Franz Alt: Flüchtling – ein Quereinstieg mit kurzen Einblicken in das Buch

Was tun?

Noch vor 30 Jahren war die Reise- und Niederlassungsfreiheit innerhalb Europas eine Utopie. Doch sie wurde innerhalb der letzten 20 Jahre realisiert. Ihren Anfang nahm diese neue Freiheit für Millionen Menschen in Osteuropa. Noch in den Neunzigern stammte die größte Gruppe der aus Deutschland Abgeschobenen aus Polen. Diese Zeiten sind vorbei. Nun steht eine neue Utopie auf der Tagesordnung.

Veränderungen entstehen, so der freie Journalist Miltiadis Oulios, wenn Menschen sich selbst zu Subjekten machen, wie 1989 in der DDR: »Wir sind das Volk.« Die zunehmende Subjektwerdung von immer mehr Menschen macht die globale Fluchtbewegung irreversibel – sie wird unterstützt durch die modernen elektronichen Medien. Als Bürger dieser Welt wollen immer mehr Menschen frei entscheiden, wo sie leben wollen – auch wenn sie nicht zu den Privilegierten gehören.

Kosmopolitische Rechte können eine Zeit lang behindert werden, aber nicht auf Dauer. Die heutige Politik der »Duldung« oder »Abschiebung« verursacht unermessliches menschliches Leid. Eine kluge Politik wird den Kreis derer, denen Reise-, Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit zusteht, permanent erweitern. Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Die Utopien von heute waren schon immer die Realitäten von morgen. In einer globalisierten und mobilen Welt werden auch die Menschen mobil und laufen einfach los. [...]

Entscheidend für eine gelingende Integration ist aber etwas ganz anderes als die Ökonomie: Gott hat jedem Menschen das Leben geschenkt. Also hat jeder Mensch das Recht auf ein Leben in Würde. Jede und jeder. Und überall. Solange wir von der europäischen Wertegemeinschaft sprechen, müssen wir Flüchtlinge retten – und zwar so viele wie möglich. Andernfalls verraten wir unsere christlich-humanistischen Wurzeln.

Ob prominent oder nicht prominent, ob Jesus oder der Dalai Lama, ob Theresia aus Budapest oder Jasmin aus dem Iran, ob Steve Jobs oder Gastarbeiter, ob Arzt aus Syrien oder Krankenschwester aus Indien: Die Gechichte der Menschheit war schon immer auch eine Geschichte von Flucht und Vertreibung, von Angst vor Bürgerkrieg und der Suche nach Arbeit, vom Wunsch nach einem besseren Leben oder dem Willen nach einer Zukunftsperspektive für die Kinder.

Noch wichtiger, als Flüchtlinge aufzunehmen, ist es, die Fluchtursachen wirklich zu beseitigen. Dafür können und müssen wir zusammen mit den Menschen vor Ort drei Dinge tun: Erstens: Erneuerbare Energien ausbauen – Afrika und die Sonne, welch eine Chance! Zweitens: Bildungspotentiale fördern. Und drittens: Wasserversorgung sicher stellen. Wenn wir dies intelligent anstellen, dann muss in vielleicht einer Generation kein Kind mehr hungern oder verhungern. Und keiner muss mehr fliehen, wenn wir den Hunger ins Museum der Geschichte gestellt haben. [...]