Leserstimmen zu
Ingenieure des Chaos

Giuliano da Empoli

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Ingenieure des Chaos

Von: Ingeborg Strauss

29.06.2020

Oft entscheidet der erste Blick auf das Cover eines Buches über Neugier oder Ablehnung. Schwarz auf gelb lassen „Ingenieure“ die Buchstaben CHAOS in das Hirn eines Menschen purzeln, dessen Kopf einem bekannten US-Präsidenten nachempfunden scheint. Und was strömt aus dessen Mund? Die Gedanken des Betrachters beginnen zu kreiseln. Der Verlag schickt dem Buch eine Info voran mit einer Kurzvorstellung von Giuliano da Empoli: italienisch-schweizerischer Schriftsteller, Journalist, war politisch aktiv in der italienischen Regierung und Gründungsvorsitzender von „Volta“, einer in Mailand ansässigen Denkfabrik. Für den deutschen Leser erfreulich ist die von Autor und Verlag aktualisierte und erweiterte Übersetzung. So kommen USA, Deutschland (AfD), Ungarn und Großbritannien besser in den Blick. In der Einführung breitet da Empoli ein historisches Szenario aus, in dem sich die feine italienische Gesellschaft hinter Masken verborgen dem Karnevalsvergnügen in seinen auch negativen Facetten hingibt. Sodann: „Die Karnevalsmasken haben sich mittlerweile ins Internet verlagert, wo unter dem Deckmantel der Anonymität völlige Enthemmtheit herrscht, ein Zustand, der früher erst mit dem Anziehen einer Verkleidung hervorgerufen wurde.“ Dieser groß geschlagene Bogen mit vielen Ausdifferenzierungen verlangt Durchhaltevermögen. Ziel des Autors ist, den Lesenden die technisch-aktuelle Situation nahezubringen, nämlich „wie der Algorithmus der Social Media programmiert“ ist. Der Nutzer soll an eine bestimmte Plattform gefesselt werden. Es „ist der Algorithmus der Ingenieure des Chaos darauf ausgerichtet, irgendeinen Standpunkt zu vertreten, sei er vernünftig oder absurd, realistisch oder intergalaktisch, solange die Wähler und Wählerinnen mit ihren Sehnsüchten und Ängsten – vor allem mit ihren Ängsten – dadurch abgeholt werden“. Zu diesem Zweck wird vorrangig auf Extrempositionierte abgehoben und nicht auf die sogenannte „Mitte“. Da Empoli stellt eine Tendenz zur Polarisierung in allen Gesellschaften fest. Der Wahrheitsgehalt von Fakten ist Nebensache, das Gefühlte in seiner und die Botschaft in ihrer Gesamtheit sind das Wichtige. Die Folgekapitel untermauern diese Auffassung(en) und differenzieren sie länderspezifisch aus. Es schließt sich „Waldo erobert die Welt — Wie Social-Media-User Konflikte in Myanmar, Frankreich und Deutschland anheizen“ an. Für die Rezensentin haben erst zweites Lesen und Internet-Recherche etwas Licht in die Ausführungen gebracht. So zieht sich „ein unbändiges Gefühl durch sämtliche Gesellschaften, ein Gefühl, das in denjenigen gärt, die sich, zu Recht oder zu Unrecht, benachteiligt, ausgeschlossen, diskriminiert oder nicht genug gehört fühlen“. Verschwörungstheorien sprießen wie Pilze aus dem Boden, genährt von Facebook und seinen erzwungenen Likes, die „wie ein ungeheuerlicher Multiplikator“ funktionieren. Und als hätte der Autor in die Gegenwart sehen können, beklagt er, dass unter anderem Vorurteile und Rassismus aus ihrer Deckung hervorkommen. Mal mit der Lupe, mal mit dem Fernrohr werden die USA, Deutschland („Die AfD und die Social Media“), Ungarn und UK („Der Brexit und Die Physiker“) inhaltlich seziert. Verglichen wird mit Dürrenmatt und seinem in einer Irrenanstalt spielenden Theaterstück. Die Auswahl der Länder ist erweiterungsbedürftig. Zwar gibt es viele gemeinsame rote Fäden, doch momentan keinen Ariadne-Faden, man fühlt sich noch mitten im Labyrinth. Man sieht nach der Lektüre klarer. Das Ziel, das sich Giuliano da Empoli gesteckt hat, die „Aufklärung“ in seinem Sinne, wurde zumindest bei der Rezensentin ansatzweise erreicht. Ich wünsche dem Buch eine der heutigen Situation angepasste Neuauflage, möglichst unter Vermeidung des nebulösen Wortgebildes „Quantenpolitik“. Noch eine Bitte um Klärung: Zitiert wird das Motto des französischen Kardinals Mazarin »ex inimici salus mea«. Mag sein, es war einmal sein Wahlspruch, dies zu verifizieren gelang jedoch nicht.

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Es gibt zwei Arten von Menschen auf dieser Welt, gute und schlechte .Die Guten schlafen besser, aber die Schlechten scheinen die wachen Stunden viel mehr zu genießen. W. Allen Vorwort des Buches und gute Reflektion auf das was den Leser inhaltlich in dem Buch von Giuliano da Empoli erwartet. Sehr zu empfehlen!

