The Hunger - Die letzte Reise

Roman

Paperback
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Mitte April 1846 bricht die so genannte »Donner Party« – insgesamt fast neunzig Männer, Frauen und Kinder – aus Springfield, Illinois, auf. Ihr Ziel ist Kalifornien. Ein Ort, an dem alles besser ist. An dem schon viele Siedler ihr Glück gefunden haben. Doch schon bald sind die Nerven zum Zerreißen angespannt: der Hunger, das Klima und die Feindseligkeiten innerhalb der Gruppe verwandeln den Wagentreck in ein Pulverfass. Dann kommt ein kleiner Junge unter mysteriösen Umständen zu Tode, und ein Siedler nach dem anderen verschwindet spurlos. Langsam aber sicher wird klar, dass die Donner Party in den Weiten der Prärie nicht alleine ist. Dass »Etwas« sie begleitet. Etwas, das großen Hunger hat ...


DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Amerikanischen von Michael Pfingstl
Originaltitel: The Hunger
Originalverlag: Amazon Digital Services
Paperback , Klappenbroschur, 448 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-31927-1
Erschienen am  13. August 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Atmosphärisch dicht und voller Schrecken – eine Pilgerfahrt in das Grauen

Von: Barbaras Bücherbox

19.05.2019

Die Donner-Party ging als Katastrophe in die Geschichte ein. Im Jahr 1846 machte sich eine Gruppe Pilger unter der mehr oder weniger ungewollten Leitung von George Donner dazu auf, vom Osten Amerikas in den vermeintlich besseren Westen zu ziehen, in der Hoffnung, dort genug Land und Arbeit zu finden, um ein besseres Leben führen zu können. Doch der Weg ist lang und tückisch und viele der Familien sind nicht gut genug vorbereitet, zu sehr haben sie sich darauf verlassen, Wild jagen und sich davon ernähren zu können. Doch bereits früh stellen sie fest, dass sie kein Wild finden können, die Gegend scheint wie ausgestorben und auch, wenn viele sie fürchten, wundern sich Reisenden über das Fernbleiben der berüchtigten Indianer. Dann wird ein Junge brutal ermordet. War es ein wildes Tier, ein Indianer? Oder war es gar ein Mitreisender? An einem Außenposten sollen sie sich einem größeren Treck anschließen. Doch als sie dort ankommen, müssen sie feststellen, dass die anderen Reisenden nicht auf sie gewartet haben. So steht die Donner-party vor der schwierigen Entscheidung: Sollen sie ohne Erfahrung dem tückischen, aber viel kürzeren Weg durch die Berge nehmen oder der bekannteren, einfacheren aber längeren Route folgen? Die Gruppe teilt sich auf und George Donner und die wenigen, die bei ihm bleiben, machen sich auf den Weg durch das gefährliche Gebirge – gefolgt von etwas, das großen Hunger hat … Dieses Buch lebt von der Atmosphäre. Bereits ab den ersten Seiten fühlt man die Dramatik und Gefahr zwischen den Zeilen: die Nahrungsknappheit, das Wetter und die Mitreisenden selbst. Denn nicht alle, die sich dem Treck angeschlossen haben, tun das aus lauteren Umständen. Einige von ihnen fliehen: vor dem Gesetz oder ihrer eigenen Vergangenheit. Und so beginnt man jedem zu misstrauen. Die Geschichte wird aus der Sicht mehrerer Reisender erzählt – vorrangig von Frauen und George Donner, nach dem die Reisenden später benannt wurden, selbst kommt nicht wirklich zu Wort. Oftmals stellte ich mir die Frage, weshalb er den Ruf als Anführer hatte: in dem Roman ist davon kaum etwas zu merken. Die Reisenden folgen mehr oder weniger nur zufällig gemeinsam den Weg, in der Hoffnung, ihr Ziel zu erreichen – doch sie arbeiten kaum zusammen. Es wird gestohlen, verletzt und sogar gemordet, denn sobald Menschen anfangen zu hungern und den Tod zu fürchten, sind sie zu grausamen Dingen fähig. Diese Dinge werden uns in The Hunger ausführlich gezeigt. Dieses Buch lässt sich wohl am besten als historischer Abenteuer-Schauerroman bezeichnen – ein Roman, den man nur schwer einordnen kann. Es ist kein richtiger Horror – aber man fühlt die Angst der Protagonisten und die Atmosphäre ist immer unheimlich. Es ist jedoch auch kein historischer Roman, denn es gibt eindeutig übernatürliche Aspekte. Mir aber hat dieser Genre-Mix hervorragend gefallen – ein kleines und überraschendes Highlight. Gut geschrieben und absolut glaubwürdig. P.S.: Falls es nicht aus der Rezension hervorgeht: die Donner-Party gab es wirklich und man glaubte, dass viele Siedler nur überlebten, weil sie das Fleisch der verstorbenen Reisenden gegessen haben. Dadurch sollen sie verflucht geworden sein und diejenigen, die überlebten, hatten ein schweres Los in dem damals so abergläubischem Land.

