in Auschwitz. Der Leser wird nicht geschont: Er erfährt von Diebstahl und Prügeleien der Gefangenen untereinander, vom Gefangenenorchester und von der Arbeit an den Verbrennungsöfen. Auch ihre Erfahrungen mit Lagerarzt Josef Mengele muss der Leser noch einmal beklemmend nah durchleben. Die Erzählungen sind sehr berührend und gingen mir sehr nahe. Doch ich habe auch Hoffnung gefunden: Es gab im Konzentrationslager auch Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe zum Überleben bis zur Befreiung. „Mich hat Auschwitz nie verlassen“ gibt das große Dilemma der ehemaligen gefangenen wieder: Auch wenn sie das Leben bis ins hohe Alter gemeistert haben, eine Familie gründeten und sich liebevoll um Enkel kümmern: Die Bilder der Vernichtung werden immer bleiben,Tag und Nacht. Ich bedaure, dass die einzelnen Erinnerungen nur über wenige Seiten gehen. Einige Berichte, wie etwa bei dem Musiker Coco Schumann, hätte ich gern ausführlicher gelesen. Positiv hervorheben möchte ich, dass nicht nur jüdische Opfer zu Wort kamen, sondern auch Christen, Sinti/Zigeuner und Widerständler. Die Ausstattung des Buches mit alten und aktuellen Fotos, Kurzbiografien der Zeitzeugen, einem Autorenverzeichnis und Literaturempfehlungen wurde mit Liebe zum Detail zusammengestellt. <strong>Mein Fazit</strong> „Mich hat Auschwitz nie verlassen“ ist ein kostbares Zeugnis einer furchtbaren Zeit, berührend und schockierend. Absolut empfehlenswert. Autorin der Rezension ist Sarina Wood. Sie schreibt für den Autorenpool von [Der Mann für den Text] Detlef M. Plaisier, Leipzig.

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Aus Geschichte zu lernen ist wichtig, war aber wohl noch nie wichtiger als in der momentanen Zeit. Natürlich kann man dafür Geschichtsbücher wälzen und Gedenkstätten besuchen, doch nichts vermittelt einen so lebendigen Eindruck wie die Erzählungen derer, die sie erlebt haben. In „Auschwitz hat mich nie verlassen“ erzählen 20 Überlebende, die mittlerweile überall auf der Welt leben, wie sie nach Auschwitz kamen, was sie dort erlebt haben und wie sie die Befreiung empfunden haben. Obwohl sich alle am selben Ort befunden haben, sind es doch 20 grundverschiedene Geschichten, die sich nur in ihren Tatsachen überschneiden. Jeder der Überlebenden hat das, was geschehen ist, anders verarbeitet – was die einen nur als Nebensache erwähnen, hat sich den anderen auf immer in den Kopf gebrannt. Auch wie sie mit ihren tätowierten Nummern umgehen, ist grundverschieden – manche zeigen sich offen, manche verstecken sie oder haben sie sogar wegbrennen lassen, um sie nicht mehr sehen zu müssen. Manche konnten flüchten und berichten von ihrer Flucht. Manche fanden sogar ihre große Liebe im Lager. Aber alle sind sich einig: Was wir erlebt haben, muss erzählt werden. Und was sie erlebt haben, ist so unmenschlich und erschreckend, dass ich beim Lesen oft schlucken musste. Oft fällt in den Berichten der Satz, sie wurden behandelt und hätten sich gefühlt wie „Vieh“. Keine Brutalität wurde nicht dazu genutzt, ihnen vor Augen zu führen, wie wenig sie wert waren und wie brutal ihr Leben enden wird, wenn sie keinen Nutzen mehr für die Nazis haben. Nur wenige berichten von Deutschen, die ihnen geholfen haben, am Leben zu bleiben. In Auschwitz wurden die größten Monster eingesetzt, wird erzählt. Begleitet werden die Berichte von alten Bildern der Zeitzeugen und eindrucksvollen Porträts. Ein wunderbares und gleichzeitig erschreckendes Beispiel für gelungene Oral History.

