Leserstimmen zu
Eiswelt

Jasper Fforde

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Paperback
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“Aus dem tiefen Abgrund der Hibernation zurückzukehren barg stets ein gewisses Ristiko. Wen man den minimalen synaptischen Austausch unterbrach, der die Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen garantierte, erlitt man einen neuronalen Kollaps und starb den Schlaftod.” (S.10) Eiszeit, ein Ereignis aus der Vergangenheit der Erde? Pustekuchen! Wir befinden uns mittendrin! Minus vierzig bis fünfzig Grad sind keine Seltenheit. Und wie übersteht man so etwas? Richtig, man frisst sich eine dicke Fettschicht an und hält Winterschlaf. Kein Scherz. Genauso überlebt man diese harten Phasen im Jahr. Nur sollte man dabei auch gewisse Regeln einhalten. zu wenig Fett > Tod droht zu krasser Temperatursturz > Tod droht Krankheiten > Tod droht Ungezieferbefall > Tod droht Wenn man Glück hat, stirbt man dabei nicht und wird Nachtwandler. Hirntote Wesen, die ohne regelmäßge Nahrung gerne zu Kannibalen werden. Normalerweise lebt man selbst dann nicht mehr lange. Zumindest nicht als eine Einheit. Schließlich ist nur das Hirn Matsch und die restlichen Körperteile kann man noch gebrauchen. Man wird also zum Körperteilelieferant. Nichts verschwenden, lautet die Devise. Das wäre alles nicht so schlimm, wenn man dieses Nachtwandler Phänomen verhindern würde. Die Ursache wird nämlich in dem Medikament Morphenox vermutet. Da nur Benutzer dieser Droge betroffen sind, können andere Gründe somit ausgeschlossen werden. Theoretisch. Dann ist da noch diese Sache mit den Träumen. Keine Verarbeitung des Alltags, sondern einheitliche Träume. Immer mehr Menschen sind davon betroffen. Könnte ein Zusammenhang bestehen? Steckbrief: Charlie Worthing will Winterkonsul werden umgeht so Winterschlaf jung, unerfahren, naiv, voller Tatendrang ist sein erster Kältewinter Fassen wir kurz zusammen: Eiszeit, Winterschlaf, mysteriöse Träume mitsamt Droge. Mittendrin Charlie. Der neugierig in eine Welt der Winterkonsule hineingeführt wird, die für ihn völlig fremd ist. Dabei stolpert er über fiese Gerüchte, überraschende Morde, scheue Winterwesen und eine interessante Frau. Dieser Mix macht die Geschichte aus. Hinzukommt noch der Schreibstil von Jasper Fforde, den man liebt oder umgeht.* *Denn er verwendet wahnsinnig gerne Fussnoten. Die einen aus dem Kontext reißen können oder einfach nur die Story perfekt ergänzen und den Charme der Charaktere untermauen. Alles in allem hätte ich nicht gedacht, dass mich dieser fette Brocken durchgängig unterhält. Gute 650 Seiten lang begleitet man die Menschen in der Eiswelt und bibbert gemeinsam mit ihnen durch den Alltag. Zugegeben, anfangs waren gerade die charmanten Fußnoten recht ungewohnt für mich. Schnell schloß ich sie aber ins Herz und habe sie sogar gegen Ende immer mehr vermisste, denn sie lassen leider stark nach. Nicht immer ist jedes Kapitel interessant. Manchmal hat man sogar das Gefühl sich im Kreis zu drehen, anstatt endlich die Hufe zu schwingen und im Geschehen voranzukommen. Das kreide ich dem Buch allerdings nur minimal an, denn trotz der zeitweisen Langsamkeit, wird es nicht langweilig. Das muss man erst einmal schaffen. Daher kann ich auch ganz entspannt einen Lesetipp aussprechen!

