Sengendes Licht, die Sonne und alles andere

Die Geschichte von Joy Division

(5)
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Joy Division gelten bis heute als einflussreichste Protagonisten des Post-Punk und Bezugspunkt für nachfolgende Entwicklungen wie Gothic Rock, Dark Wave oder Indie-Rock. Obwohl die Band nur zwei offizielle Studioalben aufnahm, sorgten diese und einige legendenumwitterte Liveauftritte dafür, dass Joy Division zur aufregendsten Undergroundband ihrer Zeit aufstiegen. Doch kurz vor der ersten großen Amerika-Tour nahm sich Sänger Ian Curtis das Leben.

Der Musikjournalist Jon Savage hat zahlreiche Interviews mit zentralen Figuren der Joy-Division-Geschichte zu einer umfassenden Oral History zusammengestellt. Entstanden ist die beeindruckende Geschichte einer Band, die eine ganze Generation bewegte und das Bild der Stadt Manchester entscheidend prägte. Und es ist auch der niederschmetternde Bericht über Krankheit und innere Dämonen, die einen charismatischen Sänger und visionären Texter dazu brachten, der Welt zu entfliehen.»

»Vielmehr kuratiert er die Stimmen von Dabeigewesenen; er lässt Musikjournalisten, alte Freunde, Bandkollegen sprechen, die sich mit ihren Erzählungen aufs Angenehmste ergänzen, wiederholen, widersprechen.«

DIE ZEIT, Martin Eimermacher (23. April 2020)

Aus dem Englischen von Conny Lösch
Originaltitel: The Searing Light, the Sun and Everything Else: Joy Division
Originalverlag: Faber and Faber
Hardcover, Pappband, 384 Seiten, 13,5 x 21,5 cm, 20 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-453-27251-4
Erschienen am  27. April 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Eine außergewöhnliche Biografie einer außergewöhnlichen Band

Von: Buch und Ton

12.06.2020

Jon Savage, der Journalist und ständige Begleiter der englischen Kultband Joy Division veröffentlicht mit „Sengendes Licht, die Sonne und alles Andere“ eine außergewöhnliche Biografie der außergewöhnlichen britischen Band, die die Musikgeschichte, nicht nur wegen des traurigen frühen Todes ihres Frontmanns Ian Curtis, sondern aufgrund der Besonderheit der Umstände, ihrer Art, den Post-Punk zu leben und ihres interessanten und speziellen Werdegangs, nachhaltig geprägt hat und auch heute, rund 40 Jahre nach ihrer Auflösung, noch immer prägt. Das Buch erzählt aber nicht nur die Geschichte Joy Divisions, sondern sie erzählt auch die Geschichte Manchesters und Salfords. Aus letzterem Ort kamen die vier Bandmitglieder Joy Divisions, Ian Curtis, Berhard Sumner, Peter Hook und Stephen Morris. Jon Savage hat sich für diese Biografie keines flüssigen Schreibstils angenommen, sondern er erzählt in 13 Kapiteln den Werdegang der Bandmitglieder und die kurze Schaffensphase der Band mittels geführter Interviewsequenzen, die stets geschickt aneinander gereiht worden sind. So gaben für dieses Buch neben den anderen früheren Bandmitglieder Berhard Sumner, Peter Hook und Stephen Morris noch viele damalige Wegbegleiter Joy Divisions ihre Erinnerungen preis und verschafften Jon Savage so die interessante Möglichkeit, die Geschichte rund um das Quartett nicht nur aus unterschiedlichen Augen und Blickwinkeln, sondern auch aus völlig verschiedenen Perspektiven zu erzählen. Journalisten, der damalige Mitbegründer des Factory Labels, der frühere Tourmanager, der Factory Records Deutschland Chef, befreundete Musiker und viele mehr geben in kurzen Sequenzen ihre Eindrücke zu bestimmten Fragen und Begebenheiten preis und lassen dieses Buch auf eine Weise universal werden, wie es auch die Band in den rund zwei Jahren ihrer Geschichte geworden ist. Die jeweiligen Sichtweisen der befragten Personen beschreiben bestimmte Umstände auf unterschiedliche Weise und so bekommt der Leser ein umfassendes Bild, wenngleich es auch diesem Buch nicht gelingt bzw. gelingen kann, die Gedanken, die Ian Curtis letztlich in den Selbstmord trieben, zu Tage zu fördern, geschweige denn, die Fassade des charismatischen Sängers, der diese unglaubliche, seelische Schwere in sich trug, zu durchbrechen. „Sengendes Licht, die Sonne und alles Andere“ ist eine kurzweilige und interessante Erzählung der Geschichte Joy Divisions, die wohl so nah an den Gedanken alle Beteiligten dran und damit so authentisch und in gewisser Weise objektiv ist, wie keine andere zuvor. Jon Savage und alle Protagonisten dieses Buches verbeugen sich somit rund 40 Jahre nach dem Tod des Joy Division Sängers vor der Band und machen sie erneut – und auf eine sehr besondere Weise – unsterblich.

