Leserstimmen zu
Alles, was ich nicht erinnere

Jonas Hassen Khemiri

(10)
(3)
(1)
(0)
(0)
€ 19,99 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empf. VK-Preis)

Alles, was ich nicht erinnere

Von: Thrillertante

21.05.2018

Samuel fährt mit der Auto seiner Großmutter gegen einen Baum und verunglückt tödlich. Selbstmord? Unfall? Das versucht ein Journalist in Gesprächen mit Verwandten und Freunden Samuels ans Licht zu bringen. "Alles, was ich nicht erinnere" ist ein sehr anspruchsvoller und berührender Roman, den man nicht mal einfach so wegliest.Samuel wurde von all diesen Menschen unterschiedlich wahrgenommen, was die Frage aufwirft, wie gut kennen wir einen nahestehenden Menschen wirklich? Der Roman spielt in Stockholm mit seinen Asylproblemen und illegalen Einwanderern. Der Autor hat hier einen komplexen Roman geschrieben, der schon einiges an Konzentration von seinen Lesern fordert. Die Interviewten sind unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Schichten und ob man diesen glaubt oder nicht, muss man selber entscheiden. Fakt ist, dass uns hier ein Bild von einem zerissenen, jungen Mann gezeigt wird, was mich sehr berührt hat. Ich gebe für "Alles, was ich nicht erinnere" eine absolute Leseempfehlung! Man sollte sich einiges an Zeit nehmen für diesen intensiv erzählten Roman, der auch lange nach dem esennoch nachdenklich macht!

Lesen Sie weiter

Samuel ist tod. War es Selbstmord oder doch ein Unfall? Das gilt es in diesem literaischen Meisterwerk herauszufinden. Gemeinsam mit einem "Schriftsteller" begeben wir uns auf die Suche nach Schuld und interviewen abwechselnd verschiedene Menschen, die Samuel nahe standen. Und ein Jeder erzählt - über das erste Zusammentreffen mit Samuel - sowie verschiedene prägende Ereignisse - bis hin zu Charakterzügen. Wir skizieren ein Bild. Und werden immer wieder vor Widersprüche gestellt. »Definitiv große Literatur. Ein ausgezeichneter Roman, der lange nachklingt, dessen Protagonistinnen und Protagonisten in den Gedanken des Lesers hängen bleiben. Chapeau!« (sandammeer.at, Roland Freisitzer) Der Autor hat hier ein sehr umfangreiches, besonderes Werk geschaffen. Jedoch muss man sich wirklich darauf einlassen können. Dies ist mir anfangs etwas schwer gefallen. Aber je mehr ich las, desto klarer wurde mein Bild - über die Charaktere - über die Handlung an sich - aber auch über den Aufbau des Romans. Der Roman ist in einer Art "Interviewform" geschrieben - dabei kommen so viele verschiedene Personen zu Wort. Und wir hören zu. Seiner Mutter, einer guten Freundin, Nachbarn und größtenteils seinem Kindheitsfreund Vandad und seine Exfreundin Laide. Anfangs war das alles aber ziemlich verworren. Es wird abwechselnd in kurzen Abschnitten erzählt - untertrennt mit kleinen Sternchen. Somit muss man jedes Mal überlegen, wer da gerade zu Wort kommt. Mit der Zeit ist das aber sehr interessant, es herauszufinden. Man muss schon wirklich längere Zeit am Stück lesen, um sich zurecht zu finden. Ist dies aber erstmal geschehen, erwartet einen ein atemberaubenes Meisterwerk. Und dies ist keine Übertreibung. "Ich glaube nicht, dass man jemanden retten kann, der nicht gerettet werden will." Der Autor erzählt in einem sehr ruhigen und angenehmen Schreibstil eine Geschichte, die ich in dieser Form noch nie gelesen habe. Nach den schleppenden Anfangsschwierigkeiten, konnte ich mich nach und nach immer besser in die Geschichte einfinden. Ein Roman - trotz des Todes - voller Liebe, Freundschaft und Toleranz.

