Leserstimmen zu
Neanderthal

Jens Lubbadeh

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Da mich Cover und Klappentext absolut gecatcht haben, musste ich Neanderthal auch direkt lesen. Der Gedanke an eine Gesellschaft, in der Gesundheit das Maß aller Dinge ist, Makel abgeschafft wurden und Krankheiten nicht mehr zu existieren scheinen löst in mir direkt viele Gedanken aus. Wenn nun in diese Grundhandlung noch ein spannender Thriller eingebaut ist, trifft es genau meinen Geschmack. Lubbadeh hat mich dann auch an einigen Punkten überrascht. Erwartet hatte ich eine spannungsgeladene Geschichte, die man mit offenem Mund lesen möchte im Stil von Dan Brown´s Sakrileg. Das dies so gar nicht eintreffen würde und mir eben dies auch noch gefallen könnte hatte ich Anfangs nicht gedacht. Neanderthal kommt wesentlich wissenschaftlicher daher, hat einen recht komplexen Storyaufbau, der gespickt mit Intrigen, Manipulationen und sich überschlagenden Ereignissen, die unterm Strich doch noch für ein gewisses Spannungsgefühl sorgen. Ein weiterer unerwarteter Twist kam, als der Focus auf eine andere Person gelegt wurde und sich somit die Möglichkeit eines völlig anderen Endes ergibt. Das bringt noch einmal richtig Würze ins Geschehen und hat mir an der Stelle sehr gut gefallen. Natürlich kann nicht jeder Charakter, der vorkommt bis ins Kleinste ausgearbeitet sein, doch die Hauptpersonen sind gut gezeichnet und hinterlassen einen tiefen Eindruck. Der Schreibstil ist gut, streckenweise zwar etwas trocken, wenn es sehr wissenschaftlich wird aber dies ist verkraftbar. Vielleicht wäre es besser zu lesen gewesen, wenn hier ein wenig gerafft worden wäre. Insgesamt ist Neanderthal intelligent, wirkt gut recherchiert und macht aufgrund seiner dystopischen, dennoch nahbaren Note absolut Spaß. Fazit Für mich ein außergewöhnlicher Mix aus Thriller und Dystopie, sehr gut recherchiert und bis auf einen kleinen Kritikpunkt ein richtiges Leseerlebnis.

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Wer Anhand des Klappentextes und dem Zusatz "Die Jagd ist eröffnet" einen rasanten Thriller voller Action erwartet sollte von dem Buch Abstand nehmen - diese Buch ist kein Actionthriller. Vielmehr handelt es sich um einen langsamen Wissenschafts--"Thriller", der sich (meist) viel Zeit lässt und auch in Sachen Wissenschaft etwas tiefer geht als man es von einem Thriller erwarten könnte. Man bekommt mehr Gentechnologie, Anthropologie und Zukunftsphilosophie als Action präsentiert. Man könnte fast von einer Dystopie sprechen, denn das Bild das Lubbadeh von Deutschland in der nahen Zukunft zeigt, ist eher erschreckend als erstrebenswert. Laster wie Rauchen und Trinken sind verpönt, die Gesundheit wird überwacht, ein Eugenik-Programm versucht Behinderungen und Krankheiten auszurotten. Dazu gibt es schon vor der Geburt Gen-Edits, damit Gendefekte, die zu Krankheiten oder Behinderungen führen schon im Mutterleib korrigiert werden. Schöne neue Welt? Nein - Lubbadehs Vision erzeugt ein Gefühl der Bedrohung und führt dazu, dass man sich als Leser auch so seine Gedanken zu dem Thema macht. Ganz nach der ethischen Frage: WIe weit darf oder soll der Mensch "Gott" spielen? Das Programm ist zwar relativ erfolgreich bezüglich der Ausrottung von Krankheiten, aber eine glückliche