Palmen in Dublin

Roman

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Hardcover
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Ein Wanderer zwischen den Sprachen: Der Icherzähler dieses Romans wuchs mit einer deutschen Mutter und einem irischen Vater auf, der das Englische verteufelte und von den Kindern verlangte, Gälisch zu sprechen. Inzwischen ist der Mann erwachsen, er kehrt mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern nach langer Zeit aus Berlin zurück und möchte in Dublin wieder heimisch werden. Doch Erinnerungen und Zweifel überwältigen ihn, und es fällt ihm schwer, Fuß zu fassen – anders als die Palmen in ihrer Straße, die hier gut gedeihen. Sie werden dem Icherzähler zum Sinnbild für seine eigene Wurzellosigkeit.


DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Henning Ahrens
Originaltitel: Tearful Traveller
Originalverlag: Fourth Estate
Hardcover mit Schutzumschlag, 288 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87301-5
Erschienen am  27. Juli 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Dieses Buch spielt in: Dublin, Irland

Leserstimmen

Sprache und Migration

Von: Letteratura

01.08.2020

Nicht nur, wenn man eine oder mehrere Fremdsprachen fließend spricht, sondern auch schon beim Erlernen einer Sprache stößt man früher oder später auf die vielen feinen semantischen Unterschiede. Unterschiede zwischen Muttersprache und Fremdsprache, aber auch zwischen verschiedenen Fremdsprachen. Seien es Kleinigkeiten, wie die Verwendung verschiedener Präpositionen in verwandten Sprachen, sei es der maskuline Artikel hier, wo es dort der feminine ist, oft zitiertes Beispiel etwa „der Mond“, im Deutschen maskulin, im Italienischen und Französischen feminin „la luna“ bzw. „la lune“ und umgekehrt „die Sonne“ im Gegensatz zu „il sole“, „le soleil“. Mir machen solche Beobachtungen immer großen Spaß. In Hugo Hamiltons gerade neu bei Luchterhand erschienenem Roman „Palmen in Dublin“ gibt es immer wieder kleine Beobachtungen zur Sprache und zu Unterschieden zwischen ihnen, in diesem Fall zwischen dem Englischen, dem Deutschen und dem Gälischen. „Knapp bei Kasse zu sein, heißt auf Gälisch, nackt zu sein. Derjenige, der Geld gibt, setzt sozusagen auf die mittellose Person, die die Hose runterlassen muss. In der Sprache meiner Mutter heißt es, dass man Geld schuldet – im Deutschen lädt man Schuld auf sich. Auf Englisch ist man verpflichtet, gebunden, verantwortet, belastet, säumig. In der Sprache der Straße waren wir Tausende säumig.“ S. 180 Das Leben des Ich-Erzählers spielt sich zwischen diesen drei Sprachen ab. Wir befinden uns in Irland. Die Mutter ist Deutsche, der Vater war Ire. Dieser sprach nie Englisch, sondern nur Gälisch, das wiederum lernte die Mutter nie, so dass der Vater Deutsch lernte. Englisch war zu Hause verboten, aber eben „die Sprache der Straße“, und somit ein Stück weit minderwertig. Die Folge war, dass jede Sprache zu einem Kampf, einer Festung, einem Versteck wurde. Wenn ich als Kind aus dem Haus ging, hatte ich stets das Gefühl, zu emigrieren. Auf der Straße sah ich ständig über die Schulter, hielt nach Wörtern Ausschau, in denen ich mich heimisch fühlte.“ S. 12 Inzwischen ist der Ich-Erzähler ein junger Mann, verheiratet mit Helen, deren Eltern nach Kanada ausgewandert sind und Vater von zwei kleinen Töchtern. Helen unterrichtet Yoga, während er für ein Kulturinstitut arbeitet, das sich dem Erhalt des Gälischen widmet. Doch er erträgt die Arbeit im Keller nicht, entwickelt merkwürdige Symptome, hat Angst, ist müde, fühlt sich ziel- und heimatlos und weiß nicht, warum und was er dagegen tun kann. Er gibt die Arbeit auf und öffnet mit seiner Frau ein Café, plant, ein Buch zu schreiben, doch der Plan geht nicht auf. „Palmen in Dublin“ ist eines dieser Bücher, die sich nicht leicht greifen lassen, die einem zwischen den Fingern zu zerrinnen scheinen. So ziellos, wie sein Protagonist, so diffus ist oft auch der Roman. Es sind immer wieder einzelne Szenen, die wir mit dem Ich-Erzähler erleben, Schilderungen seines Lebens mit Helen und den Kindern, Rückblenden in die Kindheit, Überlegungen zu den Sprachen, zwischen denen sich das Leben des Protagonisten bisher abgespielt hat. Auch das Verhältnis, das er zu den Sprachen hat, die Tatsache, dass es die eine Sprache zu Hause, in der alle kommunizierten, nicht gab, hat zu der Wurzellosigkeit, unter der er leidet, beigetragen. Und auch Helen ist das Kind einer Familie mit Migrationserfahrung. Wie sollen sie da Wurzeln schlagen, wo gehören sie hin? So sind die großen Themen des Romans Migration und Sprache und die Frage, wie diese beiden zusammenhängen. „Palmen in Dublin“ ist weniger von einer spannenden, einer ereignisreichen Geschichte geprägt, sondern kommt eher episodenhaft daher, lebt von Reflexionen und bildet Alltag ab. Das kann sehr fesselnd sein und es hängt von vielen Kleinigkeiten ab, ob solch ein Text beim Leser zündet. Ich habe das Buch immer wieder zur Seite gelegt, habe mit ihm gehadert, weil ich den Roman als zu wenig stringent empfunden habe. Mit einigem Abstand aber hallt die Lektüre nach und findet der namenlose Protagonist samt seinen Empfindungen zurück in meine Gedanken. Und das ist bestimmt nicht das Schlechteste, was man über eine Lektüre sagen kann.