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Eiswelt spielt in einer Parallel-Welt der Erde, einer Erde, bei dem die Eiszeit nie aufgehört hat und die Menschen sich an extreme Winter angepasst haben. Die meisten von ihnen verschlafen den Winter, nur wenige bleiben wach um über diejenigen zu wachen, die schlafen. Charlie ist einer von ihnen, ein Winterkonsul. Er ist noch ganz neu in seinem Job und versucht alles richtig zu machen. Doch schon bei deinem ersten Auftrag stellt dich heraus, dass richtig und falsch manchmal gar nicht so einfach zu unterscheiden sind. Um den Winter zu überleben muss Charlie entscheiden, wem er trauen kann und wem nicht. Eiswelt ist ein sehr skurriles Buch. Was vom Autor auch zu erwarten war. Die Gesellschaft, in der Charlie lebt ist unserer manchmal recht ähnlich (viele werden diverse Markennamen erkennen) und doch in vielen Dingen komplett anders. Anfangs fällt es manchmal recht schwer zu begreifen, um was es gerade genau geht. Ich muss gestehen, das Fortpflanzungskonzept dieser Gesellschaft habe ich bis zum Schluss nicht genau verstanden. Hat aber nichts ausgemacht, da es nicht handlungsbestimmend war. Man sollte sich Zeit nehmen für dieses Buch. Anfangs um sich in das Geschehen hineinzudenken und zum Ende hin dann einfach um herauszufinden, was denn nun genau passiert ist und wie alles endet. Ich habe mir Anfangs recht schwer getan mit dem Buch, aber als dann Action aufkam und immer wieder völlig unerwartete Dinge passierten, war ich voll dabei. Dadurch, dass man alles nur aus Charlies Sicht sieht, fällt es einem tatsächlich sehr schwer zu entscheiden, wer den nun zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Oder wer einfach nur versucht den Winter irgendwie zu überleben. Das Ganze ist mir einer guten Portion Kritik an Monopolisten gewürzt und zeigt was passiert, wenn sich plötzlich Firmen, die Geld verdienen wollen zum Wohltäter der Menschheit aufschwingen. Für alle, die abgedrehte Plots und englischen Humor lieben, ist dieses Buch absolut richtig. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und vergebe auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

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In einer Parallelwelt, die der unseren in vielen Belangen gleicht, versinkt die Menschheit während der Wintermonate unter Schnee und Eis. Die Menschen ziehen sich in Türme zurück, wo sie Winterschlaf halten. Und die Winterkonsuln wachen über den Schlaf der Menschen, während sich draußen in der dunklen Welt Ungeheuer herumtreiben. Der junge Charlie wird zu einem dieser Konsule ernannt und muss seinen ersten Winter im Wachzustand überdauern. Doch schon bald entwickelt sich ein Dienstantritt zu einem wahren Albtraum, denn tatsächlich schläft nicht alles im Winter … . Aufgrund des Klappentextes bin ich mit einer gewissen Erwartungshaltung an diesen Roman herangegangen. Das Szenario las sich wirklich gut und, wenn ich ehrlich bin, ging das Ganze auch wirklich ziemlich gut los. Der Einstieg in diesen Roman hat mir sehr gut gefallen und ich war anfangs sehr neugierig, wie sich der Plot weiterentwickeln würde. Fforde hat sehr außergewöhnliche Ideen, die sehr unterhaltsam sind. Wie gesagt, der Einstieg hat mir sehr gefallen und ich rechnete natürlich damit, dass mich diese Atmosphäre bis ans Ende des Buches begleiten würde. Leider entwickelte sich der Roman jedoch im Verlaufe der Handlung immer mehr zu einem langatmigen Werk, durch dass ich mich ab der Hälfte etwa fast schon durchquälen musste. Ich kann nicht einmal genau sagen, woran es lag, denn die Handlung und die Ideen haben mich auch bis zum Ende nach wie vor gut unterhalten. Es lag womöglich am nicht wirklich flüssig zu lesenden Schreibstil des Autors, der mich immer wieder ungeduldig werden ließ. Bei manchen Kapiteln konnte ich gar nicht abwarten, bis es endlich zu Ende war und ein eventueller Szenenwechsel wieder etwas mehr Schwung in die Handlung bringen würde. Letztendlich plätschert der Plot nämlich einfach so dahin. Man gewöhnt sich an den außergewöhnlichen Schauplatz und findet nichts Interessantes mehr daran. Meine Begeisterung hält sich daher im Rahmen. Was mir anfangs noch gefallen hat, hat mich am Schluss eigentlich nur noch gestört und ich wollte endlich zum Ende kommen. Der Schreibstil des Autors ist weitestgehend auch noch sehr zähflüssig, sodass man sich an manchen Stellen ertappt fühlt, die Sätze lediglich nur noch zu überfliegen, um überhaupt vorwärts zu kommen. Das ist an sich sehr schade, denn der Roman hätte weitaus mehr Spaß gemacht, wäre er um rund die Hälfte kürzer gewesen. Es wird einfach zu viel erklärt und in die Länge gezogen, was letztendlich dazu führt, dass man sich langweilt und nicht mehr wirklich konzentriert liest. Gerade diese Langatmigkeit und die ausufernden Beschreibungen sind es, die den Lesespaß sehr dämpfen. Was am Anfang interessant begann, entwickelt sich also zum Ende hin immer mehr zu einem zähen Brei, den man irgendwie so schnell wie möglich hinter sich bringen will. Ich kann nicht genau beschreiben, was mich an diesem Buch letztendlich so gestört hat. Fakt ist, dass ich ab der Hälfte des Buches nicht mehr konzentriert gelesen habe, dadurch auch die Übersicht über die verschiedenen Personen und den Plot verloren und mich auch teilweise gelangweilt habe. Das ist eigentlich schade, denn, wie gesagt, die außergewöhnlichen Ideen des Autors und auch das Szenario haben mich dennoch angesprochen, was irgendwie einen Widerspruch zu meinem Gesamteindruck darstellt. Trotz meiner mittelmäßigen Begeisterung kann ich aber durchaus sagen, dass sich der Roman auf eine gewisse Art und Weise im Gehirn festsetzt. Es ist wirklich verwunderlich, dass ich viele Szenen im Gedächtnis behalten habe und mich daran erinnere, obwohl mir der Roman im Gesamten nicht wirklich gefallen hat. Ich persönlich habe auf jeden Fall mehr e