Lesen Sie weiter

"Ich glaube nicht, dass man jemanden retten kann, der nicht gerettet werden will." Samuel ist mit dem Auto seiner Großmutter tödlich verunglückt, doch ob es sich um einen Unfall oder um einen Suizid handelt, ist ungewiss. In 'Alles, was ich nicht erinnere‘ versuchen die einzelnen Protagonisten Licht ins Dunkel zu bringen und erzählen die Geschichte um Samuel und sein Leben aus ihrer Perspektive, so dass der Leser nach und nach versteht, um welchen Menschen es sich bei Samuel gehandelt hat, was ihn geprägt und bewegt hat. Dabei zieht sich die Frage der Schuld wie ein roter Faden durch den Roman: Wer trägt die Verantwortung für Samuels Tod? Ist es Laida, mit der Samuel eine Beziehung geführt hat, die schließlich gescheitert ist? Ist es Vandad, mit dem sich Samuel angefreundet hat, obwohl die beiden so unterschiedlich sind, Vandad sich von Samuel aushalten ließ und ihn finanziell ausnutzte? Oder lag es schlichtweg an den maroden Bremsen des alten Autos, um das sich scheinbar nicht angemessen gekümmert wurde? 'Alles, was ich nicht erinnere' ist bereits der vierte Roman Jonas Hassen Khemiris, der als Sohn eines tunesischen Vaters und einer schwedischen Mutter in Stockholm geboren wurde und dort mit seiner Familie lebt. 'Alles, was ich nicht erinnere' ist meine erste Begegnung mit Khemiri, obwohl er als Star der schwedischen Literaturszene gilt, mit seinen Theaterstücken und Romanen internationales Ansehen genießt und 2015 mit dem August-Preis, dem renommiertesten schwedischen Literaturpreis, ausgezeichnet wurde. Mir fiel der Einstieg ins Buch verhältnismäßig schwer, da ich immer nur wenige Seiten am Stück gelesen habe und durch die sich ständig ändernde Erzählperspektive nicht in den Roman gefunden habe. Obwohl mir von Anfang an die einzelnen Erzählstränge gefallen haben, empfand ich den Erzählstil als zerfahren und verwirrend. Durch die immer nur kurz angerissenen Geschichten konnte ich mich nicht auf die Charaktere einlassen und war anfangs eher frustriert von der Lektüre. Schließlich habe ich am Stück gelesen - und zwar fast 300 Seiten am Stück, ohne Unterbrechung. Dies hat sich als die richtige Methode für das Buch erwiesen, denn ab diesem Moment habe ich gut in die Geschichte gefunden und war sehr gefesselt von der komplexen Erzählweise und der komplexen Geschichte um Samuel. Ich empfand ‚Alles, was ich nicht erinnere‘ als sehr eindrücklich und intensiv erzählt, die einzelnen Stränge als sehr lebensnah und lebendig geschrieben und die schlaglichtartige Erzählweise als fesselnd und fast filmisch. Am Ende der Lektüre hatte ich das große Bedürfnis, den Roman nochmals zu lesen, um all die Puzzleteilchen, die ich beim ersten Lesen verworren oder unverständlich fand, zu einem Gesamtbild zusammenlegen zu können. Ich kann ‚Alles, was ich nicht erinnere‘ somit jedem ans Herz legen, solange man am Stück lesen und sich auf diesen ungewöhnlichen Schreibstil einlassen kann. Jonas Hassen Khemiri: Alles, was ich nicht erinnere. Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann. Deutsche Verlags-Anstalt, 2017, 330 Seiten; 19,99 Euro.

