Das Testament der Jessie Lamb

Roman

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Was wäre, wenn eines Tages keine Kinder mehr geboren würden?

Die junge Jessie Lamb lebt in einer Welt, in der jede Frau, die nach ihrem sechzehnten Geburtstag schwanger wird, stirbt. Die Ursache ist ein bisher unerforschtes Virus, die Folgen sind katastrophal: Es werden keine Kinder mehr geboren, die Wissenschaft ist ratlos, und die Menschheit geht langsam, aber sicher ihrem Ende entgegen. Doch das kann und will Jessie nicht akzeptieren: Sie möchte dieser Welt etwas Gutes hinterlassen. Sie möchte neues Leben schenken, auch wenn das bedeutet, dass sie mit ihrem eigenen dafür bezahlen muss ...

„Ein ultraspannender Pageturner.“

1LIVE (27. Mai 2013)

Aus dem Englischen von Norbert Stöbe
Originaltitel: The Testament of Jessie Lamb
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-10406-1
Erschienen am  13. Mai 2013
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Anders. Neu. Jessie Lamb.

Von: Tanja

24.04.2015

ZUSAMMENFASSUNG: Jessie Lamb ist sechzehn Jahre alt und dies ist ihr Testament. Ihre Geschichte, die damit ihren Anfang nimmt, dass plötzlich alle Schwangeren an MTS erkranken, was heißt, dass sowohl sie selbst, als auch ihre Babys langsam und qualvoll sterben. Doch all das nimmt Jessie nur am Rande wahr, schließlich betrifft es sie nicht wirklich. Und das ist so lange der Fall, bis bekannt wird, dass die gesamte Weltbevölkerung an MTS erkrankt ist, jedoch nur schwangere Frauen auch daran sterben werden. Das ist der Zeitpunkt, da Jessies Welt allmählich ins Wanken gerät. Sie tritt einer Gruppe jugendlicher Aktivisten bei und beschäftigt sich mehr und mehr mit der Tatsache, dass die Menschen aussterben werden, wenn nicht bald ein Weg gefunden wird, wieder Babys zur Welt zu bringen. Zum Glück wird jener Weg schon bald ein wenig klarer. Zunächst gibt es die Möglichkeit, als so genannte "Schlafende Schöne" das Kind auszutragen, aber als Mutter dabei selbst zu sterben. Und dann, kurz darauf, werden Freiwillige gesucht für ein neues Projekt, bei dem vor MTS entnommene Embryos geimpft und in die Körper von jungen Frauen im Alter von sechzehn eingesetzt werden sollen. Jessie meldet sich freiwillig, sicher endlich ihre Bestimmung gefunden zu haben. Wenn da nicht Baz wäre, in den sie schon so lange verliebt ist und der für diese Entscheidung kein Verständnis hat, fast so wenig wie ihr Vater ... FAZIT: Nach unzähligen Dystopien, haben wir hier also mal ein - so finde ich zumindest - Mischbuch, das sich sowohl mit dem Ende der Welt befasst, als auch irgendwie in so gar keine konkrete Kategorie passen will. Wirklich nicht. Die Thematik der zum Untergang verdammten Menschheit, kombiniert mit der Reaktion von Jessie und ihrer Familie auf diese Tatsache macht das Ganze zwar greifbarer, allerdings auch wieder ein wenig unrealistischer. So kam es mir unangemessen vor, dass Jessie die Krankheit, die die Menschen bedroht, zu Beginn der Geschichte absolut und vollkommen egal ist. Das machte die Protagonisten Jessie für mich leider ziemlich unsympathisch. Hinzu kommt die Beziehung zu ihrem Vater, die zu Beginn so toll dargestellt wird, nur um dann im Laufe der Geschichte irgendwie nur noch verstörend zu wirken - vor allem von Jessies Seite. Außerdem nahm ich Jessie leider die Aussage, dass sie "weiß, was sie da tut" schon sehr bald nicht mehr auf. Für mich wirkte ihr Verhalten nämlich ziemlich unreif, wenngleich ich wiederum verstehen kann, dass sie diese eine Entscheidung selbst treffen musste. Wie es allerdings zu eben jener einen Entscheidung kam, wirkte auf mich eher wie typisches Teenagerverhalten - mit dem Kopf durch die Wand, ohne groß darüber nachzudenken. Alles in allem muss ich jedoch sagen, dass mir die Idee dieses Buches im Grunde ganz gut gefiel. Nur muss ich rückblickend gestehen, dass im Hinblick auf die Geschichte der Klappentext des Buches ein wenig verwirrend, um nicht zu sagen missverständlich ist. Dennoch - einmal abgesehen von den kleineren und größeren Schwächen des Buches, die leider vor allem der Protagonistin zuzuschreiben sind ...

