Leserstimmen zu
Farbenblind

Trevor Noah

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Hardcover
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https://www.lovelybooks.de/autor/Trevor-Noah/Farbenblind-1428185023-w/rezension/2028868937/ ...hätte ich hier ehrlich gesagt nicht erwartet, aber genau das ist dieses herrlich komische, aber dennoch kritische und irgendwie schlimme Buch von Trevor Noah. Trevor Noah wird zur Zeit des Apartheitsregimes als Sohn einer Südafrikanerin und eines Schweizers in einem Ghetto geboren, die Zwickmühle - Mischlingskinder wie ihn sollte es gar nicht geben, denn das ist strengstens verboten! So beginnt ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel, ein Verstecken und Heimlich Tun, was Dank der Stärke seiner Mutter und deren Familie für den kleinen Trevor mehr Leichtigkeit hat, als man annehmen mag. Generell zieht sich der leichte, locker flockige, witzige Ton, den man auch von seinen Live-Darbietungen kennt durch eine Geschichte, die eigentlich tottraurig macht, weil sie zeigt, was Menschen mit Menschen tun udn wie manche Volksgruppen systematisch abgehängt werden. Was mir an diesem biographischen Buch ganz besonders gefallen habe, ist die Art und Weise, wie Trevor über seine Mutter erzählt, wie er diese starke Frau und ihren eisernen Willen beschreibt, sowie seine Liebe zu ihr. Dieses Buch ist primär eine Liebeserklärung an die Mutter, die ihn mit all den Dingen ausgestattet hat, die es ihm ermöglichten, aus dem Gettho zu kommen und eine Karriere als Comedian zu beginnen - und DAS ist wirklich herzzerreißend schön. Klare Leseempfehlung

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Farbenblind

Von: ahukader

17.03.2019

Das Wort Apartheid habe ich für mich persönlich aus meinem Wörterschatz entfernt. Denn das, was hinter diesem Wort steckt, ist für mich nie akzeptabel gewesen. Als ich das Buch von Trevor Noah angefragt habe, hat mich das Cover und der Titel angesprochen. Ich kannte Trevor Noah vorher nicht und wusste auch nicht, dass er ein Comedian ist. Dass er ein Comedian ist und das Zeug dazu hat, ist in seinem Buch klar ersichtlich. Zwar geht es in diesem Buch nicht um seine Karriere als Comedian, aber es gab Stellen in diesem Buch, an denen ich laut gelacht habe. Die Apartheid liegt nicht allzu lange her. Sie wurde 1994 abgeschafft. Bis dahin war eine strikte Rassentrennung vorgeschrieben. Weiße durften nichts mit Schwarzen zu tun haben und verkehrt herum. Doch Trevors Mutter Patricia ist durch und durch eine Rebellin und lässt sich von niemanden etwas vorschreiben, außer von Gott. Somit geht sie eine außereheliche Beziehung mit Trevors Vater, der Schweizer ist, ein. Von einer all zu lange dauernden Beziehung kann man nicht sprechen. Sie möchte ein Kind von ihm und ist bereit, alle damit verbundenen Probleme auf sich zu nehmen. Somit entsteht aus dieser Beziehung Trevor. Ein Junge, der weder schwarz noch weiß ist. In seinem Buch erzählt Trevor über die Apartheid. Darüber was es bedeutet, weder weiß noch schwarz zu sein. Zwar fühlt er sich als schwarzer aber seine helle Hautfarbe lässt es nicht zu, dass er von den Schwarzen akzeptiert wird. Er ist ein schwarzes Kind unter den weißen ein weißes Kind unter den schwarzen Kindern. Seine Kindheit ist von den Kirchgängen seiner Mutter geprägt, die sehr gläubig ist und Trevor immer mit in die Kirche nimmt. Sie kümmert sich sehr um ihn. Aber Trevors Kindheit ist keine Leichte und ist von einer Mutter geprägt, die immer skeptisch gegenüber ihrem Kind ist. Sie ist eine sehr starke Persönlichkeit und definitiv der Grund dafür, warum Trevor auch zu einer starken Persönlichkeit herangewaschen ist. Man erkennt seine Liebe zu seiner Mutter durch das ganze Buch hindurch. Während man an manchen Stellen des Buches laut auflacht, hält man an einigen Stellen inne und muss das Gelesene verkraften. Das Kapitel Farbenblind, welches diesem Buch seinen Namen gegeben hat, war für mich eins der Kapitel, wo ich mir selbst sagte, „das kann doch nicht sein“. Ich kann dieses Buch einfach nur empfehlen. Man lernt viel über Südafrika. Ich bedanke mich für das Rezensionsexemplar.

