Die Verängstigten

Roman

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Als Suleima im Wartezimmer eines Psychologen Nassim, einen Arzt und Schriftsteller, kennenlernt, entspinnt sich zwischen den beiden eine Amour Fou, die viele Jahre andauert. Als in Syrien der Krieg ausbricht, flieht Nassim nach Deutschland und lässt nichts mehr von sich hören. Doch eines Tages erreicht Suleima ein Manuskript ihres Freundes. Bei der Lektüre stellt sie fest, dass Nassim eine Geschichte erzählt, die sehr viel mit ihrer eigenen zu tun hat. Salma, die Protagonistin aus Nassims Manuskript, erzählt von dem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter, vom frühen Tod des Vaters und den Schwierigkeiten, mit Eltern aufzuwachsen, die unterschiedlichen Religionen angehören, in einer Familie, die von der Diktatur zermalmt wurde.

Für Suleima wird die Lektüre von Nassims Manuskript zu einer Reise zu sich selbst, in magischen Traumbildern arbeitet sie ihre eigene Vergangenheit auf, beginnt ihre Geschichte zu begreifen und macht sich schließlich auf die Suche nach der Frau, die ihr Schicksal teilt.

Das eindringliche Zeugnis einer von gesellschaftlichen und politischen Wirren beschädigten Biografie, die das Schicksal einer ganzen Generation wiederspiegelt, erzählt in einer kraftvollen und poetischen Sprache von einer der wichtigsten Stimmen der arabischen Gegenwartsliteratur.

»Das bisher anspruchsvollste Werk eines neu entstehenden Genres, das bald ein eigenes Regalbrett in Buchhandlungen und Stadtbibliotheken füllen kann: Syrische Exilliteratur von jungen Autoren [...].«

Süddeutsche Zeitung (09. Oktober 2018)

Aus dem Arabischen von Larissa Bender
Originaltitel: The Frightened
Originalverlag: Dar al adab
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-20609-3
Erschienen am  27. August 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Die unerträgliche Schwere der Angst

Von: edafromearth

09.12.2018

„Die Verängstigten“ wurde von Larissa Bender aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt. Ihr informatives Nachwort hätte ich mir etwas abgewandelt als Vorwort zur Auffrischung der eigenen Syrien-Kenntnisse gewünscht (ohne die Spoiler), um gut vorbereitet in die Geschichte einsteigen zu können. Dima Wannous‘ Roman trägt offensichtlich autobiographische Züge. Die Autorin verarbeitet darin parallel die Geschichte Syriens und ihre persönliche, die unvermeidlich zusammenhängen. Dies gibt der Geschichte sehr viel Authentizität und es ist schon fast unangenehm, der Autorin so tief in die Seele zu blicken. Ich bin ihr dankbar für ihre Offenheit! Das schafft sie dadurch, dass sie der Protagonistin Sulaima ihre Stimme gibt. Sulaima ist eine mitleidlose Protagonistin, die dem Leser alle ihre Gedanken und ihre zum Teil verstörenden Träume offenbart. Was der Krieg und die gewaltsame Assad-Regierung hervorbringen, ist die Angst. Die Angst ist das Schlüsselthema dieses Romans, was der Buchtitel schon andeutet. Es ist aber nicht nur die Todesangst oder die Angst vor Folter oder die Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren, sondern auch Ängste wie die vor dem Ertrinken, Ersticken oder Fliegen. Die Angst gebärt neue Ängste und da ist die „Angst vor der Angst“, die alle lähmt und weshalb sowohl die „Guten“ als auch die „Bösen des Regimes“ Hilfe bei Psychologen suchen. Neben der Angst kämpfen die Charaktere mit Gewissens- und Identitätsfragen. Es kommt zu Verfeindungen innerhalb der Familien; es ist schwierig, neue Beziehungen aufzubauen, die einem das Gefühl von Sicherheit vermitteln; es wird auf die Rückkehr geliebter Menschen gehofft, die spurlos verschwunden sind; Heimatstädte und das Heimatland müssen verlassen werden (Sulaima flieht von Hama nach Damaskus und von dort nach Beirut/Libanon); und die Probleme zwischen Alewiten und Sunniten, dem Dorf- und Stadtleben werden thematisiert. Die Stimmung und die Gefühle im Buch sind überwiegend sehr bedrückend. Einige Bilder werde ich wohl nie vergessen. Es ist keine leichte Kost. Meiner Meinung nach darf das aber ruhig so sein, zumal die Poetik in diesem Buch nicht zu kurz kommt („Oder weil ich die Fähigkeit verloren hatte, ihn so in Erinnerung zu behalten, wie er war, vollkommen, wie ich ihn kennengelernt hatte, weit wie die Welt, tief wie das Meer?“). Wannous‘ Schreibstil ermüdet nicht und hält einen beim Lesen nicht auf. Die Charaktere sind unterschiedlich und glaubwürdig. In diesem Buch steckt ein weiteres Buch. Sulaima lernt den Arzt und Schriftsteller Nassim kennen, dessen Manuskript sie liest, nachdem er nach Deutschland geflohen ist. Die Kapitel wechseln ab zwischen Sulaimas Geschichte und der Geschichte der Protagonistin Salma aus Nassims Fiktion. Man hat nicht den Eindruck, zwei unterschiedlichen Leben zu folgen. Mir sind die Übergänge zuerst gar nicht aufgefallen und ich könnte nicht genau sagen, welche der Ereignisse zu wessen Leben gehören. Sulaima versteht nicht, warum Nassim in seiner Geschichte ihr Leben aufgreift, bis sie begreift, dass es Salma wirklich gibt. Sie sucht und findet sie, macht ein Treffen mit ihr aus, betrachtet sie aber nur aus der Ferne, und im letzten Moment dreht sie um, weil sie an Salma ihre eigene Angst und Unruhe erkennt. So erfährt weder Sulaima noch der Leser, ob Salmas Geschichte aus Nassims Manuskript wahr ist und welche Art von Beziehung sie mit Nassim hatte. Es spielt auch keine Rolle, denn die Angst ist innerhalb der Grenzen Syriens universell geworden. Das abrupte Ende hat mich etwas gestört. "Die Verängstigten" sollte gelesen werden, um ansatzweise begreifen zu können, was für eine psychische Last die Syrer tragen müssen. Mir hat es gefallen, dass sich Wannous nicht auf die Schilderung von Gräueltaten und Heldentaten konzentriert, sondern hauptsächlich die Wirkung des Krieges und des gewaltbereiten, autoritären Regimes auf die menschliche Psyche durchaus realistisch aufzeichnet.

