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Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman

Hörspiel mit Stefan Merki, Peter Fricke, Anna Drexler, Hans Kremer, Katja Bürkle

Kundenrezensionen (2)

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Hörbuch CD ISBN: 978-3-8445-1943-3

Erschienen: 09.11.2015
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Ein Hörspiel, sprühend vor Lebenslust

Ein literarisches Meisterwerk des 18. Jahrhunderts, voll absurder Figuren, skurriler Abschweifungen, geschwärzter Seiten und wilder Interpunktion. Wie lässt sich so etwas vertonen? Bestens – senn man mit Text und akustischen Mitteln so jongliert wie Regisseur und Bearbeiter Karl Bruckmaier und sein Sprecherensemble. Da fasst der Erzähler Exkurse kurzerhand zusammen, Experten und der Übersetzer geben altkluge Kommentare, Zuhörer melden sich lauthals zu Wort, und zwischen den eigens komponierten Songs rumpelt immer wieder eine Kutsche vorbei.

Mit Peter Fricke, Stefan Merki, Katja Bürkle, Bibiana Beglau, Hans Kremer u. v. a.

(9 CDs, Laufzeit: 7h 36)

Laurence Sterne (Autor)

Laurence Sterne, geboren 1713 in Irland, studierte als Urenkel eines englischen Erzbischofs in Cambridge Theologie. Als Landgeistlicher war er für eine Pfarrei in der Nähe von York verantwortlich und veröffentlichte einige dünne Bändchen mit Predigten. 1741 heiratete er die vermögende Elizabeth Lumley, der er zuvor leidenschaftliche Liebesbriefe geschrieben hatte. Schlagartig berühmt wurde Sterne 1759 mit seinem Werk "Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman": Schon die ersten beiden Bände sorgten für einen schrillen Skandal unter der Landbevölkerung, gleichzeitig öffneten sie dem Pastor die Türen zu angesehenen Londoner Salons. In den insgesamt neun erschienenen Bänden zeichnete sich Sterne als sentimentaler Satiriker aus, prangerte den Puritanismus der anglikanischen Kirche an und mokierte sich über Missstände der Zeit. Ähnlich wie Rabelais und Cervantes brach Sterne als Autor mit überkommenen Techniken des Schreibens und sicherte sich so einen Platz unter den wichtigsten Werken der Weltliteratur. "Tristram Shandy" blieb unvollendet. Ein anschließendes Schreibprojekt mit dem Titel "Eine empfindsame Reise durch Frankreich und Italien" basierte auf seinen ausgedehnten Europa-Reisen, allerdings starb Laurence Sterne nur drei Monate nach Erscheinen der ersten beiden Bände im März 1768 in London.


Sprecher

Stefan Merki, geboren 1963 in der Schweiz, studierte Schauspiel an der Hochschule der Künste in Berlin. Seit 2001 gehört er zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Im Fernsehen war er unter anderem in den Serien "Tatort", "Polizeiruf 110" und "Rosenheim Cops" zu sehen. Im Kino wirkte er in den Filmen "Winterreise", "Aphrodites Nacht" und "Stellungswechsel" mit.
Für den Hörverlag war er schon bei Richard Adams "Unten am Fluss", "Die schönsten Märchen" und Ian McEwans "Der Zementgarten" zu hören.

Peter Fricke, 1940 geboren, erhielt seine Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Seitdem spielte er an fast allen bekannten Bühnen, u. a. an der Städtischen Bühne der Stadt Frankfurt/Main, dem Kölner Schauspielhaus, dem Residenztheater München, der Berliner Volksbühne sowie dem Schauspielhaus Düsseldorf. Zusätzlich wirkte er in mehr als 120 TV-Produktionen mit und ist in vielen Hörspielen zu hören.

Hans Kremer, geboren 1954, besuchte die Hochschule für Musik und Theater in Hannover und spielte anschließend in Köln, München und Hamburg. 1986 erhielt der Kinofilm "Stammheim" (Regie: Reinhard Hauff) mit Hans Kremer in der Hauptrolle den Goldenen Bären. Hans Kremer gehört zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. 2012 wirkte er im TV-Film "Rommel" mit. 2013 war er in der Verfilmung des Bestsellers "Der Geschmack von Apfelkernen" von Katharina Hagene wieder auf der Kinoleinwand zu sehen.