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Fantasy-Science-Fiction.

Von: kvel

02.02.2019

Inhalt (gemäß Umschlaginnenseite): Die Eiswelt ist unserer zum Verwechseln ähnlich – nur dass hier die Eiszeit niemals aufgehört hat. Deshalb hat die Menschheit die Fähigkeit entwickelt, Winterschlaf zu halten, um jedes Jahr die schlimmsten drei Monate zu überstehen. Temperaturen von minus vierzig, minus fünfzig Grad, schneidender Wind und Tiere, die in der Dunkelheit Jagd machen auf alles, was sich bewegt – das sind nur einige der Gefahren, die im Winter draußen lauern. Um zu überleben, ziehen sich die Menschen in große Dormitorien genannte Schlaftürme zurück. Einzig die Winterkonsuln bleiben wach und beschützen die Schlafenden. Der junge Charlie Worthing ist einer dieser Winterkonsuln. Er hat dieses harte Los zwar gewählt, aber auf das, was er gleich in seinem ersten Winter erlebt, hat ihn niemand und nichts vorbereitet. Denn seltsame Träume gehen um, Träume, die schlafende Menschen in seelenlose Untote verwandeln. Und es ist bei allen derselbe Traum. Zunächst hält Charlie das für eine der typischen Wintergeschichten – bis er selbst anfängt, diesen Traum zu träumen. Doch Charlie ist aus härterem Holz geschnitzt, als er ahnt ... Meine Meinung: Der Autor hat hier eine komplexe und fantasy-realistische Eiswelt erschaffen; und detailliert beschreibt er sie. Ich fand es gut, dass die Erzählung nicht so schockend und gruselig ist, wie es vielleicht aufgrund der Inhaltsbeschreibung mit „seelenlosen Untoten“ und „Tieren, die in der Dunkelheit Jagd auf alles machen, was sich bewegt“ den Eindruck erwecken mag. Die Ausdrucksweise des Autors hat mich beim Lesen ehrlich erfreut. „Er saß mit einem Buch am Kamin, in dem allerdings kein Feuer brannte. Papier, Anmachholz und große Scheite waren zwar vorhanden, waren aber offenbar nicht bereit gewesen, sich von selbst zu etwas Sinnvollem zusammenzusetzen.“ (s. 488) Mein einziger Kritikpunkt wäre, dass es bis fast drei-viertel des Romans dauert, bis sich die wirklich interessanten Geschehnisse ereignen. Dem könnte man positiv entgegensetzten, dass man so als Leser quasi mehr Spannung und Lesegenuß für sein Geld bekommt ;) Fazit: Mir hat's gefallen.