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In der Schule lernte ich Begriffe wie Rassismus, Apartheid, Rassentrennung und doch war mir nie klar was genau sie bedeuten. Wie sie in der Realität wirken. Wie wichtig diese Begriffe tatsächlich sind. Wie viele Leben durch sie schon beeinflusst wurden und vor allem, wie wenig wir uns darum kümmern. Trevor Noah hat all dies hautnah miterlebt, als er 6 Jahre lang unter der Apartheid gelebt hat. Aber etwas so umfassendes wie Apartheid ändert sich bei weitem nicht so schnell, wie es offiziell „abgeschafft“ wird. In seinem Buch Farbenblind erzählt er seinen Werdegang in Südafrika in 18 Aufsätzen. Ich habe für dieses Buch sehr lange gebraucht. Das lag an erster Stelle an der Ehrlichkeit der Texte, der Brutalität und Gewissenlosigkeit, die geschildert wurde. Des Weiteren ist der Aufbau nicht chronologisch gewesen, man ist als Leser ständig vor und und zurück gesprungen in Trevors Leben, was teilweise sehr verwirrend und anstrengend war. Diese vorerst willkürlich erscheinende Strukturierung hat am Ende dennoch ein Bild gegeben, einen Höhepunkt auf den man als Leser hingearbeitet hat und der zugegeben, ziemlich schockierend war. Die emotionale Anstrengung die entstand hat mich oftmals tagelang davon abgehalten weiter zu lesen. Trotz allem hat es mich tief beeindruckt. Die Opfer des Holocaust zählen, weil Hitler sie zählte. […] Aber wenn man nachliest, welche Gräueltaten gegen Afrikaner verübt wurden, dann gibt es keine Zahlen, nur Schätzungen. – S. 227 Trotz der schwierigen und schlimmen Themen wurde das Buch immer mit Humor erzählt, so absurd und schlimm eine Aktion auch war, Trevor Noah hat sie fast lächerlich dargestellt. Sein Stil ist wahnsinnig locker gewesen, kumpelhaft. Die Umstände wurden ganz leicht erklärt. Das hatte zur Folge, das ich einige Male gegrinst habe, viel öfter aber innehalten musste, um die Botschaft hinter der witzigen Floskeln zu verarbeiten. Die Geschichte Sowetos ist die Geschichte seiner Auffahrten. Ein Ort der Hoffnung. – S. 57 In dem Absatz, aus dem dieses Zitat stammt, beschreibt Noah die Geschichte des Townships Soweto, das ursprünglich als Gefängnis geplant gewesen war. In Townships basteln sich die Menschen ihre Häuser zusammen: Aus Pappe, Wellblech, später vielleicht mal Stein. Zuerst ein Zimmer, dann wird es erweitert, vielleicht kommt auch der Punkt im Leben der Familie, wo es zwei Zimmer gibt. Aber jeder hatte einen Grundbesitz, und wenn man hinter die Zeilen schaut, versteht man, dass all diese bettelarmen Menschen eine Auffahrt hatten, weil die Weißen eine Auffahrt hatten. Sie hofften immer, dass es besser werden würde. Farbenblind ist für mich deswegen so beeindruckend gewesen, weil es den Gräueltaten, von denen ich immer nur ein Bruchstück gesehen habe, ein Gesicht gegeben hat. Wie so vieles hat auch die Apartheit viel mehr Unterpunkte als man sich als Unbetroffener vorstellen kann. Zwischen den Aufsätzen schildert