Peter Veit wurde 1963 in Würzburg geboren. Aufgewachsen in einer Zeit, in der das Radio noch eine wichtige Verbindung zur Außenwelt war und es mehr zu hören gab als die elterlichen klassischen Schallplatten, zog es ihn nach dem Abitur zu einem kleinen Radiosender am Bodensee. Anfangs arbeitete er als Redakteur, nach entsprechender Ausbildung als Toningenieur und dann, als seine stimmliche Begabung entdeckt wurde, zunehmend hinter dem Mikrophon. 1988/89 absolvierte er beim Bayerischen Rundfunk eine Sprecherausbildung. Seitdem ist er regelmäßig in den Programmen des BR zu hören, als Nachrichtensprecher aber auch in zahlreichen Produktionen (z.B. 'Die Stimme des Hörers' - ARD Hörspiel des Jahres 2001).

Wolfgang Hinze wurde 1935 in Leipzig geboren. Seine Schauspielausbildung erhielt er in den 50er Jahren an der Max-Reinhardt Schule in Berlin. Hinze war an zahlreichen deutschen Theatern engagiert, zuletzt an den Münchner Kammerspielen.

Bibiana Beglau, 1971 geboren, erhielt ihre Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Seit 1995 arbeitet sie fürs Theater. Als Bibiana Beglau in Thomas Ostermeiers "Disco Pigs" auf der Bühne stand, wurde sie von Volker Schlöndorff entdeckt und für die Hauptrolle im Kinofilm "Die Stille nach dem Schuss" (2000) engagiert, für die sie u. a. mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde. 2007 erhielt sie mit dem TV-Film "Unter dem Eis" den Adolf Grimme-Preis. Seit 2011 gehört sie zum Ensemble des Residenztheaters München. 2012 hat sie den Kurt Meisel-Preis in Anerkennung ihrer großen Schauspielkunst am Residenztheater erhalten. 2014 wurde Bibiana Beglau von der renommierten Zeitschrift "theater heute" zur Schauspielerin des Jahres gewählt. Beim Hörverlag ist sie u. a. in der hochgelobten Hörbuchinszenierung von "Sturmhöhe" (2012) in der Rolle der Nelly Dean zu hören.

Übersetzt von Michael Walter
Originalverlag: Verlag Galiani Berlin

Hörbuch CD, 9 CDs, Laufzeit: 456 Minuten

ISBN: 978-3-8445-1943-3

€ 39,99 [D]* | € 39,99 [A]* | CHF 52,50* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: der Hörverlag

Erschienen: 09.11.2015

  • Leserstimmen

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Eine verschrobene Familie

Von: Lesemanie Datum: 17.03.2016

lesemanie.com/

Als der anglikanische Pfarrer Laurence Sterne 1759 den ersten von insgesamt neun Bänden seines Romans rund um den Gentleman Tristram Shandy veröffentlichte, sorgte seine Kritik am Puritanismus der anglikanischen Kirche sowie generellen Missständen seiner Zeit für Kritik. Allerdings brachte ihm das ungewöhnliche Format seines Buches auch Bewunderung ein – unter Zeitgenossen ebenso wie unter bekannten Literaten späterer Jahre wie Goethe, Heine, Hesse oder Thomas Mann.

Was macht diesen Roman so ungewöhnlich? Da wäre vor allem die völlige Abwesenheit einer stringenten Handlung. Der Roman setzt mit der Zeugung Tristram Shandys ein – die unter höchst widrigen Umständen zustande kommt – und der letzte Band endet vier Jahre vor Geburt des Protagonisten. Hin und wieder erlaubt der Autor dem Leser kurze Eindrücke vom Leben des Tristram Shandy – so erfahren wir, wie es dazu kam, dass der Junge einen Namen bekam, den weder seine Mutter noch sein Vater tatsächlich für ihn ausgewählt haben, oder wie ein herabschnellendes Fenster den Jungen an einer höchst sensiblen Stelle verletzt – aber eigentlich liegt der Fokus viel mehr auf der Familie Shandy und ihrem direkten Umfeld. Besonders detailliert geht der Erzähler dabei auf des Protagonisten Vater – Walter Shandy -sowie dessen Onkel – Toby – ein. Der erste ist ein völlig verkopfter Mann, der beispielsweise davon überzeugt ist, dass aus seinem Sohn schon alleine aufgrund seines Namens nichts werden kann: “von allen Namen im Universum war ihm keiner so unbezwingbar widerwärtig wie Tristram”…
Onkel Toby hingegen ist seit seiner Zeit als Hauptmann bei der Belagerung von Namur geschädigt. Nachdem er sich dort eine Unterleibsverletzung zugezogen hat, nutzt er die mehrjährige Zeit seiner Rekonvaleszenz dafür, sich eingehend mit verschiedenen Belagerungstheorien zu befassen. Kaum gesundet beginnt er damit, an der Seite seines treuen Dieners Korporal Trim Miniaturen von Städten und Belagerungsmaschinen nachzubauen und tatsächlich stattfindende Belagerungen “in Klein” nachzuspielen. Auch dies eröffnet Sterne dem Leser nur nach und nach; der Roman besteht aus aneinandergereihten Episoden und Gesprächen, die sich erst schrittweise – wenn überhaupt – zusammenfügen. Gespickt wird das ganze durch unterschiedliche Beobachtungen und Abhandlungen philosophischer, naturwissenschaftlicher und anderer Art.

