Der erste Stein

Als homosexueller Priester gegen die Heuchelei der katholischen Kirche

(4)
Taschenbuch
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»Wenn jemand homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, über ihn zu richten?« Diese Worte von Papst Franziskus ließen die Welt aufhorchen und viele homosexuelle Priester Hoffnung schöpfen. Doch ein grundlegender Wandel der katholischen Kirche steht weiterhin aus. Umso mehr Wirbel verursachte das Coming-out des hochrangigen Geistlichen Krzysztof Charamsa im Jahr 2015. In »Der erste Stein«, das mit Erscheinen die Bestsellerliste eroberte, berichtet er von seiner Karriere, gibt erschreckende Einblicke in den Alltag der kirchlichen Ausbildung und beschreibt die Absurdität von Doktrinen und Vorschriften wie dem Zölibat.

»›Der erste Stein‹ ist eine Anklageschrift, aber keine Enthüllungsgeschichte. Ein Vorwurf, aber keine Dreckschleuder-Attacke. Kurzum: eine verzweifelte Abrechnung.«

Süddeutsche Zeitung

ERSTMALS IM TASCHENBUCH
Aus dem Italienischen von Michael Jacobs
Originaltitel: La prima pietra
Originalverlag: Rizzoli Libri, Milano 2016
Taschenbuch, Broschur, 320 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-328-10296-0
Erschienen am  10. September 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Schwule Kirche?

Von: Sarah

23.07.2019

Katholische Kirche und Homosexualität passt nicht zusammen? Stimmt! Dass es diese Kombination aber dennoch gibt, sollte jedem, der nicht unter einem Stein lebt, klar sein. Vor allem da das selbstauferlegte Zölibat gut ein mögliches Outing kaschiert. Krzysztof Charamsa erzählt in seinem Buch "Der erste Stein" wie es ist ein schwuler Priester zu sein. Und schon auf den ersten Seiten wird klar wie menschenverachtend und weltfremd die katholische Kirche immernoch ist, wenn die These aufgegriffen wird, dass ein abwesender Vater und eine überfürsorgliche Mutter dazu führen, dass Männer verweichlichen, unmännlich und somit schwul, abnormal, sündig werden. (Unter uns liebe katholische Kirche: Viele Schwule die ich kenne sind ganz und gar nicht unmännlich, es geht bei Homosexualität gerade darum, dass Männer andere männliche Männer lieben 🤷‍♂️) Der Autor stellt auch ganz klar heraus, dass er von Geburt an homosexuell ist und es keine Prägung von Außen gab. Die Prägung die er hingegen erfahren hat, war die bezüglich seines Glaubens, welcher ihm anerzogen wurde, im konservativen Polen, vom strenggläubigen Eltern. Der ganze Anfang des Buches ist eigentlich nur die Biografie von Herrn Charamsa und irgendwie auch eine Rechtfertigung, warum er zur Kirche ging. Es klingt wie eine Entschuldigung: "Seht her, es war doch naheliegend Priester zu werden, aber Glaube ist cool, nur die Institution Kirche nicht". Auch ist das Buch durchzogen von Nationalstolz, Charamsa ist stolz auf Polen und den Papst den dieses Land hervorbrachte, ohne es auch nur kurz zu hinterfragen, denn alles schlechte was in Polen passiert, hat die Institution Kirche verschuldet. Leider ziemlich kurzsichtig. Eine Institution die laut Charamsa durchzogen wird von Homophobie, Misogynie und Intrigen. Nichts was mich beim Lesen überrascht hat, aber es wundert mich wie man freiwillig Teil dieser Institution werden kann, alles wofür sie steht verteufelt und trotzdem behaupten kann, sie hätte immer noch eine wichtige Rolle für die Gesellschaft? Anfangs bekommt man noch Mitleid mit dem Autor. Doch im Laufe des Buches fragte ich mich immer mehr, wie jemand der so viel Schuld auf die Kirche umwälzt auch nur einen Moment für diese arbeiten konnte? Das Buch ist auch noch eine schreckliche aneinander Reihung von haltlosen Klischees: Schwule sind sensibel, unsportlich, kunstaffin etc. Wenn man ein Buch gegen Diskriminierung schreibt, sollte man ein wenig mehr Toleranz erwarten können und nicht selbst in Schubladen denken und Schwule so als schwächliche Witzfiguren dastehen lassen. Schwule Priester sind im übrigen, laut eigener Aussage des Autors, auch die besseren Geistlichen, was für mich als Leser schon sehr von Selbstüberschätzung geprägt rüberkommt und der Autor schätzt zudem auch, dass mindestens 50% der Geistlichen homosexuell sind. Gewagte Zahl und These, meiner Meinung nach. Widersprüchlich reagiert Charamsa, indem er sagt die Menschen wären ohne die Kirche glücklicher, selbst aber nie ganz der Kirche abschwören konnte. Natürlich sind Glaube und Kirche getrennt zu betrachten. So langsam muss ich zum Fazit über dieses Buch kommen. Dass die katholische Kirche Homosexualität als Krankheit ansieht, voller Widersprüche, Misogynie, Heuchelei, Doppelmoral und Intrigen ist und der Gesellschaft mittlerweile mehr schadet als nutzt, sollte auch ohne dieses Buch bekannt sein, wer jedoch Zweifel daran hat, sollte das Buch mal lesen. Vom Stil her ist es eine Berichterstattung über das Leben im Vatikan, nichts literarisch anspruchsvolles, ich musste kämpfen da es Stellenweise schon arg langweilig war. Ob alles glaubwürdig ist? Wer weiß das schon? Ein wenig persönlicher Groll des Autors, der so von seiner Kirche enttäuscht wurde, steckt bestimmt auch in dem Buch, was man glauben kann und sollte, muss der Leser/die Leserin für sich entscheiden. Manche Einblicke fand ich ganz Interessant und wer sich für die Thematik, die Kirche und den Klerus interessiert, sollte das Buch auf seine Wunschliste setzen.

