Das Echo der Wahrheit

Roman

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Als der Multimillionär Joshua Fleischer erfährt, dass er bald sterben wird, bittet er den New Yorker Psychiater Dr. James Cobb um Hilfe. Fleischer trägt eine schwere Last mit sich: Er befürchtet, am Tod einer jungen Frau schuld zu sein, mit der er vor Jahren einen Abend in einem Pariser Hotelzimmer verbracht hat. Fleischers Erinnerung ist nur bruchstückhaft, und Cobb soll ihm nun helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Doch damit wird Cobb mit den Dämonen seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert …


ERSTMALS IM TASCHENBUCH
Aus dem Englischen von Silvia Morawetz, Werner Schmitz
Originaltitel: Bad Blood
Originalverlag: Serpant's Tail
Taschenbuch, Broschur, 320 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-49059-2
Erscheint am 15. Juni 2020

Leserstimmen

"Das Echo der Wahrheit" von Eugene Chirovici

Von: Fraggle

21.08.2019

Etwa zweieinhalb Jahre ist es jetzt her, dass der rumänische Schriftsteller Eugene Chirovici (eigentlich Eugen Ovidiu Chirovici) mit seinem Bestseller „Das Buch der Spiegel“ weltweit von sich reden machte. Auch ich habe seinen Roman damals mit Begeisterung gelesen und warte seither darauf, dass man sich daran macht, seine bis dahin bereits zahlreich erschienenen Romane ebenfalls zu übersetzen, um diese der nicht-rumänischen Leserschaft zugänglich zu machen. An seinem Vorgängerroman lobte ich seinerzeit insbesondere den Stil und den Aufbau. Und gleiches kann man in ähnlicher Form auch über „Das Echo der Wahrheit“ sagen. Der Autor teilt den Roman in 21 kurze Kapitel ein und ein nennenswerter Anteil des Romans stellt praktisch eine Geschichte in der Geschichte dar, einmal in Form der Schilderungen des Millionärs Fleischer über die Geschehnisse in den 70ern, zum anderen in Form von Tagebuchaufzeichnungen, auf die Cobb im Laufe seiner Ermittlungen stößt. Diese Art der mehr oder minder verschachtelten Erzählung hat mir schon immer gut gefallen und verfehlt auch hier ihre Wirkung nicht. Bei den Charakteren gibt es allerdings Licht und Schatten. So stößt der Protagonist Dr. James Cobb bei mir nicht auf uneingeschränkte Begeisterung. Zu viele Eigenschaften, die der Psychiater an den Tag legt, stoßen mir sauer auf. So hat er beispielsweise nach Beendigung der Sitzungen mit Fleischer nichts anderes zu tun, als in ausuferndem Maße gegen die gerade vereinbarte Verschwiegenheitserklärung zu verstoßen, auf der die Tinte seiner Unterschrift, überspitzt gesagt, vermutlich noch nicht mal trocken ist. Und das ist nicht der einzige Punkt, in dem sich Cobb in beruflicher Hinsicht unprofessionell verhält, aber das näher zu erläutern würde zu weit gehen. Aber ein Protagonist ist ja nicht unbedingt da, um ihn zu mögen. Gut, idealerweise sollte man das können, aber eine Grundvorraussetzung ist es nicht. Wenn man sich einzig auf die Frage beschränkt, ob er nachvollziehbar gezeichnet ist, dann lautet die Antowort in jedem Fall: ja. Mögen muss ich ihn ja deswegen trotzdem nicht … Die Charakterisierung der ein oder anderen Nebenfigur ist da jedoch schon deutlich spannender, findet sie doch meist über Dritte statt, die sich in ihrer Meinung zumeist diametral unterscheiden. So fällt Fleischers Beschreibung seines Kommilitonen Abraham Hale schlechter aus, als die der Nebenfigur Claudette Morel über Hale. Wie schon in „Das Buch der Spiegel“ gefiel mir diese Art der Charakterisierung sehr gut, weil man nie wirklich weiß, wer nun recht hat und wer nicht und man sich seine eigene Meinung machen kann und auch sollte. Inhaltlich kann „Das Echo der Wahrheit“ die Erwartungen ebenfalls erfüllen. Der Autor wirft einem eine Fülle von Informationshäppchen hin, von denen man manchmal nicht weiß, ob oder wann sie nochmal wichtig werden und fügt das Ganze zu einem Spannungsroman zusammen, der sich sehen lassen kann. Im Gegensatz zu diversen Krimis in denen der Täter, überspitzt formuliert, der auf Seite 78 mit einer vier Worte umfassenden Sprechrolle und in 12 Textzeilen auftauchende Berufschullehrer war, von dem vorher nie die Rede war und der nachher nie wieder auftaucht (ein rein fiktives Beispiel natürlich), und bei denen es überhaupt keinen Sinn macht, mitzuraten, wie die Auflösung für die Handlung lautet, macht dieses Mitraten bei „Das Echo der Wahrheit“ durchaus Sinn. Und Vergnügen. Denn im Grunde, so viel kann man verraten, ist alles da, was man zum Mitraten braucht. Der Autor enthält der Leserschaft keine Informationen vor, jeder Leser ist so klug wie die Charaktere. Und letztlich, weil man, wie ich, dennoch daneben gelegen hat, klatscht mit der Hand an die Stirn und ruft entsetzt: „Natürlich!“ In Summe muss man zwar konstatieren, dass Chirovicis Buch nicht ganz die Klasse seines, übrigens vollkommen zu recht, hochgejubelten Vorgängers hat. Aber wer gerne vielschichte Krimis mit vergleichweise komplexer Handlung liest, der kommt an „Das Echo der Wahrheit“ nicht vorbei. Ich danke dem Goldmann-Verlag und dem Bloggerportal für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplars!