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Die ganze Aufmachung des Buches gefällt mir sehr gut. Das "zersprungene" Cover und die eisigen Farben passen super zusammen. Im Buch selbst hat jeder Kapitelanfang oben in der Ecke einen Abbildung, die wie zerbrochenes Eis aussieht. Direkt vorne im Buch befindet sich eine Zeichnung eines Dormitoriums, ein Gebäude, das in der Geschichte eine große Rolle spielt und ich fand es gut, dass es so ausführlich beschrieben wird. Das Buch wird aus der Sicht von Hauptcharakter Charlie in der 1. Person erzählt, der durch Zufall an einem Bewerbungsgespräch als Winterkonsuln teilnimmt und genommen wird. Von diesem Zeitpunkt an ändert sich Charlies Leben komplett. Aus Charlies Erzählungen erfährt man von der bizarren Winterwelt, in der die Menschheit lebt. Es gibt ein Mindestalter für Schwangerschaften, Frauen sind dazu verpflichtet Kinder zu bekommen, Kinder werden quasi produziert. Im Winter fallen die Menschen in einen Winterschlaf. Vor dem Winterschlaf ist es wichtig, sich genug Fett anzufressen. Manche wachen zu früh aus dem Schlaf auf und sterben, andere sterben während des Schlafens, nicht jeder kann den Winterschlaf überleben. Im Sommer ist das Wetter angenehm warm, aber im Winter können bis zu -68 Grad erreicht werden. Die Bewohner bekommen im Winter einen starken Fellwuchs, eine Art Winterfell, das sie während dem Winterschlaf vorm Erfrieren schützt. Träumen ist verpönt, denn es ist eine Verschwendung von Energie, von Hirntätigkeit und von Lebensfett. Puh, was soll ich sagen. Ich habe mich mit diesem dicken Wälzer wirklich schwer getan. Einerseits fand ich die Erschaffung einer solchen Fantasiewelt großartig, andererseits war es mir schon fast zu abgefahren. Es ist die Rede von Nachtwandlern, Gronk, Träumern, dem Wintervolk und noch von vielen anderen Sachen, von Menschen und von Drogen, die ich mir nicht so recht merken konnte. Mir viel es sehr schwer dem allen zu folgen. Vor allem der Anfang lässt sich sehr schwer lesen, ich finde es plätschert alles so dahin, bis endlich mal was passiert. Charlies Charakter ist auf jeden Fall ein Lichtblick in der Geschichte, er hat mir sehr gut gefallen und auch seine Entwicklung fand ich gut. Er selbst hat eine eher mittelmäßige Meinung von sich, dabei steckt sehr viel mehr in ihm, als er selbst ahnt. Spannung kam bei mir während des gesamten Buches leider überhaupt nicht auf. Den Aufbau des Buches fand ich allerdings gut gelungen, die Kapitel sind nicht zu lange, sind mit einer Überschrift versehen und beginnen alle mit einer kleinen Erklärung, das hat einem das Verständnis schon etwas erleichtert. Den Schreibstil des Autors fand ich in Ordnung, was mich beim Lesen aber massiv gestört hat und mich immer wieder stocken lies waren die vielen Fußnoten. Neue Begriffe wurden vor allem Anfang unten auf den Seiten erklärt, dass beeinträchtigte meinen Lesefluss sehr. Später im Buch kommen die Fußnoten dann aber nicht mehr so oft vor. Fazit Ich lese wirklich sehr gerne Fantasy-Geschichten, aber mit diesem Buch wurde ich leider nicht so richtig warm. Es viel mir schwer, die vielen neuen Begriffe zu behalten und es zog sich teilweise sehr beim Lesen. Auch kam ich durch die Fußnoten und die vielen Erklärungen gar nicht so richtig dazu, die Geschichte und das Lesen zu genießen. Man muss sich schon komplett auf diese 656 Seiten einlassen und in Ruhe lesen. Alles in allem war es einfach nicht so mein Geschmack. Zu viele neue Begriffe, zu wenig Spannung, komplizierte Charaktere (bis auf den Hauptcharakter) und manchmal etwas zu wirre Handlungen.

