Liebe und Sinnlichkeit

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Vom Reiz verhaltener Sinnlichkeit

Mann und Frau begegnen sich in der japanischen Gesellschaft traditionell mit großer Zurückhaltung und Höflichkeit. Wer den Reiz solch verhaltener Sinnlichkeit verstehen will, muss Tanizaki lesen.

Japanerinnen waren lange von einer Aura des Mysteriösen umgeben: blass wie der Mondschein, leise wie das Zirpen von Insekten und sanft wie die Tautropfen auf den Gräsern – so wurden sie in der Literatur ihres Landes idealisiert. Verhaltene, nur angedeutete Zärtlichkeit zeichnete ihr Verhältnis zu den Männern aus. Und doch vermochte genau diese Nuancierung des Erotischen, genannt «iroke», die Männer weit mehr zu bezaubern als allzu große Offenheit und Leidenschaftlichkeit. «Selbst eine noch so schöne Frau hat, wenn sie erst einmal völlig nackt dasteht, nichts mehr, was sie enthüllen könnte», schreibt Tanizaki Jun’ichiro.

Erfrischend unkonventionell bringt uns der Autor das japanische Verständnis von Sinnlichkeit nahe, die auffallende Zurückhaltung, die sich auch in der Architektur des Landes oder der Vorliebe für verschattete Räume spiegelt. Sein Essay aus den 1930er-Jahren, der mit diesem Band erstmals auf Deutsch vorliegt, liefert wie alle Aufsätze Tanizakis einen wertvollen Schlüssel zum Verständnis japanischer Sitten und Kultur.

  • Deutsche Erstübersetzung

  • In bibiophiler Ausstattung mit einem Schutzumschlag aus Naturpapier, gebunden in schwarzes, geprägtes Strukturpapier, mit einer Original-Kalligrafie

»Tanizaki Jun'ichiros Essay „Liebe und Sinnlichkeit“ ist heute so wahr wie in den 1930er Jahren, als er entstand. Äußerst lesenswert.«

Süddeutsche Zeitung, 20.06.2011

Aus dem Japanischen von Eduard Klopfenstein
Originaltitel: Renai oyobi shikijo
Hardcover mit Schutzumschlag, 96 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
1 Original-Kalligrafie
ISBN: 978-3-7175-4080-9
Erschienen am  21. März 2011
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Ein desillusionierender Einblick in die japanische Kultur der Liebe

