Leserstimmen zu
Das Weingut. Aufbruch in ein neues Leben

Marie Lacrosse

Das Weingut (2)

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Aufbruch in ein neues Leben

Von: Klusi liest

25.09.2019

Dies ist, nach „In stürmischen Zeiten“, der zweite Band über „Das Weingut“ von Marie Lacrosse. Ging es im ersten Band um die Zeit des Deutsch-französischen Kriegs, so dreht sich die Handlung in diesem Folgeband um die wirtschaftliche und politische Lage der Nachkriegszeit. Im Mittelpunkt des Romans steht die Weinhändlerfamilie Gerban. Franz, der Sohn des Inhabers Wilhelm Gerban, kommt versehrt aus dem Krieg zurück und muss feststellen, dass seine Geliebte, das Dienstmädchen Irene, verschwunden ist. Niemand kann oder will ihm sagen, wie es dazu kam, was Irene dazu bewegt hat, ohne Abschied zu gehen. Was dahinter steckt, wissen diejenigen, die den ersten Band bereits gelesen haben. Da Band 1 nicht in sich abgeschlossen war, sondern mit einem gewaltigen Cliffhanger endete und vieles ungeklärt blieb, war ich sehr gespannt, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Aus diesem Grund empfehle ich auch, unbedingt Band 1 erst zu lesen. Zwar wird auch im vorliegenden Band auf vieles eingegangen, was sich damals abgespielt hat, aber die Informationen sind nicht umfassend, sondern bleiben eher vage. Zu den Charakteren kann ich sagen, sie machen allesamt eine starke Entwicklung durch, manche zum Positiven, manche auch eher umgekehrt. Die Handlung teilt sich in vier große Blöcke und innerhalb der fortlaufenden Kapitel noch in viele kurze Abschnitte, die in der Überschrift jeweils über Ort und Zeit informieren, wo und wann sich die beschriebenen Szenen abspielen. Geschickt lässt die Autorin bei den kurzen Abschnitten die Handlung am Ende offen, so dass man automatisch immer weiter lesen möchte, um schnell zu erfahren, wie es weiter geht. Obwohl die gesamte Handlung sehr geschichtsträchtig ist, liest sich der Roman flüssig, denn der Schreibstil ist sehr schön und eingängig. Es werden viele brisante Themen der damaligen Zeit angesprochen, beispielsweise das schwere Schicksal und die Ausbeutung der Arbeiterklasse und die Lebens- und Arbeitsbedingungen der armen Menschen. Auch Kinderarbeit war damals an der Tagesordnung, und vor allem die Sicherheit der Arbeiter war oft nicht gewährleistet. Hier hat die Autorin ausgiebig recherchiert, und für ihre Charaktere gibt es häufig reale Vorbilder, wie sie im Nachwort erklärt. Auch das Leben und die Arbeit auf dem Weingut kommen nicht zu kurz, und man erfährt so einiges über den Weinanbau. Ein weiteres historisches Thema ist die politische Situation nach dem Krieg im annektierten Elsass. Viele Anordnungen der nun preußischen Regierung stürzten die ehemaligen Franzosen in schwere Identitätsprobleme. Außerdem erfährt man viel über die damalige Psychiatrie und die Behandlungsmethoden in einem Irrenhaus des 19. Jahrhunderts. All das spielt eine wichtige Rolle im Leben der Familie Gerban und wurde sehr gekonnt in die Handlung eingebunden. Wer das Cover des Buches betrachtet, erwartet vermutlich etwas ganz anderes, aber spätestens wenn klar wird, dass sich hinter dem Pseudonym Marie Lacrosse die Autorin Marita Spang verbirgt, wird klar, dass hinter dem schönen Titelbild keinesfalls ein seichter, romantischer Liebesroman steckt, sondern ein fundierter und exzellent recherchierter historischer Roman. Dieser zweite Band hat mir noch besser gefallen als der Vorgänger, denn diesmal ist das Ende rund und für mich zufriedenstellend. Anfangs bin ich davon ausgegangen, das „Das Weingut“ sei als Dilogie angelegt und wäre damit auch durchaus zufrieden gewesen, aber in Kürze erscheint der dritte Band. Momentan kämpfe ich noch mit mir, ob ich auch Band 3 lesen soll. Eine Leseprobe im vorliegenden Buch zeigt, dass sich die Handlung dann in eine völlig neue Richtung wendet. Wie gesagt, ich war mit dem Abschluss dieses Bandes mehr als zufrieden und bin mir momentan noch nicht sicher, ob ich wirklich erfahren möchte, wo die Geschichte weiter hinführt. Aber hier geht es ja in erster Linie um Band 2, und den kann ich absolut empfehlen.

