Arthur und Lilly

Das Mädchen und der Holocaust-Überlebende – Zwei Leben, eine Geschichte

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Was uns die Vergangenheit zu erzählen hat

"Ich hatte ein tolles Leben", erzählt Arthur Kern und meint seine Kindheit in Wien – bis zu jenem Moment, als er 1939, gerade mal zehn Jahre alt, jäh von seiner Familie getrennt wird. In der Hoffnung, ihn vor dem Holocaust zu bewahren, schicken ihn seine jüdischen Eltern mit einem Kindertransport in die Fremde – ein traumatisches Erlebnis für den Zehnjährigen. Zwar kann er sich über Frankreich nach Amerika retten, doch seine Familie wird er nicht mehr wiedersehen.

60 Jahre später: Bei einem Besuch der Wiener Wohnung seiner Kindertage lernt Arthur die elfjährige Lilly Maier kennen. Eine schicksalhafte Begegnung für beide, die nicht nur Lillys weiteres Leben prägt, sondern auch dazu führt, dass Arthur ein spätes Vermächtnis seiner Eltern zuteil wird …

»Das macht ihr [Lilly Maier] Buch so besonders: Es ist wissenschaftliches Werk, Reportage, Biografie und Autobiografie in einem.«

Berliner Zeitung (15. November 2018)

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mit 32 S. Farbbildteil
ISBN: 978-3-641-22864-4
Erschienen am  12. November 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Berührendes Buch

Von: Michael Lausberg aus Doveren

22.12.2018

Dieses Sachbuch hat ein außerordentliches Genre: Die Novemberpogrome gegen die jüdische Bevölkerung vom 9. auf den 10.November 1938 führten der Weltöffentlichkeit drastisch vor Augen, dass Juden in Deutschland schutzlos waren. Dennoch machten es die damals bestehenden strengen Einwanderungsbestimmungen vieler Länder den deutschen Juden trotz ihrer Verfolgung nahezu unmöglich, Deutschland zu verlassen. Großbritannien handelte schnell: Am 15.November 1938 empfing der britische Premierminister Arthur Neville Chamberlain eine Abordnung einflussreicher britischer Juden um über eine vorübergehende Aufnahme von Kindern und Jugendlichen in Großbritannien zu verhandeln. Die jüdische Gemeinde verpflichtete sich zur Stellung von Garantiesummen für die Reise- und Umsiedlungskosten der Kinder und versprach, die Kinder im Land zu verteilen und ihnen eine angemessene Ausbildung angedeihen zu lassen. Später sollten die Kinder mit ihren Familien wieder vereinigt werden und eine neue Heimat in Palästina finden. Der 10jährige Oswald Kernberg und sein Bruder werden von seinen jüdischen Eltern vor den Übergriffen geschützt, sie übergeben sie an einen Kindertransport, der sie in Sicherheit nach Amerika bringen soll. Sein älterer Bruder Fritz wird nicht mitgenommen da er an Epilepsie leidet und nur gesunde Kinder verschickt werden. Fritz wird mit seinen Eltern deportiert und ihr Schicksal bleibt offen. Seine Erinnerungen und zahlreiche Zeitzeugen-Interviews geben ein dramatisches Bild von der Flucht der Kinder nach Frankreich, über die Pyrenäen durch Spanien bis nach Lissabon und per Schiff nach New York. Er nennt sich ab sofort Arthur Kern. Nach 62 Jahren besucht er Wien und möchte seine alte Wohnung gerne nochmal sehen. Dort lernt er die junge Lilly kennen, die mit ihrer Mutter in der Wohnung lebt. Da sich Lilly bereits in der Schule mit dem Thema Judenverfolgung auseinander setzt, entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft und sie schreibt Arthurs Leben in diesem Buch nieder. Das Buch ist mit viel Hintergrundrecherche geplant und geschrieben worden. Die Autorin hat viele der Orte, wo Oswald/Arthur auf seiner Reise nach Amerika Station gemacht, selbst bereist, in Archiven vor Ort recherchiert und viele Quellen aufgespürt. In dem Buch gibt es zahlreiche Fotos aus Oswalds/Arthurs Familiengeschichte vor, einige Zeitzeugen werden zitiert, was die Authentizität steigert. Durch die Tatsache, dass das Buch biografische Elemente, historische Dokumentationen und eine rührende Romanhandlung besitzt, gehört es zu den Büchern, die man nicht so schnell vergessen wird.

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Im Land der Chinesen bin ich noch nie gewesen