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Ein guter Einstieg

Von: Phienchen

15.06.2020

Die Ingenieure des Chaos wollen Unruhe schaffen und verschieben Grenzen, in der Öffentlichkeit aber auch in den Köpfen der Bevölkerung. Giuliano da Empoli zeigt auf, wie Populisten vorgehen und was sie im Vergleich zu alteingesessenen Politikern anders machen. Sie nutzen moderne Technologien deutlich effizienter für ihre Zwecke. Im Einzelnen hätte da Empoli generell noch weiter in die Tiefe gehen können, abgesehen von den Bereichen über Italien. Dies war ein sehr dominantes Thema, wobei mich persönlich andere Aspekte mehr interessiert hätten (das Kapitel über die AfD ist leider das kürzeste). Das Buch ist als Einstieg in das Thema gut geeignet und lässt sich flüssig lesen. Es ist auch ein Quellenverzeichnis vorhanden, sodass seine Aussagen überprüfbar sind und man sich bei Bedarf weiter informieren kann. Ich würde gern eher 3,5 statt 4 Sterne geben.

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Ein sehr aktuelles Buch

Von: A. Schneider

15.06.2020

Das Buch gibt einen interessanten Einblick, wie sich Populisten Gehör verschaffen. Die dafür angeheuerten Experten, die über Social-Media-Kanälen versuchen, Anhänger für ihre populistischen Ideen zu gewinnen, um somit rechtspopulistische und rechtsextreme Politiker zu unterstützen, kennen keine Regeln. Alles ist erlaubt - Tabubrüche, Lügen, Halbwahrheiten!

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Aktuelle Thematik

Von: CB

12.06.2020

Das Thema der Beeinflussung und politischen Meinungsmache im Netz - gerade in sozialen Netzwerken - wird immer präsenter, dennoch bleibt es den meisten Menschen verborgen. Der Autor geht anhand von konkreten Beispielen in ausgewählten Ländern sehr genau auf Vorgehensweisen und Strategien der Akteure ein, liefert dabei viele neue und überraschende Einblicke. Empfehlung für jeden, der mehr über digitale Politik erfahren und aktuelle Berichterstattung auch kritisch hinterfragen möchte.

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In seinem Werk "Ingenieure des Chaos" erklärt Giuliano da Empoli, wie Social Media die Massen beeinflussen kann und welche Macht dadurch die Rechtspopulisten erlangen können. Dies untermauert er durch einige reale Beispiele. Der Schreibstil ist einfach gehalten, wodurch man alles gut versteht und bei den einzelnen Gedankengängen gut mitkommt. Dieses Buch war sehr unterhaltsam und schnell durchgelesen. Der Inhalt war sehr aufklärend. Durch dieses Buch werden einem die Gefahren von Social Media und die daraus entstehenden Folgen für die Gesellschaft richtig bewusst. Ein absolut empfehlenswertes Buch für jeden, der sich weiterbilden möchte und der Botschaften aus dem Internet kritisch hinterfragt. Dieses Buch sollte gerade in der heutigen Zeit jeder gelesen haben.

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Giuliano da Empoli ist italienischer Herkunft, daher liegt der Schwerpunkt auf Italien mit der Fünf-Sterne-Bewegung - während das Konterfei Trumps auf den Titel anderes vermuten lässt. Im Vorwort vergleicht er die populistische Politik mit dem Karneval von Venedig, welcher in seinem Ursprung auch dazu gedacht war, für wenige Tage die geltenden gesellschaftlichen Regeln ausser Kraft zu setzten, so dass das Volk die Macht übernimmt. Neben Italien geht es natürlich auch um Amerika und auch über die AfD gibt es ein Kapitel, wobei da Empoli sich nicht immer an die Begrenzungen des jeweiligen Kapitels hält. Am Ende weiß man zu einen, wer die Strippenzieher hinter den erfolgreichen populistischen Politikern sind, welche medialen Plattformen sie nutzen und welcher Mechanismus dahinter steht, nämlich Aufmerksamkeit. Man versteht auch, dass das Gefühl einer demokratischen Ermächtigung nur vorgetäuscht ist, und die Wähler in gewisser Weise Opfer. Der Text strotzt an vielen Stellen nur so von Namen und Fakten, dennoch ist er in einem populärwissenschaftlichen, unterhaltsamen - wenn auch gehobenenen - Stil geschrieben. Für mich persönlich war dies eher anstrengend und ermüdend, ich bevorzuge in Sachbüchern klarere Strukturen, außerdem hatte ich keinerlei Vorkenntnisse über die italienische Politik, so dass ich bei den vielen Namen und Verstrickungen Schwierigkeiten hatte, noch durchzublicken, während mich das Kapitel über die AfD enttäuscht hat, da ich darüber viel wusste und es mir zu oberflächlich abgehandelt erschien. Insgesamt sind die Hintergründe sicher gut recherchiert und wer Interesse an den Thema hat und den Schreibstil mag, dem kann man "Ingenieure des Chaos" empfehlen, für mich war es nichts (trotz thematischem Interesse).

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Wie kommt es, dass so viele Wähler sehenden Auges ihr eigenes Verderben wählen? In dem Buch wird deutlich gemacht, wie politische Botschaften zielgerichtet an die einzelnen Wählergruppen geschickt werden und auf diese Weise Chaos und gesellschaftliche Spaltung geschürt werden. Man muss die Methoden kennen um gegensteuern zu können!

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