Gesellschaft ist Deutschland im Roman trotzdem nicht. Die körperlichen Gebrechen sind seelischen gewichen - Depression ist ein großes Thema in Deutschland. Neben der "normalen" gibt es noch die so genannte "Große Depression", die im Buch schon Kinder befällt und Betroffene zu komplett lethargischen, leeren Hüllen macht. In dieser, größtenteils recht glaubhaft beschriebenen Welt, spinnt Lubbadeh dann seine Geschichte rund um die geklonten Neandertaler. Er schafft es, dass die meisten Charaktere im Buch sympathisch und glaubhaft rüberkommen. Sei es Kommissar Nix (auch wenn der als Cop die stereotype Drogenhöhle-Szene verpasst bekommt), der gehörlose Anthropologe Max oder seine Partnerin Sarah. Manches ist ab und an "too much", aber im großen und ganzen ein Lob für die Charaktere, mit denen sich der Leser durchaus identifizieren kann. Wie anfangs erwähnt lässt sich der Roman recht viel Zeit - viel Action oder spannende Wendungen gibt es nicht wirklich. Dafür gibt Lubbadeh seinen Charakteren mehr Raum oder behandelt auch die wissenschaftliche Seiten tiefer, als es für die reine Story erforderlich gewesen wäre, ohne aber in oberlehrerhaftes Erklären abzudriften. Klingt bis hier hin gut? Ist es auch - die angesprochenen Dinge des Buches fand ich echt super. Allerdings hat der Roman ein paar Probleme im Erzählfluss und enthält Brüche, die mich beim Lesen doch ziemlich gestört haben. Anfangs ist Kommissar Nix der Hauptfigur des Buches (wie der Klappentext ja schon irgendwie vermuten lässt). Leider fällt er irgendwann mehr oder weniger sang und klanglos aus der Erzählung heraus.... Noch viel störender Fand ich aber den Übergang Kapitel 2 auf 3 - was ohne zu spoilern jetzt nur kompliziert zu erläutern ist. Bis dort hin baut Lubbadeh wirklich eine gute Handlung auf - und schafft es diese dann in einem kurzen 8 seitigen Kapitel im Prinzip zu beenden. Bis dahin hat das Buch sich für fast alles viel Zeit gelassen - um hier unglaublich gehetzt eine unerwartete Zäsur zu setzen. Das Kapitel macht einen extrem unfertigen, nicht recht durchdachten Eindruck und passt in meinen Augen überhaupt nicht in den bisherigen Erzählfluss. Erneut zaubert Lubbadeh dann einen neuen Protagonisten aus dem Hut um die Geschichte zu Ende zu führen. Dieser Wechsel wäre in meinen Augen nicht wirklich nötig gewesen - vor allem nicht auf die gewählte Holzhammermethode. Quer durch das Buch hat Lubbadeh einzelne Kapitel eingebaut, die zur Zeit der realen Neandertaler spielen. Diese Kapitel hätte man sich aber eigentlich schenken können - sie bringen der Story nicht wirklich etwas. Teilweise sind die verwendeten steinzeitlichen Bezeichnungen und Namen etwas verwirrend, und je später im Buch desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass ich diese Kapitel mehr überflogen als gelesen habe. Die Seiten hätte man lieber genutzt, um sanftere Übergänge zu generieren bzw. den Strang rund um Kommissar Nix schöner zu Ende zu führen. Ohne die angesprochenen Brüche wäre Neanderthal wirklich ein super Buch geworden - so wurde mein Lesevergnügen aber leider etwas gebremst. Trotzdem werde ich mir den Autor merken und gerne mehr von ihm lesen. Die Art zu schreiben und der wissenschaftliche Aspekt der Geschichte fand ich wirklich sehr gut. Den Erzählfluss noch etwas polieren und alles ist toll.

