HUNGER

Die Geschichte meines Körpers

Hardcover
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Sie schreibt die Geschichte ihres Hungers. Sie schreibt die Geschichte ihres Körpers. Es ist keine Geschichte des Triumphs. Es ist die eines Lebens, das in zwei Hälften geteilt ist. Es gibt das Vorher und das Nachher. Bevor sie zunahm und danach. Bevor sie vergewaltigt wurde und danach. Roxane Gay, eine der brillantesten, klügsten und aufregendsten weiblichen Stimmen der USA, erzählt eine Geschichte, die so noch nie geschrieben wurde: schonungslos offen, verstörend ehrlich und entwaffnend zart spricht sie über ihren »wilden und undisziplinierten« Körper, über Schmerz und Angst, über zwanghaftes Verlangen, zerstörende Verleugnung und Scham - „Ich war zerbrochen, und um den Schmerz dieser Zerbrochenheit zu betäuben, aß ich und aß und aß.“

»Ein mutiges Buch.«

Literarische Welt, Hannah Lühmann (03. Juli 2019)

Aus dem Englischen von Anne Spielmann
Originaltitel: Hunger
Originalverlag: Harper
Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-442-75814-2
Erschienen am  22. April 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Starke Frau, starkes Buch

Von: smartstupidthoughts

17.09.2019

In „Hunger“ erzählt Roxane Gay ihre Geschichte. Sie nimmt dabei kein Blatt vor den Mund und schont uns Leser in ihren Ausführungen nicht. Sollte man ihrer Geschichte Gehör schenken? Definitiv! Roxane Gay erzählt ihr Leben zweigeteilt: vor der Vergewaltigung, die sie mit 12 Jahren durch mehrere Jungen erfuhr und danach, als sie traumarisiert und verängstigt Trost im Essen sucht. Sie isst sich Stärke an, um sich gegen (sexuelle) Gewalt wehren zu können und um mit einem stärkeren Körper „unsichtbar“ für junge Männer zu werden. Roxane Gay schildert schonungslos ihre Gewichtszunahme und erzählt über das Leben, als Übergewichtige. Dabei ist blickt sie sehr reflektiert auf ihr Leben und verdeutlicht die Herausforderungen, denen sie sich tagtäglich stellen musste. Als Leser fühlt man an manch einer Stelle ertappt, weil man diesen Herausforderungen selbstverständlich gegenübertritt und vielleicht völlig zu Unrecht mit Vorurteilen begegnet. Roxane Gay redet in ihrem Buch offen über Selbstverachtung und fehlendem Selbstwertgefühl. Ihre Schilderungen rütteln wach und hinterlassen einen bitteren Beigeschmack. Ihr Schreibstil ist klar und ausschweifend. Dies hat zur Folge, dass sich Gay an vielen Stellen wiederholt und der Lesefluss langatmig werden kann. Wer diesen Schreibstil mag, wird damit keine Probleme haben. Mich hat „Hunger“ insofern beeindruckt, dass es Einblick in eine Thematik gibt, über die noch viel zu wenig geschrieben und gesprochen wird. Roxane Gay schreibt viele Jahre später, genau genommen 30 Jahre, über ihre Erfahrungen und hält nicht nur sich selbst, sondern auch der Gesellschaft im Umgang mit Übergewichtigen den Spiegel vor Augen. Ein Buch, das einiges abverlangt und umso wichtiger ist, zu lesen.