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Es gibt Bücher die hebt man sich für besondere Augenblicke auf, so mache ich es zumindest. Und irgendwann war mir klar, dass ich dieses Buch für meinen Urlaub aufhebe, denn dann ist auch Band 3 nicht mehr weit und ich kann beide Bücher zeitlich nah hintereinander lesen. Ich habe es keine Minute bereut, dass ich mir dieses grandiose Buch aufgehoben habe. Das Cover passt sehr gut zum ersten Band, ich mag die aufwendige Gestaltung der Klappbroschur. Ein Kompliment an den Verlag. Der Klappentext umreist den Inhalt des Romans ganz gut, er nimmt zwar schon einiges vorweg, andere Erzählstränge vernachlässig er hingegen ganz. Zumindest einen Satz zur Geschichte um Franz Mutter Pauline hätte ich mir im Klappentext bzw. Kurzbeschreibung gewünscht. Die Story macht da weiter, wo der erste Band aufgehört hat. Es war erstaunlich, wie schnell man auch nach einer etwas längeren Zeit wieder im Geschehen war. Dies schafft die Autorin vor allen Dingen durch ihre gekonnte Szenenbeschreibung, die wieder einmal absolut erstklassig sind. Die Protagonisten entwickeln sich weiter und sowohl Irene, als auch Franz müssen den einen oder anderen Rückschlag hinnehmen, an dem sie wachsen und die Welt mit anderen Augen betrachten. Aber auch die Nebenfiguren werden wie immer bei Marie Lacrosse alias Marita Spang hervorragend dargestellt, sowohl Pauline und Wilhelm Gerban, als auch Gregor und Ottilie Gerban oder Trude Ludwig und Dr. Klaus Bertram, um nur ein paar wichtige Nebenfiguren zu nennen. Die Spannung zieht der Roman aus verschiedenen Elementen, die die Autorin zu einer Geschichte verwebt: so geht es zwar in erster Linie darum, ob Irene und Franz wieder zueinander finden, aber es geht auch um das Weingut, um die Arbeiterrechte in Fabriken, um die Behandlung psychischer Störungen oder um die Lebensverhältnisse der einfachen Landbevölkerung, hinzu kommt dann noch der historische Hintergrund und fertig ist ein sehr gelungener Mix aus Fiktion und historischen Fakten. Der Schreibstil der Autorin ist wirklich in diesem Band sehr, sehr gut. Teilweise konnte ich ihn kaum aus der Hand legen und hatte nahezu immer das Bedürfnis weiterlesen zu müssen. Der Roman wird von einem Verzeichnis der handelnden Personen sowie der wichtigsten Quellen, einem Glossar und einem Nachwort bzgl. Wahrheit und Fiktion abgerundet. Ich kann diesen Roman wirklich nur jedem Leser, egal ab Mann oder Frau, empfehlen, da er ein wahres Meisterwerk ist, welches die Elemente historischer Hintergrund, Familien- und Liebesgeschichte mit sozialkritischer Komponente vereint. Ich bedanke mich bei Marie Lacrosse für diesen hervorragenden zweiten Teil, der mir noch besser gefallen hat als der Auftaktband und ihre Geduld bzgl. meiner Rezension. Mein Dank geht ebenso an die Verlagsgruppe Random House und an den Goldmann Verlag besonders an Frau Carolina Teichmann Cravo.