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Darum geht’s: In naher Zukunft hat sich die Wissenschaft in Deutschland weiterentwickelt und das Leben der Durchschnittsbürger verändert. Krankheiten und Behinderungen werden bereits vor der Geburt durch einen Eingriff ins Erbgut behoben. Fitness, Gesundheit und Glück sind die Werte, die mit allen Mitteln angestrebt werden und die Krankenkasse fördert und kontrolliert seine Bevölkerung in ihren Bemühungen darum. Umso unerklärlicher ist es, dass man die Leiche eines Mannes findet, die anders aussieht als gewöhnlich. War er behindert? Die hinzugezogenen Anthropologen haben eine Vermutung, die sie zu einem Massengrab ins Neandertal führt. So fand ich’s: Einerseits wird der Mensch schon vor der Geburt „optimiert“ und ungesunder Lebensstil ist verpönt, andererseits ist die „große Depression“, ein nicht behandelbarer und schwerer Verlauf der Depression, auf dem Vormarsch und beraubt besonders die Jugend jeder Lebensqualität. Und dann tauchen Hinweise darauf auf, dass Neandertaler vor wenigen Jahren erst im Neandertal beerdigt wurden, obwohl es eigentlich nicht sein kann, dass vor kurzem noch Neandertaler in Deutschland lebten. Als die beiden Anthropologen Max Stiller und Sarah Weiss die Spur der neuen Neandertaler verfolgen, bekommen sie relativ schnell Probleme von höchster politischer Seite – man macht Jagd auf sie, um sie mundtot zu machen. Das Buch startet als Krimi, doch aus der anfänglichen Mordermittlung verschiebt sich die Handlung schnell in Richtung wissenschaftlicher Dystopie. Der Kriminalfall ist nur der Aufhänger für einen weitaus größeren Skandal, der durch die aufgefundene ungewöhnliche Leiche erst entdeckt wird. Deshalb tritt Ermittler Nix auch bald in den Hintergrund und die beiden Wissenschaftler Stiller und Weiss übernehmen hauptsächlich die Erzählung. Sarah Weiss empfindet sich selbst als „Mutante“, da sie gewisse körperliche Besonderheiten aufweist, die sie von der Masse abheben. Und Max Stiller ist gehörlos, was ihn in einer Zeit, in der alle Menschen optimiert sind, wie einen bunten Hund hervorstechen lässt. Schon alleine die Reaktionen der Menschen auf diese Besonderheiten waren spannend zu beobachten. Die Zukunftsvision, die Lubbadeh uns aufzeigt, empfand ich als realistisch und möglich, wenn auch ziemlich bedrückend, denn Machtstreben und unkontrollierbare Wissenschaftler ergeben zu allen Zeiten eine schlimme Kombination. Die Erzählung war in weiten Teilen eher ruhig, durchsetzt mit Informationen und Szenarien von Lubbadehs Vorstellung einer möglichen nahen Zukunft. Erfreulicherweise wurde es aber niemals zu wissenschaftlich, sondern man bleibt bei griffigen, leicht verständlichen Erläuterungen der Dinge, die Stiller und Weiss nach und nach ans Licht bringen. Es wird uns gezeigt, wie es im zukünftigen Deutschland zugeht, und man bekommt auch eine praktische Vorstellung davon, wenn man den Personen über die Schulter schaut. Auch wenn es zwischendurch immer mal Action, Verfolgungsjagden und durchaus spannende Szenen gab, überzeugte mich der eher sachliche Erzählstil, die lebensnahen Charaktere und die Themen, die hier behandelt werden. Ein typischer Thriller ist das nicht. Eher ein dystopischer Roman mit wissenschaftlichen und politischen Verwicklungen, der es geschafft hat, mich von Anfang bis Ende bei der Stange zu halten und der auch für die Entwicklungen der Gegenwart einige Ansätze liefert, über die man nachdenken sollte.