Lesen Sie weiter

Man kann den Menschen nicht in den Kopf schauen, nur davor. Wie oft sieht man Fremde und macht sich innerhalb weniger Sekunden ein Bild von ihnen. Ein Pärchen, das sich aneinander schmiegt und Händchen hält. Natürlich seufzt man innerlich sofort entzückt auf und denkt „Hach, muss Liebe schön sein!“. Doch was, wenn dieses Pärchen gerade vor der schwersten Entscheidung seines Lebens steht und sich deshalb, voller Panik, aneinanderklammert? Was, wenn die bildschöne, durchtrainierte, fröhliche Blondine von nebenan gar nicht so glücklich ist, wie alle denken? Sondern von Selbstzweifeln zerfressen, weil sie nie weiß, ob die Menschen eigentlich SIE oder nur ihre makellose Fassade mögen? Was, wenn jemand, von dem man glaubt, ihn zu kennen, plötzlich ganz anders erscheint? Den Menschen um Samuel herum geht es so. Eigentlich ist Samuel ein ganz normaler junger Kerl, der in Stockholm lebt, der mit Freunden abhängt, manchmal einen über den Durst trinkt, Mädels hinterherschaut und wenig an die Zukunft denkt. Soweit, so durchschnittlich. Doch Samuel hat auch seine tiefgründigen Seiten: Er kümmert sich um seine demente Großmutter, er will viel erleben, deshalb hat er ein „Erfahrungskonto“ angelegt, für das er auch den größten Quatsch macht, er arbeitet im Amt für Migration, Freunde wählt er nicht nach der Hautfarbe, sondern nach Sympathie aus, er ist der Definition von Liebe auf der Spur. Alles noch nicht wirklich extraordinär. Der einzige Grund, weshalb Samuel plötzlich außergewöhnlich wirkt, ist, genau genommen, sein Tod. War es Selbstmord (Liebeskummer!)? War es ein Unfall (Alte Schrottlaube von einem Auto!)? War es gar Mord (Dieser Vandad, ob das wirklich ein guter Freund war oder doch ein mieser Schurke?)? Plötzlich scheiden sich die Geister an diesem Samuel, der zu Lebzeiten so wenig Aufsehen um seine Person gemacht hat. Die Geschichte ist dreigeteilt: AM (ante meridiem, also vormittags) – Laide (Samuels letzte Beziehung) – PM (post meridiem, also nachmittags). Aha! Und auch der Stil, dessen sich der schwedische Autor Jonas Hassen Khemiri bedient, ist nicht alltäglich. Er macht es dem Leser nicht leicht, in die Story einzusteigen. Sätze werden durch Sternchen und große Abstände als eigenständige Passagen erkennbar. Doch wer spricht? Wessen Perspektive liest man gerade? Wörtliche Rede wird nicht immer klar als solche kenntlich gemacht. Manche Absätze beginnen in der dritten Person und rutschen dann in die erste, da die Person, um die es in dem Abschnitt geht, plötzlich aus der „Ich“-Perspektive spricht. „Wer erzählt denn jetzt?!“, ist für mich als Leserin daher die zentrale Frage, die sich lange Zeit nicht abschütteln lässt. Immer wieder bin ich verwirrt, blättere ein paar Seiten zurück. Weil ich den Abschnitt nicht verstehe oder nicht einordnen kann, versuche ich, ihn in den Kontext zu bringen. Doch das Durcheinander spiegelt das Durcheinander um Samuel wider. Es ist eine Metapher für das Chaos, in dem sich der kleine Samuel-Kosmos befindet, nach seinem Tod. Denn WARUM um alles in der Welt ist er denn plötzlich tot? Gerade war er doch noch mit der Großmutter im Altersheim, hat sie dort abgesetzt, im nächsten Moment fährt er mit Vollgas gegen einen Baum! Im Verlauf des Buches straffen sich die Strukturen, man lernt zu erkennen, wem welche Textpassage zuzuordnen ist. Khemiris Stil ist es, keiner dieser Personen eine unverwechselbare Stimme, einen eigenen Slang zu geben. Die Sprache verbiegt sich nicht. Das macht es schwer, doch der Plot ist stark genug, einen durch diese Anstrengung zu tragen. Man erfährt so manches, womit man nicht gerechnet hat, die Sympathien für die verschiedenen Personen schwanken. Ein fiktiver Journalist ist es, der all diese Berichtfetzen wie Fäden nebeneinander gruppiert, auch mal ineinanderverflicht und am Ende nicht komplett entwirrt. Er trägt, so scheint es, einige Züge des Autors Khemiri, und tritt im letzten Teil des Buches mehr in Erscheinung. Doch auch er bleibt merkwürdig wenig greifbar, der Leser erfährt nur Bruchstückhaftes über ihn. Am Ende sind es die großen Themen Tod, Liebe, Freundschaft, die alles bewegen. Wie sehr beeinträchtigte Samuel die Tatsache, dass er ein schlechtes Gedächtnis hatte? Hatte er Panik, weil er dachte, ein Schicksal wie das seiner dementen Großmutter stünde auch ihm bevor? Wie viel Macht und Einfluss hatte Laide, Samuels große, verflossene Liebe? Wie wichtig war sein bester Freund Vandad wirklich für ihn – und warum sitzt er nun im Gefängnis? Wer war wirklich für Samuel da, als er noch lebte, wer wollte nur sein Ego mit ihm aufpolieren, wer hat ihn im Stich gelassen? Nicht alle Fragezeichen lösen sich gegen Ende auf, denn, auch wenn man Menschen beobachtet, befragt – man kann ihnen eben nicht in den Kopf schauen, nur davor.

