Das Vogelhaus

Roman

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Len Howard (1894-1973) verbrachte die zweite Hälfte ihres Lebens in einem kleinen, abgelegenen Haus in Sussex, Südengland. Sie veröffentlichte äußerst erfolgreiche Bücher über wild lebende Vögel, die sie in ihrer Umgebung beobachtete, und obwohl sie keine Biologin war, galt sie als Pionierin auf dem Gebiet der Tierforschung. Die faszinierende Lebensgeschichte dieser zu Unrecht vergessenen Vogelkundlerin inspirierte die Philosophin und Schriftstellerin Eva Meijer zu einem ganz besonderen Roman, der die Beziehung zwischen Mensch und Natur neu beleuchtet.


Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers
Originaltitel: Das Vogelhaus
Originalverlag: btb HC
Taschenbuch, Klappenbroschur, 320 Seiten, 12,5 x 18,7 cm, 6 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-442-71626-5
Erscheint am 09. März 2020

Leserstimmen

Alle Vögel sind schon da

Von: Fräulein Julia

20.02.2019

Len Howard verbrachte ihre Zeit lieber mit Vögeln als mit Menschen (verzeit das Sprachspiel) – Eva Meijer hat ihr mit „Das Vogelhaus“ ein literarisches Denkmal gesetzt. Wann habt ihr das letzte Mal Vogelzwitschern bewusst wahrgenommen oder auf euren alltäglichen Wegen angehalten, um einer Amsel, einer Krähe oder einem Spatz zuzuschauen? Könnt ihr eine Meise von einem Rotkehlchen unterscheiden, nicht nur am Aussehen, sondern auch am Gesang? In der Großstadt fällt es uns oft schwer, den Bezug zur Natur aufrechtzuerhalten (wenn wir ihn überhaupt hatten), geschweige denn eine Verbindung mit der Tierwelt herzustellen – obwohl es gerade in Berlin häufig vorkommt, dass man nachts einem Fuchs auf der Straße begegnet oder die Spatzen einem rotzfrech den Kuchen vom Teller klauen. Len Howard (1894-1973) versuchte Zeit ihres Lebens, die Natur und Tierwelt nicht nur zu beobachten, sondern ein Teil von ihr zu werden: Bereits in ihrer Kindheit hilft sie ihrem Vater dabei, verletzte Meisen in einem Schuhkarton wieder aufzupäppeln, pflegt eine „Freundschaft“ zu einer Krähe, die sie Charles tauft. Doch mit ihrem Umzug nach London, wo sie in einem Orchester als Geigenspielerin angestellt ist, wird das Band zwischen ihr und der Natur immer dünner – wie soll das auch gehen in einer damals noch stark von der Industrie geprägten Großstadt, in der ein paar sorgfältig gepflanzte Bäume im Hyde Park das höchste der Gefühle sind? Len, die eigentlich Gwendolen heißt, zieht sich in eine kleine Waldhütte auf dem Land zurück, zunächst für die Sommermonate, später kauft sie sich ein eigenes kleines Häuschen. Nur mit dem Nötigsten ausgestattet, möchte sie sich hier ausschließlich der Ornithologie widmen: Ihre Fenster stehen rund um die Uhr offen (auch im Winter), damit die kleinen Piepmätze aus und einfliegen können, wie es ihnen gefällt. Jeder einzelne Vogel bekommt einen Namen, wird von ihr gefüttert und gepflegt. Len beobachtet, notiert, skizziert, das alles ohne naturwissenschaftliche Ausbildung und – das ist ihr teilweise selbst bewusst – mit einem Hang zum Anthropomorphismus, bei dem man Tieren menschliche Eigenschaften zuschreibt. „Glatzköpfchen war nicht gleich von Sternchen angetan. Er hatte schon eine Partnerin – die ich Monokel nannte, weil ihr linkes Auge weiß eingefasst war – und fand Sternchen viel zu wichtigtuerisch. Doch sie ließ nicht locker. Erst verjagte sie Monokel, und dann blieb sie Glatzköpfchen den ganzen Herbst hindurch auf den Fersen, bis sie Mitte des Winters endlich sein Herz erobert hatte.“ Über Len Howard ist – mal abgesehen von ihren Aufzeichnungen, zu denen auch obiges Zitat gehört – nicht viel bekannt, vor allem nicht über ihr Privatleben, ihre Wünsche und Motivationen. So musste Eva Meijer zur Form des Romans greifen, in dem sie gesicherte Fakten über die Vogelkundlerin mit fiktiven Elementen vermischt. Das klappt zum größten Teil des Buches gut, driftet aber manchmal zu stark ins Süßliche, Idyllische und Oberflächliche ab: Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Len erzählt, dazu noch im Präsens; es besteht keine Möglichkeit, das Geschehen in einen größeren, zeitlichen Zusammenhang einzubetten oder mit einer Außensicht zu kommentieren. Der Sprachstil spiegelt die zurückhaltende, eigenwillige Denkweise der Vogelkundlerin wieder. Als Leser sind wir zwar unmittelbar dabei, kommen der Person Len Howard jedoch selten wirklich nah. Nichtsdestotrotz hat Eva Meijer das Leben einer einzigartigen, durchaus ziemlich schrulligen Frau zusammengefasst, die gegen die Erwartungen der Gesellschaft rebellierte und, ohne mit der Wimper zu zucken, einfach ihr Ding durchgezogen hat. Schon allein diese Tatsache macht Das Vogelhaus zu einer interessanten Lektüre.