Von: Virginie Storm

01.01.2020

Tanizaki Jun’ichirō, 1886 in Japan geboren, veröffentlichte eine Vielzahl von Werken und war sogar im Gespräch für den Literaturnobelpreis. 1931 schrieb er den Essay "Liebe und Sinnlichkeit". Der Autor war mir vorher nicht bekannt. Allerdings sprach mich gleich der Klappentext an: "Japanerinnen waren lange von einer Aura des Mysteriösen umgeben: blass wie der Mondschein (...) und sanft wie die Tautropfen auf den Gräsern - so wurden sie in der Literatur ihres Landes idealisiert." Inhalt Jun’ichirō stellt die japanischer Kunst der westlichen gegenüber. Die Themen von Büchern, Gedichten und Theaterstücken konzentrierten sich früher auf das rechte Leben, Tradition und gute Staatsführung. Erst mit Einzug der westlichen Literatur, in der scheinbar jedes Werk nur auf Liebe oder Beziehungen beruhte, habe sich in Japan ein Wandel vollzogen. Er nennt Beispiele verschiedener japanischer Autoren aus unterschiedlicher Zeiten und erläutert das jeweiligen Bild der Frau und der Liebe, die dem zugrunde lag. Die Frau wurde einst zwar als Eigentum betrachtet, aber verehrt. Demgegenüber setzt er das westliche Ideal des Rittertums. Außerdem schreibt der Autor über den Einfluss des Klimas, der körperlichen Ertüchtigung und des Essens auf die Libido des japanischen Mannes, der im Vergleich zum Westler viel träger sei und mehr Distanz zur Frau benötige. Die Frauen lebten früher tief verborgen im Herzen der Häuser, hinter Wandschirmen und Vorhängen. Für den Mann sei die Frau kein Individuum gewesen, sondern habe "die Frau" verkörpert. Ihr Duft, das Rascheln der Kleidung und die Weichheit der Haut habe seine Vorstellung "der Frau" geprägt. In seinem Vergleicht der Körper japanischer und westlicher Frauen, schneiden die japanischen Frauen schlecht ab. Die Anziehungskraft der japanischen Frauen dagegen beruhe auf ihrer zarten Haut. Fazit Ich hatte mir einen Text über Liebe und Sinnlichkeit erhofft. Erhalten habe ich den Vergleich westlicher mit japanischen Frauen. Es liest sich, als schreibe ein Weintester über verschiedene Trauben, die er probiert hat. Die Frauen sind für ihn scheinbar ohne Seele und konstituieren sich nur aus Aussehen und Haptik und Duft. Für mich war des Text stellenweise emotional sehr unangenehm zu lesen. Wie könnte dies Liebe sein? Wenn man keinen Menschen mit Eigenarten und Wünschen sieht, sondern nur etwas, das man konsumiert? Der einzige sinnliche und ansprechende Teil war der Absatz über die Prinzessin hinter dem Wandschirm. Über Berührungen in der Dunkelheit, über Sandelholzduft und raschelnden Stoff. In der Moderne ist vieles auf maximalen Reiz ausgelegt: Schlauchbootlippen, riesige Hintern, strahlende Zähne. Der visuelle Overkill, der jegliche Spannung und Neugier sofort erschlägt. Unsere Sinne wie das Fühlen, das Gehör und der Geruchssinn werden durch die glatten, grellen Bilder nicht angesprochen. Alles ist zu viel, zu laut, zu schnell, zu intensiv. Wie berührend dagegen seine Definition von ''iroke'. Der Zurückhaltung, wenn die Schwiegereltern der Frau anwesend sind und sie nur sehr subtil ihre Zuneigung für ihn ausdrückt. Ein Buch aus der rein männlichen Perspektive geschrieben, das mich desillusioniert zurücklässt. Mich interessiert, was japanische Dichterinnen und Autorinnen geschrieben haben. Was dachten sie über die Liebe, was fühlten sie? Fügten sie sich gern in die ihnen zugedachte Rolle? fyi Übrigens schätzen auch manche Frauen, den zurückhaltenden öffentlichen Ausdruck von Männern. Frauen denen Intimität wichtiger ist als instagramwürdige public displays of affection. Aber diese Frauen wollen auch in ihrer Individualität und als Mensch gesehen werden.

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Vita

Jun'ichiro Tanizaki

Tanizaki Jun'ichiro (1886-1965), Sohn eines Kaufmanns aus Tokio, ist einer der wirkungsmächtigsten japanischen Autoren der Moderne. Beeinflusst von der Literatur eines Oscar Wilde, Charles Baudelaire oder Edgar Allan Poe, begab er sich mit seinen Romanen, Erzählungen und Essays auf die rastlose Suche nach Schönheit und Sinnlichkeit.

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Links

Pressestimmen

»Eine Kulturgeschichte der Liebe in Japan.«

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 03.07.2011

»Luzide Beschreibungen japanischer Ästhetik und Erotik.«

NZZ, 30.04.2011

»Wer vom heutigen Japan wirklich etwas verstehen will, sollte Tanizakis Essays lesen.«

Lesart, 3/11

»Der Autor Tanizaki Jun'ichiro erklärt in seinen Aufsätzen, was den Reiz der japanischen Kulturen - und besonders der Frauen - ausmacht.«

B.Z./B.Z. am Sonntag, 17.10.2011