Trevor Noah einige grundlegende Begebenheiten in Südafrika und wie verschlagen diese gegeneinander ausgespielt wurden. So hat Apartheid zum Beispiel dafür gesorgt, dass es nicht nur ein Trennung zwischen Weißen und Schwarzen gab, sondern auch zwischen den einzelnen Stämmen der Schwarzen. Man hat verhindert, dass die Schwarzen – die Mehrheit in Südafrika – sich zusammenschließen konnten. Durch etwas so simples wie Sprache. Es gab eine offizielle Amtssprache – Englisch. All die Dialekte und anderen afrikanischen Sprachen der Ureinwohner wurden als „nicht wichtig“ genug befunden, obwohl die Sprechenden das natürlich anders sahen. So lernte kaum jemand die Stammessprache des anderen und man konnte sich nicht verständigen. Anhand seiner Hautfarbe hat Trevor Noah schon optisch nicht in das System gepasst, da hat er sich zumindest die Sprache zunutze gemacht und jegliche Dialekte gelernt, mit denen er zu tun hatte. Ich wurde zum Chamäleon. Meine Farbe änderte sich nicht, aber ich konnte die Farbwahrnehmung der anderen verändern. […] Ich sah vielleicht nicht aus wie mein Gegenüber, aber wenn ich wie der andere sprach, war ich wie der andere. – S. 73 Das alles ist nur ein Bruchteil dessen, was ich aus diesem Buch mitgenommen habe. Einen Aufsatz mit dem Titel „Go, Hitler!“ hat es mir besonders angetan. Allein schon die Überschrift lässt einen skeptisch werden, aber letztendlich beruht das nur auf Missverständnissen. Die weißen Eroberer konnten natürlich die Namen der Eingeborenen nicht aussprechen und anstatt, dass sie die Sprache lernen, haben sie die Schwarzen verleitet ihren Kindern einen weißen Namen zu geben. Schwarze haben also drei Namen: einen weißen Vornamen, einen Vornamen in der Stammessprache und einen Nachnamen. Das Prinzip mit dem der weiße Vorname ausgesucht wurde, war einfach: Zufall. Aus der Bibel, nach Politikern oder Filmstars der Weißen. Und wenn die Weißen den Namen zufällig einem wichtig und machtvoll aussehendem Typen gegeben haben, dann taten die Schwarzen das auch, denn sie wollten auch machtvoll wirken. So endete ein junger Schwarzer mit dem Vornamen Hitler. Dieser junge Mann war der beste Tänzer seines Townships und zusammen mit Trevor Noah hatte sich damals eine Tanzgruppe gebildet, die auf Partys auflegte, um Stimmung zu machen. Ihr Erfolg wurde so groß, dass sie für den Kulturtag einer jüdischen Schule gebucht wurden. Und das Ende ihres Auftrittes war ein Tanzsolo von Hitler, das sie lautstark mit dem Spruch „Go, Hitler“ anfeuerten. Trevor und seine Freunde hatten keine Ahnung was Antisemitismus und Holocaust bedeuteten. Durch dieses Buch habe ich wahnsinnig viel gelernt, mir wurden die Augen geöffnet und das auf eine so natürliche Weise, dass ich es zuerst gar nicht gemerkt habe. Trevor Noah schmeißt nicht mit Fachbegriffen um sich, er kleidet das schwierige Thema Rassismus & Apartheid in ein simples Flanellhemd. Er macht es vertraut und greifbar, packt die Probleme in den Alltag.