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Die Inhaltsangabe zu Neanderthal von Jens Lubbadeh verspricht einen rasanten Thriller, doch Neanderthal ist weder rasant, noch ein waschechter Thrill. Ist man als Leser flexibel und lässt die unglückliche Mainstream-Genre-Kategorisierung außer Acht, darf man einen spannenden und interessanten Roman erwarten, wenn man sich für Gentechnologie, Anthropologie, Urmenschen und eine visionäre Zukunftsphilosophie interessiert, die durch kriminelle Machenschaften beeinflusst und vorangetrieben wird. Jens Lubbadeh ist es gelungen, eine komplexe Handlung zu kreieren, die intelligent Authentizität und Dystopie vermischt. Vor allem aber zeichnet er eine Zukunftsidee, die im Jahr 2053 von der Regierung und dem Ministerium für Glück und Gesundheit gesteuert wird und so abwegig gar nicht erscheint. Gen-Architekten sind gefragt wie nie und bieten perfekt optimiertes Editing am ungeboren Kind an. Nimm zwei Edits und erhalte eines umsonst, optimiere deine Fitness, unterziehe dich Schönheits-OPs, erhalte so Bonus-Punkte und zahle niedrigere Krankenkassenbeiträge. Das einzige was zählt und richtig ist, ist die perfekte Gesundheit. Gendefekte sind weitestgehend ausgemerzt und doch kämpft diese Gesellschaft mit „der großen Depression“. Das Ausmaß dieser Gesundheits-Optimierung verstößt jeden Menschen, der körperliche Andersartigkeit aufweist. Ob asymmetrisches Gesicht, körperliche- oder seelische Behinderung, in diesem Roman wird die Andersartigkeit zum Feind. Immer wieder weist die Geschichte unsympathische Parallelen auf, die an die Arisierung und an die grauenvollen Lager der Deutschen Geschichte erinnern. Der Verzicht darauf, wäre eine kluge Entscheidung gewesen. Zum Teil wirkt die Geschichte überstrapaziert, doch sie fasziniert zu gleich. Eine der Hauptfiguren ist einer der Andersartigen. Wissenschaftler Max ist gehörlos und kommuniziert mit seiner Umwelt durch die Gebärdensprache. Diese Figur ist äußerst intensiv gezeichnet und sie spiegelt einen Charakter wieder, der die Ausgrenzung und Diskriminierung als behinderter Mensch nicht akzeptieren will und dagegen ankämpft. Nicht jede Figur genießt in diesem Roman eine Charakterzeichnung mit Tiefe, doch Jens Lubbadeh hat zahlreichen Figuren eine lebendige und interessante Legende zugeschrieben. Insgesamt liegt der Fokus nicht auf den einzelnen Figuren, sondern eher auf dem kompakten Gesamtkonstrukt der fiktiven Geschichte. Überwältigende Spannung und Tempo ist nicht sonderlich präsent und vereinzelt kommt es gar zu Längen, doch die Grundstimmung stimmt, so dass man neugierig der Geschichte folgen will, die in einer angenehm, flüssigen Sprache geschrieben ist. Dieser Roman ist thematisch äußerst vielschichtig und informativ. Er hat sicher zeitintensive Recherchen eingefordert, die stimmig und fundiert glaubwürdig in die Handlung einfließen. Die Kultur der Amische, das Leben eines Gehörlosen, Gentechnologie, internationale wissenschaftliche Erkenntnisse, Medizinisches, politische Strukturen, historische Geschichte und aktuelles Zeitgeschehen sind intelligent in der Handlung verwoben. Eine Perspektive, die vereinzelt die Kapitel der Story durchbricht, erzählt die Geschichte von einem Stamm der Neandertaler. Ich muss leider gestehen, dass ich diese irgendwann überblättert habe, da sie mir uninteressant erschien und ich zu neugierig auf den Fortgang des Haupterzählstrangs war, der von Gesellschaftskritik nur so trotzt. Fazit und Bewertung: Neanderthal von Jens Lubbadeh Die Inhaltsangabe zu Neanderthal von Jens Lubbadeh verspricht einen rasanten Thriller, doch Neanderthal ist weder rasant, noch ein waschechter Thrill. Ist man als Leser flexibel und lässt die unglückliche Mainstream-Genre-Kategorisierung außer Acht, darf man einen spannenden und interessanten Roman erwarten, wenn man sich für Gentechnologie, Anthropologie, Urmenschen und eine visionäre Zukunftsphilosophie interessiert, die durch kriminelle Machenschaften beeinflusst und vorangetrieben wird. Trotz meiner kritischen Anmerkungen war ich spannend unterhalten und würde jederzeit wieder etwas von Jens Lubbadeh lesen. ©nisnis-buecherliebe

