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Zeiten des Aufruhrs Roman

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Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-7175-2086-3

Erschienen:  07.03.2006
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Das junge Ehepaar Frank und April Wheeler verkörpert die Kehrseite des amerikanischen Traums der fünfziger Jahre. Unerbittlich demontiert Richard Yates die vermeintliche Idylle der Vorstädte und die Lebenslügen seiner Helden. Mit seinem Romanerstling, in den USA längst ein moderner Klassiker, wurde er zum Leitstern einer ganzen Schriftstellergeneration.

Hinter der pastellfarbenen Fassade der amerikanischen Vorstadthäuser an der «Revolutionary Road» (so der ironische Originaltitel des Romans) lebt das junge Ehepaar Wheeler genau das Leben, das es niemals gewollt hat: Zwei ungeplante Kinder scheinen den Lebensentwürfen der beiden ebenso im Wege zu stehen wie die Beengtheit der Suburbia, die einfältigen Nachbarn oder Franks sinnentleerte Tätigkeit in einem Großraumbüro. April, eine mäßig begabte Schauspielerin, träumt von einem Dasein fernab der Gewöhnlichkeit – von einem Künstlerleben in Paris. Das Paar gibt sich völlig wirklichkeitsfremden Illusionen über die eigenen Möglichkeiten hin und rutscht dabei, ohne es zu merken, tiefer und tiefer in die Spießbürgerlichkeit ab. In ihrem doppelten Egoismus entfremden sich die beiden immer weiter voneinander, ihre Wunschphantasien erweisen sich als Farce. Suggestiv beschreibt Yates den Abgrund, der hinter den Verkleidungen der Wohlanständigkeit lauert, und fördert hellsichtig die fatalen Folgen moderner Lebenslügen zutage.

«Die ‹Zeiten des Aufruhrs› fordern uns auf, aufmerksam, umsichtig und wachsam zu sein, das Leben so zu leben, als hinge alles davon ab, was wir tun – denn täten wir es nicht, so setzten wir alles aufs Spiel», schrieb Richard Ford, der in Yates das künstlerische Vorbild der gesamten nachfolgenden Schriftstellergeneration Amerikas verehrt.

Richard Yates - Leben und Werk Zum Special

«Richard Yates ist ein Ästhet des Scheiterns. Eine große Entdeckung.»

Maike Albath, RBB Kulturradio

Richard Yates (Autor)

Richard Yates wurde 1926 in Yonkers, New York, geboren und lebte bis zu seinem Tod 1992 in Alabama. Obwohl seine Werke zu Lebzeiten kaum Beachtung fanden, gehören sie heute zum Wichtigsten, was die amerikanische Literatur des 20. Jahrhunderts zu bieten hat. Wie Ernest Hemingway prägte Richard Yates eine Generation von Schriftstellern. Die DVA publiziert Yates’ Gesamtwerk auf Deutsch, zuletzt erschien der Roman "Eine strahlende Zukunft". Das Debüt "Zeiten des Aufruhrs" wurde 2009 mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in den Hauptrollen von Regisseur Sam Mendes verfilmt. „Cold Spring Harbor“, zuerst veröffentlicht 1986, ist Yates‘ letzter vollendeter Roman.


Eva Menasse (Nachwort)

Eva Menasse, geboren 1970 in Wien, lebt als Publizistin und freie Schriftstellerin in Berlin. Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Gerty-Spies-Literaturpreis, Alpha-Literaturpreis, Heinrich-Böll-Preis, Jonathan-Swift-Preis, Friedrich-Hölderlin-Preis, Österreichischer Buchpreis.

«Richard Yates ist ein Ästhet des Scheiterns. Eine große Entdeckung.»

Maike Albath, RBB Kulturradio

«Einer der großen modernen amerikanischen Romane.»

Manuela Reichart, Literaturen

«Ein großartiger Roman: Richard Yates ist jetzt auch auf Deutsch zu entdecken.»

Klaus Modick, Tagesanzeiger

«Yates' großartiger, mit satirischen Schärfen und beißender Komik durchsetzter psychologischer Realismus baut den Zerfall der Familie mit schnörkellosen Details des klaustrophobischen Alltags auf.»

Sabine Vogel, Berliner Zeitung

«Ein Autor, der seiner Traurigkeit eine das Leben schmerzhaft durchdringende Sprache abgerungen hat.»