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"Der Feind, das sind weder die Schurken noch Womaden, Aasfresser, Wintersomniasten, Eis-Eremiten, Megafauna, Nachtwandler, Frostnager oder fleischfressender Kaltschleim - es ist der Winter. Um zu überleben, musst du ihn zuallererst respektieren...." (S. 53) Stellt Euch vor, die Eiszeit hätte nie geendet. Eis, Schnee und Kälte 365 Tage im Jahr und im Winter fallen die Temperaturen bis zu Minus 50°C. Wenn die Temperaturen nur auf Minus 40°C fallen, spricht man von einem milden Winter. Um diesen Winter zu überstehen muss man sich erstmal ordentlich Fettdepots anfuttern und den Winter dann überschlafen. Stellt Euch vor alle gehen in dieser Zeit in spezielle Einrichtungen, um zu überwintern....nur Ihr nicht, denn Ihr gehört zu den Wächtern für die Schlafenden. Ihr seid auf Euch gestellt, wach und beginnt doch wie alle anderen zu träumen. Stellt Euch vor die Eiszeit hätte nie geendet..... "Sie erzählten von wochenlang anhaltenden Blizzards, dicker als Milch, von in Eis gehüllten Bäumen, die aussahen, als seien sie luftdicht in Glas verpackt. Von Regen, der gefroren wie tausend Edelsteine vom Himmel fiele und mit dem süßen Klang kleiner Glöckchen auf die Steine prasselte, von so niedrigen Temperaturen, dass Quecksilber in den Thermometern erstarrte und die Menschen, die so dumm waren, sich nach draußen zu wagen, binnen Minuten steifgefroren wurden." (S. 61) Der Autor hat mit "Eiswelt" einen bizzaren und spannenden Science-Fantasy erschaffen. Eine Welt, die im Hinblick auf unsere eine verkehrte Welt zu sein scheint. Klimawandel in die entgegengesetzte Richtung, man muss fett sein, um den Winter zu überleben und Winterfell (ausgeprägte Körperbehaarung) ist in und sogar ein Muss. Kinder werden nicht abgetrieben, sondern regelrecht produziert, was für die Gesellschaft eine wichtige Unterstützung bedeutet und je mehr Kinder eine Frau bekommt, umso angesehener ist sie. Man ist legal auf Droge und Träume sind verpönt, da energieraubend. Gleichberechtigung ist Standard und sexistische Machos werden verachtet. Dieses Kontrakonzept im Hinblick auf unsere Welt hat der Autor auch bei dem ein oder anderen Namen angewandt. So gibt es auch in "Eiswelt" z.B. einen britischen Abenteurer, der einem im TV das Überleben in der Wildnis erklärt. Hier heißt er jedoch nicht Bear Grylls, sondern Gaer Brills und so mancher Name erinnerte mich stark an Monty Python. Es gibt hier z.B. eine Schwester Vulvolia und eine Schwester Placentia. ">>In Jutesäcke eingewickelt und mit Gänseschmalz eingeschmiert mit Minimal-BMI auf Bäumen pennen<<, schnaubte Lucy bezüglich der Ideen von Gaer Brills. >>Da wird es den ganzen Winter über Hipster regnen.<<" (S. 29) Für Schmunzeln und Lacher wird hier also gesorgt. Dieser Science-Fantasy ist aber nicht nur eine überspitzte Karikatur einer verkehrten Welt, sondern regt auch in gewisser Weise zum Nachdenken an. Es ist nämlich ebenso eine Klassengesellschaft vorhanden, welche sich jedoch dadurch definiert, dass die einen gut und die anderen schlecht schlafen und die Ersteren dadurch eine höhere Überlebenschance haben. Es gibt Revoluzzer, die diese Gesellschaft und dieses System ablehnen und es gibt Schurken, welche nicht schlafen wollen und die Schlafenden ausrauben. Gleichzeitig kann man dieses Buch aber auch einfach nur genießen und in eine spannende und fesselnde Story abtauchen, in der man mythischen Wesen und auch Nachtwandlern begegnet. Diese sind den uns bekannten Zombies nicht unähnlich, sind sie doch in gewisser Weise tot und von Hunger getrieben. Trotzdem sind sie ganz anders, denn es sind noch lebende Menschen, denen es beim Überwintern einfach nur paar Gehirnsynapsen zerschossen hat. Und dann wütet auch noch ein Traumvirus, welches nicht mal vor den Wächtern Halt macht und die Betroffenen in den Wahnsinn treibt.. Wer oder was steckt hinter diesen Träumen und wieso trifft es nur ganz bestimmte Menschen? Wie Ihr inzwischen sicherlich schon erkennen konntet, gehört dieses Buch zu den etwas komplexeren in diesem Genre. Folglich ist auch eine entsprechende Einführung des Lesers in diese Welt notwendig. Man darf sich also nicht erwarten, dass es gleich von Anfang an Action am laufenden Band gibt. Diese Story benötigt Zeit und das ist auch gut so. "Wer Morphenox einnahm, brauchte keine Gottheit mehr, die sich in die Träume mischte und über den Schlaf wachte; die Droge hatte Gott überflüssig gemacht. Die Heiligenverehrung war vom Spirituellen auf das Pharmazeutische übergegangen...." (S. 222) Es wird aus der Sicht von Charlie erzählt und dieser erzählt uns seine Geschichte. Durch ihn lernen wir langsam diese komplexe Welt kennen - wie sie funktioniert, sowie die verschiedenen Charaktere. Jedes Kapitel wird durch Auszüge aus Hand- und Geschichtsbüchern eingeleitet und Charlie verwendet auch Fußnoten, um etwas näher zu erklären oder auf etwas hinzuweisen. Dies gestaltet sich jedoch in keinster Weise langweilig, was am flüssigen Schreib- und am packenden Erzählstil des Autors liegt. Doch nicht nur die Story ist skurril und vielschichtig, auch die Charaktere weisen diese Eigenschaften auf, wobei der Autor nicht davor scheut so manche lieb gewonnene Figur über die Klinge springen zu lassen. Für überraschende Wendungen ist hier also ebenso gesorgt und ist nicht nur auf die Charaktere und deren Ableben beschränkt. Charlie ist alles andere als perfekt und stolpert regelrecht und vor allem meist ungewollt von einem Abenteuer in das nächste. Dabei muss er über sich selbst hinauswachsen, seine Ängste bekämpfen und vor allem darf er niemanden trauen. Wer hier auf der guten und wer auf der bösen Seite steht, bleibt hier nicht nur Charlie, sondern auch dem Leser lange unklar. Hier scheint nichts und niemand das zu sein was er vorgibt z u sein. Für welche Seite wird sich Charlie entscheiden? Die Story beginnt zwar bedächtig, doch mit jeder gelesenen Seite taucht man tiefer in diese Welt ein, bis sie einen verschlingt, einem mit in die Kälte von Eis und Schnee zerrt und nicht mehr loslässt...bis man am Ende angelangt ist. Fazit: Mit diesem Buch hält man einen unglaublich packenden, wie auch interessanten Science-Fantasy in den Händen, der alle Eigenschaften besitzt, um mein erstes Jahreshighlight zu werden - komplex, mit viel Liebe zum Detail, abgefahren, vielschichtig und spannend. Diese Attribute weisen die Charaktere ebenso auf, wie auch die Story selbst. Zudem regt diese verkehrte Welt doch auch zum Nachdenken an und am Ende ist diese Welt gar nicht so spiegelverkehrt wie man anfangs dachte. Wer auf komplexe Fantasy steht, wird mit diesem Buch also mehr als gut bedient, denn es ist eine abgefahrene Story, die einem die Kälte in die Knochen kriechen lässt und nicht mehr loslässt. © Pink Anemone

