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Die Eroberung von Ismail Roman

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eBook (epub) ISBN: 978-3-641-15946-7

Erschienen: 15.05.2017
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Eines der bedeutendsten Werke der russischen Gegenwartsliteratur, vielfach ausgezeichnet

Es beginnt mit der Erschaffung der Welt – in einem Abteil der Belebeier Schmalspurbahn, tief in der russischen Provinz. Und damit, dass Alexander Wassiljewitsch, gestandener Provinzadvokat und Anwalt der Erniedrigten und Beleidigten, seinen Lebenslauf fürs Kompendium der Gerichtsrede zu schreiben hat. Daraus erwächst eine große Abrechnung, etwas wie Russlands Jüngster Tag. Im Zeugenstand die hohe Literatur: von Tolstois »Auferstehung«, dem berühmtesten aller russischen Gerichtsromane, über Dostojewskis »Verbrechen und Strafe« bis hin zu Olga, Katja, Mascha, Larissa, all den tapfer beharrenden und tragisch vergehenden Frauen im Roman wie im Leben. Und immer wieder schieben sich die Erlebnisse eines jungen Mannes dazwischen, der Michail Schischkin heißt und vom chaotischen Moskau der 1990er Jahre einen langen Abschied nimmt.

Ein Roman, der sich aufschwingt durch Zeiten und Räume und die russische Geschichte von ihren wüsten Anfängen bis ins betrübliche Heute erfasst. Ein monumentales Werk von einem »mächtig ausgreifenden Erzähler und Wortgläubigen mit Klassikerpotenz, wie man ihn schon lange nicht mehr sah in der russischen Weltliteratur« (NZZ am Sonntag).

"Zugfahrt mit den Göttern" - deutschlandfunk.de

"Roman eines preisgekrönten Putin-Kritikers" - ndr.de

»Michail Schischkin ist ein Sprachvirtuose.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Michail Schischkin (Autor)

Michail Schischkin ist einer der meist gefeierten russischen Autoren der Gegenwart. Er wurde 1961 in Moskau geboren, studierte Linguistik und unterrichtete Deutsch. Seit 1995 lebt er in der Schweiz. Seine Romane »Venushaar« und »Briefsteller« wurden national und international vielfach ausgezeichnet, u.a. erhielt er als einziger alle drei wichtigen Literaturpreise Russlands. 2011 wurde ihm der Internationale Literaturpreis Haus der Kulturen der Welt in Berlin verliehen. Sein Roman »Die Eroberung von Ismail« wurde u.a. mit dem Booker-Prize für das beste russische Buch des Jahres (2000) ausgezeichnet und gilt als sein kompromisslosestes Werk.


Andreas Tretner (Übersetzer)

Andreas Tretner, geb. 1959 in Gera, Übersetzer u.a. von Boris Akunin und Vladimir Sorokin, ist schon längst die "deutsche Stimme" von Viktor Pelewin. Zu Pelewins letztem Buch schrieb Wladimir Kaminer: "Die deutsche Fassung ist noch besser als das Original - innovativ und durchgeknallt."

»Michail Schischkin ist ein Sprachvirtuose.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Die große Gelehrsamkeit des Romans, seine formale Radikalität und die mehrere Dutzend Anmerkungen des Übersetzers erfordern einen sehr ausdauernden Leser. Wer durchhält, wird mit einer Sprachmacht belohnt, die Andreas Tretner virtuos ins Deutsche übertragen hat.«

Deutschlandfunk Kultur, Olga Hochweis (13.05.2017)

»Der ausuferndste, wildeste, verstörendste, wortgewaltigste Lebenslauf aller Zeiten, ein bitterer Lebenslauf der Welt … ein umwerfender Roman.«

NDR Kultur, Neue Bücher, Alexander Solloch (01.06.2017)

»Es finden sich Seiten, die hinreissend geschrieben sind, … ein sehr russisch gedachter Gang durch die Alpträume und Abgründe der Welt auf der Suche nach Licht, nach Erlösung, auch wenn es sie nicht gibt, nicht geben kann.«

onlinereports.ch, Aurel Schmidt (02.06.2017)

»Ein wahres Kaleidoskop, jederzeit durch hohe Sprachkunst zusammengehalten. Besonderes Kompliment an den Übersetzer.«

Hellweger Anzeiger, Ulrich Rubens-Laarmann (17.06.2017)

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05.09.2017 | 19:30 Uhr | Zürich

Lesung und Gespräch


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Mehr Infos

Aus dem Russischen von Andreas Tretner
Originaltitel: Wsatije Ismaila
Originalverlag: Vagrius

eBook (epub)

ISBN: 978-3-641-15946-7

€ 21,99 [D] | CHF 28,00* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: DVA Belletristik

Erschienen: 15.05.2017

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)

Der Prozess

Von: Constanze Matthes Datum: 24.06.2017

https://zeichenundzeiten.com

Die Eisenbahn verbindet nicht nur einen bestimmten Ort mit einem anderen. Sie kann vielmehr auch ein riesiges und unermessliches Land für den menschlichen Geist in einer bestimmten Weise erfassbar machen. Als in Nordamerika der Kontinent von Ost nach West besiedelt wurde, zählte der Bau der Eisenbahn-Strecke von Küste zu Küste zu einem der größten und wichtigsten Bauprojekte. Nicht anders ist es in Russland, wo die Transsibirische Eisenbahn bis heute Kultstatus genießt. Züge und Bahnhöfe spielen in „Die Eroberung von Ismail“, dem neuen Roman des russischen Autors Michail Schischkin, eine wesentliche Rolle. Doch der ist keineswegs so leicht und bequem wie eine Fahrt mit einem Zug.