Lesen Sie weiter

Samuel, der schmächtige junge Mann, der versucht, sein Erlebniskonto zu füllen, wo er nur kann, hat viele unterschiedliche Gesichter. Er ist fürsorglicher Enkel, großzügiger Freund und hingebungsvoller Liebhaber zugleich - doch wer war er wirklich? Nach seinem tödlichen Autounfall versucht ein Schriftsteller Samuel und das, was mit ihm geschehen ist, reportartig zu rekonstruieren, indem er Freunde, Familie und Bekannte zu Samuel und seinem Leben befragt. Doch war es wirklich ein Unfall? Und wie konnte es soweit kommen? EIN ROMAN WIE EIN KALEIDOSKOPARTIGER BLICK AUF EINEN MENSCHEN Perspektive ist alles - das und die Tatsache, dass es keinen allgemeingültigen Blick auf ein und denselben Menschen gibt, verdeutlicht "Alles, was ich nicht erinnere" von Jonas Hassen Khemiri mit eindringlicher Stimme und einem überraschend spannendem Erzählstil. Khemiri erzählt von dem Schicksal eines jungen Mannes aus den verschiedenen Blickwinkeln der Menschen, die er kannte und die von einem Schriftsteller zu dessen Schicksal befragt werden. Was zu Beginn verwirrend und zusammenhanglos zu sein scheint, entwickelt sich im Laufe des Romans zu einem komplexen Spiel aus Wahrheit und Widersprüchen, sodass ein verzerrtes und undurchschaubares Abbild des Protagonisten Samuel entsteht. "Alles, was ich nicht erinnere" ist wie ein Blick durch's Kaladeiskop - jeder, der hineinblickt, sieht etwas anderes, ein Spiegelbild seines eigenen Lebens und Erfahrungsschatzes. Ein beeindruckender Roman, bei dem man als Leser gefordert wird, mitzudenken und möglichst aufmerksam mitzulesen. Tatsächlich kommt man sonst schnell durcheinander, denn der Roman ist in kleine Abschnitte unterteilt, die, jeweils durch ein Sternchen getrennt, die unterschiedlichen Perspektiven darstellen und diese stetig wechseln. Manchmal durcheinander, meistens abwechselnd kommen so die verschiedenen Figuren zu Wort und erinnern sich im Nachhinein an Samuel und dessen Leben, oft parallel zur selben Situation. Durch die daraus oft entstehenden Widersprüche fällt es schwer, irgendeiner der Figuren wirklich zu glauben und auch Sympathie lässt sich nur sporadisch herstellen, dennoch erhält man ein plastisches Bild der verschiedenen Figuren. Besonders relevant sind hier Laide, die eine Beziehung mit Samuel hatte, und Vandad, der sein bester Freund war - die Erinnerungen und Gedanken der beiden Figuren geben viel Raum für Interpretation und auch wenn man viel herauslesen kann, so ist die Wahrheit am Ende doch nur ein wackeliges Konstrukt, von dem man nicht weiß, ob es tatsächlich real ist. Samuel ist der, zu Beginn der Geschichte bereits verstorbene, Protagonist der Geschichte, der wie ein Geist über den Erinnerungen schwebt und von dem man gleichzeitig nichts und alles erfährt. Er verbindet alle Figuren miteinander und zeigt, dass der Mensch viele Gesichter hat und das jeder Mensch seine eigene Geschichte in das Gesicht eines anderen projiziert. VIELFÄLTIG & KOMPLEX - MIT EINER FASZINIERENDEN GRUNDSTIMMUNG Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund eines modernen Stockholms - zwischen Großstadtfeeling und Immigration erhält der Leser das multikulturelle und vielfältige Bild der schwedischen Hauptstadt. Unterstrichen wird diese Atmosphäre von dem geradlinigen Schreibstil, der je nach Sichtweise variiert und sich durch die berichtartige Erzählung wie gesprochene Alltagssprache liest. Dabei büßt der Schreibstil jedoch nicht an Tiefgründigkeit ein, sondern lässt immer wieder doppelte Böden. "Alles, was ich nicht erinnere" liest sich trotz der leicht verwirrenden Art der Erzählung (anfangs muss man etwas konzentrierter lesen und dranbleiben!) wie ein rasanter Thriller und ist besonders im Mittelteil kaum aus der Hand zu legen - und das obwohl die Geschichte thematisch eher von ruhigerem Ton ist. Hier sind es besonders die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Widersprüchlichkeit, die den Leser neugierig bleiben lässt. Hinzu kommt die auf eine merkwürdige Art faszinierende Grundstimmung, die leicht düster und geheimnisvoll anmutet. "Alles, was ich nicht erinnere" bietet einen kaleidoskopartigen Blick auf einen Menschen und demonstriert mit gleichzeitig eindringlichem und ruhigem Erzählton die Vielfalt der Perspektive und die verschiedenen Gesichter eines Menschen, sowie das Schicksal mehrer Menschen vor der Kulisse der schwedischen Hauptstadt.

