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Alles, was ich nicht erinnere Roman

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eBook (epub) ISBN: 978-3-641-18652-4

Erschienen: 13.03.2017
Dieser Titel ist lieferbar.

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Welchen Preis zahlen wir, um nicht allein zu sein?

Samuel hat so viele Gesichter, wie ihn Menschen kennen. Nun lebt er nur noch in der Erinnerung aller, und jeder erinnert sich anders an diesen schmächtigen jungen Mann, der ein fürsorglicher Enkel, großzügiger Freund und hingebungsvoller Liebhaber war – bis zu jenem Tag, an dem er den alten Opel seiner Großmutter in voller Fahrt gegen einen Baum lenkt. War es ein Unfall oder Selbstmord? Die einen sagen, dass Samuel sich hat rächen wollen an seiner großen Liebe Laide, die sich nun immer an ihn erinnern muss. Die anderen sagen, dass das alles nie passiert wäre, hätte sich Samuels bester Freund, der geldgierige Vandad, nicht eingemischt. Was nur ist tatsächlich passiert?
›Alles, was ich nicht erinnere‹ ist wie eine rasante Fahrt durch das heutige Stockholm, bei der Schicksale aufeinanderprallen. So setzt sich ein facettenreiches Bild zusammen von einem Menschen auf der Flucht vor sich selbst – ein mitreißender Roman über Gewalt und Liebe, Leidenschaft und Verlust in unserer hypersensiblen Zeit.

Interview mit der Übersetzerin von "Alles, was ich nicht erinnere" Zum Special

"Eine Begegnung mit Jonas Hassen Khemiri" Interview mit dem Schriftsteller

»Es nimmt einem fast den Atem, das Buch zu lesen.«

3sat, Sdg. "Buchzeit", Barbara Vinken (19.03.2017)

Jonas Hassen Khemiri (Autor)

Jonas Hassen Khemiri wurde 1978 als Sohn eines tunesischen Vaters und einer schwedischen Mutter in Stockholm geboren. Er ist der Star der schwedischen Literaturszene; schon sein Debütroman, "Das Kamel ohne Höcker“ (2003), brachte dem Autor internationale Anerkennung ein. Seine Theaterstücke werden auf vielen Bühnen der Welt gespielt, zurzeit u.a. in Hamburg und Berlin. "Alles, was ich nicht erinnere" ist sein vierter Roman; er wurde mit dem August-Preis ausgezeichnet, dem wichtigsten schwedischen Literaturpreis, und führte über Wochen die Bestsellerliste an. Der Roman erscheint in rund 25 Ländern. Jonas Hassen Khemiri lebt mit seiner Familie in Stockholm.

»Es nimmt einem fast den Atem, das Buch zu lesen.«

3sat, Sdg. "Buchzeit", Barbara Vinken (19.03.2017)

»Luzide und unsentimental führt Jonas Hassen Khemiri seine moderne Beziehungsrecherche, zugleich ist ihm damit ein überzeugender Großstadtroman gelungen.«

Kölner Stadt-Anzeiger, Elke Biesel (03.03.2017)

»Die Leichtigkeit führt zu sowas wie der Urszene der Literatur, die Möglichkeit, den Toten eine Stimme zu geben. Extrem berührend.«

3sat, Sdg. "Buchzeit", Katrin Schumacher (19.03.2017)

»So gekonnt und rasant hier Szenen aufeinanderprallen, sich ergänzen, widersprechen und ein vielfarbiges Mosaik ergeben, ist am Ende ganz große und vor allem dynamische Literatur.«

Nordis, Frank Keil (01.03.2017)

»Das Ringen um Wahrheit erzählt der schwedische Schriftsteller Jonas Hassen Khemri in seinem soghaften Roman so multiperspektivisch, wie es unserer zerrissenen Welt entspricht.«

Neue Presse (Hannover) (01.07.2017)

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Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
Originaltitel: ALLT JAG INTE MINNS
Originalverlag: Bonnier förlag

eBook (epub)

ISBN: 978-3-641-18652-4

€ 15,99 [D] | CHF 19,00* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: DVA Belletristik

Erschienen: 13.03.2017

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (Gebundenes Buch)


Das Buch: Samuel ist bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt? Waren es die schlechten Bremsen? Mord? Selbstmord? Niemand weiß es. Denn so wirklich kennt niemand Samuels Leben. Die verdächtige Freundin, der beste Freund, der für Geld alles tut, die Mutter und andere erzählen aus dem Leben Samuels… Ob sich so die Todesursache klären lässt? Wer war Samuel überhaupt?