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Auf diesen zweiten Band habe ich mich so sehr gefreut wie selten zuvor auf eine Fortsetzung. Und ich muss sagen, die Vorfreude hat sich gelohnt, denn die Fortsetzung ist mindestens ebenso gut wie Band eins, wenn nicht sogar ein klein wenig besser. Und auch dieses Mal freue ich mich schon jetzt auf den dritten und damit abschließenden Band der Trilogie. Die Geschichte wird in mehreren Erzählsträngen erzählt, die jeder für sich schon eine spannende Geschichte zu erzählen hatten. Für mich erschien es so, dass jeder dieser Erzählstränge eigentlich ein eigenes Buch verdient hätte. Die Autorin, auch bekannt unter dem Namen Marita Spang, scheint mit jedem ihrer Bücher besser zu werden, fast so wie ein guter alter Wein. Ihre Bücher sind für mich inzwischen echte „Wohlfühlbücher“, das heißt es sind Bücher die ich nicht schnell weglesen möchte, sondern sie lieber Kapitel für Kapitel, mit jeweils kleinen Pausen dazwischen lese. Klar, so brauche ich für ihre Bücher durchaus auch mal zwei oder drei Wochen, aber es ist ein Genuss sich so viel Zeit dafür zu lassen. Wie man es von der Autorin kennt sind sowohl die Schauplätze und auch die Figuren sehr fein gezeichnet. Besonders die Figuren wirken lebendig und so kann der Leser mit ihnen Leben, Lieben und Lachen, aber auch Leiden, trauern und weinen. Das ist eine Kunst die man, glaube ich nicht erlernen kann, das muss einem im Blut liegen. Und für mich ganz klar, Marie Lacrosse liegt dies im Blut. Es gelingt Marie Lacrosse jedes Mal mein Kopfkino in Gang zu bringen und es rattern zu lassen bis zum Ende ihrer Bücher. Wie schon im ersten Buch dieser Reihe habe ich die Dialoge genossen, die wieder sehr echt und real wirkten. Die Schauplätze konnten vor meinem inneren Auge entstehen und es schien fast als würde ich kein Buch lesen, sondern viel mehr einen Farbenfrohen Film anschauen. Wer also eine schöne Familiengeschichte aus der Zeit um den Deutsch-Französischen Krieg 1870-1871 lesen möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Ich denke, der Leser wird es nicht bereuen. Für mich sind das zum wiederholten Male 5 von 5 Sternen für Marie Lacrosse/Marita Spang.

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Ein dramatisches Schicksal in schweren Zeiten

Von: milkysilvermoon

12.06.2019

Das Elsass und Umgebung in den 1870er-Jahren: Die Liebe zwischen Dienstmädchen Irene und dem reichen Erben Franz Gerban, Anfang 20, sollte in eine glückliche Ehe münden. Eine ungeheuerliche Enthüllung von Franz' Vater treibt Irene jedoch fort. Schwanger mit Sohn Fränzel, verlässt sie Altenstadt. Einsam bringt sie das Kind zur Welt. Sie nimmt einen Job als Textilarbeiterin in einer Fabrik an, doch die Bedingungen dort sind grausam. Nachdem sie den Arbeiterführer Josef Hartmann kennengelernt hat, beginnen sie eine Beziehung miteinander. Aber Franz geht ihr nicht aus dem Kopf. Finden die beiden noch einmal zusammen? „Das Weingut – Aufbruch in ein neues Leben“ ist der zweite Teil der Trilogie um die Weinhändler-Familie Gerban von Marie Lacrosse. Der Roman lässt sich jedoch auch unabhängig vom ersten Band lesen. Meine Meinung: Der Roman besteht aus vier Teilen. Es gibt insgesamt 29 Kapitel mit einer angenehmen Länge. Sie werden eingerahmt von einem Prolog und einem Epilog. Die Handlung umfasst die Jahre 1871 bis 1873, die Schauplätze wechseln. Einheitliche Orts- und Zeitangaben machen die Orientierung jedoch einfach. Erzählt wird aus mehreren Perspektiven: vorwiegend aus der von Irene und der von Franz. Der Aufbau des Romans wirkt gut durchdacht. Der Schreibstil ist – wie schon im ersten Band – einfühlsam, anschaulich und lebhaft. Sprachlich ist der Roman an die damalige Zeit angepasst. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir leicht. Wieder stehen Irene und Franz im Fokus, zwei sympathische Protagonisten. Beide Charaktere und ihre Entwicklungen sind authentisch. Sie werden gut herausgearbeitet. Zudem gibt es eine Vielzahl an Nebenfiguren. Einige von ihnen wirken ein wenig eindimensional, was allerdings zu verschmerzen ist. Die Handlung ist – dank einiger dramatischer Ereignisse und Wendungen – abwechslungsreich. Trotz der mehr als 650 Seiten bleibt die Geschichte kurzweilig. Gut gefallen hat mir, dass die Autorin dieses Mal wieder eine reizvolle historische Episode in den Vordergrund rückt. Im zweiten Band werden die Arbeitsbedingungen in den Zeiten des modernen Kapitalismus aufgegriffen. Interessant sind darüber hinaus die Ausflüge in die Anfänge der Psychiatrie. Erfreulicherweise erfährt der Leser nun auch einiges über den Weinanbau. Auf gelungene Weise verwebt sie tatsächliche Begebenheiten und Personen mit fiktionalen Elementen. So kann der Roman sowohl unterhalten als auch einiges an Wissen bieten. Die fundierte Recherche der Autorin ist nicht nur im Quellenverzeichnis, sondern auch im interessanten Nachwort dokumentiert, in dem sie erläutert, was auf Wahrheit und was auf Fiktion basiert. Weitere Pluspunkte sind die Übersicht über die im Roman auftauchenden Personen, die auch damals real existierende Persönlichkeiten ausweist, und das Glossar mit weniger bekannten Begriffen, die im 19. Jahrhundert gebräuchlich waren. Dieses Zusatzmaterial ist eine hilfreiche Ergänzung. Das ansprechend gestaltete Cover passt gut zum ersten Teil der Reihe und trifft meinen Geschmack. Auch der Titel fügt sich gut in die Saga ein. Mein Fazit: Mit „Das Weingut - Aufbruch in ein neues Leben" knüpft Marie Lacrosse auf gelungene Weise an den ersten Teil der Familiensaga an. Fans historischer Literatur kommen auch dieses Mal wieder auf ihre Kosten. Auf den Abschluss der Reihe bin ich schon gespannt.