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Dieses Buch ist einfach der Wahnsinn!... Normalerweise schreibe ich so etwas nicht direkt zu Anfang, aber bei diesem Buch musste ich eine Ausnahmen machen. Es ist witzig, humorvoll, traurig, herzzerreißend und hat eine Tiefe die man als Leser sonst sehr selten findet.. Trevor Noah hat mit "Farbenblind" eine Autobiografie erschaffen, die nicht wie jede andere ist. Sie ist sehr besonders, denn sie gibt uns eine Message mit auf den Weg, die uns neue Seiten aufzeigt und uns zum Nachdenken anregt. Mit seinem humorvollen und fließenden Schreibstil lässt er die Leser über die Seiten nur so fliegen. Ich persönlich war an jede einzelne Zeile gefesselt und seine Geschichte hat mich sehr mitgenommen. Er hat uns die fremde Kultur der Xhosa, der Zulu und anderer indigener Afrikaner gezeigt. Nicht zu vergessen das Elendsviertel von Johannesburg in Südafrika. Vor allem aber die Ideologie des Apartheidregimes, das zwischen Schwarzen, Weißen, Asiaten und Colourreds unterschied. Er erzählt über die Schwierigkeiten die er in seinem Leben hatte, als Sohn einer alleinerziehenden, starken Xhosa-Mutter und eines Schweizer Vaters. Im Englischen heißt das Buch "Born a crime", diesen Titel finde ich auf jeden Fall sehr passend, da es seit 1927 in Südafrika ein Verbrechen war, als Mischling geboren zu werden. Man verstieß gegen den Immorality Act, der den außerehelichen Verkehr zwischen Europäischen und Eingeborenen unter Strafe stellte. Wir tauchen in seine Geschichte ein, die er uns mit Humor und Liebe erzählt ohne etwas zu beschönigen. Gleichzeitig konfrontiert er uns mit seiner Offenheit, in dem er uns manche Verfehlungen seiner Jugend gesteht, wie zum Beispiel die Hehlerei oder das kommerzielle Raubkopieren. Es fällt dem Leser nicht schwer direkt mit Trevor Noah zu sympathisieren. Einer der größten Themen in diesem Buch ist die Apartheid. Zitat: >>Das geniale an der Apartheid war, dass sie Menschen, die die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung stellten, dazu brachte aufeinander loszugehen. Aparthass, im Prinzip. Man unterteilt die Bevölkerung in verschiedene Gruppen und sorgt dafür, dass sie einander hassen, dann kann man sie leicht lenken. Während der Apartheid war die Zahl der schwarzen Südafrikaner weit höher als die der weißen, das Verhältnis lag bei fast fünf zu eins, doch wir waren in verschiedene Stämme mit unterschiedlichen Sprachen geteilt.<< (S.11) Es ist für mich wirklich unfassbar, dass seine Kindheit so nah zurück liegt. Ein zweites großes Thema war seine Mutter. Sie ist eine sehr starke Frau, die sich nicht mit dem Gesetz zufrieden gab und nach Unabhängigkeit strebte. Jedes Mal wurde sie zurückgeworfen, doch sie kämpfte immer weiter. Hinter Trevor Noahs Worten spürt der Leser ziemlich genau die Liebe zu seiner Mutter und auch seine Bewunderung. Dieses Buch hat er ihr gewidmet. Der Zwiespalt in einem Menschen und der dazugehörige Schmerz nirgendwo richtig dazuzugehören muss schrecklich sein.. Es ist ein Kampf, den du nicht nur mit der Welt, sondern auch mit dir selbst austrägst. Ich kann dieses Buch wirklich jedem ans Herz legen. Ihr solltet es unbedingt lesen! Es nimmt dich auf eine Reise mit, die dir neue Gedankengänge eröffnet...