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Worum es geht: Der Winterschlaf beherrscht die Menschheit. In einer Welt mit Eiszeit, sieht sich der Mensch gezwungen den Winter zu verschlafen um zu überleben. Ausser der Winterkonsuln. Ein paar wenige Menschen, die über die schlafenden Wachen und beschützen vor all den Ungeheuern die im Eis lauern. Hier kommt der waliser Charlie ins Spiel. Dank seines tadellosen Gedächnisses darf er sein erstes Jahr wach antreten. Doch seine Arbeit entwickelt sich zusehends zum Alptraum, und das wo er doch wach bleiben muss, und das um jeden Preis. Meine Meinung: Mit Jasper und mir ist das so eine Sache. Ich habe alle Thursday Next Bücher, wobei nur den ersten gelesen. Ich hab das Grau Buch von ihm verschlungen und geliebt, alle meine Freunde lieben ihn, also muss ich das ja wohl auch. Den neuen Roman habe ich mit ungeduld erwartet und konnte mein Glück kaum fassen, als ich es auch noch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe. Ich weiss theoretisch, dass Eiswelt gut ist. Ich weiss dass, weil die Gesellschaftskritik intelligent eingearbeitet ist. Weil die Dialoge herrlich bissig sind. Weil die Welt bis ins kleinste Detail aufgebaut und jede noch so kleine Nebenfigur Leben eingehaucht bekommt. Fforde lebt seine Bücher udn lässt den Leser daran teilhaben. Herrlich skurril kommt ein Täuschungsmanöver nach dem anderen. Desweiteren liebe ich, dass er nicht zimperlich mit seinen Figuren umgeht. Niemand ist sicher, egal wie wichtig. Neben den Monstern und den natürlichen Sterbemöglichkeiten ( Ohne genügend Kalorien, schafft man halt keine 4 Monate ), geht es jedoch noch um mehr. Charlie wird verwickelt in so manch Intrigue die ihn wünschen lässt, doch wieder zu überwintern. Hibertech gegen die normalen Schläfer und wie sicher ist eigentlich die Droge Morphenox? Es hat bei mir echt wahnsinnig lange gedauerd bis ich wusste, was denn nun eigentlich die Handlung ist. Durch den langen und sehr detailierten Weltaufbau braucht man locker mal bis zur Hälfte des Buches bis irgendwas ins Rollen kommt. Dies kann man natürlich auch positiv sehen, für Leser die interessiert daran sind in eine Welt abzutauchen. Der Autor lässt nichts offen und man kann herrlich versinken in dieser neuen Welt. Nachdem ich das alles theoretisch weiss, muss ich aber leider sagen, dass es praktisch für mich nicht funktioniert hat. Schwerer Einstieg, zu viele Längen und ein Übermass an Details haben es recht trocken werden lassen. Ich hab es ohne auch nur den leisesten Anflug von Gefühl gelesen, ausser Ungeduld vielleicht. Kein Stirnrunzeln, kein Augenrollen, kein Herzrasen. Es wurde runtergelesen wie eine Menükarte im Restaurant. Wobei, schlechtes Beispiel... da rutsch ich vor Freude auf dem Stuhl hin und her und grinse bei der Entdeckung eines guten Gerichts von Ohr zu Ohr. Hier herrschte Eiszeit, ha!

