Strafe

Stories

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Was ist Wahrheit? Was ist Wirklichkeit? Wie wurden wir, wer wir sind? Ferdinand von Schirach beschreibt in seinem dritten Erzählungsband »Strafe« zwölf Schicksale. Wie schon in »Verbrechen« und »Schuld« zeigt er, wie schwer es ist, einem Menschen gerecht zu werden und wie voreilig unsere Begriffe von »gut» und »böse« oft sind. Ferdinand von Schirach verurteilt nie. In ruhiger, distanzierter Gelassenheit und zugleich voller Empathie erzählt er von Einsamkeit und Fremdheit, von dem Streben nach Glück und dem Scheitern. Seine Geschichten sind Erzählungen über uns selbst.


Originaltitel: Strafe
Originalverlag: Luchterhand
Taschenbuch, Klappenbroschur, 192 Seiten, 12,5 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung
ISBN: 978-3-442-71893-1
Erscheint am 14. Oktober 2019

Leserstimmen

Die zwölfte Geschichte

Von: Reinhard Stiehl

03.03.2019

Die zwölfte Geschichte. Reinhard Stiehl Es sind 12 Kurzgeschichten, 11 davon wie immer gut erzählt. Kein Wort zu viel. Manche haben eine überraschende Pointe, manche eine andere als die erwartete. Es sind 11 Geschichten aus dem Alltag eines Strafverteidigers. Sie erzählen von Menschen und ihren Schwächen. Das ist ihre besondere Stärke. Wie immer. Doch dann kommt die Zwölfte. Diese eine, die zwölfte Geschichte unterscheidet sich von den anderen schon darin, dass sie in der Ich-Form erzählt ist. Aber sie unterscheidet sich vor allem deshalb, weil sie die beste, die persönlichste im neuen Buch ist. Sie heißt „Der Freund“ und allein wegen dieser Geschichte lohnt sich das ganze Buch. Es heißt „Strafe“. "Vielleicht hast Du recht und es gibt kein Verbrechen und keine Schuld, sagte er, aber es gibt eine Strafe." ER, das ist „Der Freund“, dem Schirach diesen Satz in den Mund legt, der gleichzeitig die beiden Vorgänger von „Strafe“ beim Namen nennt: „Verbrechen“ und „Schuld“. Mit diesen beiden Bänden hat Schirach ein ganzes Genre mit seiner eigenen Sprache verknüpft. „Verbrechen“ und „Schuld“ sind wie „Rubber Soul“ und „Revolver“ von den Beatles. Die beiden besten Alben vor dem berühmtesten. „Strafe“ ist wie die Fortsetzung von „Verbrechen“ und „Schuld“ und klingt wie der dritte Teil einer Trilogie. Ginge es weiter, müssten die nächsten Bücher wohl „Sühne“ und „Vergebung“ heißen. Empfehlenswert wäre das nicht. Nach den ersten beiden, überaus erfolgreichen Kurzgeschichtenbänden versuchte sich Schirach zunächst an zwei Romanen: „Der Fall Collini“ gelang. „Tabu“, der zweite, nicht. Schirach wechselte von der Belletristik auf die Bühne. „Terror“ ist eines der erfolgreichsten Dramen des Gegenwarts-Theaters. Ein Stück Essay. Zwischendurch immer wieder kleine Sonderbände mit kurzen Geschichten: „Carl Thorberg“. Outtakes aus „Verbrechen“ und „Schuld“? Oder neue Einfälle, die zu spät kamen? Auf jeden Fall reichte es lange nicht für einen dritten Band. Wird das Strickmuster zur Masche? Kurzgeschichten sind sein Format, weil seine Plots so gut mit seiner verdichteten Sprache korrespondieren. Eine Erzählkunst, die keiner so beherrscht wie Schirach. Aber „Strafe“ hat nicht mehr die Qualität von „Verbrechen“ und „Schuld“. Oder hat man sich satt gelesen? Bestes Handwerk zwar. Schirach ist ein Meister seines Faches. Allerdings wird man als Leser das Gefühl nicht los, dass sein Strickmuster zur Masche wird. Nur einmal gelingt Schirach wieder so ein ein Satz, der alles in den Schatten stellt. Ein Satz aus der Kurzgeschichte „Nachbarn“. Dort heißt es: "Nach einer halben Stunde geht sie wieder, der tiefe Rückenausschnitt ihres Kleides." Und wäre nicht die letzte Geschichte „Der Freund“, die einmal mehr Hoffnung macht auf einen autobiografischen Roman … DEN autobiografischen Roman … dann wäre dieser neue Kurzgeschichtenband nicht mehr als ein weiterer Bestseller, der mit Sicherheit wieder in 40 Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet wird. Aber „Der Freund“ weist weit über dieses Buch hinaus. Diese Geschichte erzählt, warum Schirach Schriftsteller wurde. Und sie endet mit dem Satz, der wie kein anderer den Autor selbst beschreibt: "Ich dachte, ein neues Leben wäre leichter, aber es wurde nie leichter. (…) die Fremdheit bleibt und die Einsamkeit und alles andere auch."