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Schon seit Tagen kämpfe ich damit, diese Rezension zu schreiben. Nicht, weil Farbenblind ein schlechtes Buch ist (im Gegenteil), sondern weil ich einfach das Gefühl habe, dass ich es nicht besser formulieren könnte als es das Buch tut. Deshalb gibt es ausnahmsweise einen verfrühten Appell: Lest dieses Buch. Trevor Noahs autobiographische Anekdoten haben es geschafft, mir ein Zeitgefühl aus einem Blickwinkel zu verschaffen, den kein Geschichtsunterricht, kein Sachbuch erfasst. Bevor ich Farbenblind gelesen habe, wusste ich nichts über Trevor Noah abgesehen von der Tatsache, dass er Comedian ist. Erst hinterher habe ich herausgefunden, dass er The Daily Show leitet, dass seine Geschichte über diese südafrikanische Kindheit hinausgeht. (Mein Fehler, ich weiß.) Doch um all das geht es nicht in Farbenblind, was mir persönlich gut gefiel – es hätte ohnehin den Rahmen des Buches gesprengt, und vermutlich auch nicht thematisch gepasst. Was ich damit sagen will: Ihr müsst kein Vorwissen haben, um dieses Buch zu lesen. Auch wenn ich euch empfehle, ein paar Ausschnitte aus Noahs Show anzugucken – er ist echt gut in dem, was er tut. Noahs Humor ist definitiv ein Begleiter der achtzehn Geschichten, selbst – oder insbesondere – in Momenten, in denen man eigentlich gar nicht lachen möchte. Es scheint seine Art zu sein, um mit all dem umzugehen, das seine Kindheit umfasste und prägte. Unter der Apartheid wurde die Bevölkerung strikt nach Hautfarbe eingeteilt, Beziehungen zwischen Weißen und Schwarzen waren verboten. Dennoch widersetzten sich Leute, wie auch Trevors Mutter (die in so ziemlich allen Lebensbereichen Widerstand leistet und die man einfach dafür lieben muss) und sein Vater, und Trevor wurde geboren. Der englische Titel des Buches heißt Born a Crime, betitelt seine Geburt als das Verbrechen, das es zu diesem Zeitpunkt war. Obwohl er sich selbst als Schwarzer identifizierte, gehörte er nie wirklich dazu, nicht in der Schule, nicht in der Nachbarschaft. Er fing an, die Landessprachen zu lernen, um so irgendwie ein Teil der Gemeinschaft zu werden. Man kann nicht anders, als mit Noah zu sympathisieren. Was bisher, wenn überhaupt, als abstrakter Begriff in der Schule und in Geschichtsbüchern herumgeworfen wurde, hat mit einem Mal ein Gesicht. Vor jedem Aufsatz gibt es einen kürzeren Abschnitt, in denen Noah manchmal geschichtliche Hintergründe erläutert, Informationen und Erklärungen liefert, manchmal pointiertere Anekdoten erzählt. Vielleicht interpretiere ich zu viel in Farbenblind hinein, aber für mich ist es nicht nur Trevor Noahs Geschichte, sondern auch ein Tribut an seine Mutter. Sie kommt in vielen Geschichten vor – die letzte ist ihr allein gewidmet –, in all ihren rebellischen Facetten, ihr Glaube, ihre Sturköpfigkeit und ihr Optimismus. Man spürt, wie sehr sie ihren Sohn liebt, und wie sehr sie von ihrem Sohn geliebt wird. Eine wirklich beeindruckende Frau; ich bin froh, dass man auch Einblicke in ihre Geschichte erhalten hat. Ich finde es immer schwierig, Autobiographisches zu kritisieren – man kann ja schlecht die Lebensgeschichte des Autors bzw. der Autorin bemäkeln. Das Einzige, was mich manchmal irritierte, war die Tatsache, dass Noah die Ereignisse nicht in eine chronologische Reihenfolge bringt. Manche Kapitel überspannen einen längeren Zeitraum, andere einen kürzeren oder nur ein einziges Ereignis. Daher kommt es auch manchmal vor, dass Kapitel sich überlappen, dass Noah manches mehrfach erklärt – aber seien wir ehrlich, das tut dem Buch keinen Abbruch. Ich für meinen Teil bin durch die Seiten geflogen, der Schreibstil erlaubte es mir gar nicht anders, und ich war und bin unglaublich dankbar für die Perspektive, die mir dieses Buch eröffnet hat.