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Jon Savage hat eine wahre Bibel geschaffen

Von: Stage Reptiles

10.06.2020

"Es ist mein Glück, dass ich schließlich mit ihnen arbeiten durfte, und auch mit Rob. Das war wie Tag und Nacht. Da war dieses sengende Licht, die Sonne, und alles andere war Düsternis." - Dieser Satz, aus dem Munde von Tony Wilson, einem Radiomoderator von Granada Television und Mitbegründer von Factory Records, steht wie in Stein gemeißelt als Synonym für den Ruf, den Joy Division in der Musikwelt bis heute noch inne hat. Mit Rob ist übrigens Rob Gretton gemeint. Manager der Band und ebenso Mitbegründer von Factory Records. Der Satz versinnbildlicht die Ausnahmestellung der kleinen Band aus Manchester, die als Wegbereiter in Richtung Gothic-Rock diente, und warum der tragische Selbstmord ihres jungen Sängers Ian Curtis seitdem immer noch die Gemüter von zig Musikfans bewegt. Der britische Musikjournalist Jon Savage, der zur damaligen Zeit für die Musikzeitschriften Sounds, New Musical Express und den Melody Maker schrieb, war Zeitzeuge der Geschichte der Band und hat uns mit diesem Buch schlichtweg ein sensationelles Werk vorgelegt. Eine Geschichte oder Biographie einer Band schreiben, kann sicherlich nicht jeder, aber es ist durch Zusammentragen vieler Fakten und Geschichten schon möglich. Dann aber besteht eine solche Geschichte immer nur aus der Deutung des betreffenden Autors. Hier hingegen kommen sehr viele damals involvierten Personen selbst zu Wort. John Savage hat aus hunderten von Interviews die zentralen Aussagen extrahiert und in chronologischer Form geordnet und aneinandergereiht. Als ich von der Existenz dieses Buchs erfuhr, war für mich sonnenklar, dass ich es lesen musste. Hatte ich doch schon Anfang der 80er "Love will tear us apart" gehört, noch bevor ich den Namen der Band wusste und die Nachfolgerband New Order live gesehen. Die beiden Studioalben der Band, sowie einige weitere Veröffentlichungen wie Singles, Maxis und auch LPs stehen gehegt und gepflegt in meiner Sammlung. Die komplette Geschichte hinter der Band war bis auf die grobe Richtung aber bisher im Dunkeln. Darum also jetzt dieses Buch. Schon beim Anblick desselben fiel mir die eigenartige Art des Hardcovers auf, welches sich doch arg vom Rest der Bücher unterschied. Aha ... zwei dicke Kartons mit rasiermesserscharfen Kanten in gebundener Form. Seltsam. Genauso seltsam, was ich da auf den ersten Seiten lesen durfte. Absatz für Absatz mit dem jeweiligen Urheber des Geschriebenen vorangestellt. Na, ob das flüssig zu lesen war... Es fing an mit den damaligen Verhältnissen in der Stadt Manchester, in der unsere Kumpels aufwuchsen. Mit dem Erwachen der dortigen Szene und Subkultur und dem Aufwachsen und Werdegang der beteiligten Personen; insbesondere von Bernard Sumner, Peter Hook, Stephen Morris und Ian Curtis, die sich später zu einer der legendärsten Bands dieses Planeten formieren würden. Bereits nach den ersten Seiten war meine anfängliche Skepsis in Bezug auf den Schreibstil komplett verflogen. Es war einfach fließend zu lesen, und das Bewusstsein, dass das die eigenen Worte der beteiligten Personen selbst waren, ließen einen so manche Begebenheit anders verstehen. Einen großen Teil des Buches nimmt die Wahrnehmung der düsteren Seele und Stimmung von Ian Curtis durch die ihn umgebenden Personen ein. Mittlerweile wissen viele um die Krankheit Epilepsie von Curtis, die teilweise seinen eigenartigen Tanzstil und die rudernden Bewegungen ansatzweise erklärt. Komplett in die Psyche eines Menschen hinschauen, kann man eh nicht - man kann nur versuchen es zu verstehen. Joy Division waren für damalige und auch heutige Zeit düster. Gitarrist Bernard Summer meint dazu im Buch: "Ian wollte immer das Extreme haben: Extreme Musik, manische Auftritte. Die Musik war daher auch extrem düster. Nachdem wir Unknown Pleasures aufgenommen hatten, fiel es mir schwer, die Platte anzuhören, weil sie so düster war." Das sagt einiges über Joy Division aus, genauso wie der Satz von Bob Dickinson, einem Schreiber bei der Manchester Review: "Joy Division klangen wie Geister und wirkten damals gespenstisch. Ihrer Musik haftet dies immer noch an, wie von etwas Totem, dabei ist es lebendig, es ist da, aber dann auch wieder nicht". Sätze wie diese erklären sehr viel von dem, was man bisher über Joy Division wusste oder auch nur zu verstehen versuchte. Jon Savages Buch bringt einiges an Klarheit in die Geschichte. Joy Division ist immer noch ein Rätsel für viele, damals wie heute. Dave Simpson, einer der Zeitzeugen sagte zum Beispiel: "Joy Division haben mich absolut sprachlos gemacht - mir gefiel das Geheimnisvolle daran". Etwas Licht in diese "Sprachlosigkeit", in das Geheimnisvolle zu bringen, daran machte sich Jon Savage mit Akribie und man muss ihm Anerkennung dafür zollen, in diese Düsternis, diese Blindheit, etwas Licht gebracht zu haben. Dieser Gegensatz von der Düsterheit und dem sengenden Licht zieht sich durch die komplette Geschichte der Band: Haben sie doch im März 1980 eine limitierte Single auf dem kleinen französischen Label Sordide Sentimental herausgebracht, welche den Namen Licht und Blindheit trägt. Eine englische Band auf einem französischen Label mit einem deutschen Titel. Übrigens ein wahrer Schatz in jeder Sammlung mit den Songs "Atmosphere" und "Dead Souls" drauf. Aufgelockert wird das Buch durch einige unbekannte Bilder der beteiligten Personen, Abbildungen von Plakaten der damaligen Konzerte oder Flyer ihrer Plattenfirma Factory Records aus der Feder des großartigen Peter Saville. Die Geschichte von Joy Divison und insbesondere ihres charismatischen Sängers Ian Curtis wird immer geheimnisvoll bleiben, aber Jon Savage hat eine wahre Bibel geschaffen. Nicht nur für Joy Division Fans - nein, auch für jeden Musikfan oder Anhänger der damaligen Subkultur. Zurecht die volle Punktzahl für dieses Werk.