Nicht nur durch die fehlende Handlung, auch durch die vielen Ab- und Ausschweifungen hat sich Sterne mit diesem Buch der Norm widersetzt. Teilweise spricht er den Leser persönlich an; behandelt ihn jedoch weder wie einen ebenbürtigen Zeitgenossen noch ehrerbietig, sondern spielt mit ihm.

Im Buch spielt Sterne auch viel mit Satzzeichen und leeren oder eingefärbten Seiten – stirbt eine Person, so findet sich im Text daneben ein Kreuz; manche Seite sind als Zeichen der Trauer schwarz eingefärbt; andere Seiten hat Sterne weiß gelassen, damit der Leser sich selbst ein Bild dazu zeichnen kann.

Wie lässt sich so etwas vertonen? Ausgesprochen gut – solange man sich derart furchtlos an den Text heranwagt wie Regisseur und Bearbeiter Karl Bruckmaier. Der hat zum einen eine beeindruckende Sprecher-Gruppe um sich geschart, von denen jeder seinem Charakter eine Stimme leiht, die mühelos die vielen Anspielungen mit anklingen lässt, die Sterne in so vielen seiner Formulierungen versteckt hat.

Auch hat Bruckmaier tief in die Toneffekt-Kiste gegriffen: mal untermalt lautes Kutschengepolter eine Unterhaltung, ein andermal unterstreicht ein Ploppen, Pfeifen oder Eselsgeschrei die Komik einer Situation.

Für die leeren Seiten hat Bruckmaier eigens Musik komponieren lassen, und um einige der vielen Zitate und Anspielungen zu erläutern, die Sterne in seinen Roman hat einfließen lassen, lässt Bruckmaier Experten zu Wort kommen – so zum Beispiel den Übersetzer Michael Walter, der eine bestimmte Wortwahl näher erläutert. Oder auch einen Mediziner, der genau erklärt, was es mit der Verletzung auf sich hat, die sich der junge Tristram am herabsausenden Fenster zuzieht.

Auch zwei Leserfiguren, die in Sternes Romanvorlage nicht zu Wort kommen, hat er eingebaut – durch regelmäßige Zwischenrufe halten sie die Erzählung zusammen und sprechen oft das aus, was dem ein oder anderen Leser von Tristram Shandy tatsächlich durch den Kopf gegangen sein mag. Manche Szenen, in denen sich der Erzähler direkt an den Leser wendet (bzw. den Zuhörer) sind so inszeniert, dass es scheint, als spräche der Erzähler auf einer Bühne vor Zuschauern in ein Mikrofon…

Zuguterletzt liegt ja in der Kürze die Würze, und deshalb hat Bruckmaier sich auch nicht gescheut, manche Stellen – vor allem die langen, langen Predigten, die der Pfarrer Laurence Sterne in sein Buch eingebettet hat – zu streichen: so ist das Herausreißen einer Seite zu hören, während der Erzähler in knappen Sätzen einen Überblick über das verschafft, was dem Hörer nun entgeht.

Insgesamt hat Karl Bruckmaier so ein Hörspiel von mehr als siebeneinhalb Stunden Länge geschaffen, das dem Hörer nach einer kleinen Eingewöhnungsphase viel Komik bietet, und dessen unkonventionelle Adaption der Textvorlage und kreativer Gebrauch von Tönen und Musik mit Sicherheit auch Sterne selbst angesprochen haben könnte.

Tristram, ewig nicht zum Ende Kommender, spiralförmig Kreisender, sein Steckenpferd Reitender...

Von: S.Wilharm  aus 25451 Quickborn Datum: 30.01.2016

Großartig! Viel zu kurz - ein ungeheuer großer Spaß!

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