Lesen Sie weiter

Inhalt Samuel ist tot - doch wer war Samuel? Und warum ist er gestorben? Einige sagen, es war Selbstmord und er hat seinen Tod schon lange im Voraus geplant. Andere sagen wiederum, dass Samuel bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Manche geben seiner damaligen Freundin die Schuld, andere sind der Meinung, Samuel’s bester Freund hätte ihm den Tod gebracht. Doch die größte aller Fragen bleibt: Wer war Samuel? Meinung Dieser Roman war sehr intensiv! Und das auf eine sehr beeindruckende Erzählweise. Als Leser verfolgen wir einen Autor bzw. Journalisten, der Freunde, Familie und Bekannte von Samuel zu seinem Tod befragt. Doch bekommen wir als Leser nie die Fragen mit, die vom Autor/Journalisten gestellt werden, sondern nur die Antworten. Ich finde diese Erzählweise, über einen verstorbenen Protagonisten zu schreiben und sein Leben so in Szene zu setzen, sehr interessant. Es kommen einige Menschen zu Wort, die im ersten Moment nicht wichtig erscheinen. Der größte und damit auch wichtigste Teil ist der, in dem Samuel’s bester Freund Vandad und seine Freundin Laide über ihn erzählen. Schnell merkte ich, dass die beiden getrennt voneinander völlig unterschiedlich von denselben Ereignissen und Situationen erzählen. Und immer fragte ich mich: Wie hat Samuel sich wohl wirklich gefühlt? Was hat er gedacht? Hat er tatsächlich so gehandelt? Oder erzählen Vandad und Laide so unterschiedlich, damit sie selber besser dastehen? Wie weit kann die Wahrnehmung von zwei Personen auseinander liegen? Jonas Hassen Khemiri ist mit „Alles, was ich nicht erinnere“ ein intensives und in meinen Augen wichtiges Buch gelungen! Mit seiner außergewöhnlichen Erzählperspektive hat der Autor mich mitgerissen, in einen regelrechten Sog hineingezogen und mich sehr viel zwischen den Zeilen lesen lassen. Er hat zum Mitdenken angeregt, mich zum Nachdenken gebracht. Er hat mich in einer besonderen Art an das Bewusstsein über das Kennen(Lernen) eines Menschen erinnert. Denn schließlich kann man doch nie sagen, dass wir einen Menschen zu Hundertprozent kennen (können). Und genau das macht das Buch zu etwas ganz Einzigartigem: Noch nie hatte ich das Gefühl und Bedürfnis zuvor, in Zukunft so einiges zu hinterfragen oder manchen Schilderungen blind zu vertrauen. Die abschließende Wahrheit erfährt man doch nur sehr selten… Fazit Eine sehr intensive, aufwühlende Erzählung in einer außergewöhnlichen Perspektive. Das Buch regt zum Mit- und vor allem zum Nachdenken an. „Alles, was ich nicht erinnere“ bekommt volle fünf Sterne von mir! ⭐️ ⭐️ ⭐️ ⭐️ ⭐️ Weitere Informationen Originaltitel: Allt jag inte minns Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt Seiten: 338 Preis: 19,99€ Erscheinungsdatum: 13. März 2017 Gebundene Ausgabe ISBN: 978-3-421-04724-3 Ein riesengroßes Dankeschön an das Bloggerportal und dem DVA-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Lesen Sie weiter