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Mit seinem Humor wurde Trevor Noah zuerst in seiner Heimat Südafrika bekannt. Jetzt ist er ein Schauspieler und weltweit bekannter Moderator. In diesem lesenswerten Buch berichtet er über seine außergewöhnliche Kindheit und Jugend. Seine selbstbewusste Mutter will ein Kind von einem weißen Mann haben, auch wenn das damals gegen das Gesetz verstieß. Sexuelle Beziehungen zwischen schwarzen und weißen Menschen waren verboten. Wenn solche Paar erwischt wurden, wurde zumindest der schwarze Partner bestraft, und das Kind konnte in ein Heim kommen. Trevor Noah ist also selbst ein Verbrechen, als er im Jahren 1984 in Südafrika geboren wird. Er hat nur wenig Kontakt mit seinem Schweizer Vater. In den ersten Jahren seiner Kindheit wird er meistens im Haus versteckt, bis sich die Gesetze lockeren. Trotz einigen Auseinandersetzungen, ist seine Mutter, mit ihrem starken Glauben, die wichtigste Stütze in seinem Leben. Diese selbstbewusste Frau behandelt ihn zumeist wie einen erwachsenen Gegenüber. Sie vermittelt ihm viele wichtige Werte, nicht zuletzt auch wie ein Mann eine Frau behandeln sollte. Als Mischlingskind leidet Trevor Noah darunter, dass er sich keins der anderen Gruppen zugehörig fühlt. Er ist weder schwarz noch weiß, aber er ist auch nicht ein „Farbiger“, wie die Einwanderer aus Indien und anderen Ländern genannt werden. Er muss mühsam seine Identität suchen, und fühlt sich schließlich bei den schwarzen Mitschülern am wohlsten. Er hat eine Sprachbegabung, und erkennt wie wichtig es im zwischenmenschlichen Umgang ist, die Sprache des anderen zu kennen. In diesem Buch erzählt er viele lustige und auch ernste Anekdoten aus seiner Kindheit. Es geht um Armut, Gewalt, Liebe, den Glauben, und immer wieder über Apartheid. Zwischen den erzählerischen Kapiteln findet sich jeweils eine kurze Erklärung, passend zum Thema. So erfährt der Leser nicht nur warum Apartheid keinen Sinn macht, sondern erfährt auch insgesamt viel Interessantes über das Land Südafrika. Gutgeschrieben, interessant und immer wieder lustig, macht es Spaß dieses herzerwärmende Buch zu lesen. Besonders zu empfehlen für Südafrika-Liebhaber, um das Völkergemisch in diesem Land besser zu verstehen.