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Beim ersten Band der Weingut-Reihe war ich noch nicht so richtig überzeugt, weil mir vieles zu konstruiert erschien und ich auch ein bisschen Informationen zum Weinbau vermisst habe - beim zweiten Band war das ganz anders: Ich bin gut reingekommen in die Geschichte, habe die verschiedenen Handlungsstränge mit Spannung verfolgt und zudem noch einiges über den Weinbau, aber auch die Industrialisierung erfahren dürfen. Es fängt schon spannend an, und die Autorin hat geschickt die verschiedenen Charaktere kurz vorgestellt, so dass ich – obwohl das Lesen von Band eins schon einige Zeit zurücklag – keine Probleme hatte, in die Geschichte reinzukommen. Dennoch empfehle ich, die Bücher nacheinander zu lesen, denn sonst werden einige Zusammenhänge nicht richtig klar. Außerdem lernt man nur dann die Charaktere von ganz verschiedenen Seiten kennen. Es gibt diesmal drei große Handlungsstränge, die sich immer abwechseln – durch die Überschriften aber weiß man immer genau, wo man gerade ist. Irenes Erzählstrang bietet viele interessante Informationen zum Leben in Armut und als Arbeiterin, außerdem auch zu den Arbeitsbedingungen in den ersten Fabriken und den Beginn der Gewerkschaften. Franz kämpft auf dem Weingut, aber auch innerhalb der Familie, und auch hier gibt es viele interessante Einblicke in die Weinherstellung, insbesondere auch in die des Eisweines. Der dritte Erzählstrang spielt in einer Irrenanstalt, in die Pauline ja von ihrem Mann der Laudanum-Sucht wegen eingewiesen worden war. Und auch hier liest man Interessantes, vor allem aber auch Schockierendes über die damaligen „Heilmethoden“. Diesmal mochte ich die Charaktere sehr, alle drei, und habe sie alle gerne begleitet. Durch die Wechsel der Erzählstränge war es die ganze Zeit spannend und ich konnte das Buch nur schlecht aus der Hand legen. Die Mischung aus historischen Informationen und dem Erleben der Protagonisten war sehr ausgewogen und zu keinem Zeitpunkt war ich irgendwie gelangweilt oder fand irgendeine Beschreibung langatmig. Ganz im Gegenteil – die Autorin schreibt lebendig und sehr angenehm, dabei aber auch detailliert ohne sich darin zu verlieren. Und trotz der eher leichten Sprache gibt es doch ein historisches Feeling, das Gefühl, sich in genau dieser Zeit zu befinden. Dieser Band hat mich vollends begeistert, so dass ich 5 von 5 Sternen vergebe – und natürlich bin ich gespannt auf den letzten Band der Trilogie. Mein Fazit Spannend und lehrreich trifft es wohl am besten, wenn ich diesen Band in zwei Worte fassen sollte. Doch empfehle ich, vorab den ersten Teil zu lesen, um die Zusammenhänge besser zu verstehen. Diesmal habe ich die Charaktere geliebt und sie gerne begleitet. Die vielen Randinformationen zur damaligen Zeit haben mir zudem sehr gut gefallen, so dass ich 5 von 5 Sternen vergebe.