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Alte Legenden im Wilden Westen

Von: Mikka Gottstein

30.12.2018

Die ‘Donner Party’ hat es wirklich gegeben. Dabei handelte es sich um eine Gruppe von Siedlern, die 1846 unter Leitung von George Donner den beschwerlichen und gefährlichen Treck von Illinois aus Richtung Kalifornien in Angriff nahmen – doch eine falsch gewählte Abkürzung, ein früher Wintereinbruch und ein Mangel an Jagdwild führten zur Katastrophe. Die überlieferten Erlebnisse dieser Siedler bieten auch ohne Ausschmückung schon genug Stoff für eine Geschichte voller Grauen – Alma Katsu fügt dieser Geschichte jedoch noch einen übernatürlichen Aspekt hinzu. Die Handlung verläuft zum Teil bedrückend langsam, sogar schleppend – wie auch die Wagen der unglückseligen Siedler schlecht vorankommen und mehr als einmal ob des Wetters, der unzuverlässigen Wegbeschreibung und der steilen Hänge komplett liegenbleiben. Aber in meinen Augen ist das langsame Erzähltempo keineswegs gleichzusetzen mit Langeweile. Im Gegenteil: die Autorin, so scheint es mir, setzt dieses Tempo als Stilmittel ganz gezielt ein. Ein Teil des Schreckens der Geschichte besteht darin, dass die Menschen in Donners Tross ihrer Umgebung hilflos ausgesetzt sind, und diese Hilflosigkeit spürt man als Leser gerade wegen der verhaltenen Geschwindigkeit. Viel der Spannung des Buches baut sich über eine zunehmend dichte Atmosphäre der steigenden Verzweiflung und des gegenseitigen Misstrauens auf. Not und Angst der Charaktere sind fast mit Händen zu greifen. Als wäre die Bedrohung von außen nicht genug, werden die Menschen des Trosses sich auch noch gegenseitig zum Feind. Mehr als einer bringt eine Vergangenheit mit sich, die nicht gänzlich frei ist von Schuld. Dazu kommt natürlich noch das übernatürliche Element der Geschichte – wobei lange offen bleibt, womit man es hier zu tun hat –, und so verwebt sich alles drei zu einer fatalen Kombination. Die Geschichte wird letztendlich zu einem Abgesang der Hoffnung, mit der die Siedler sich auf den Weg gemacht haben. Der Horror des Buches ist schleichend und meist eher unterschwellig. Das wird Fans von blutigem Hardcore-Horror vielleicht enttäuschen, ich persönlich fand die Mischung aus auf Fakten basierender Historie, Wild-West-Abenteuer und Lagerfeuer-Grusel sehr ansprechend. Ich fand besonders interessant, wie indianische Mythologie in den übernatürlichen Teil der Geschichte eingebracht wird, und die Autorin untermalt das Grauen subtil mit einem Schreibstil voller düsterer, beklemmender Bilder. Das hat mir im Grunde sehr gut gefallen, nur manchmal sind die Rückblicke meines Erachtens etwas unglücklich platziert und unterbrechen den Lesefluss. Als weiteren Kritikpunkt möchte ich anmerken, dass die ‘Stimmen’ der Charaktere sich sehr ähneln. Und das, obwohl sie gravierend unterschiedliche Hintergründe haben – Bildung und gesellschaftlicher Status sollten sich eigentlich auch auf ihre Sprache auswirken. Dennoch fand ich die Charaktere durchweg interessant und auch gut gewählt, um diese Geschichte aus verschiedenen Gesichtspunkten zu erzählen. Besonders die Figur des Edwin Bryant, der Mühseligkeiten und Todesgefahr auf sich nimmt, um die Indianerstämme zu erforschen, fand ich großartig. Er ist einer der wenigen Charaktere, die in den Indianern nicht nur minderbemittelte Wilde sehen. Obwohl der ein oder andere Siedler tatsächlich ins Grübeln kommt, ob das abgenagte Skelett eines kleinen Jungen tatsächlich das Werk von Indianern sein kann, ist doch keiner bereit, sie als gleichwertig anzusehen. Beispielhaft erwähnen möchte ich auch die gutaussehende Tamsen, der mit sehr viel Misstrauen begegnet wird. Dass alle Männer ihr begehrlich hinterherschauen, muss schließlich Hexerei sein – und da hilft auch nicht, dass sie sehr viel Wissen über Heilkräuter hat. Das Buch wartet mit einer großen Vielzahl von Charakteren auf, die verschiedenen Handlungsstränge fand ich jedoch gut zu unterscheiden und daher auch nicht verwirrend. Das Ende hat mich überrascht und das nicht unbedingt im Guten. Die verschiedenen Stränge der Handlung werden zwar durchaus gut zusammengeführt, aber nach all dem Spannungsaufbau fehlte mir noch etwas – vielleicht eine größere emotionale Wucht, um die ganze Spannung aufzulösen. Das Potential wurde am Ende in meinen Augen nicht komplett ausgeschöpft. Wie die Dinge letztendlich für die Donner-Party enden, das wusste ich zumindest in Grundzügen. Dennoch konnte ich nicht anders, als mir zu wünschen, die Unglückseligen würden hier und dort andere Entscheidungen treffen, um das Unheil noch abzuwenden… FAZIT Im Jahr 1846 begeben sich 87 Siedler, geführt von George Donner, auf einen Treck Richtung Kalifornien. Eine angebliche Abkürzung führt sie in die Irre – mit fatalem Ausgang. Alma Katsu verbindet die historischen Tatsachen, die schon grausig genug sind, mit übernatürlichen Elementen. Wie sich die Spannung in diesem Buch aufbaut, das nennt man im Englischen manchmal ‘slow burn’: eine schwelende Glut. Obwohl der Spannungsbogen sehr langsam verläuft, konnte mich die Geschichte durch Atmosphäre für sich gewinnen. Ich fand die Mischung aus Historie und Paranormalem interessant und trotz kleiner Schwächen gelungen.

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Vita

Alma Katsu ist Hochschulabsolventin der Johns Hopkins University und der Brandeis University, wo sie zusammen mit John Irving Literatur und Schreiben studierte. Sie arbeitete viele Jahre als Senior Intelligence Analyst für verschiedene US-amerikanische Bundesbehörden und ist derzeit Analystin eines Thinktanks. Ihr Debütroman The Taker war unter den Top Ten der American Library Association. Alma Katsu lebt mit ihrem Mann außerhalb von Washington, DC.

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