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Tiefgründig und fesselnd

Von: Fraedherike

27.07.2020

Stille ist nicht gleich Leere. Sie bedeutet nicht Abwesenheit von Materie. Sie ist ein greifbarer Zustand, sie ist voller Liebe, erfüllt von Sprachen und Dingen (…). [S. 14] Palmen in Dublin (OT: Tearful Traveller), der neue Roman von Hugo Hamilton, ist am 27. Juli 2020 im Luchterhand Verlag erschienen. Als Sohn einer deutschen Mutter und eines irischen Vaters wuchs der Ich-Erzähler inmitten drei verschiedener Sprachen auf, und musste sich so seinen eigenen Weg finden, sich Stimme und Ausdruck zu verleihen. Inzwischen ist er erwachsen und kehrt mit seiner Frau sowie seinen beiden Töchtern aus Berlin nach Dublin zurück, um dort heimisch zu werden und zu arbeiten. Doch das Leben ist nicht einfach, wird er immer öfter von Erinnerungen und Zweifeln heimgesucht – ganz im Gegenteil zu den tief verwurzelten Palmen am Straßenrand. Der Roman ist aus der Perspektive eines Mannes erzählt, dessen Name nicht genannt wird. Er beschreibt autobiographisch seine Kindheit, sein Aufwachsen in Irland und von seinem Leben als Ehemann und Vater. Die Darstellungen ergänzt er an passender Stelle durch Vorkommnisse aus der Vergangenheit, um die der Gegenwart näher zu erläutern. Kurz gefasst, dabei aber tiefgründig und eingehend erzählt er von der Geburt seiner Töchter in Berlin, von Partys und Fremdgehen, der Arbeit seiner Frau als Journalistin und Yoga-Lehrerin sowie die Probleme damit und seiner Unverwurzeltheit im Leben. Die Sprache ist dabei das zentrale Thema, denn wie lassen sich Handlungen ausdrücken, wie sie in jeder Sprache doch eine andere, nicht sinngemäße Übersetzung finden? Obgleich der teils abstrusen Erzählstränge hat mich der Roman mit seinem anschwellenden Spannungsbogen und der Komplexität der konstruierten Welt und Handlungen gefesselt und nachdenklich gestimmt. Er erfordert gewiss einen aufmerksamen und interessierten Leser, doch wenn man sich auf die Geschichte einlässt, wird sie einen so schnell nicht wieder loslassen. Herzlichen Dank an den Luchterhand-Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Vita

Hugo Hamilton wurde 1953 als Sohn eines irischen Vaters und einer deutschen Mutter in Dublin geboren. Er arbeitete zunächst als Journalist, bevor er Kurzgeschichten und Romane veröffentlichte. Mit seinen Erinnerungsbänden »Gescheckte Menschen« und »Der Matrose im Schrank« erregte er großes Aufsehen, die Werke wurden in 20 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 2007 erschien »Die redselige Insel«, ein irisches Reisetagebuch auf den Spuren Heinrich Bölls, und zuletzt 2014 der Roman »Jede einzelne Minute«. Hugo Hamilton lebt in Dublin.

Zur AUTORENSEITE

Henning Ahrens

Henning Ahrens, geb. 1964, lebt als Schriftsteller und Übersetzer in der niedersächsischen Provinz. Für seinen Lyrikband "Lieblied was kommt" (1998) erhielt er einen der Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise beim Literarischen März 1999 sowie den Pro Litteris-Preis 1999 der Märkischen Kulturkonferenz und den Hebbel-Preis (2001). Er übersetzte u.a. J. C. Powys, Jonathan Safran Foer, Jonathan Coe und Hugo Hamilton. Zuletzt erschien sein Lyrikband "Kein Schlaf in Sicht" und der Roman "Tiertage".

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