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Eine kritische Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche..

Von: Sara

27.03.2018

„Der erste Stein“ beschreibt den Weg eines polnischen Jungen ins Priesteramt. Im Bewusstsein, dass er homosexuell ist und sein Outing mit den Folgen der Entlassung aus der Kirche einhergeht. Krzysztof Charamsa schreibt dabei auf einem hohen sprachlichen Niveau. Zu Beginn werden die äußeren Umstände seiner Erziehung durch Familie, Glauben, Vaterland, Schule und letztendlich der Berufung ins Priesteramt beschrieben. Dann erzählt Charamsa von seinem eigenen Aufstieg in der Institution (Priesterseminare, Studien, Mitglied der Glaubenskongregation). Er hat innerhalb kurzer Zeit einen enormen „Aufstieg“ hingelegt. So wie er über seine damaligen Ziele berichtet, merkt man, dass er auch bewusst Karriere in der Kirche machen wollte. „Ich träumte davon Oberinquisitor zu werden. Ich träumte mit jugendlichem Enthusiasmus davon, der Wahrheit dienen zu können, die im Besitz der Kirche ist und von ihr gehütet wird.“ (S. 120) Ich muss auch gestehen, dass mir durch dieses Buch überhaupt bewusst wurde, dass es die Inquisition in der Kirche noch gibt und nicht mit dem Mittelalter ausgestorben ist. Was mich auch noch überrascht hat, war der Einfluss den die Kirche auf das Privatleben von Bürgern (z.B. sämtliche Bereiche der Sexualität) ausübt, aber auch auf politische Belange (z.B. Wohnraum nur für Familien). „Wahrscheinlich ist die Kirche in Bezug auf die Naturwissenschaft tatsächlich um zweihundert Jahre zurückgeblieben […] und hat den Menschen aus den Augen verloren.“ (S. 205) Ein wirklich zentrales Thema ist Homosexualität. Gerade weil die Kirche in dieser Hinsicht ein striktes Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen ausspricht, ist die Scheinheiligkeit des Klerus umso erschreckender. Laut Krzysztof Charamsa sind 50% aller Priester homosexuell. Trotz der Zahl wird eine Homophobie von der Kirche geradezu aufgebaut. Beim Lesen habe ich etwas gebraucht, um mit dem Buch warm zu werden. Weil der Stil doch auf einem hohen Niveau ist, liest sich das Buch nicht so schnell. Aber vor allem wenn auch Beispiele aus dem Alltag und Handeln der Kirche aufgezeigt werden, kann man sich alles besser vorstellen. Es ist spannend aus der Perspektive eines Insiders diese Dinge zu betrachten. Gerade als Außenstehender hat man nur so viel Einblick in die Institution Kirche, wie diese es zulässt. Das Buch zeigt Charamsas Auseinandersetzung mit der Kirche und seiner eigenen Sexualität. „Der erste Stein“ offenbart dabei viel von der Innenpolitik der Kirche, wozu normale Bürger sonst keinen Zugang haben. Ein interessantes, gut geschriebenes Buch: für jeden, der sich mit „Homosexualität und Kirche“ auseinandersetzen möchte. Abschließend noch ein herzliches Dankeschön an die Randomhouse Verlagsgruppe, von der ich das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe. Wie aber bei allen unseren Rezensionen spiegelt auch diese meine eigene Meinung wider und bleibt unbeeinflusst.

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Vita

Krzysztof Charamsa, geboren 1972 in Polen, ist Theologe. Er wurde 1997 zum Priester geweiht und lehrte seit 2009 an der Päpstlichen Hochschule Gregoriana in Rom; 2011 wurde er in die theologische Kommission der Glaubenskongregation berufen. Nach seinem Coming-out wurde Charamsa von seinen kirchlichen Ämtern suspendiert.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

»Ein radikal persönliches Buch!«

Deutschlandfunk Kultur

»Charamsa holt, elegant im Ton, aber hart in der Sache, zum Generalangriff aus.«

General-Anzeiger

»Eine wütende und leidenschaftliche Abrechnung.«

Berliner Morgenpost