Ulrich Rüdenauer, Der Tagesspiegel

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Aus dem Amerikanischen von Hans Ulrich Wolf
Originaltitel: Revolutionary Road
Originalverlag: Little, Brown & Co

Mit Nachwort von Eva Menasse

Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag, 576 Seiten, 9,0 x 15,0 cm

ISBN: 978-3-7175-2086-3

€ 22,90 [D] | € 23,60 [A] | CHF 32,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Manesse

Erschienen:  07.03.2006

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Taschenbuch)

Reden ohne zu kommunizieren

Von: misshappyreading Datum: 18.01.2018

misshappyreading.blogspot.de/

Die 50iger Jahre in einer Vorstadt New Yorks. April und Frank Wheeler kämpfen erbitterlich gegen den Alltag und die Stupidität der Normalität. Eine Ehe durchwachsen von Boshaftigkeit und Abbitte. Willkommen in der Revolutionary Road - wo hinter selbstgenähten Vorhängen Kriegsgebiete sind.
Zeiten des Aufruhrs ist ein moderner Klassiker - Weltliteratur. Richard Yates war scheinbar ein interessanter Mensch. Er schrieb Reden für Robert Kennedy, lebte, wie man sich das von einem Schriftsteller der Zeit vorstellt, von Zigaretten und übermäßigem Alkoholkonsum. Yates starb 1992 - den Ruhm seiner Bücher hat er nicht mehr erlebt.

Die ersten Seiten des Buches haben mich ein wenig Willenskraft gekostet. Richard Yates schreibt als sähe er April und Frank genau vor sich und als berichte er von seinen Beobachtungen. Seine ruhige Erzählung über das Alltägliche der Vorstadt ist etwas auf das man sich erst einlassen muss. Wenn man allerdings an den Punkt gekommen ist gibt es kein Zurück mehr.

***

April Wheeler
Eine Hausfrau die ihren Lebenstraum Schauspielerin zu werden aufgibt. Sie heiratet Frank Wheeler, für sie der Inbegriff eines 'Mann von Welt', intellektuell, interessant und verlässlich, hält. Die triste Normalität der Vorstadt macht sie chronisch unglücklich. Sie möchte nicht der Stereotyp einer Hausfrau der Fünfziger sein, doch gleichzeitig ist sie bemüht die Fassade eben dieser aufrecht zu erhalten.

Frank Wheeler
Für den charmanten Frank scheint nichts so wichtig wie seine Männlichkeit. Er ist in einem monotonen Bürojob gefangen und schiebt die Arbeit auf anstelle sie zu erledigen. April ist eine Vorzeigefrau und er befürchtet stets dass die ihn nicht ernst nehmen oder gar verlassen könnte. Frank wirkt teilweise depressiv und aggressiv. Genau wie seine Frau ist er stets bemüht den Nachbar ein Bild einer perfekten Vorstadtfamilie zu präsentieren.

***

Ein erstaunlicher Aspekt der Erzählung ist für mich die kaum vorhandene Erwähnung der beiden Kinder. Die zwei Sprösslinge von April und Frank können wenn überhaupt als Nebendarsteller genannt werden. Umso faszinierender ist dieser Punkt wenn man bedenkt dass es in dem Buch über die Ehe der Wheelers geht. Die Kinder scheinen nicht nur für den Autor, sondern auch für die Wheelers nicht mehr als eine Randnotiz zu sein.

***

April und Frank sprechen viel miteinander, doch scheitern sie komplett an ihrer Kommunikation. Frank schätzt seine Frau mehrmals völlig falsch ein, als er sich ihre Reaktion auf Neuigkeiten ausmalt.

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Welche Frage liegt mir nach der letzten Seite auf der Seele:

Welche Rolle spielt John Givings?


Der einzige Protagonist des Buches, welcher stets ehrlich spricht, ist John Givings. Das gibt einem zu denken! Denn John Givings ist „geistesgestört“, er bezeichnet sich selbst als schizophren. Auch Frank zieht seine Schlüsse – April ist einer Meinung mit John, ergo sie muss auch zum Seelenklempner. Erwähnenswert taucht John nur in zwei Szenen auf, doch spielt er für mein Empfinden eine ganz entscheidende Rolle. Ist die Vorstadt-Gesellschaft der 50iger wirklich so bemüht den Schein zu wahren, das nahezu niemandem ein ehrliches Wort über die Lippen kommt? John ist ein Ventil - er lässt die Luft aus dem Wasserball der perfekten Gemeinde und bringt damit zum Vorschein wie schrumpelig und lasch sie in Wirklichkeit ist.

***

Reden ohne zu kommunizieren, keiner seziert eine scheiternde Ehe so gut wie Yates. Ein zukünftiger Klassiker den man auf jeden Fall lesen sollte.

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