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Dies sollte jeder lesen

Von: glitzerkonfetti

01.12.2015

Inhalt: Zu Beginn erscheint ein Vorwort, welches über das damalige Konzentrationslager in Auschwitz, welches als Schlimmstes seiner Zeit galt, berichtet und erklärt. Beispielsweise wurden die "Häftlinge" damals in zwei Kategorien eingeteilt: Auf der einen Seite die arbeitsfähigen Menschen, auf der anderen die zu dem Zeitpunkt arbeitsunfähigen Menschen wie Kinder, Kranke, Alte oder Schwangere. Die Menschen aus Kategorie zwei wurden meist sofort getötet oder man hat grausame Experimente an ihnen ausprobiert. Im Anschluss daran folgen die einzelnen Geschichten und Potraits der 20 überlebenden Zeitzeugen, welche von Beyer und Doerry unkommentiert niedergeschrieben wurden. Darunter befindet sich auch das polnische Paar Izzy und Anna, welches zeitgleich in Auschwitz waren und nun seit über 68 Jahren zusammen sind. Auch ist es interessant, wie die Überlebenden heutzutage leben und mit ihrer Vergangenheit umgehen. Einige von ihnen waren Jahre später nochmals an dem grauenvollen Ort andere entfernten ihre Häftlingnummer-Tattoos um das Geschehene innerlich zu bewältigen. Nach den einzelnen Geschichten folgen auf den Seiten 272 bis einschließlich 277 Kurzbiografien der vorgestellten Zeitzeugen. Gestaltung: Das Buchcover zeigt den Zeitzeugen Jehuda Bacon, der mittlerweile in Jerusalem lebt. Auf dem in der Farbe weiß gehaltenen Buchrücken sind fünf weitere Zeitzeugen abgebildet. Die 288 Seiten sind bis auf die einzelnen Kapitel mit den Potraits weiß mit schwarzer Schriftfarbe gestaltet. Fazit: Die Erinnerungen an diese grausame Zeit ließen mich beim Lesen mehrmals erschaudern und nach einigen Berichten musste ich das Buch erstmal weglegen und das Gelesene verkraften, bevor ich weiterlesen konnte. Für mich ist es einfach unbegreiflich, wie es damals überhaupt soweit kommen konnte. Die Antwort auf die Frage, warum meine Entscheidung auf dieses Buch fiel, ist auf die Geschichten meines Großvaters zurückzuführen, der mir immer wieder mal über über seine Zeit in einem Arbeitslager erzählte, was mich mich bereits vor Jahren dazu bewegt hat, mich anhand von Dokumentationen, Filmen und Büchern mehr mit der Zeitgeschichte zu beschäftigen. Trotz dass es sich hierbei um keine leicht verdauliche Lektüre handelt, sollte man es unbedingt lesen. Geschichtlich gesehen ist es auf jeden Fall eins der wertvollsten Bücher in meinem Buchregal.