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Science Fiction? Dystopie?

Von: Sandra @Buechernische

01.03.2015

Arthur C. Clark - jedem Leser von Science Fiction-Literatur dürfte der Name dieses mehrfach ausgezeichneten Schriftstellers hinreichend bekannt sein. Ein Buch, das mit dem nach diesem Visionär benannten und gegründeten Literaturpreis ausgezeichnet wird, muss schon einen besonderen Stellenwert innerhalb dieses facettenreichen Genres haben. Zumindest sollte es so sein - und vor allem sollte es auch in unmittelbarer Nähe eben jener Science Fiction angesiedelt sein. Ich möchte den Juroren dieses Preises nun keinesfalls zu nahe treten, denn sie werden schon wissen, warum sie ihre Preise verleihen; aber wenn eine Geschichte nur marginal am Genre-Tellerrand kratzt und man das "Science" mit einem Elektronenmikroskop suchen muss, ist die Entscheidung doch zumindest mit einem deutlichen Fragezeichen über dem Kopf hinzunehmen. Gänzlich anders als erwartet, erweist sich der neue Roman der mehrfach ausgezeichneten Autorin als eine Art Tagebuch. Soweit, so gut. Ich hatte schon öfter mit Büchern zu tun, die erstens in der von mir früher nicht ganz so beliebten Ich-Perspektive verfasst wurden und zweitens fernab des typischen Einheitsbreis dystopischer Zukunftsvisionen anzusiedeln sind. Doch das, was sich hinter den 384 Seiten verbirgt, verwirrte eher, als dass es unterhielt. Nun mag es der Jugendhaftigkeit der Protagonistin geschuldet sein, dass unter all den - zweifellos sehr durchdachten - Gedankengängen wirre Sprünge stattfinden, aber trotz einer leichten Wandlung zum Ende des Buches hin vermisst man oft die kraftvollen, ruhigen Passagen. Es gibt keine epischen Momente, keine Wendungen in der Geschichte. Alles - wirklich alles - ist leicht vorhersehbar und vollkommen linear. Der Dystopie-Faktor reduziert sich letztendlich auch nur auf die MTS-Krankheit (Muttertod-Syndrom) und die theoretische Möglichkeit des Menschheitsendes, schafft es jedoch nicht, mich tatsächlich in den Bann zu ziehen, denn bis auf den interessanten Storyansatz passiert recht wenig. Darüber hinaus schürt der Klappentext Erwartungen, welche in der Geschichte selbst in keinster Weise zutreffen. Jessie Lamb ist nicht die Einzige (auch nicht scheinbar), die die Menschheit vor dem Aussterben bewahren kann. Die Buchbeschreibung ist in dieser Beziehung ehrlicher. Ich empfehle eine Leseprobe, um Missverständnissen vorzubeugen. Mehr als einmal nimmt sich die Story selbst den Wind aus den Segeln, weil sie stetig vor Augen führt, welche zahlreichen Alternativen es im Grunde noch gibt und auf welch dünnem Eis Jessies "folgenschwere Entscheidung" eigentlich fußt. Und eben dies ist auch das generelle Problem der Geschichte: Das Fehlen jedweder Vernunft bis hin zur Unlogik, die einem mit dem Kopf schütteln lässt. Das stete Springen an sinnlose Nebenschauplätze (welche tatsächliche Storyrelevanz hatte bitteschön dieses ständige Betrachten dieser Tierschutzorganisation?) sowie die komplett aufgesetzte Sexszene, die offenbar zum reinen Selbstzweck stattfand - denn sie führte weder zu einer dramatisch anders gelagerten Situation, noch kratzte sie an der Haupthandlung. Interessante Ansätze Was sich mit dem Klappentext bereits angedeutet - ein Virus bedroht die Menschheit und die Wissenschaft versucht verzweifelt, der Lage Herr zu werden - spielt sich im Laufe der Kapitel mehr oder minder im Hintergrund ab und unterscheidet sich von anderen Zukunftsszenarien allein dadurch, dass die eigentliche Katastrophe gerade im Entstehen ist, während in den meisten von mir gelesenen Büchern die Menschheit bereits mit den Auswirkungen zu kämpfen hat und sich im Wiederaufbau befindet. Die Idee, an eben jenem Moment anzusetzen ist interessant und auch nicht allzu weit hergeholt, zumal der Zeitrahmen in (sehr) naher Zukunft angesiedelt wurde. Die Handlung