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Inhalt Drehen wir doch mal die Zeit Deutschlands ein paar Jahre nach vorne und betrachten eine mögliche Zukunft unseres Landes: Der Gesundheitstrend, den du schon heute bei deinen Freunden und vielleicht sogar an dir selber beobachten kannst, steht im Zenit seiner Entwicklung. Ausgewogenen Ernährung, tägliche körperliche Bewegung und "Genkorrektur" sind fester Bestandteil des Alltags. Was passiert nun in solch einer Welt, wenn eine unbekannte Gefahr auftaucht, die droht jahrzehntelange Planung und den gesunden Genpool der deutschen Bevölkerung zu vernichten? Wie könnte so ein Bedrohung möglicherweise aussehen? Ein mutiertes Bakterium? Ein neues Virus? Eine Seuche? Oder gar nur eine handvoll Menschen, die sich zur falschen Zeit am falschen Ort befinden und irgendwie anders sind als wir... Kann man sie überhaupt noch Menschen nennen? Nein, ich rede weder von der Justice League noch von den Avengers. Ladies und Gentlemen, die Neandertaler kehren zurück! Meine Meinung Nach dem grausamen Leckerbissen, den wir bereits drei Monate vor dem Roman, in Form eine überschaubaren Kurzgeschichte von ca. 20 Seiten, vorgeworfen bekamen, war ich dezent (!) gespannt auf den eigentlichen Krimi. Aktuelle Entwicklungen in einer nahen Zukunft freien Lauf zu lassen war bereits in dem ersten Roman des Autors, "Unsterblich", die Vorgehensweise der Dystopie einen guten Schuss Realität und somit nicht zuletzt Grusel zu verpassen. Statt dem menschlichen Streben nach Unsterblichkeit befassen wir uns dieses Mal mit dem Traum der körperlichen und geistigen Perfektion. Wie weit würde eine Nation, eine Gruppe Politiker oder wir selber gehen für diese Illusion der Selbstdarstellung? Durch seinen neutrale Schreibweise gibt Lubbadeh seinen Lesern Raum, diese Fragen ernsthaft zu überdenken und sich eine unabhängige Meinung zu bilden. Dieses Motiv fiel mir bereits in seinem Debütroman auf und da ich es zu schätzen gelernt hatte, erhoffte ich es hier wiederzufinden. Mein Wunsch erfüllte sich, selbst wenn du die letzte Seite "Neanderthals" gelesen hast, kannst du nicht mit 100 prozentiger Sicherheit sagen, was die eigen Meinung des Autoren ist. Vielleicht hat er sich noch gar nicht entschieden, diese Themen sind ja ungeheuer komplex und nicht leicht zu bewerten. Manche könnten befinden, dass die Erzählung sich zu oft in wissenschaftlichen Ausschweifungen verliert und aufhält, doch mit kommen diese gerade recht und ich habe sie gerne und mit Interesse verfolgt. Sie gaben mir das Gefühl, gut an das Thema herangeführt zu werden. Den Science Fiction Aspekt fand ich diesbezüglich ebenfalls inspirierend. Jens Lubbadeh hatte schon in "Unsterblich" eine eher "realistische" und bescheidene Zukunft beschrieben, ohne Raumschiffe und reitende Affen. Vielmehr siehst du immer noch unsere Welt hinter dem Schleier der gemalten Welt Lubbadehs. Auch die Dystopie Elemente sind nicht zu bunt und horrormäßig und beziehen sich eher auf einen tieferen, soziopolitischen Sinn. Statt zerstörten Städten mit grausamen Tyrannen siehst du dich eher mit einer Gesellschaft mit erschreckenden Wertvorstellungen konfrontiert, deren Ansätze du bereits in den Zeitungen von heute lesen kannst. Versteht mich nicht falsch, ich mag beide Stile total gerne, wie ich jetzt herausgefunden habe, sowohl die fantasiereichen, apokalyptischen Versionen als auch diese etwas schlichter und sachlicheren. Denn auch wenn keine Zombies vorkommen, bzw. vielleicht genau deswegen bereitet die Zukunftsvorstellung aus "Neanderthal" mir genauso Gänsehaut wie "I am Legend" & Co. Dock kommen wir mal weg von der philosophischen Seite (auch wenn ich mich nur allzu gerne darin verliere) und gehen weiter zu den wirklichen Handlungssträngen. Etwas, was mir bei Unsterblich überaus gefallen hat, war die