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Ich mag Autobiografien ja gar nicht so, diese hat es mir aber angetan. Denn zum einen ist die hier von Trevor Noah, dem neuen Moderator der Daily Show, und zum anderen hat er auch wirklich etwas Interessantes zu erzählen. Während in Südafrika noch die Apartheid herrscht, wird er als Kind einer Schwarzen und eines Weißen geboren – und das ist illegal. Passenderweise heißt das Buch auf Englisch „Born a crime“. Trevor wächst als einziges „weißes“ Kind unter Schwarzen auf, als einziges „schwarzes“ unter Weißen, und fühlt sich nirgendwo so richtig zu Hause. Ich habe viel gelernt über Südafrika, über institutionellen Rassismus, und eine der tollsten Mütter kennengelernt, die man haben kann. Allein dafür lohnt sich das Buch schon.

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Trevor Noahs Autobiographie hätte seinen Aufstieg vom armen Kind Afrikas zum international gefeierten Comedian und Show Host in den Fokus stellen können. Solche Geschichten appellieren an den Träumer in uns und finden stets ihre begeisterten und innerlich neidenden Zuhörer. Trevor hat es sich jedoch nicht so einfach gemacht. Statt des American Dreams thematisiert er seine Kindheit und Jugend in einem von Rassismus und Armut geprägten Umfeld der Apartheid. Und das geht unter die Haut. Obwohl man dem Buch manches – wie etwa eine fehlende Kontinuität in der Erzählführung und mangelhafte Selbstreflexion seitens des Autoren – ankreiden könnte, ist es ein Werk, das man gelesen haben sollte. Nicht nur, weil es sich trotz der ernsten Thematik unterhaltsam liest und den ein oder anderen Lacher birgt, sondern vor allen Dingen weil es uns, die sich in unserem Eurozentrismus suhlen, den Horizont erweitern kann. Der Nabel der Welt … … ist nicht Deutschland. Ja nicht einmal Europa oder der ganze eurasische Kontinent. Nicht die Welt bestimmt den Nabel, sondern jedes Individuum für sich. Genau diesen Umstand stellt Trevor hier eindrucksvoll zur Schau. Aus der Sichtweise eines Chamäleons, das überall und nirgends richtig zu Hause ist, hat er gelernt, die Perspektiven zu erkennen und spielerisch zwischen ihnen zu wechseln. Er erläutert, wie Sprache Barrieren schafft, aber auch Verbindungen herstellt wo eigentlich gar keine herrschten. Wer als Deutscher den Namen „Hitler“ hört, denkt an Antisemitismus, Hass und Tod. Undenkbar, sein Kind so zu nennen, undenkbar, im Kreis um einen Tänzer zu stehen und mit der typischen Hip Hop-Bewegung den Arm im Takt zu bewegen, während man „Go Hitler!“ ruft. Die Episode, die in der Autobiographie dazu erzählt wird, ist im ersten Moment verstörend – doch nur dann, wenn man es aus seiner eigenen Sicht betrachtet. Hier jedoch wird man dazu angehalten, die Perspektive zu ändern, mit den Augen eines Jugendlichen Afrikas zu sehen. Aus seiner Sicht ist nicht Hitler die abscheulichste anzunehmende Person, sondern jemand ganz anderes, den wir Europäer gar nicht erst mit ins Fadenkreuz genommen hätten. Farbenblind Trevor Noah Zitat Apartheid? Viel erfährt man über die teils desaströsen Umstände zu Zeiten der Apartheid. Dabei wird es nicht zum Geschichtsbuch oder zur Aneinanderreihung von Fakten, Daten und Zahlen, sondern geprägt von persönlichen Eindrücken. Das macht es lebendiger und griffiger gerade für das europäische Auge. Vielleicht erfährt man nicht die ganzen Hintergründe, doch man erfährt das, ebenso zählt: Das Empfinden der Betroffenen. Wie fühlt es sich an, von der eigenen Mutter auf offener Straße verleugnet zu werden? Als Kind eines weißen Mannes und einer schwarzen Mutter war man als Verbrechen geboren; die Fortpflanzung der Eltern stand unter strenger Strafe. „farbige“ werden die Früchte einer solchen Liebe – oder zuweilen auch Gewalt – genannt. Sie gehören weder zu den Schwarzen, noch zu den Weißen und bilden eine eigene Gruppe mit eigenen Regeln, eigener Sprache bishin zur eigenen Kultur. Sie sind Produkt eines Systems, das die Menschen gegeneinander aufbringen möchte, um die eigene Macht zu erhalten. Ein System, das in „Farbenblind“ eindrucksvoll präsentiert wird und bei dessen Vorstellung man nur den Kopf stellen kann. „Nelson Mandela hat einmal gesagt: »Wenn man zu einem Mann in einer Sprache spricht, die er versteht, erreicht man seinen Verstand. Wenn man zu ihm in seiner Sprache spricht, erreicht man sein Herz.« Er hatte ja so recht. Wenn man sich bemüht, die Sprache des anderen zu sprechen, selbst wenn es nur ein paar Sätze hier und da sind, sagt man damit: »Ich erkenne eure Kultur an. Ihr habt eine eigene Identität. Ich sehe euch als Erfahrungsberichte wie jener Trevor Noahs sind extrem wertvoll nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern vor allen Dingen auch für die Unbeteiligten. Die eigene Perspektive wird in Frage gestellt und der Geist für die Sichtweisen Anderer geschärft. Auch Autoren profitieren davon Vielleicht überraschenderweise möchte ich dieses Buch insbesondere auch Autoren ans Herz legen. Jene, die vielschichtige Figuren und spannende, authentische Welten erschaffen möchten. Meistens behilft man sich dabei nämlich des eigenen und von Natur aus beschränkten Horizontes. Das ist keine Schande, denn man kann nicht überall gewesen sein und alles gesehen und mit jedem gesprochen haben. Doch gerade wer in die Fremde schreibt, mit seinen Worten andere Kontinente erschafft und Personen zum Leben erweckt, für den ist solch ein Buch Gold wert. Versetzt euch in andere Perspektiven, liest mit offenem Geist und willendem Herzen. „farbenblind“ ist, wie anfangs erwähnt, kein perfektes Buch. Aber es kann Emotionen wecken und den Horizont erweitern – in der bestmöglichen Weise.

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