Jonas Hassen Khemiri – Alles was ich nicht erinnere

Das Fazit: Der Autor macht es dem Leser nicht leicht mit diesem Buch. Der Einstieg erfordert Durchhaltevermögen und Genauigkeit des Lesers. Denn dieses Buch muss man sich erarbeiten. Wird aber spätestens nach dem ersten Drittel durchaus belohnt. Denn dann hat der Leser den Aufbau des Buches endlich verstanden.

Es ist kein zusammenhängender Roman. Der Leser erhält man kleine Gesprächsfetzen, die die Charaktere dem fiktiven Autor erzählen. Hierbei werden die erzählenden Personen nicht offensichtlich benannt. Der Leser muss selbst herausfinden, wer gerade spricht. Und diese Fetzen sind meist nur eine halbe Seite lang. Ein wenig Mitleid hatte wohl doch der Autor mit dem Leser: kapitelweise wird nur zwischen zwei Gesprächssträngen hin- und hergesprungen. Wer aber spricht, muss man selbst herausfinden. Aber so viel sei verraten: am Ende kommt auch kurz Samuel zu Wort. Passend. Auch wenn das ja dann doch kein Interview darstellen konnte, wenn man seinen eigenen Tod beschreibt.

Aber sei es drum: Letztendlich setzt sich das Buch vorrangig aus zwei Charakteren zusammen. Den besten Freund Samuel, Vandad. Und Samuels Ex-Freundin Laide. Beide haben doch eine recht unterschiedliche Meinung zu Samuel. Und doch lernt der Leser Samuel weit besser kennen, als es jetzt scheinen mag. Beide haben ihre Ereignisse und Geschehnisse mit dem Toten.

„Wir küssten uns, wir sagten Tschüss, wir küssten uns, wir sagten Tschüss, wir küssten uns, wir sagten Tschüss, wir sagten dass wir jetzt wirklich Tschüss sagen müssten, wir küssten uns, wir bedankten uns für das Treffen, es war cool, sich zu sehen, aber jetzt müssen wir Tschüss sagen. Ich muss nach Hause, ich auch, ich muss morgen arbeiten, ich auch, wir sagten Tschüss, wir küssten uns.“ Seite 161 – 162

Und bei all dem Rätseln, wer Samuel war und wie es soweit kommen konnte, schwingt noch ein wenig Gesellschaftskritik mit. Schauen wir uns Personen richtig an? Wissen wir, wie es ihnen wirklich geht? Würden wir es merken, wenn es der Person schlecht geht? Es bleibt ein Rätsel. Auch das Thema Immigration wird hier unterschwellig angesprochen. Samuel und auch Laide sind Kinder von Immigranten. Beide helfen Flüchtlingen. Doch können die beiden wirklich die harte Realität der Flucht verstehen? Beide, die in Stockholm geboren und aufgewachsen sind?

Zusammenfassend ist ein Buch das durchaus überrascht. Nach dem sehr holprigen Start blüht dieses Buch regelrecht auf. Es lohnt sich also, durchzuhalten. Und man rätselt immer wieder, wie und was geschah. Empfehlenswert.