wird in zwei Erzählstränge aufgeteilt, wobei sich der Großteil in der Vergangenheit abspielt. Der Prolog startet in der Gegenwart, Jessie wird gefangen gehalten und greift zu Notizbuch und Stift, um ihre Story niederzuschreiben, um ihr Vermächtnis zu Papier zu bringen. Wir blicken zurück auf ihr Leben im England der nahen Zukunft und verfolgen ihren Weg bis hin zu dem Moment ihrer Entscheidung, wo schließlich beide Stränge zusammenlaufen. Das ist konzeptionell interessant und durchaus spannend, wird aber durch ein viel zu frühes Offenbaren der Person, welche Jessie gefangen genommen hat, zu einem langweiligen Nebenschauplatz degradiert. Im Nachhinein betrachtet führt dieser Erzählstrang sich sogar selbst ad absurdum, weil er zum einen die logisch schwächste Stelle des ganzen Buches beinhaltet und zum anderen keinerlei Auswirkungen auf die Kerngeschichte hat. Die Story wollte und wollte nicht zünden, löste auch keine Gefühlsregungen in mir aus. Nach etwa der Hälfte klappte ich das Buch zu, lehnte ich mich kopfschüttelnd in meinem Lesesessel zurück und fragte mich, warum immer und immer wieder dieselben Diskussionen geführt wurden, warum sich die junge Dame nicht weiter entwickelte und wann die Spannungskurve endlich an Fahrt gewinnen würde. Es wurde zunehmend mühsamer, sich durch die Seiten zu kämpfen und nach dem gewissen Kick zu suchen. Dabei ist der Grundgedanke, dass ein einzelner Mensch mehr bewirken kann als er sich vorstellen kann, logisch und nachvollziehbar. Würde sich jeder der Verantwortung entziehen, dem großen Ganzen einen Dienst zu erweisen, würden wir vor dem unausweichlichen Untergang stehen. Soweit ist das ja alles auch ganz hübsch. Doch handelt Jessie wirklich aus diesen uneigennützigen Beweggründen heraus oder flüchtet sie nur wie alle anderen auch? Das wird einem nie so recht klar - obwohl es das eigentlich sollte bei einem Buch aus der Ich-Perspektive - und wenn man die Motivation der Protagonistin anzweifelt, fällt alles andere in sich zusammen wie ein Kartenhaus im Wind. Ihre Gedanken und Handlungen laufen irgendwann auseinander, was zu einer spannenden Grundlage hätte führen können. Leider vertut die Autorin diese Chance, indem sie ihre Hauptfigur durch Deus-Ex-Machina-Wendungen in ausweglose Situationen zwingt. Dabei ist die unheldenhafte Tendenz der Jessie Lamb nicht einmal das Problem gewesen. Ich schreibe bewusst "unheldenhaft", weil ich es so empfunden habe. Natürlich hatte ich gehofft, dass sie eine tragende Rolle zur Rettung der Menschheit inne hält, beispielsweise Immunität gegenüber dem MTS-Virus. Irgendetwas, dass sie vom Rest der Welt unterscheidet, ein Hoffnungsschimmer am Horizont, ein Licht am Ende des Tunnels - wenigstens eine verborgene Heldin, welche in ihre Rolle hineinwächst. Doch nichts davon ist der Fall, und so gleitet die Protagonistin in die Beliebigkeit hinein. Sie ist austauschbar - ein Jedermann mit pseudointellektuellen Gedankensprüngen, welche tatsächlich die einzige Stärke dieses Buches darstellen. Nüchtern, emotionslos, nachdenklich Getragen von einem geradezu trockenen Schreibstil, der mich an wahllos aneinandergereihte Cutscenes erinnert, beleuchtet Jane Rogers die eigentlich furchtbare Zukunftsperspektive anhand Jessies näherem Umfeld. Man erschafft aber keine düstere Atmosphäre, Anspannung oder erzeugt irgendeine Form von Bedrohung, wenn man den gnadenlos zusammengeschrumpften Blickwinkeln der Protagonistin folgen muss, während diese die eigentliche Bedrohlichkeit zum größten Teil durch den Fernseher(!) wahrnimmt. Das ist sicherlich realistisch, weil Jessie eben keine echte Heldin ist - aber will man sowas lesen? Die Autorin versucht auch, ihre Protagonistin durch vereinzelte Situationen mit der sich verändernden Gesellschaft zu konfrontieren. So wird Jessie in einem Kapitel überfallen - das passiert natürlich nur in einer MTS-gebeutelten