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Für von Schirach-Einsteiger genau das richtige Buch, aber auch für Fans des Autors eine absolute Empfehlung.

Von: Daniela Vödisch

14.02.2019

Für mich war es das erste Buch von Ferdinand von Schirach und meiner Meinung nach zum Eistieg genau das Richtige. Die Kurzgeschichten sind relativ groß geschrieben und umfassen nur mehrere Seiten, so kann man immer mal wieder eine lesen und muss sich nicht viel Zeit dafür nehmen. Obwohl das sicherlich ratsam wäre, denn die Geschichten haben mich persönlich jedes Mal total umgehauen, sodass ich nach der Lektüre noch oft darüber nachdenken musste. Die Wendungen kommen immer völlig unerwartet, einige davon haben mir tatsächlich den Atem geraubt und mich teilweise auch sehr mitgenommen. Man weiß natürlich als Leser, dass so etwas im Alltag sicher oft genug vorkommt, das ist es glaube ich, was die Geschichten so besonders macht. Weiterhin will der Autor uns als Leser mitteilen, dass die Dinge oft nicht so sind, wie sie im ersten Augenblick scheinen. Es geht hauptsächlich um Verbrechen, Gerechtigkeit, Moral und Schuld. Die Art und Weise, wie der Autor die Geschichten schreibt ist richtig gut und für mich außergewöhnlich, denn er wertet nicht. Er erhebt seinen moralischen Zeigefinger nicht, sondern erzählt die Geschichten in einer nüchternen, knappen, aber doch kurzweilig und sehr unterhaltsam. Diese Mischung lässt sich schwer beschreiben, doch für diese Art von Geschichten ist sie in meinen Augen die Richtige. Die Geschichten sind mit Ausnahme der Letzten frei erfunden, was ihre Glaubwürdigkeit in keinster Weise schmälert, im Gegenteil. Sonst wären sie wahrscheinlich kaum zu ertragen gewesen. Fazit: Für von Schirach-Einsteiger genau das richtige Buch, aber auch für Fans des Autors eine absolute Empfehlung.

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Vita

Der Spiegel nannte Ferdinand von Schirach einen »großartigen Erzähler«, die New York Times einen »außergewöhnlichen Stilisten«, der Independent verglich ihn mit Kafka und Kleist, der Daily Telegraph schrieb, er sei »eine der markantesten Stimmen der europäischen Literatur«. Die Erzählungsbände »Verbrechen« und »Schuld« und die Romane »Der Fall Collini« und »Tabu« wurden zu millionenfach verkauften internationalen Bestsellern. Sie erschienen in mehr als vierzig Ländern. Sein Theaterstück »Terror« zählt zu den weltweit erfolgreichsten Dramen unserer Zeit. Ferdinand von Schirach wurde vielfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet. Er lebt in Berlin. Zuletzt erschienen von ihm die Spiegel-Bestseller »Die Herzlichkeit der Vernunft«, ein Band mit Gesprächen mit Alexander Kluge, die Erzählungen »Strafe« sowie sein persönlichstes Buch »Kaffee und Zigaretten«.

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