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Die Lebenden und Toten von Winsford Roman

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Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-442-71389-9

Erschienen:  09.05.2016
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Exmoor, eines Abends im November. Über dem kleinen Dorf Winsford in der südenglischen Heide liegt dichter Nebel. Es ist einsam in der Gegend. Das schreckt die schwedische Touristin Maria Anderson nicht ab. Sie hat sich hier ein Haus gemietet, unternimmt lange Spaziergänge mit dem Hund, freundet sich mit einigen Bewohnern an. Aber sie hat etwas zu verbergen. Und offensichtlich ist ihre Anwesenheit jemandem ein Dorn im Auge ...

DIE WERKE VON HÅKAN NESSER IM ÜBERBLICK

Håkan Nesser, von Kritik wie Publikum gefeierter Star am Himmel der traditionsreichen schwedischen Kriminalliteratur, ist nicht nur ein excellenter Spannungsschriftsteller, sondern auch ein meisterhafter Menschenkenner, der mit den Abgründen der menschlichen Seele ebenso vertraut ist wie mit der Auflösung eines Falles.
Weitere Informationen unter www.hakan-nesser.de

Die Van-Veeteren-Krimis

Gunnar Barbarotti

Doppelbände

Einzelromane

Bitte beachten Sie, dass zwecks Vollständigkeit ggf. auch Bücher mit aufgeführt werden, die derzeit nicht lieferbar oder nicht bei der Verlagsgruppe Random House erschienen sind.

Håkan Nesser (Autor)

Håkan Nesser, geboren 1950, ist einer der beliebtesten Schriftsteller Schwedens. Für seine Kriminalromane erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, sie sind in über zwanzig Sprachen übersetzt und mehrmals erfolgreich verfilmt worden. Håkan Nesser lebt abwechselnd in Stockholm und auf Gotland.


Paul Berf (Übersetzer)

Paul Berf, geboren 1963 in Frechen bei Köln, lebt nach seinem Skandinavistikstudium als freier Übersetzer in Köln. Er übertrug u. a. Henning Mankell, Kjell Westö, Aris Fioretos und Selma Lagerlöf ins Deutsche. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.

Aus dem Schwedischen von Paul Berf
Originaltitel: Levande och döda i Winsford
Originalverlag: Albert Bonniers Förlag

Taschenbuch, Broschur, 464 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-71389-9

€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 14,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: btb

Erschienen:  09.05.2016

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Ein Buch mit unwiderstehlicher Sogkraft

Von: Jules Barrois Datum: 19.06.2016

https://julesbarrois.wordpress.com

„Ich fasste Entschlüsse und setzte sie in die Tat um.“ (Seite 136) Dieser Satz bestimmt das aktuelle Leben der Mitfünfzigerin Maria. Plötzlich und unerwartet ist sie in Exmoor aufgetaucht. Ihr einziger Reisebegleiter ist ein Hund. Sie mietet für ein paar Monate eine alte Hütte in der Mitte der Heidelandschaft. Sie hat als TV-Moderatorin im Fernsehen gearbeitet, aber den neugierigen Dorfbewohner erzählt sie, dass sie Autorin sei und die Zeit in der Abgeschiedenheit nutze, um ein Buch fertig zu schreiben. „Ich schreibe um dem Wahnsinn zu entgehen – dem geduldig erodierenden Wahnsinn der Einsamkeit – und um meinen Hund zu überleben, das ist alles.“ (Seite 113)
Wer ist diese mysteriöse Schwedin? Langsam, sorgfältig und methodisch erfahren wir von ihr die Vorgeschichte. Wo ist ihr Ehemann Martin, Schriftsteller und Literaturprofessor? Warum verwischt Maria all ihre Spuren auf dem Weg in diese südenglische Landschaft? Was hat es auf sich mit dem berühmt-berüchtigten Schriftstellerkollektiv in Marokko vor vielen, vielen Jahren? Warum schreibt Maria E-Mails in Martins Namen?
Keine Sorge. Die Geschichte mit vielen Verwicklungen und einem überraschenden Ende, werden ich hier nicht verraten. Soviel sei nur gesagt: Trotz ihres Vorsatzes, Entschlüsse zu fassen und in die Tat umzusetzen, die Dinge verlaufen natürlich nicht wie geplant. Und die Geschichten der Lebenden und Toten findet nicht nur im Dorf Winsford statt, sondern auch in Schweden, Polen, Griechenland und Marokko. Und das besondere an diesem Roman von Nesser: Er erzählt die Handlung komplett aus weiblicher Perspektive.
Bei Håkan Nesser fühlt der Leser sich gut aufgehoben, manchmal vielleicht zu sicher. Stilistische Experimente und mutige Erzählweisen werden Sie hier nicht finden. Dafür aber eine Geschichte im Grenzbereich von Roman und Krimi. In gewisser Weise ist es ein psychologischer Thriller, aber der Roman ist nicht leicht zu kategorisieren. Vielleicht ist es eine eigene Kategorie. Und natürlich die ungeheuer echten Naturbeschreibungen. Auch wenn Sie im Süden unter strahlender Sonne sitzen und lesen, werden Sie sich nach einem feuchten, windigen und nebligen Moor irgendwo im Südwesten von England sehen.
Über die vielschichtige Handlung hinaus ist es eine starke Geschichte über Trauer und wie wir auf Schmerz reagieren. Mancher wird umgeworfen und verliert alle Lebensenergie, andere finden schließlich einen Weg zu leben. Håkan Nesser schreibt darüber in Bildern und ohne es ganz offen zu schreiben. Jeder, der schon mal großes Leid erfahren hat, wird vieles erkennen, ohne erklären zu können, was es ist. Aber auch das ist nur ein Teil des Buches. Håkan Nesser, so scheint es mir, macht uns Lesern Angebote, mit denen wir uns auseinandersetzen können.
„Die Lebenden und Toten von Winsford“ ist einer von Håkan Nessers besten Romanen. Hier zeigt er sich wieder einmal als Autor der feinen Stimmungen und der subtilen Überraschungen. Ein wahrhaft gewitzter und raffinierter Geschichtenerzähler mit viel Tiefe und Ironie. Es ist ein Buch, von dem ich mich nicht losreißen konnte, sondern eine Lektüre, die mich antrieb, zu lesen und zu lesen und kaum ein Durchatmen erlaubte.
Das ist anspruchsvolle Literatur: es gibt keinen konstruierten Plot sondern eine Vielzahl kleiner Geschichten. Es gibt keine Action, keinerlei Grausamkeiten und trotzdem entsteht Gänsehautgefühl. Das Buch bezieht seine Spannung vor allem aus dem, was im Verborgenen bleibt. Für mich war es ein ganz besonders nachhaltiges Leseerlebnis. Sehr empfehlenswert.

Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Hörbuch MP3-CD)

Castor überleben

Von: wal.li Datum: 17.10.2016

wallis-buechersichten.blogspot.de/

Eines Tages im Spätherbst zieht eine Frau mit ihrem Hund in ein Ferienhaus in Exmoor ein. Sie will ihren Hund Castor überleben, der glücklicherweise noch nicht so alt ist. Doch was hat Maria dazu bewogen, diesen abgelegenen Ort aufzusuchen? Trotz der eigentlich selbstgewählten Einsamkeit lebt sich Maria recht schnell ein und schließt Bekanntschaften. Mit ihrem Hund wandert sie durch die karge Landschaft. In dem Internet-Café lässt sie sich von der Geschichte des Ortes erzählen. Obwohl schon Mitte Fünfzig, hat sie sich ganz gut gehalten, meint sie und als einer der Dorfbewohner sich für sie zu interessieren beginnt, ist sie nicht völlig abgeneigt.

Ruhig entfaltet sich die Handlung dieses Romans. Håkan Nesser, der vor etlichen Jahren Kriminalromane geschrieben hat, hat sich inzwischen eher darauf verlegt, Geschichten vorzulegen, die wie eine Charakterstudie herkommen. Wer ist diese Maria Anderson, die ihren Namen geändert hat und die die Einsamkeit sucht. Was hat sie zu verbergen, wieso sucht sie die Einsamkeit. Zunächst macht sie einen verstörten Eindruck, nur der Gedanke, dass sie ihren Hund nicht zurücklassen darf, hält sie aufrecht. Doch nach und nach lebt sie sich ein und beginnt sich wohl zu fühlen. Wenn sie dann selbst beschreibt, was sie zu dem Entschluss gebracht hat, sich in diese Einöde zu begeben, empfindet man eine gewisses Irritiert sein.

Wenn man grundsätzlich lieber eher konventionelle Krimis liest, könnte dieser Roman einige Probleme bereiten. So wie der Autor sich in seinen letzten Büchern immer mehr Zeit nimmt, seine Handlung zu entfalten, so kann es geschehen, dass es manchen Leser vielleicht zu langsam voran geht. Gerade auch die Schilderung aus der Sicht Marias birgt die Gefahr, dass es nicht eben leichter fällt, sich in dem Buch zu finden. Da nutzt es auch nicht, dass auch gelungene Passagen zu finden sind. Allerdings kann das vermutlich nicht dem Autor angelastet werden, es wird eher am Leser liegen, der lieber echte Spannungsromane liest.

Die sehr gute Lesung von Eva Mattes vermag zwar nicht, dem Geschehen Spannung zu geben, doch immerhin hilft sie, so viel Interesse zu behalten, dass man die Lesung beendet.

2,5 Sterne

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