Welt. Desweiteren wird einem weis gemacht, dass Homosexualität ein quasi-Ausweg für viele Männer darstellt. Frau Rogers, Sie können den biologischen Imperativ eines ganzen Geschlechts nicht einfach ausknipsen, nur weil es ihrer Geschichte dienlich ist. Auf der anderen Seite findet auch eine Vergewaltigung statt - ja was denn nun? Familienmitglieder, Freunde aus der Schule, Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung erkranken - sterben, doch Jessie nimmt dies meines Eindrucks nach recht emotionslos wahr. Überhaupt wirkte ihre Figur bis zum Schluss gefühlskalt auf mich, ihre Motivation ist mir selbst jetzt nach Beenden des Buches nicht wirklich klar geworden. Dies ist sowohl dem Schreibstil geschuldet als auch der zu oberflächlichen Charakterzeichung. Jessie Lamb möchte verstanden werden, doch meine Zweifel wuchsen, ob sie dies mit ihrem sturen Verhalten durchzusetzen vermochte. Einzig ihre Stärke und letztendlich ihr ungebrochener Willen, sich durch nichts und niemanden beeinflussen zu lassen, imponierten mir. Einige nachdenkliche Passagen, in der die Protagonistin ihre Erlebnisse hin und wieder reflektieren darf, stellen die eigentliche Stärke des Buches dar. Das offene Ende lässt leider nur zwei Möglichkeiten zu, so dass man sich auch hier nicht den Kopf übermäßig zerbrechen wird. Mein (ausführliches) Fazit: Die Idee eines die Menschheit bedrohenden Virus ist nicht neu. So bleibt dem Ansatz dieser Geschichte eigentlich nur die spezielle "Schwangere sind betroffen"-Note. Jane Rogers hat eine Geschichte um eine Geschichte gewoben, welche sie eigentlich hätte erzählen sollen. Durch den stark eingeschränkten Blickwinkel der Protagonistin kann der Leser die Bedrohung kaum wahrnehmen, weswegen es ständig an Dramatik fehlt. Alles fließt linear von Anfang bis Ende - alternative Lösungswege gibt es zwar, doch sind diese abstrakt und nehmen der Bedrohung sämtliche Intensität. Mir bringt es als Leser nichts, wenn die immer gleichen Diskussionen am Kern des Themas vorbeiführen und erst dann Klartext geredet wird, wenn das Ende längst fest steht - was bereits nach der Hälfte des Buches der Fall ist. Wendungen gibt es nicht - darüberhinaus trieft der Plot vor jugendlicher Naivität, die mit solcher schon fast nicht mehr zu erklären ist. Das geht so weit, dass man gegen Ende des Buches mehrmals mit dem Kopf schütteln muss und das Logikverständnis der Autorin anzweifelt. Seine Stärken bezieht das Buch aus vereinzelt auftretenden Kommentaren und Ansichten, welche auf dem Niveau einer Abiturientenklasse vor sich hin köcheln. Der Dystopie-Faktor ist nur rudimentär vorhanden und einen Science-Fiction-Aspekt gibt es meines Erachtens überhaupt nicht. Das deutsche Cover verfehlt das Thema völlig und der Klappentext informiert darüber hinaus auch noch falsch.

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Vita

Jane Rogers, mehrfach ausgezeichnete britische Literatin, hat in England bereits sechs Romane veröffentlicht. Sie arbeitet für Radio und Fernsehen und lehrt an der Universität Sheffield. Mit ihren beiden Kindern lebt sie in Lancashire.

Zur AUTORENSEITE

Norbert Stöbe, 1953 in Troisdorf geboren, begann schon als Chemiestudent zu schreiben. Neben seiner Tätigkeit als Chemiker am Institut Textilchemie und Makromolekulare Chemie der RWTH Aachen übersetzte er die ersten Bücher. Sein Roman New York ist himmlisch wurde mit dem C. Bertelsmann Förderpreis und dem Kurd-Lasswitz-Preis ausgezeichnet. Seine Erzählung Der Durst der Stadt erhielt den Kurd-Lasswitz-Preis und die Kurzgeschichte Zehn Punkte den Deutschen Science Fiction Preis. Zu seinen weiteren bekannten Romanen zählen Spielzeit, Namenlos und Der Weg nach unten. Norbert Stöbe ist einer der bekanntesten deutschen Science-Fiction-Schriftsteller. Er lebt als freier Autor und Übersetzer in Stolberg.

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