Klappentext: Samuel hat so viele Gesichter, wie ihn Menschen kennen. Nun lebt er nur noch in der Erinnerung aller, und jeder erinnert sich anders an diesen schmächtigen jungen Mann, der ein fürsorglicher Enkel, großzügiger Freund und hingebungsvoller Liebhaber war – bis zu jenem Tag, an dem er den alten Opel seiner Großmutter in voller Fahrt gegen einen Baum lenkt. War es ein Unfall oder Selbstmord? Die einen sagen, dass Samuel sich hat rächen wollen an seiner großen Liebe Laide, die sich nun immer an ihn erinnern muss. Die anderen sagen, dass das alles nie passiert wäre, hätte sich Samuels bester Freund, der geldgierige Vandad, nicht eingemischt. Was nur ist tatsächlich passiert? ›Alles, was ich nicht erinnere‹ ist wie eine rasante Fahrt durch das heutige Stockholm, bei der Schicksale aufeinanderprallen. Inhalt: Der Autor interviewt Verwandte und Freunde von Samuel, der sich augenscheinlich das Leben genommen hat. Die Mutter von Samuel möchte nicht mit ihm reden, sie schreibt nur kurze Emails. Ausführlich dagegen spricht er mit der Pantherin, einer engen Jugendfreundin von Samuel sowie Vandad, seinem bestem Freund und mit Laide, seiner letzten Liebe. Einige vermuten, dass es ein Unfall war, dass das Auto defekt war, dass Samuel zu schnell gefahren war. Jeder hat Samuel mit seinen Augen gesehen und so entstehen viele Gesichter von ihm, viele Geschichten und Erinnerungen. Seine Oma hat Demenz, lebt nun in einem Heim. Ihr Haus haben Samuel und Laide dafür benutzt, Flüchtlinge unterzubringen, die in Schweden illegal waren, keine Arbeitserlaubnis und keine Unterkunft erhielten. Erst waren es zwei Frauen und ihre Kinder, dann noch eine Frau mit ihren vier Kindern, dann wurden es plötzlich immer mehr Menschen in dem Haus. Bis es plötzlich abbrannte und Samuels Mutter so böse schimpfte, weil sie viel Geld aufnehmen müssten, um es zu sanieren und dann verkaufen zu können. Ausführlich erzählt, erfährt man, wie Samuel Vandad und dann Laide kennenlernt. Ihre jeweilige Beziehung zueinander und ihr jeweiliges Zerbrechen. Meinung: Jonas Hassen Khemiri hat diesem Roman interessant, fesselnd und ungewöhnlich erzählt. Es sind die einzelnen, wechselnden Konversationen mit den Menschen, die der Autor nach Samuel befragt. Man muss sich konzentrieren, um sofort zu wissen, mit wem der Autor gerade spricht, aber das war einfach und nicht störend. Interessant war, dass ich ein Buch nur mit diesen verschiedenen Gesprächen und Interviews noch nie gelesen habe und es hat mir richtig gut gefallen, da es mit vielen Informationen und tollen Erlebnissen verbunden war. Der klare und flüssige Schreibstil hat mir super gefallen, man konnte über die Seiten fliegen. Fazit: Eine toll und ganz anders erzählte Geschichte, um einen jungen Mann, der nach seinem Selbst sucht, um Liebe und Vertrauen, um Gewalt und Enttäuschung. Wunderbar zu lesen, facettenreich, interessant und mitreißend.