Die Wahrheit über ein Leben

Von: LiteraturReich Datum: 05.06.2017

literaturreich.wordpress.com

Ein junger Mann ist bei einem Autounfall nahe Stockholm ums Leben gekommen. Das erfahren wir relativ bald in Jonas Hassen Khemiris Roman „Alles, was ich nicht erinnere“, auch, dass hier jemand ist, der dem Geschehen nachgeht, der Fragen stellt, über den verunglückten Simon, über jenen unheilvollen Tag im Jahr 2012, als das Auto in einer Linkskurve geradeaus fuhr und gegen einen Baum prallte.
Es sind kurze bis kürzeste Abschnitte, in denen verschiedene Personen zu Wort kommen und ihre Eindrücke vom Geschehen, ihr Verhältnis zum Verunglückten, ihre Beobachtungen schildern. Es sind Nachbarn, eine alte Jugendfreundin, die nun in Berlin lebt, die Mutter, die nur in Emails Auskunft geben möchte, Angestellte eines Altenheims, die ehemalige Freundin Laide und Vandad, ein alter Kumpel und Mitbewohner, die zu Wort kommen. Sehr bald merkt man, dass jeder zweite Abschnitt diesem alten Freund zukommt, dass er wohl eine besondere Rolle spielen wird. Genauso wie Laide, die bald mit diesem alternierend spricht. Laide, das Emigrantenkind, das in Paris gelebt hat, Laide, die Idealistin, die sich für Flüchtlingsfrauen einsetzt, die von meist männlicher Gewalt bedroht sind, Laide, Simons große Liebe im letzten Jahr seines Lebens. Eine Liebe, die aber irgendwann zerbrach.
Zu wem aber sprechen all diese Personen? Der tunesisch-schwedische Schriftsteller, der mit Simons Freundin Panther im selben Berliner Mietshaus lebte und den jungen Mann kurz bei einem Besuch kennenlernte, und der sicher nicht zufällig viele Eckdaten mit dem Autor Khemiri teilt, ist es, der die Menschen aufsucht, sie befragt, ihre Berichte sammelt und hier in einem Buch vereint. Der das Geschehen rekonstruieren will. Er wird sich am Ende vom bloßen Zuhörer und Sammler zur zentralen Figur des Romans wandeln. Am Ende offenbart er uns Lesern seine Beweggründe, den Tod eines ihm fast Unbekannten so akribisch zu verfolgen, durch Europa zu reisen, um Stimmen zu dessen Leben und Sterben zu sammeln. Der Schriftsteller hat auch einen Menschen verloren, E., mehr wird über ihn oder sie und seinen/ihren Tod nicht verraten. Nur, dass den Schriftsteller Schuldgefühle plagen, dass ihn dieser Tod nicht loslässt. Und dass er in der Recherche zu Simons Tod eine Art Trost findet. Zumindest, wenn die Menschen sagen, dass es ein Unfall war. Denn da schwebt immer auch ein wenig der Verdacht mit, es könnte sich um einen Selbstmord gehandelt haben. Ein Selbstmord wegen der Trennung von seiner großen Liebe Laide, wegen seiner Enttäuschung über seinen Kumpel Vandad, weil dieser lange Zeit in krumme Geschäfte verwickelt war, aus Sorge um seine demenzkranke Oma, deren Haus zum Zufluchtsort von Flüchtlingen wurde und eines Tages in Flammen aufging, aus Frust über seinen unbefriedigenden Bürokratenjob im Amt für Migration.
So tief und hartnäckig der Erzähler auch bohrt, die Wahrheit wird nie ganz zutage treten. Selbst dann nicht, als Simon selbst ein kurzes Kapitel erhält, in denen er die Stunden vor und seinen tödlichen Zusammenstoß selbst beschreibt. Letztlich bleibt die Wahrheit verborgen. Und es bleiben nur Gerüchte. Folgerichtig tauchen gegen Ende Abschnitte auf, die mit „die Leute sagen…“ beginnen.
Ist man als Leser zu Beginn noch ein wenig skeptisch, ob die Zerfaserung des Textes in kurze bis kürzeste Abschnitte, die alternierende Anordnung der Erzählenden und die direkte Ansprache wirklich zwingend ist, gerät man sehr bald in einen Erzählsog. Durch die abwechselnden Sichtweisen, die besonders bei Vandad und Laide sehr voneinander abweichen, und die stets gegeneinander, wenn auch meist leicht verschoben, geschnitten sind, bekommt der Text etwas Flirrendes. Wo liegt die Wahrheit? Wie weit liegen Eigen- und Fremdwahrnehmung voneinander entfernt? Wie viel kann man tatsächlich von anderen, auch eng verbundenen Menschen wissen? Wie viel Verantwortung trägt man für ihr Leben? Oder auch für ihren Tod? Das sind Fragen, die sich nach und nach mit aller Eindrücklichkeit stellen und die lange nachhallen. Besonders das Ende, wo der Erzähler selbst, Adressat aller Zeugnisse und hinter ihm ganz schwach verborgen wohl der Autor, ganz nah heran kommt, wird man wohl so bald nicht vergessen.

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