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Noch besser als Teil eins

Von: brauchnix aus München

21.05.2019

Der zweite Band der "Weingut-Trilogie" hält was der Titel verspricht. Franz und Irene sind beide auf dem Weg in ein neues Leben. Nachdem das Schicksal sie auseinander gerissen hat, versucht Irene unter falschem Namen in einer Tuchfabrik Fuß zu fassen. Das Leben der Arbeiterinnen und Arbeiter des 19.ten Jahrhunderts ist unvorstellbar hart. Die meisten Fabrikbesitzer sind nur am eigenen Profit interessiert. Leben und Gesundheit ihrer Angestellten sind ihnen ziemlich egal. Schlechte Bezahlung, Kinderarbeit, teilweise lebensgefährliche aber auf jeden Fall unmenschliche Arbeitsbedingungen. Die erste Gewerkschaft wagt zaghafte Versuche, die Missstände zu ändern. Frank versucht unterdessen, mit seinem despotischen Vater zurecht zu kommen und ihm die Leitung des Weingutes abzutrotzen. Hat mir der erste Band schon gefallen, so hat der zweite tatsächlich noch eine gewaltige Schippe draufgelegt. Nicht nur, dass es von der ersten Seite an spannend weitergeht und man mit den Darstellern atemlos mitfiebert. Die Darstellung der harten Arbeits- und Lebensbedingungen der einfachen Leute sind unglaublich realistisch und geben ein eindringliches Bild der damaligen Zustände. Auf wundervolle Wese wird hier Fiktion mit Fakten vermischt. Die gründliche Recherche der Autorin findet sich in allen Erzählsträngen wieder. Sowohl die politischen Umwälzungen, als auch Praktiken der psychatrischen Klinken oder wichtige Details über den Weinanbau sind hier zu finden. Dazu liebenswerte Hauptdarsteller, denen man wünscht, dass sie endlich einen Weg für ein gemeinsames Glück finden. Wie gesagt, Teil zwei hat von allem mehr. Mehr Spannung, mehr Dramatik, mehr Tragik, mehr Geschichte und ein Ende, das so ganz anders ist, als das vom ersten Band. Alles andere müssen Sie selber herausfinden. Und es macht großen Spaß, versprochen.

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Ein Muss für alle Histo-Fans!

