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Charakter Die Kunst, Haltung zu zeigen

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eBook (epub) ISBN: 978-3-641-18058-4

Erschienen: 02.11.2015
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Wir leben in einer Gesellschaft, die zielorientierte Egoisten hervorbringt. Sie belohnt Verhalten, das zum Erfolg führt, und befördert Kalkül und Eigennutz: eine regelrechte Ich-an-erster-Stelle-Kultur, die uns wettbewerbsfähig machen soll.

Aber macht sie uns auch zu wertvollen Persönlichkeiten?

Nein, sagt David Brooks. Vielmehr müssen wir wieder lernen, die Welt nicht zu erobern, sondern uns ihr zu verpflichten. Der amerikanische Bestseller-Autor folgt damit der Spur einer großen moralischen Tradition und beweist, dass wir alle nur gewinnen können, wenn wir eine einfache Wahrheit verinnerlichen: Willst du dich selbst verwirklichen, musst du dich auch selbst vergessen können.

Eine packende Lektüre für alle, die der oberflächlichen Selfie-Kultur überdrüssig sind.

Video-Trailer und mehr zu David Brooks, "Das soziale Tier" Zum Special

Video-Trailer und mehr zu David Brooks, "Das soziale Tier" Zum Special

David Brooks (Autor)

David Brooks, geboren 1961 in Toronto, wuchs in New York auf. Nach seinem Geschichtsstudium und Stationen bei der Washington Times und dem Wall Street Journal ist er heute die konservative Stimme der New York Times. Für Das soziale Tier (2012) wurde der populäre Kolumnist in der internationalen Presse viel gelobt.

Originaltitel: The Road to Character
Originalverlag: Random House New York

eBook (epub)

ISBN: 978-3-641-18058-4

€ 19,99 [D] | CHF 24,00* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Kösel

Erschienen: 02.11.2015

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Für Nicht-Amerikaner sehr schwer zu verstehen

Von: Nomadenseele Datum: 26.01.2016

nomasliteraturblog.wordpress.com/

Aufmerksam geworden bin ich auf das auf das Buch durch eine Empfehlung auf Bill Gates´ Literaturblog. Seine Begeisterung kann ich gar nicht teilen.

Das Buch ist sehr in der amerikanischen Geschichte verhaftet. Ida Eisenhower? Dorothy Day? Edith Perkins? A. Philip Randolph? Johnny Unitas? Joe Namath? Alles unbekannte Namen für mich. Von Dwight Eisenhower und Marshall habe ich immerhin schon einmal den Namen gehört. Ich hatte während des Lesens also das massive Problem, dass ich die Kurzbiographien von Leuten las, von denen ich vorher nie etwas gehört habe. Anders formuliert: Mir fehlte eine Menge, die Biographien und das, was der Autor an ihnen zeigen wollte, zu verstehen. Man könnte auch sagen: Ich war überfordert.

Dazu kommt, dass das Buch sehr idealistisch daher kommt. Es wird beklagt, dass die alten Werte keine Rolle in der moderne Zeit spielen, aber nicht, wie man diese heute noch leben kann. Dabei stößt mich der ständige Leistungsgedanke, genannt Adam I auch ab: Z.B. Wie viele Follower habe ich und wie viel haben andere? Wie viele sammel ich ein und wie viele andere? Auch die Selfie-Kultur wird kritisiert.

Teilweise ist das Buch auch recht widersprüchlich, wenn an Perkins Biographie geschildert wird, dass sie in der Schule Chemie als Leistungsfast nehmen musst, gerade weil sie darin schlecht war, nur damit es in ihrem Kapitel auf Seite 56 heißt: Einer Person geht es bei der Berufswahl um finanzielle Sicherheit und um innere Zufriedenheit. Wenn wir uns an unserem Beruf nicht wohlfühlen, dann wechseln wir die Stelle oder wählen wir eine andere Laufbahn. Unsere Berufung wählen wir nicht. Erst, wenn wir unserer Berufung Folge leisten, haben wir das Gefühl, mit uns im Einklang zu sein. Was soll ich aus dem Kapitel nun schließen? Soll ich mich zur Abhärtung durchbeißen, oder meiner Berufung folgen?

Im gleichen Kapitel bekommt auch unentgeltliche Hilfe sein Fett weg: Heutzutage dient gemeinnützige Arbeit manchmal dazu, die herrschende Sprachlosigkeit über das Innenleben zu verschleiern. Unlängst fragt ich eine .Leiterin einer renommierten Prep School…,was ihre Einrichtung tue, um die Charakterbildung ihrer Schüler zu fördern. Sie antwortete, die Schüler würden soundso viele Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das heißt, sie antwortete auf meine Frage, die sich auf etwas Inneres bezog, indem sie über Äußeres redete. Sie schien der Ansicht zu sein, man werde schon dadurch zu einem guten Menschen, dass man armen Kindern unentgeltlich Nachhilfeunterricht gäbe. Das ist ein weit verbreitetes Muster. Heute haben viele Menschen tiefe moralische und altruistische Impulse, da es ihnen jedoch an einem moralischen Vokabular mangelt, neigen sie dazu, moralische Fragen in Fragen der Ressourcenverteilung umzuformulieren. Wie kann ich der größtmöglichen Zahl dienen? Wie kann ich etwas bewirken? Wie kann ich mit meinem wunderbaren Selbst diejenigen unterstützen, die nicht so viel Glück hatten wie ich? (S. 68/69)

Das sind Absätze, über die konnte ich stundenlang nachdenken, ohne zu begreifen, was der Autor mir damit sagen wollte. Was letztendlich dazu führte, dass ich aus dem Buch für mich nichts ziehen konnte.