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Anspruchsvoller Spannungsroman

Von: Sigismund von Dobschütz/Buchbesprechung aus Bad Kissingen

17.08.2019

REZENSION – Zeitgleich zu seinem Weltbestseller „Das Buch der Spiegel“ (2017) arbeitete der aus Rumänien stammende, heute in Brüssel lebende Schriftsteller Eugene Chirovici (55) bereits an seinem nun auf Deutsch erschienenen Spannungsroman „Das Echo der Wahrheit“. Wohl deshalb ist die thematische Nähe beider Werke verständlich, geht es doch in beiden Romanen um die menschliche Sicht auf Fakten und Wahrheit. Wieder geht es um einen Jahrzehnte zurückliegenden Mordfall. Wieder zeigt uns Chirovici, dass wir uns der reinen, der objektiven Wahrheit niemals gewiss sein können, wird diese doch durch unsere Erinnerungen, durch subjektive Eindrücke, im schlimmsten Fall durch den Selbstschutz unseres Gehirns verfälscht. Wo hört also Wahrheit auf, wo fängt Phantasie an? Bildet man sich als Wahrheit nur ein, was man nach Jahrzehnten als Wahrheit sehen will? Als Betroffene kennen wir demzufolge oft nur ein verfälschtes Echo der Wahrheit, wie es uns der Buchtitel verrät, wobei der Goldmann-Verlag völlig zu Recht das Wörtchen „der“ kursiv hervorgehoben hat. Denn was ist „die“ Wahrheit? Die Antwort auf diese Frage zu finden, bittet im neuen Roman Chirovicis der an Leukämie leidende Multimillionär Joshua Fleischer den New Yorker Psychiater James Cobb. Fleischer glaubt, als Student 1976 in Paris die damals von ihm angehimmelte Französin Simone ermordet zu haben, kann sich allerdings an den genauen Hergang des fraglichen Abends in der Hotelsuite, in der er sich mit seinem Studienfreund Abraham Hale und Simone aufgehalten hatte, überhaupt nicht erinnern. Wurde er tatsächlich zum Mörder? Oder war es Abraham? Cobb soll durch Hypnose die Wahrheit herausfinden, was ihm aufgrund einer starken Bewusstseinsblockade des Patienten allerdings nicht gelingt. Die Neugier des Psychiaters ist geweckt, weshalb er auch nach Fleischers baldigem Tod am Fall dranbleibt. Er lässt in Paris Polizeiakten jener Zeit auf Mord- oder Vermisstenfälle prüfen, befragt Personen, die den drei jungen Menschen damals nahestanden, fährt sogar selbst zu Nachforschungen nach Frankreich. Kaum glaubt der Leser, einen der drei Beteiligten in seinem Charakter erkannt und das Verhältnis der drei Protagonisten zueinander verstanden zu haben, wird schon in der nächsten Zeugenaussage alles nichtig und die Personen völlig anders charakterisiert. Chirovici entwirft in „Echo der Wahrheit“ ein verwirrendes Spiel mit Erinnerungen und Illusionen. Jeder Zeitzeuge schildert das damalige Geschehen aus eigener Sicht und auch zum Selbstschutz in einem völlig neuen Licht. Doch jeder Zeuge behauptet von sich, die Wahrheit zu kennen. Doch jedesmal ist am Ende wieder nichts so, wie es schien. „Tatsachen können manchmal wirklich wahr und falsch zugleich sein; denn in der Realität gibt es so etwas wie die Wahrheit und nichts als die Wahrheit nicht“, heißt es deshalb im Buch. Natürlich kommt Ich-Erzähler James Cobb schließlich doch der Wahrheit auf die Spur, die, was inzwischen kaum verwundert, wiederum ganz anders ist, als wir Leser bis dahin geglaubt hatten. Doch dem Autor gelingt es lückenlos, die verschlungenen Handlungsstränge trotz mehrfachen Perspektivwechsels so sinnvoll mit einander zu verknüpfen, dass uns auch diese Wahrheit endlich trotz der überraschenden Wendung als die reine Wahrheit logisch erscheint. Chirovicis Roman ist fesselnd geschrieben, in seiner wechselvollen Handlung immer aufs Neue packend. "Das Echo der Wahrheit“ ist dennoch kein Krimi, sondern nicht zuletzt wegen seiner psychologisch-wissenschaftlichen Aspekte ein anspruchsvoller Spannungsroman.

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Vita

Eugene Chirovici stammt aus einer rumänisch-ungarisch-deutschen Familie aus Transsilvanien und wohnt heute mit seiner Frau in Florenz. In Rumänien hat er sehr erfolgreiche Romane veröffentlicht. Sein erster Roman in englischer Sprache, »Das Buch der Spiegel«, hat für eine internationale Sensation gesorgt und wurde in 38 Länder verkauft.

Zur AUTORENSEITE

Silvia Morawetz

Silvia Morawetz, geb. 1954 in Gera, studierte Anglistik, Amerikanistik und Germanistik und ist die Übersetzerin von u.a. Janice Galloway, James Kelman, Hilary Mantel, Joyce Carol Oates und Anne Sexton. Sie erhielt Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds, des Landes Baden-Württemberg und des Landes Niedersachsen.

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