Lesen Sie weiter

Interviewfetzen

Von: tination

21.06.2017

Das Buch: Samuel ist bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt? Waren es die schlechten Bremsen? Mord? Selbstmord? Niemand weiß es. Denn so wirklich kennt niemand Samuels Leben. Die verdächtige Freundin, der beste Freund, der für Geld alles tut, die Mutter und andere erzählen aus dem Leben Samuels… Ob sich so die Todesursache klären lässt? Wer war Samuel überhaupt? Jonas Hassen Khemiri – Alles was ich nicht erinnere Das Fazit: Der Autor macht es dem Leser nicht leicht mit diesem Buch. Der Einstieg erfordert Durchhaltevermögen und Genauigkeit des Lesers. Denn dieses Buch muss man sich erarbeiten. Wird aber spätestens nach dem ersten Drittel durchaus belohnt. Denn dann hat der Leser den Aufbau des Buches endlich verstanden. Es ist kein zusammenhängender Roman. Der Leser erhält man kleine Gesprächsfetzen, die die Charaktere dem fiktiven Autor erzählen. Hierbei werden die erzählenden Personen nicht offensichtlich benannt. Der Leser muss selbst herausfinden, wer gerade spricht. Und diese Fetzen sind meist nur eine halbe Seite lang. Ein wenig Mitleid hatte wohl doch der Autor mit dem Leser: kapitelweise wird nur zwischen zwei Gesprächssträngen hin- und hergesprungen. Wer aber spricht, muss man selbst herausfinden. Aber so viel sei verraten: am Ende kommt auch kurz Samuel zu Wort. Passend. Auch wenn das ja dann doch kein Interview darstellen konnte, wenn man seinen eigenen Tod beschreibt. Aber sei es drum: Letztendlich setzt sich das Buch vorrangig aus zwei Charakteren zusammen. Den besten Freund Samuel, Vandad. Und Samuels Ex-Freundin Laide. Beide haben doch eine recht unterschiedliche Meinung zu Samuel. Und doch lernt der Leser Samuel weit besser kennen, als es jetzt scheinen mag. Beide haben ihre Ereignisse und Geschehnisse mit dem Toten. „Wir küssten uns, wir sagten Tschüss, wir küssten uns, wir sagten Tschüss, wir küssten uns, wir sagten Tschüss, wir sagten dass wir jetzt wirklich Tschüss sagen müssten, wir küssten uns, wir bedankten uns für das Treffen, es war cool, sich zu sehen, aber jetzt müssen wir Tschüss sagen. Ich muss nach Hause, ich auch, ich muss morgen arbeiten, ich auch, wir sagten Tschüss, wir küssten uns.“ Seite 161 – 162 Und bei all dem Rätseln, wer Samuel war und wie es soweit kommen konnte, schwingt noch ein wenig Gesellschaftskritik mit. Schauen wir uns Personen richtig an? Wissen wir, wie es ihnen wirklich geht? Würden wir es merken, wenn es der Person schlecht geht? Es bleibt ein Rätsel. Auch das Thema Immigration wird hier unterschwellig angesprochen. Samuel und auch Laide sind Kinder von Immigranten. Beide helfen Flüchtlingen. Doch können die beiden wirklich die harte Realität der Flucht verstehen? Beide, die in Stockholm geboren und aufgewachsen sind? Zusammenfassend ist ein Buch das durchaus überrascht. Nach dem sehr holprigen Start blüht dieses Buch regelrecht auf. Es lohnt sich also, durchzuhalten. Und man rätselt immer wieder, wie und was geschah. Empfehlenswert.

Lesen Sie weiter