Fazit

Ich bin genauso schlau wie vorher.

Was auf Dauer zählt

Von: Michael Lehmann-Pape Datum: 16.11.2015

www.rezensions-seite.de

Nicht umsonst häufen sich die Werke zu und die Diskussion über Themen der Werte, der Moral, der „richtigen“ Lebenshaltung, der sinnvollen Ziele für ein individuelles Leben. Und für eine, daraus erwachsende, soziokulturelle Ausrichtung einer Gesellschaft.

Die ungebremste Macht der Finanzmärkte und das Diktat des Gewinns und „gewinnen Wollens (oder Müssens)“, Skandale auf höchsten Konzernebenen, breit angelegte Betrug wie bei VW, die Erschütterung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes durch Herausforderungen von außen und Innen in einer sich hoch individualisierenden Welt, in der allgemeine Verbindlichkeiten kaum mehr Konsens finden, ist die Frage nach allgemeinen Werten und einer sinnvollen Entfaltung der eigenen Persönlichkeit naheliegend.

Angesichts eines scheinbar klaren „Sieges“ des „erfolgsorientierten und zielgerichteten Charakters“, der in der modernen Welt vor allem das eine Ziel verfolgt, sich selbst in allen Belangen fit und für den Erfolg gewappnet zu generieren, kommt Brooks zu ganz anderen, fast entgegengesetzten Ergebnissen dessen, was einen „erfolgreichen“, sprich „Sinn-findenden“ Charakter wirklich ausmacht.

Schon die zu Beginn gesetzte Unterscheidung zwischen „Lebenslauf-Tugenden“ und „Trauerrede-Tugenden“ führt den Leser mit einem kräftigen Bild auch emotional mitten hinein in das, was Brooks wichtig ist. In die Spannung, dass einerseits in der modernen Welt Menschen sich deutlich mehr Gedanken um die „Lebenslauf-Tugenden“ machen (was man vorweisen kann, fassbar und als sichtbarem Erfolg), aber andererseits, bei näherem Überlegen, den „Trauerrede-Tugenden“ einen wesentlich höheren Stellenwert zumessen würden (wie man war, was für ein Wesen, eine Person man im tieferen Inneren gewesen ist).

„Unser Bildungssystem (und die Ausrichtung auf Erfolg und materielle Güter) fördert Lebenslauf-Tugenden zweifellos deutlich stärker als Trauerrede-Tugenden“.

Und so tritt das, was dem Menschen eigentlich wichtig ist, was (vor allem) ihn ausmacht, immer mehr in den Hintergrund. Unter Verlust von Identität hin zu einer Selbstdefinition als „Funktion“ und damit auch zu einer zunehmenden allgemeine Vereinzelung und Verlust des „inneren Klebstoffes“ einer sozialen Gemeinschaft.

„Die meisten von uns haben eine klare Strategie für den beruflichen Erfolg, nicht aber für die Entwicklung eines tiefgründigen Charakters“.

Eine Differenz, die Brooks bereits in den ersten beiden Büchern der Bibel zugrunde gelegt sieht.

Der erste, strukturierte, klare und funktionale Schöpfungsbericht von Genesis 1,1 bis 2,3 (Adam I, der „Strukturierte“) und der zweite Schöpfungsbericht, die Paradiesgeschichte ab Genesis 2,4 mit „Adam II“, der sich verbindenden, hütenden, fragenden, neugierigen, auch scheiterndem Menschen.

Ökonomie gegen Moral, klare Erfolgsstrategie gegen Erlebnisoffenheit samt inneren wie äußeren Risiken. Das eine fördert „die Sache“ bestmöglich, das andere die „innere Entfaltung“ mit Rückschlägen.

Warum nun (und wie) eine Haltung nach „Adam II“ dem Menschen auch heute mehr Erfüllung zu geben vermag, wie dies ginge und wie sich dies auf das allgemeine Leben auswirken würde, all dies findet der Leser verständlich und fundiert argumentiert im Buch.
Ohne die Spannung zu verneinen, unter der der Mensch steht, immer Anteile beider Ausrichtungen und Persönlichkeitsstrukturen in sich zu tragen. Wobei es letztlich nicht im Balance geht, sondern darum, der inneren Erfahrungswelt die Wege zu öffnen, ohne an sich selbst und der „erfolgsorientierten“ Seite ausschließlich zu reiben und zu scheitern.

Ein Weg allerdings, der einige eindeutige Entscheidungen bedarf, wie Brooks vielfältig und mit prägnanten Beispielen vor Augen führt,

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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