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Sich unsichtbar essen

Von: stephanie Jäckel

02.09.2019

Das 2017 in den USA erschienene Buch „Hunger. A Memoire of (my) Body“ von Roxane Gay ist dieses Jahr in deutscher Übersetzung auf den Markt gekommen. Zeitgleich mit „Bad Feminist“, einem Buch, das Gay 2014 veröffentlichte, und das – so zumindest verstehe ich das Rosa auf dem Cover – mit einem Augenzwinkern hier noch einmal zitiert wird (da Gay sich als „schlechte“, weil unangepasste Feministin outet, die Rosa liebt, Hollywood-Kino und vieles Kitschige mehr). Wer googelt, kann sehen, dass in allen Medien schon weitgehend alles zu diesem Buch geschrieben wurde. Und ich kann mich nur anschließen: Gays Buch ist wichtig, es ist mutig, weil es sehr persönlich ist und sich einem Gefühl widmet, das wir alle kennen und am liebsten meiden. Nicht dem Hunger, sondern der Scham. Hunger hat zwei Gesichter. Das eine ist existentiell. Das andere auch. Während Menschen essen, um ihren Körper am Leben zu halten, essen einige auch, um ihre Seele zu retten. Zu viel Hunger katapultiert sie aus der Normalität. Sie werden zu Außenseitern. Unsichtbar und unberührbar auf der einen Seite und skandalös auf der anderen. Wer isst, um sich vor Begehren zu schützen, oder überhaupt vor Erwartungen, wird zum Elefanten in jedem Raum: Riesig und dennoch ein Thema, das von allen gemieden wird. Denn ein dicker Mensch ist die personifizierte (Fremd-)Scham. Roxanne Gay schreibt über diesen Hunger, sie schreibt über ihren Körper, ihre Scham, ihre Familie, ihr Schwarzsein, die Vergewaltigung und die Odyssee, die danach begann, weil sie eine Getriebene war mit einem Geheimnis, für das niemand Ohren gehabt hätte. Allerdings schreibt sie nicht linear. Und wenn auch vieles dafür spricht, dass sie anfing zu viel zu essen, um alles andere auszublenden und sich gleichzeitig ein Körpergefängnis aus Fett zuzulegen, nimmt sie nicht die Abkürzung einer bloßen Kausalität. Ihr Buch ist eine einzige Kreisbewegung, und es wird schnell klar, dass es nicht nur richtig und falsch, gut und böse, Opfer und Täter gibt. Denn so sehr sie sich ins Abseits bewegt, so aggressiv ist sie auch, so irrational ihre Entscheidungen scheinen, so traumwandlerisch folgt sie ihrer Begabung als Schriftstellerin. Sie stürzt kolossal ab, und macht gleichzeitig Karriere. Zumindest ist sie am Ende des Buches Professorin und Buchautorin – etwas, was Frauen mit deutlich weniger dramatischen Lebensläufen – und weniger Kilos auf den Knochen – nicht unbedingt hinbekommen. Es geht immer um diesen verflixten Hunger, dem sie nicht beikommt. Sei es, weil sie seine Ablenkung braucht, weil sie ihren dicken Körper als Schutz behalten will oder einfach keine angepasste hübsche „everybodys Darling“-Person sein möchte. Übrigens ein Dilemma, vor dem man auch mit nur zwei oder drei Kilos zu viel steht, und das oft nicht zu lösen ist, weil der Trost eines leckeren Essens uns seit Urzeiten im Körper steckt und jede selbstbewusste Person auch immer mal wieder gerne gemocht wird. Nein, ich will hier nicht behaupten, dass Roxane Gays Hunger etwas mit meinen kleinen harmlosen Knabberattacken zu tun hat. Ein Körper von über 200 Kilo Gewicht ist etwa, was ich mir bei aller Fantasie nicht vorstellen kann. Und insofern sind die Beschreibungen aus ihrem Alltag für mich wie Berichte aus einem anderen Universum (was um so erschreckender ist, als es sich ja bei ihrer und meiner Realität weitgehend um dieselbe handelt, auch wenn sie eben in Amerika und ich in Europa zu Hause bin). Es geht um ihre Erfahrungen, um meine und die der anderen Leser/innen. Es geht um die Widersprüchlichkeit des Essens, des Hungerns, des Sich-Anpassens und der Revolte, es geht um Sprachlosigkeit sich selbst und anderen gegenüber, um (fehlende) Liebe, um Erwartungen, um Hass und Gewalt. Und obwohl in den meist nur ein bis zwei Seiten kurzen Kapiteln neben Erfolgen auch viele Rückschritte erzählt werden, hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass es langsam doch „bergauf“ gehe. Roxanne hat Erfolg, sie verdient Geld, sie schreibt, sie unterrichtet an der Uni, sie versöhnt sich mit ihren Eltern, hat sympathische Partner/innen, allerdings ohne im Wesentlichen abzunehmen. Sie sagt: Das hier wird keine Erfolgsstory, denn am Ende des Buches werde ich immer noch dick sein. Für mich allerdings ist der entscheidende Moment des Buches weder das Dicksein, noch die Frage, ob oder wie sie es überwindet (und wenn eben nur im Kopf). Der entscheidende Moment ist das finsterste Kapitel des ganzen Buches, Kapitel 84. Hier beschreibt sie, wie sie den Typen, der sie als Kind vergewaltigte, via Internet verfolgt. Im ersten Moment versuche ich es noch mit Verständnis: Warum nicht? Warum nicht nachsehen, was aus dem einstigen Peiniger geworden ist, mit Schadenfreude sehen, dass er als langweiliger Spiesser lebt und ihm dabei die Pest an den Hals wünschen? Aber dann kommt der Satz, der mir beim Lesen den Boden unter den Füßen wegzieht: „Ich frage mich, was er denken würde, wenn er wüsste, dass ich beim Sex nicht das Geringste empfand, wenn ich nicht an ihn dachte, und wenn ich dann an ihn dachte, war die Lust so intensiv, dass mir der Atem stockte.“ (S. 303) Hier liegt für mich das Zentrum: Gewalt ist derart irrational, dass wir sie nicht bändigen können. Sie zerreißt und deformiert uns. Roxane Gay wird mir hier unheimlich. Aber keineswegs unsympathisch. Ein solches Geständnis abzulegen ist ungeheuer mutig. Doch obwohl es so intim ist, beschreibt es eine zutiefst menschliche Erfahrung. Die von einer endlosen Verstrickung in Schuld (Roxanne Gay spricht ausdrücklich vom „gordischen Knoten“), die nicht mal die eigene sein muss. Ein schwieriges und verstörendes Buch. Mit keinem Happy End, dafür mit einer versöhnlichen Lektion. Denn auch, wenn es nach Gewalterfahrungen keinen Frieden gibt, es gibt ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit. Zumindest für die, die unangepasst genug sind, auf Konventionen zu pfeifen. Ich danke Random-House für das Rezensionsexemplar.