Von: TochterAlice aus Köln

17.12.2018

erstens hatte ich keine Zeit, zweitens war der Weg zu weit! Dieses Lied sang Arthur Kern im fernen Kalifornien noch im hohen Alter und zwar auf Deutsch, das außer ihm keines seiner Familienmitglieder spricht. Arthurt Kern ist als Oswald Kernberg in Wien geboren worden, Ende der 1920er Jahre in eine jüdische Familie und er ist durch den Kindertransport gerettet worden, zunächst nach Frankreich, dann verschlug es ihn in die USA, wo er den - umfangreichen - Rest seines Lebens verbrachte. Weder seine Eltern noch sein Bruder überlebten, sie wurden nach Polen deportiert und starben dort irgendwo - Arthur kennt weder den Ort noch die Umstände. Eine harte Kindheit - dennoch ist aus Arthur ein heiterer, lebenslustiger und beruflich sehr erfolgreicher Mensch geworden, ein Familienmensch noch dazu - zusammen mit seiner Frau Trudie hat er eine richtig große Sippe begründet. In der außer ihm niemand Deutsch spricht, nicht einmal seine Frau, die ebenfalls als Jüdin in Wien geboren wurde und dort den ersten Teil ihrer Kindheit verbrachte, doch das ist eine andere Geschichte. Allerdings eine, die ebenfalls in diesem Buch vorkommt. Wie so vieles andere, das Autorin Lilly Maier scheinbar beiläufig hineinflicht in ihre Biographie Arthur Kerns, die auch ihre eigene Geschichte beinhaltet: denn die Begegnung der beiden hat den Stein erst ins Rollen gebracht, Lillys Interesse an Zeitgeschichte und vor allem an den Kindertransporten wurde dadurch geweckt. Dabei war sie erst elf, damals im Jahr 2003, als Arthur Kern vor der Wohnungstür der Maiers in Wien stand - vor der Wohnung, die bis 1939 seine eigene, bzw. die seiner Familie gewesen war. Lilly und ihre Mutter öffneten diese Tür für ihn und später öffnete Arthur für Lilly viele weitere Türen - nicht zuletzt die zu seinem Herzen. Lilly Maier, inzwischen Historikerin und auf dem Weg zur Promotion, ist seit Jahren zum Familienmitglied der Kerns geworden. Das war quasi der erste Zufall, der in diesem Buch zur Sprache kommt. Und dem noch viele weitere folgen. Sie hat Ungeheuerliches zustande gebracht, diese ehemals kleine Lilly, die sich schon als elfjähriges Mädchen für Geschichte, zunächst die der Familie Kern(berg), dann für die der Kindertransporte und für das drumherum. Das Sachbuch "Arthur und Lilly" liest sich wie ein spannender Roman, man kommt gar nicht mehr los von dieser Geschichte und nimmt doch dabei so vieles mit über die Zusammenhänge der europäischen und transatlantischen Geschichte. Ich freue mich besonders darüber, dass Lilly Maier noch so jung ist, ihr dreißigster Geburtstag liegt noch in weiter Ferne. Denn das bedeutet, dass sie noch viele wunderbare historische Werke erschaffen kann, in denen sie das Thema Kindertransporte oder auch ein anderes - wer weiß, worauf sie noch kommt - weiter untersucht. Sie hat teilweise in den USA studiert und den angelsächsischen Schreibstil der Historiker verinnerlicht, der so viel unterhaltsamer und lebensnaher ist als der in Deutschland übliche, oft trockene Stil, der nicht nur mir häufig die Lektüre historischer Werke erschwert. Ein ganz besonderes Buch ist dieses historische Werk, das zeigt, das ein Sachbuch auch warmherzig und empathisch sein kann. Ich empfehle es aus ganzem Herzen, auch denen, die sich normalerweise nicht für Bücher dieser Art interessieren!

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Vita

Lilly Maier, Jahrgang 1992, studierte in München Geschichte und an der New York University in Amerika Journalismus. Ihre Abschlussarbeit über die langfristigen Nachwirkungen der Kindertransporte, wurde mit dem "Forscherpreis für exzellente Studierende 2014" ausgezeichnet. Sie arbeitet als Referentin in der KZ-Gedenkstätte Dachau und stellt ihre Forschung regelmäßig in Vorträgen vor. Als freiberufliche Journalistin schreibt sie u. a. für FOCUS Online, Kurier, The Forward, The Columbus Dispatch, Die StadtSpionin und PolitiFact.com.

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Events

30. Sep. 2019

Lesung mit Lilly Maier im Rahmen des Crailsheimer Tages der Weißen Rose

19:30 Uhr | Crailsheim | Lesungen
Lilly Maier
Arthur und Lilly

15. Okt. 2019

Lesung mit Lilly Maier

19:00 Uhr | Bamberg | Lesungen
Lilly Maier
Arthur und Lilly

27. Feb. 2020

Lesung mit Lilly Maier

19:30 Uhr | Hohenems | Lesungen
Lilly Maier
Arthur und Lilly

Videos

Pressestimmen

»Eines der bewegendsten Bücher des Jahres stammt von Lilly Maier.«

blick.ch, Jonas Dreyfus (24. Dezember 2018)

»So gelingt es ihr [Lilly Maier], dem eigentlich historisch-wissenschaftlichen Werk einen romanhaften Charakter zu geben, der den Leser in den Bann schlagen soll.«

Süddeutsche Zeitung (12. November 2018)

»So wie sie tatsächlich von persönlichen Gesprächen zur historisch fundierten Recherche kam, so verbindet sie meisterhaft die beiden Ebenen auch im Buch.«

kurier.at, Heinz Wagner (15. Januar 2019)

»Spannend, gescheit und faszinierend […]. Ist es ein Sachbuch, eine Autobiografie, eine Biografie oder eine Reportage – egal: Es ist einfach ein gutes Buch.«

Österreich (29. Dezember 2018)

»[...] eine Metapher für den Umgang mit Scham und Schuld, und es ist Lilly Maiers Verdienst, für dieses schwierige Thema eine frische ungezwungene Sprache gefunden zu haben.«

LiteraturSeiten München, Katrina Behrend Lesch (01. Januar 2019)

»Es gelingt ihr, zutiefst traurige und höchst hoffnungsvolle Ereignisse in einen Kontext zu rücken.«

blick.ch, Jonas Dreyfus (24. Dezember 2018)