Wohl ganz im Gegenteil. Der Schriftsteller, der 1951 in Moskau geboren wurde und seit Mitte der 90er Jahre in der Schweiz lebt, in Deutschland vor allem mit seinen zwei Romanen „Venushaar“ und „Briefsteller“ (beide ebenfalls DVA) bekannt wurde, macht es seinem Leser nicht leicht. Die Lektüre ist eine Herausforderung. Dies soll an dieser Stelle keine Warnung sein, sondern vielmehr Aufmunterung, sich dieser zu stellen. Die Belohnung all der Mühe wartet nicht am Ende der Lesezeit, sondern erfolgt Schritt für Schritt, wenn die Anspielungen, Verweise und Zitate, die in diesem Buch in reicher Zahl zu finden sind, nach und nach zu einem Bild zusammengefügt werden. Und das kann auch erst nach mehrmaliger Lektüre geschehen. Aber Lebensbücher tragen nicht umsonst ihren Namen, sie begleiten einen über Jahre und Jahrzehnte. Und „Die Eroberung von Ismail“ könnte so ein Buch für mich werden, für mich, die, zugegebenermaßen, erst seit kurzer Zeit eine Neugierde und Begeisterung für die Literatur des riesigen Landes verspürt. Doch diese Ausgabe und die Mühe des herausgebenden Verlages und des Übersetzers Andreas Tretner reichen dem Leser eine Starthilfe beziehungsweise eine unterstützende Begleitung zur Hand: Am Ende des Buches findet sich eine Liste von Anmerkungen und Erklärungen; im Übrigen auch zum Hintergrund des Romantitels. Zudem gibt es auf der Internetseite des DVA-Verlages umfangreiches Zusatzmaterial, in dem unter anderem dargestellt wird, wie dicht im Text die Zitate verwoben sind, welche stilistischen Besonderheiten der Roman aufweist und welche geschichtlichen Hintergründe er hat.

Zwischen all den zahlreichen Stimmen, Erzählperspektiven und Schicksalen, Zeiten und inhaltlichen Ebenen, die sich in dem Buch förmlich ineinander schieben, ragen zwei besonders heraus: die Geschichte des Anwalts Alexander Wassiljewitsch und des Autors des Romans. Richtig, Schischkin schreibt über sich. Und beide – sowohl die fiktive als auch die reale Person – weisen Ähnlichkeiten auf. Beide stammen aus einer Lehrerfamilie; beziehungsweise im Fall des Schriftstellers war nur die Mutter Pädagogin. Über den Ehen beziehungsweise Beziehungen stand kein guter Stern, denn beide Frauen der Männer leiden unter einer psychischen Erkrankung und werden in eine Klinik eingewiesen. In beiden Fällen spielt dabei das Schicksal des gemeinsamen Kindes eine wesentliche Rolle: Alexanders Tochter kommt mit einer Behinderung zur Welt, Michails Sohn stirbt bei einem tragischen Autounfall. Und beide sind oft mit dem Zug unterwegs; der Anwalt, um Klienten zu erreichen, der Autor unter anderem, um für einen Beitrag einen Soldaten zu interviewen, der in der damaligen DDR ein Kind gerettet hat.

Erzählen ihre beiden Schicksale in sehr zärtlicher und intimer Weise vor allem vom Privaten, spiegelt sich in ihrem jeweiligen Lebenslauf sowie den Erlebnissen weiterer Protagonisten die große Geschichte des großes Landes wider. Mit all ihren schrecklichen Auswirkungen auf den Einzelnen. Die Revolution findet sich darin ebenso wie die Juden-Pogrome, das Leid und die Unmenschlichkeit während des Zweiten Weltkrieges und in den unzähligen Lagern des Gulag. Auch der Krieg in Afghanistan, später der in Tschetschenien findet seine jeweilige Erwähnung. Jedes Leben scheint von Geschichte und ihren Ereignissen durchwirkt zu sein, die Gesellschaft ist vor allem eine politische, in der der Abstand zwischen Arm und Reich beträchtlich ist. All das wird auf den knapp 500 Seiten sprachgewaltig und meisterhaft konstruiert als literarischer Gerichtsprozess verhandelt, in dem juristische und polizeiliche Themen sowie Straftaten wie die physischen Veränderungen einer Leiche, Kindstötung und Giftmorde, Diebstahl und unterlassene Hilfeleistung ebenfalls hinterfragt werden; letztere Tat findet sich in der spannenden Geschichte über den Kulturarbeiter D., dessen Frau Mascha und den Sektionsgehilfen Motte.

Diese Vielzahl an Stimmen und Erzählebenen sowie die Verweise auf russische Autoren und ihre Werke, Ereignisse in der russischen Geschichte, der Antike, im frühen Ägypten sowie aus dem Buch der Bücher, der Bibel, lassen einen besonderen Leseeindruck entstehen. Ich habe zum einen oft an eine Matroschka denken müssen, jene hölzerne Puppe, die ineinander verschachtelt ist, sich in einer großen Puppe viele kleine befinden. Oder schafft nicht auch eine Reise mit einem dahineilenden Zug mit Blick aus dem Fenster das Gefühl, viele verschiedene Personen und Ereignisse in einer Art Kaleidoskop, mal schärfer, mal etwas verschwommen wahrzunehmen? So ist „Die Eroberung von Ismail“ ein literarisches Erlebnis, das prägt, seinesgleichen sucht und vor allem Zeit braucht, um es in seiner Ganzheit zu entdecken.

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