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Vita

Roxane Gay, geboren 1974, ist Autorin, Professorin für Literatur und eine der wichtigsten gesellschaftspolitischen und literarischen Stimmen ihrer Zeit. Sie schreibt u.a. für die New York Times und den Guardian, ist sie Mitautorin des Marvel-Comics »World of Wakanda«, Vorlage für den hochgelobten Actionfilm Black Panther (2018), dem dritterfolgreichsten Film aller Zeiten in den USA. Roxane Gay ist Gewinnerin des PEN Center USA Freedom to Write Award. Sie lebt in Indiana und Los Angeles.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

»Bitte Lesen! Tut so gut!«

Emotion (02. Juli 2019)

»Über Körperideale und Traumata: Roxane Gays »Hunger« ist in den USA ein Bestseller. Sie erzählt darin von einem unstillbaren Verlangen – nicht nur nach Essen.«

»Roxane Gay ist witzig, radikal ehrlich und eine der einflussreichsten Feminst_innen unserer Zeit.«

taz, Fatma Aydemir (16. Juli 2019)

»Fettsein als Überlebensstrategie - die amerikanische Feministin Roxane Gay erkundet in ihrem schonungslosen Buch ,Hunger' die Festung ihres Körpers.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung (25. Mai 2019)

»Warum bin ich so fett? Roxane Gay gibt sich selbst eine schonungslos offene Antwort. [...] Nur so konnte ein derart eindrucksvolles Buch entstehen.«

stern (25. April 2019)

»Lesen, Lesen, Lesen!«

Elle (04. Juni 2019)

»Ein schonungslos offener Text über Begehren und Verletzkichkeit.«

Missy Magazine (23. Mai 2019)

»Was mich an diesem Buch am meisten beeindruckt hat, ist Roxanes kompromisslose Ehrlichkeit.«

Emma Watson

»Brillant, intellektuell herausragend und tief bewegend.«

The New York Times Book Review

»Ein Buch von widerspenstiger Schönheit.«

USA Today

»Bemerkenswert!«

Los Angeles Times

»Atemberaubend ehrlich, tief bewegend erzählt!«

New Republic

»So tief bewegend, so mutig und direkt, dass es sich anfühlt, als vertraute Roxane Gay uns ihre Seele an.«

Seattle Times

»In ihrem kraftvollen, mutigen Erzählen fordert Roxane Gay den Körper zurück, den sie nie hätte verlieren sollen.«

Entertainment Weekly

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