Durchdachtheite des gesamten Plots. Der Held hat keinen Plan, die Geschichte aber durchaus. Jedenfalls sollte es so sein. Zu oft habe ich das Gefühl, dass Autoren einem zu simplen Rezept folgen und selber nicht wissen, wo ihre Geschichte enden wird. Nicht jedoch hier. Hier kannst du dich noch an dem Lesespaß erfreuen, nicht zu wissen, was auf den nächsten Seiten geschrieben steht und für die Auflösung aller Rätsel musst du bis zum bitteren Ende warten. Der Spannungsbogen ist somit meiner Meinung nach überaus gelungen. Der letzte Punkt, den ich noch anschneiden möchte, sind die Figurenkonstellationen. Hier muss ich nämlich sagen, dass ich im Großen und Ganzen nicht so glücklich war damit. Sarah und Max, die zwei Hauptpersonen über den größten Teils des Romans, sind einzeln durchaus interessant und sympatisch, doch zusammen als Team wollten sie mir nicht so wirklich gefallen. Ebenso wie die Hauptantagonistin, deren Geschichte ich teilweise sehr gerne verfolgte, bloß wenn es in den erotischen und wortwörtlich kranken Teil überschwenkte, war es mir schnell etwas zu viel. Ich weiß, dass dies der Gipfel an Subjektivität ist, doch solche Kritik gehört nun auch mal dazu und letztendlich kann man dagegen eher wenig machen. Um langsam zu einem Ende zu kommen, hier ein paar zusammenfassende, finale Worte: Fazit "Neandertal" erzählt eine inspirierende Geschichte, die zum Nachdenken über unsere Zukunft anregt. Dystopische Motive wurden eher schlicht ausgeführt, sodass der Roman nicht den Bezug zum Heute verliert und manche Situationen durchaus schon jetzt vorstellbar sind. Die Handlung ist bis ins feinste Detail durchdacht und zusätzlich mit wissenschaftlichen Ausschweifungen aufgewertet worden. Einzig und allein die Charaktere (nicht alle) haben für mich Schwächen aufgezeigt und waren mir eher weniger sympatisch, was mich manchmal aus der Story geworfen hat. Somit ist "Neanderthal" ein gelungener Science-Fiction-Thriller/Krimi für Leser, die sich fragen, wohin unsere Gesellschaft sich mit etwas Fantasie entwickeln könnte.

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Deutschland 2053. Die Menschen sind mittlerweile Gesundheitsfanatiker geworden. Fast alle haben von der Krankenkasse implantierte Chips, die sie überwachen. Wenn man etwas Falsches isst, wird man direkt eine Stufe höher gesetzt. Man will ein langes gesundes Leben für den Menschen. Das schreckt die Firmen auch nicht davon ab, bereits bei Embryos Gendefekte auszumerzen. Doch was macht das alles mit dem Menschen an sich? Man spricht mittlerweile von der „Großen Depression“, der viele zum Opfer fallen. Vor allem greift diese neue Krankheit bei Kinder und Jugendlichen um sich. Die „Große Depression“ treibt viele Menschen in den Suizid. Und dann wird in der Nähe des Neanderthals ein Skelett gefunden. Es ist deformiert wie ein behinderter Mensch. Doch eigentlich sind diese Krankheiten durch die Genreparatur doch alle ausgemerzt. „Neanderthal“ ist ein Thriller aus der Feder des Autors Jens Lubbadeh. Das Cover selbst hat mich direkt angesprochen. Die düsteren Farben mit dem Glanzdruck sind sehr einfach, hatten für mich jedoch genau die richtige Wirkung. Ich fand, das Buch ließ sich nicht einfach lesen. Ich musste hier definitiv langsamer lesen, wie bei anderen Büchern. Das heißt nicht, dass es schwierig zu verstehen war oder umständlich geschrieben. Der Inhalt war für mich einfach zu spannend, um etwas zu verpassen. Diese Welt, die der Autor erschaffen hat, ist schon faszinierend. Dieser Gesundheitswahn stellt sich bereits jetzt in unserer Zeit schon ein. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Krankenkassen irgendwann wirklich die Überhand bekommen und die Leute nur noch kontrollieren wollen. Nur noch Essen und Bewegung nach Vorschrift. Ein gruseliger Gedanke, allerdings leider gar nicht so abwegig. Genmanipulation würde bestimmt auch vielen Leuten gefallen. Ich schätze, wenn es die Ethik zulassen würde, wären wir da auch schon gut mit dabei. Der Fall selbst hat mir gut gefallen. Der Autor hat jetzt keinen reißerisch schnellen Schreibstil, trotzdem hat mir das Werk gut gefallen. Was mir nicht so lag waren die Teile aus der Neandertalerzeit. Mich hat das Leben des Typs zu der Zeit wirklich kein Stück interessiert. Zum Ende hin habe ich, ehrlich gesagt, die Seiten überblättert und es hat mir zur Klärung des Falles nicht wirklich gefehlt. Daher stammt auch der Stern Abzug, weil die Stellen doch sehr oft im Thriller aufgetreten sind. Ich fand das Werk war ein außergewöhnlicher Thriller. Der Stoff muss einem liegen, das muss ich auch erwähnen. Man sollte sich schon im Klaren sein, dass es kein gewöhnlicher Thriller ist.

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„German Angst oft he Great Depression“. So titelt die New York Times im Buch am 29. Juli 2053. Und das nicht ohne Grund. Denn durch das „Ministerium für Glück und Gesundheit“, die durchgängig übliche Orientierung des „Volkes“ auf Tracker, intensive ärztliche Betreuung und bereits Genreparaturen im Mutterleib, in Verbindung mit der Ächtung von Alkohol und Rauchen samt einer so gut wie lückenlosen Überwachung der Bürger hätte man doch im besten Sinne gedacht, dass ein „glückliches und brachial gesundes Volkswesen“ in der Mitte Europas den Vorreiter für die Welt geben kann. Wenn da nur nicht dieser Hand zur Deprression wäre. Vor allem zur gefürchteten „Großen Depression), die bereits Kinder befällt, die für Jugendliche die Gefahr des Suizids ungemein vergrößert und gegen die aktuell noch kein Kraut gewachsen ist. Ein Szenario, dem Lubbadeh als atmosphärische Rahmung der Welt im Buch durchaus nachgeht und damit den Leser fasziniert. Denn hier tauchen keine noch völlig unbekannten technischen Erfindungen auf, sondern das aktuell bereits vorliegende und genutzte ist nur konsequent zu Ende gedacht. Dass die Verbindung zur depressiven Neigung dabei von Lubbadeh im Werk wenig hintergründig, sondern eher platt gesetzt daherkommt, schadet der Faszination für diese Ausgestaltung des Alltags in naher Zukunft kaum. Ist allerdings auch ein Beispiel dafür, dass im Gesamten die Geschichte ein stückweit zu schlich erzählt wird, um den Leser zum Rätselraten einzuladen. In langen Dialogen werden alle Wichtigkeiten der Ereignisse und deren Hintergründe (in manchmal zu sachlicher Sprache) relativ zeitnah dem Leser bekannt gegeben. Dass Lubbadeh auch anders kann und sehr wohl den Blick für spannungsgeladene und emotional dichte Momente besitzt, zeigt sich daher eher an Randszenen (wie ein „Verhör“ einer Wissenschaftlerin durch eine hohe Angestellte des Ministeriums“, in der Angst, Erregung, warmer Atem, ein deformiertes Ohrläppchen und eine intensive Dichte gleichermaßen den Leser ebenso intensiv mit in die Szene hineinnehmen. Und das alles ob des wohl Selbstmordes eines „Behinderten“ (auch das ein gut eingesetztes Thema in dieser Welt des „Gesundheits-Fetisch“, die Lubbadeh plakativ vor Augen führt. Der nur einen ziemlich merkwürdigen Knochenbau besitzt. Und das in unmittelbarer Nähe des Neandertals in Düsseldorf. Was schon auf den ersten Seiten eigentlich die Ausgangslage völlig klärt. Dass nebenbei noch die Geschichte eines Neandertaler-Jägers aus der Zeit vor 40.000 Jahren erzählt wird, vertieft die Klarheit um die Ereignisse natürlich noch, bleibt aber für die eigentliche Geschichte, die Auflösung des Falles, die überaus gut gesetzten Figuren des Kommissars „Nix“ und des gehörlosen Fachmannes „Max“ kaum von Bedeutung und so vor allem für an Frühgeschichte interessierte Leser ein lesenswerter Anteil des Buches. Auch wenn eine echte Spannungskurve durch zu plakative Erzählweise, Ereignisse und zu einfache „Fluchten“ nicht wirklich entsteht, ergibt sich doch eine anregende Unterhaltung eben durch diese nahe und doch fremde Lebensart, die sich auch aus der Gegenwart heraus umgehend und leicht entwickeln könnte. Was nicht unbedingt wünschenswert ist, folgt man den Folgen, die Lubbadeh griffig vor Augen führt.