Von: Nick Coll aus München

13.05.2019

Das Buch der Spiegelbestsellerin Marie Lacrosse »Das Weingut. Aufbruch in ein neues Leben« knüpft direkt an den erfolgreichen Auftakt der Elsass-Saga »Das Weingut. In stürmischen Zeiten« an und lässt den Leser sofort am Geschehen teilhaben. Da es sich um die Fortsetzung handelt, empfiehlt sich mit dem ersten Band zu beginnen. Trotzdem macht sich die Autorin Mühe die Leser kurz daran zu erinnern, welche Ereignisse wir bereits im ersten Teil miterlebt haben (Pluspunkt jeder Fortsetzung!). Nach und nach streut Marie Lacrosse gekonnt Wendungen ein, die nicht immer vorhersehbar sind, und erzählt den Lesern eine weitere turbulente Geschichte. Der Plot resultiert aus den verschiedenen Erzählperspektiven: Franz, Mutter Pauline und Irene. Auch die Rückblenden tragen dazu bei, die Spannung aufrechtzuerhalten. Ich habe schon einige Romane der Autorin mit großer Begeisterung gelesen und wurde auch von diesem Exemplar nicht enttäuscht. Mit »Dem Weingut« erlebt man erzählerisches Geschick und grandioses Erzählungstalent der Schriftstellerin von der ersten Seite an! Sprachlich wortgewandt wird nicht nur über die Schicksale von Irene und Franz berichtet, sondern auch gezeigt, welche unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Fabriken des XIX. Jahrhunderts geherrscht haben, außerdem spielt die erste Arbeiterbewegung im Elsass eine gewisse Rolle. Die Autorin beschert ihren Lesern wahrhafte Sinnbilder einer psychiatrischen Irrenanstalt, wo Pauline Gerban untergebracht ist. Marie Lacrosse nimmt kein Blatt vor den Mund und scheut sich nicht, die Schicksale (und Unfälle) der Weißnäherei- und Tuchfabrikarbeiterinnen zu Papier zu bringen. Insgesamt sind die Charaktere des Romans gut gezeichnet und ihre Handlungen nachvollziehbar dargestellt. Gerade durch den Perspektivenwechsel kommt man den einzelnen Protagonisten deutlich näher als das sonst der Fall wäre. Wenn man sich mit denen anfreunden, sie intensiv erleben und begleiten kann, dann ist ein Roman gelungen und sorgt für wunderbare Leseerlebnisse. Die Kapitellängen und die Strukturierung finde ich sehr gut gelungen: man kann auch gerne mal das Lesen unterbrechen, obwohl das schon nicht leicht ist — man will einfach erfahren, wie es weiter geht und was sich als nächstes abspielt. Eindeutig Pluspunkt! Der Schreibstil des Buches ist sehr angenehm, bildhaft und anspruchsvoll, wodurch allein es schon wahnsinnig Spaß macht zu lesen. Ein weiteres Merkmal ist das weitreichende Spektrum an Wissen, was uns hier nahegebracht wird, ob es um die Nachkriegszeit, komplizierte Situation mit der Staatsbürgerschaft im Elsass, den Weinbau, die Psychotherapie etc. geht — dort mal ein Fakt, hier mal eine Alltagssituation, ein frecher Dialog, eine Rückblende. So viele Themen schneidet Marie Lacrosse an, dass man sie gar nicht alle aufzählen kann, aber trotzdem wirkt das Buch nie oberflächlich. Alles in allem eine sehr gelungene Umsetzung in einem historischen Roman. Das Cover dieses Paperbacks ist stimmig gewählt und passt wundervoll zum 1. Band. Das Gutshaus, die Weinberge und sanfte Hügel — eine gelungene Inspiration zum Inhalt der Geschichte. Ein Personenregister zu Beginn der Geschichte verschafft einen guten Überblick; ein Nachwort, in welchem mehr über Wahrheit und Fiktion erklärt wird, empfohlene Literatur und ein hilfreicher Glossar runden das Bild ab. Eine Karte wäre meines Erachtens sehr hilfreich, um sich schneller zwischen den Orten zu orientieren. Obschon die Geschichte einen stimmigen Abschluss hat, findet der Leser am Ende des Buches eine Leseprobe für den 3. Band (erscheint im Herbst 2019). Ich liebe es, wenn die Bücher einen so gefangen nehmen, dass man nach Luft schnappen muss, dass man mitleidet und mitheult und kaum die Fortsetzung erwarten kann. Wer das will, ist bei Marie Lacrosse absolut richtig. Ich vergebe gerne hierfür eine absolute Leseempfehlung und bewerte das wundervolle Buch mit der Höchstpunktzahl! Für jeden Historie-Fan ein richtig spektakuläres Leseerlebnis!!!