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Eigentlich unbeschreiblich

Von: Fräulein Elena

03.11.2018

Dies war für mich der erste Roman aus der arabischsprachigen Welt und ich wäre gerne in der Lage, ihn im Original zu lesen. Bereits der Klappentext offenbart, dass dies kein leicht zu lesender Roman ist. Hieraus ein paar Stichworte: Psychologe, Amour Fou, Krieg, Flucht, schwieriges Verhältnis zur Mutter, früher Tod des Vaters, unterschiedliche Religionen, Diktatur, Verarbeitung der eigenen Vergangenheit, Reise zu sich selbst. Es ist kein Roman, den man "einfach so" liest oder der spurlos an einem vorbeigeht. In den aktuellen politischen Wirren, die nicht nur die Gesellschaft(en) an sich, sondern jede einzelne Person in ihrem täglichen Leben beeinflussen (können), ist dieser Roman ein Mahnmal. Absolut empfehlenswert!

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Vita

Dima Wannous, geboren 1982 in Damaskus, studierte Französische Literatur an der Universität Damaskus und an der Sorbonne in Paris. Seit 2003 schreibt sie regelmäßig für arabischsprachige Tageszeitungen, von 2012 bis 2014 arbietete sie für das Onlinemagazin "Modon". Wannous lebt derzeit in London. DIE VERÄNGSTIGTEN ist der erste Roman der Autorin, der auf Deutsch erscheint und ist auf Platz 1 der Litprom-Bestenliste.

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Zitate

»Wie es sich anfühlt, seine Heimat zu verlieren, ist auch Thema ihres poetischen Romans.«

FREUNDIN (19. September 2018)

»Es ist ein Buch, dass die Augen öffnet und zutiefst berührt. [...]Wer die syrische Tragödie verstehen möchte, sollte es unbedingt lesen.«

Radio NDR Kultur (20. September 2018)

»Die Psychosomatik des Terrors umkreist Dima Wannous mit ihrer hochverdichteten, unbequemen, radikal-verstörenden und jederzeit virtuosen, schmerzhaften Prosa. [...] Ein extrem wichtiges und großartiges Buch.«

Deutschlandfunk Kultur, lesart (12. September 2018)

»Ein ungemein wichtiges und großartiges Buch.«

taz, Thomas Wörtche (21. September 2018)

»Selten hat ein Roman auf derart hohem literarischem Niveau so von der nackten Verzweiflung gesprochen und die schier unheilbare Spaltung der Gesellschaft so eindringlich gemacht.«

qantara.de (07. Oktober 2018)