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Faszinierende Zukunft

Von: JK

04.12.2017

Deutschland in der Mitte des 21. Jahrhunderts hat sich ganz der Gesundheit verschrieben. Schon seit Jahrzehnten zählen pränatale Optimierungen bei Embryos, bei denen Gene, die zu gefährlichen Krankheiten führen können, entfernt werden, zum Standard. Körperliche Einschränkungen und Krankheiten sind in der Gesellschaft mit sozialen Stigmata belastet. Als der Düsseldorfer Kommissar Philipp Nix die Leiche eines entstellten Mannes untersucht, geht er zunächst von einem Ehrenmord aus. Diese sind in letzter Zeit immer häufiger geworden und Richter bestrafen Familienmitglieder, die sich ihrer entstellten oder behinderten Angehörigen entledigen, zunehmend milder. Der Tote hatte keine Papiere dabei. Auf seinem Smartphone findet sich jedoch ein Hinweis auf die Ausgrabungsstätte im Neandertal. Dort macht die Polizei eine überraschende Entdeckung: Dutzende bisher unentdeckte Neandertalerskelette schlummern im Boden. Die angereisten Berliner Paleantologieexpertern Max Stiller und Sarah Weiss können ihren Augen kaum trauen. Noch nie haben sie so gut erhaltene Skelette gesehen. Eine Datierung kommt zu dem Schluss, dass die Knochen nur wenige Jahrzehnte alt sind und eine Untersuchung des unbekannten Toten in der Gerichtsmedizin deutet auf einen Neandertaler-Mensch-Hybriden hin. Sie können sich nicht erklären, was hier vorgeht. Sie sind dem Projekt Neanderthal auf die Spur gekommen und nun wird von höchster Stelle alles darangesetzt, dieses weiterhin zu vertuschen. Die Seuchenkontrolle ruft plötzlich den Notstand aus, richtet Internierungskamps ein und Nix, Stiller und Weiss werden von ihnen verschleppt. Zu Neanderthal erschien die Prequel-Kurzgeschichte Das Neanderthal-Projekt, die etwas mehr auf das Experiment eingeht, dass im Buch vertuscht wird. Ein wenig irritiert am Buch hat mich der mehrfache Wechsel der Hauptcharaktere. Zunächst wirkte das Buch so, und der Klappentext hat dies auch nahegelegt, als würde Kommissar Nix hier einen Fall lösen. Doch dieser scheidet nach einer Weile komplett aus der Geschichte aus. Es wird nur vereinzelnd richtig spannend, denn die Geschichte benötigt viel Zeit für Erklärungen und Untersuchungen. Der Funke springt dabei einfach nicht über. Die Spekulationen, die Jens Lubbadeh für die Zukunft von Deutschland betreibt, sind dabei allerdings überaus faszinierend, wie schon in seinem Buch Unsterblich. Für mich ist Neanderthal eine Mischung aus Thriller und Dystopie geworden.

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