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Die letzten Zeitzeugen müssen befragt werden, solange sie noch zur Verfügung stehen. Durch den Fortgang der Geschichte gibt es immer weniger Zeugen der unmenschlichsten und ungerechtesten Zeit der deutschen Geschichte. Im vergangenen Jahr begingen wir den 70.Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, das aufgrund der 1 Million toten Juden eine traurige Berühmtheit erlangte. Viele aktuelle Ereignisse beweisen, dass der Mensch nicht lernfähig ist, dass Grausamkeiten, Rassismus und Intoleranz leider immer noch gegenwärtig sind. Insofern ist das vorliegende Buch so ungemein wichtig, denn nur, wenn wir uns erinnern und erinnern lassen wollen, können wir uns vor Augen halten, wozu wir als Menschen fähig sind, wenn wir unseren niederen Instinkten nicht Einhalt gebieten. Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz haben SPIEGEL-Redakteure letzte Überlebende überall auf der Welt besucht und interviewt. Dazu gab es auch ein großes Extra im SPIEGEL 5/2015, wo die Protokolle der Zeitzeugen abgedruckt wurden. Nun liegen die Protokolle in gebundener Form vor und ich bin sehr dankbar dafür, denn dieses Buch ist so wichtig und sollte zur Pflichtlektüre eines jeden Menschen werden. Noch können wir von denen hören, denen massives Leid angetan wurde. Sie erzählen, nachdem sie Ewigkeiten nicht über die Brutalität des Bösen sprechen konnten, weil es sie zerrissen hätte. Jetzt haben sie erkannt, dass, wenn sie ihre Erinnerungen nicht teilen, es niemand mehr tun kann, denn sie sind die letzten, die diese Tortur, die Nazi-Deutschland überlebt haben. Sie erzählen vom Lager, von der Deportation, dem Überlebenskampf und der Zeit danach, die kaum fassbar ist. Sie zeigen, was ihnen angetan wurde, welche Todesängste sie erlebt haben. Sie zeigen, was in der Geschichte der Menschheit nie wieder passieren darf und doch vielerorts immer wieder geschieht. Die Lebenserinnerungen werden von fantastischen Porträt-Fotos unterstrichen, für die sich Sarah Naomi Lewkowicz und Dmitrij Leltschuk verantwortlichen zeichnen. Sehr angenehm ist das beigefarbene Papier, auf dem die Erinnerungen abgedruckt sind. Es wirkt leicht vergilbt und unterstreicht die Intention der beiden Herausgeber aufs genaueste, denn weiß ist die Farbe der Unschuld und auf den Seiten wird über alles andere als über Unschuld berichtet, auch wenn die Opfer es waren. So viel Leid und persönliche Tragödie kann/darf nicht auf weißem, reinem Papier stehen. Vielen Dank Susanne Beyer und Martin Doerry für die Herausgabe der Protokolle in Buchform und vielen Dank dem Random House Verlag für die Bereitstellung dieses wertvollen Buches. Ich werde es in Ehren halten und weiter damit machen, andere über diese Zeit zu informieren. Da halte ich es wie Elie Wiesel, Friedensnobelpreisträger und Auschwitz-Überlebender, der sagte: „Jeder, der heute einem Zeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden.“

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Nachdem die Mahnwache, zum Gedenken an die Pogromnacht 1938, am 9. November diesen Jahres extrem gestört wurde, durch Pegida & Co., ist es mir umso wichtiger diese Rezension zu veröffentlichen! 19 Zeitzeugen berichten von ihrem Leben zu Zeiten des Holocaust, ihre Deportierung in die Lager und was sie alles da durch machen mussten. Wir erfahren viele wichtige Informationen aus erster Hand und lernen diese Menschen etwas kennen, da wir auch erfahren wann sie georen wurden...wo sie geboren wurden, etwas über deren Familien und deren Leben vor dem Holocaust. Aber der Hauptaugenmerk liegt hier definitiv auf den Lagern und das (über)leben darin und danach. Jeder dieser Menschen erzählt einfühlend aber mit klaren Worten, was hinter den Mauern der Lager passierte aber auch, dass es nicht nur "böse" Menschen dort gab. Das wichtigste was man dort finden konnte, waren Freunde und Verbündete...besser noch wären Familienmitglieder gewesen. In diesem Buch "treffen" wir einige bekannte Gesichter wieder und zwar aus dem Buch "Wir haben das KZ überlebt"...so erzählen zb Esther Bejarano, Philomena Franz und Henri Borlant erneut ihre Geschichte...aber auch die anderen Erzählungen der Zeitzeugen sind wahnsinnig wichtig und regen zum Nachdenken an. Lest dieses Buch und vergesst niemals, was geschehen ist...uns trifft keine Schuld für das Vergangene, aber wir tragen die Verantwortung dafür, das so etwas NIE WIEDER passiert!!