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Vita

Jon Savage, geboren 1953 in London, ist ein britischer Pop-Musikjournalist und Publizist. Für die Musikzeitschriften Sounds, New Musical Express und Melody Maker war er von 1977 bis in die 1980er hinein tätig. Seither schrieb Savage regelmäßig als Popmusik-Kritiker für die angesehenen britischen Tageszeitungen The Observer und den New Statesman sowie das Magazin Mojo.Bekannt wurde er vor allem durch seine vielbeachteten Bücher England's Dreaming von 1991 (dt. 2001) sowie Teenage von 2007 (dt. 2008).

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Conny Lösch

Conny Lösch hat in Frankfurt am Main Anglistik und Philosophie studiert, lebt seit vielen Jahren in Berlin und hat unter anderem Bücher von Don Winslow, Tracey Thorn und Jon Savage aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

zum Übersetzer

Pressestimmen

»Der Popexperte verzichtet dabei auf Starkult und Kommentierung sondern lässt die Zeitzeug*innen zu Wort kommen, die damals in Manchester mit dabei waren«

»Die Oral History von Joy Division ... zeichnet die Tragödie und ihre Entstehung nach.«

»Man erhält ganz neue Einblicke in Curtis′ Texte.«

»Trotz des tragischen Endes ist es ein durchaus euphorisches und teils geradezu heiteres Buch, das auf Verklärung und Bedeutungshuberei verzichtet.«

Falter, Gerhard Stöger (13. Mai 2020)

»Ein bemerkenswertes Buch-Projekt«

»Stattdessen montiert er Zitate der Protagonisten, sodass sich ein chronologisches Tableau entwickelt, das Widersprüche lebendig einwebt, zugleich fast schon wie Detektivarbeit anmutet.«

Rolling Stone (30. April 2020)

»Ein verdammt gutes Buch«

Abendzeitung (03. Juni 2020)

»Savage gelingt es, anhand der Aussagen das Lebensgefühl der jungen Menschen im trostlosen Manchester zu vermitteln, aber auch die Atmosphäre der Subkultur und die Energie des Underground.«

APA, Wolfgang Hauptmann (18. Mai 2020)

»Was für ein spannendes, gelungenes Buch, welches in edler Optik und mit viel Liebe zum Detail ausgestattet ist . So muss eine Rockbiografie sein.«

kamikaze radio (07. Mai 2020)

»Hervorragend aufgearbeitet«

»Die Erinnerungen der Zeitzeugen ergänzen sich ganz wunderbar, sie wiederholen und widersprechen sich aber auch, was einen ganz besonderen Reiz ausmacht.«

Emder Zeitung (13. Juni 2020)

»Savages berührendes Buch erzählt die Geschichte der Menschen hinter dem unvergesslichen Sound.«

Loud & Quiet (08. April 2019)

»Sengendes Licht, die Sonne und alles andere erzählt davon, wie Ende der Siebziger eine Gruppe unzufriedener Jugendlicher der Schutthalde Manchester neues Leben einhauchte.«

Q (08. April 2019)

»Das knappe, lebendige Portrait einer Gruppe, deren Musik seit 40 Jahren inspiriert, schockiert und begeistert.«

Mojo (08. April 2019)

»Das Buch besitzt eine Wärme und Leichtigkeit, die vielen Porträts dieser Band abgehen. Dass die Geschichte so mit Leben gefüllt wird, macht sie umso schmerzlicher.«

Sunday Times (08. April 2019)