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„Endlich, “ möchte man ausrufen, „endlich wieder ein Buch (für Erwachsene) von Jasper Fforde“, der die wunderbare Serie um die Literaturagentin Thursday Next („Der Fall Jane Eyre“) geschaffen hat. Und Fforde hat wieder eine phantasievolle Welt in seinem neuen Roman „Eiswelt“ beschrieben, der im Heyne Verlag erschienen ist. In einer Welt, die der uns bekannten nicht unähnlich ist, hat die Eiszeit nie aufgehört und so hält die Mehrzahl der Menschen während der eisigen Wintermonate Winterschlaf in riesigen Schlafstätten, den sogenannten Dormitorien. In dieser Zeit wachen die Winterkonsuln über die Schlafenden und beschützen sie vor den unzähligen Gefahren des Winters, wie beispielsweise die allgegenwärtigen Schurken, aber auch vor den Nachtwandlern und der Gronk und natürlich vor der Kälte. Der junge Charlie beginnt seine erste Wintersaison als Novize und bereits diese hat es von Beginn an in sich, denn er gerät unvermittelt in eines der größten kriminalistischen Geheimnisse der Eiswelt und sieht sich mit einer Vielzahl von Gefahren konfrontiert. Fforde hat in seinem neusten Werk eine detailliert beschriebene Parallelwelt erschaffen, die in sich vollkommen stimmig ist. Die Geschichte beginnt ruhig und nimmt den Leser behutsam an die Hand und stellt ihm diese bekannte, aber doch so fremde, Welt vor. Nach und nach entwickelt sich die phantasievolle Geschichte und breitet sich wie eine Schneedecke immer weiter aus, bis man schließlich am liebsten im dicken Wintermantel eingehüllt auf dem Sofa sitzen möchte, um sich in dieser einzigartigen literarischen Winterlandschaft zu wärmen. Die Spannung steigt im Verlauf der Handlung stetig an und wird dabei nicht langweilig. Auch werden alle Geheimnisse gelüftet und so erfährt der Leser schließlich auch, um was es sich bei den Nachtwandlern oder die Gronk handelt. „Eiswelt“ ist somit eine absolute Leseempfehlung für (aber nicht nur) die kalte Jahreszeit.

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