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Anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz ist dieses Buch entstanden. Es ist ein Nachruf an die über 1 Million Menschen, welche Auschwitz nicht überlebt haben und es sind Worte und Erinnerungen derjenigen, welche das Lager überlebt haben. Die zwanzig Protokolle der Überlebenden sind so wertvoll und wichtig, denn es wird nicht mehr lange dauern, dann können wir keinen mehr befragen. Nach einer kurzen Einführung über das Konzentrationslager Auschwitz, gelangen wir zu den 20 Porträts der Überlebenden. Unverfälscht werden zwanzig verschiedene Geschichten erzählt, jede ist anders. Doch in vielen Dingen sind sich alle einig: Täglich umgeben von Angst, welche einem die Luft zum Atmen nimmt. Die entwürdigenden Transporte in Viehwaggons, getrieben wie Vieh aus den Waggons, um schließlich in Zweierreihen Aufstellung zu nehmen. Es warteten bellende Hunde, Geschrei und eine Vorauswahl wurde getroffen. Nach rechts oder links. Deportationen, Schläge und Demütigungen waren an der Tagesordnung. Der ständige Hunger trieb einen fast in den Wahnsinn. Die Gerüchte um Auschwitz broddelten und eigentlich war allen klar, dass hier keiner mehr lebend raus kam. Doch trotzdem haben es welche geschafft. Sei es Glück, sei es Kampfgeist oder der pure Überlebenswille. "Wissen Sie, ich habe in meinem Leben so viele Situationen gesehen, die man unmenschlich nennt. Aber nirgends hat man die Bestien so wenig in Schach gehalten wie in Auschwitz. – Wolfgang Höbel" Alle wurden kahl rasiert, vermessen, untersucht, tätowiert und nackt ausgezogen. Wenn es sein musste, dann haben die Insassen von Auschwitz auch mal zwei Tage nackt in ihrem Block verbracht. Namen wurden vergessen, ab sofort wurde man nur noch mit seiner eintätowierten Nummer gerufen. "Die Männer rasierten uns sogar die Haare ab, nicht nur auf dem Kopf. – Bronia Brandman" Die Einzelschicksale berühren und gehen direkt ins Herz. Raphael Esrail, der auch nach 70 Jahren täglich das Lager vor Augen hat, obwohl er seine Tätowierung hat entfernen lassen. Oder Philomena Franz, eine Zigeunerin, die auch den Versuchen von Doktor Mengele nicht entkommen konnte und eine Scheinhängung über sich ergehen lassen musste. Esther Bejarano hat überlebt, weil sie in Auschwitz als Musikerin im Mädchenorchester spielen durfte. "Mittags gab es eine weiße Suppe aus zerhackten Knochen, die sogenannte Avosuppe. Wir hatten solchen Hunger, da macht man sich keine Gedanken über Geschmack. – Kazimierz Albin" Obwohl „Mich hat Auschwitz nie verlassen“ keine leichte Kost ist, fesseln die Seiten und man mag das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Reporter haben ganze Arbeit geleistet. Die Berichte sind unverfälscht, authentisch. Abgerundet wird das ganze durch wunderschöne Porträtaufnahmen der Fotographen, wie auch schon auf dem Cover zu sehen ist. Ich habe schon viel über den zweiten Weltkrieg gehört und gelesen, dennoch schockiert es mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich mich mit dieser Thematik auseinander setze. Mein Respekt gilt den Menschen, die all dies ausgehalten haben und täglich mit ihren Erinnerungen aufwachen und versuchen, ein ganz normales Leben zu leben. Fazit Ein wichtiges und lesenswertes Buch mit Augenzeugenberichten aus einer furchtbaren Zeit, die es besser nie gegeben hätte. Wir alle haben nicht mehr viel Zeit, Menschen von damals zu befragen. Deshalb ist es unabdingbar, Erinnerungen festzuhalten und zu dokumentieren. Es ist ein Buch, dass auch noch unsere Kinder und Enkel in den Händen halten werden.

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