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Im April 2019 ist der zweite Teil der Weingut-Saga „Das Weingut – Aufbruch in ein neues Leben“ von Marie Lacrosse im Goldmann-Verlag erschienen. Die Geschichte rund um Franz und Irene und das Gerbansche Weingut wird weitererzählt und dabei rücken auch die Arbeitsbedingungen in den Fabriken Ende des 19. Jahrhunderts in den Fokus. Elsass, 1871: Der deutsch-französiche Krieg ist vorbei. Als Franz aus dem Krieg zurückkehrt, ist das Dienstmädchen Irene, dass er eigentlich heiraten wollte nicht mehr da. Diese ist geflohen als Wilhelm Gerban ihr eine niederschmetternde Wahrheit enthüllt. Nach der Geburt ihres Sohnes verdingt sie sich in einer Textilfabrik unter schwersten Bedingungen. Hierbei lernt sie auch den Arbeiterführer Josef Hartmann kennen, der sich für die Belange der Fabrikarbeiter einsetzt. Bei ihm findet sie ein Stück weit Nähe und Geborgenheit. Doch kann sie Franz, den Vater ihres Sohnes, jemals wirklich vergessen? Was habe ich mich auf diesen zweiten Teil gefreut! Schon der erste Teil konnte mich mit seiner Familiengeschichte, in der das Historische nicht nur Beiwerk ist, von sich überzeugen und so war es auch dieses Mal wieder. Marie Lacrosse hat mich mit ihren Beschreibungen und ihrer Wortwahl direkt ans Ende des 19. Jahrhunderts katapultiert. Ich habe die Szenen, sei es nun auf dem Weingut, in den Fabriken oder in Frankreich, vor meinem inneren Auge gesehen und konnte so noch mehr der Geschichte nachspüren. Dieses Mal wurde auch der Spannungsbogen durchgehend gehalten. Manchmal wollte ich noch zügiger lesen, um schneller zu erfahren wie es mit Irene und Franz weiter geht, aber ich wollte auch auf keinen Fall etwas verpassen. Die Dramatik war diesmal gut gesetzt und zu keinem Zeitpunkt übertrieben. Die Themen in diesem Buch sind vielfältig. Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken werden eindrücklich geschildert. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz spielen zu dieser Zeit keine Rolle und auch die Kinder mussten ihren Beitrag zum Lebensunterhalt der Familie leisten. Es wird das Bild einer Gesellschaft gezeigt, in der die Schere zwischen Arm und Reich sehr groß ist. Mit Josef Hartmann gibt es eine Person in diesem Buch, die sich für die Belange der Arbeiter*innen einsetzt und eine Verbesserung erreichen möchte. Der Weinanbau nimmt in diesem Roman einen wichtigen Platz ein. Hier ist die Autorin dem Wunsch vieler Leser nachgekommen, die mehr über den Anbau und die verschiedenen Weinsorten erfahren wollten. Es wurde ein großes Spektrum abgedeckt, der auch die Verwaltung eines Weingutes sowie die damit einhergehenden Widrigkeiten nicht außer Acht lässt. Als weiteren Themenschwerpunkt haben wir psychatrische Einrichtungen und die Behandlungsmethoden, die dort zu jener Zeit angewandt wurden. Mit den Personen im Buch habe ich jederzeit mitgefiebert. Im Besonderen mit Irene und Franz, aber auch das Schicksal Pauline Gerbans, Franz Mutter, hat mich in Atem gehalten. Mathilde konnte mich in diesem Roman positiv überraschen, andere Personen wiederum haben mit ihrer Niedertracht und ihrem Neid weiter an Sympathie verloren. Bei all diesen positiven Punkten hat es die Autorin wieder geschafft, nicht das Historische aus den Augen zu verlieren. Man merkt dem Buch auf jeder Seite an, dass gut recherchiert wurde. Dies dann so einzubinden, dass der Leser etwas lernt und sich dabei unterhalten fühlt, ist eine große Kunst. Ausgestattet ist der Roman mit einem Personenverzeichnis, einem Glossar, einem Quellenverzeichnis und einem Nachwort, dass Wahrheit und Fiktion trennt und den positiven Eindruck der ausführlichen Recherche stützt. Die Fakten wurden geschickt in die Geschichte eingebaut und es gab Veränderungen im vertretbaren Rahmen. Für alle Ungeduldigen gibt es ganz zum Schluss noch eine Leseprobe aus Teil 3, der im Herbst erscheint und die Reihe abschließen wird. Fazit: Eine Familiensaga mit Tiefgang, die meinen Wissensdurst nach historischen Informationen gepaart mit einer spannenden Handlung stillt. Der zweite Teil der Weingut-Saga hat mir noch besser gefallen als Band 1 und so bin ich in freudiger Erwartung auf den Herbst. Empfehlenswert für alle, die eine Familiensaga lesen möchte, die nicht nur unterhält, sondern auch ein Bild der Zeit vermittelt, in der sie spielt.

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