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,Aus der Vogelperspektive

Von: ,Buecherseele79

31.01.2019

,Len Howard wächst in einem wohlgehüteten Haushalt auf, die Mutter veranstaltet gerne Musik und Poesiemittage und wünscht sich nichts mehr als dass die Töchter heiraten und Kinder bekommen. Doch Len streift lieber durch die Natur, liebt die Nähe zum Meer und pflegt mit ihrem Vater verletzte Vögel. Mit 21 kann sie nach London gehen um im Londoner Orchester mitzuwirken, ihr grosser Traum geht in Erfüllung... und doch fehlt Len die Nähe und Ruhe zur Natur und vor allem ihre Beobachtungen der Vögel. Irgendwann fällt Len Howard den Entschluss dass sie ihren Traum verwirklichen will- sie will heimische Vögel in ihrer natürlichen Umgebung studieren, kennenlernen und erforschen. Zuerst möchte ich mich beim btb Verlag, den Randomhouse Verlag sowie dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar bedanken. (Dies hat keine Auswirkungen auf meine Rezension!) Die Autorin Eva Meijer beleuchtet in ihrem Buch "Das Vogelhaus" das Leben der Len Howard. Alleine das Cover ist wunderschön und sehr liebevoll gestaltet und macht neugierig auf die Geschichte. Der Schreibstil ist flüssig, angenehm und konnte mich von Beginn an mitziehen und begeistern. Man lernt Len von Jung auf kennen, das heisst, dass in ihren jungen Jahren die Vogelpflege mit ihrem Vater zwar eine Rolle einnimmt, aber sie ebenso das Musizieren liebt und den Traum hegt nach London zu gehen. Zwischendurch erhält der Leser immer wieder interessante und sehr liebevolle Einblicke zwischen Len und ihren Forschung, speziell mit der Vogelart der Kohlmeisen, hier mit der Vogeldame Sternchen. Ich kann mir vorstellen dass es einigen Lesern zu wenig um die Vogelforschung von Len Howard geht, da wie gesagt, der erste Teil sich eher mit ihrem Werdegang und ihren Wünschen der beruflichen Anerkennung auseinandersetzt. Ich persönlich fand den Werdegang aber sehr interessant, dennso konnte man Len Howard besser kennenlernen und ihre Eigenart auch verstehen. Der zweite Teil des Buches widmet sich dann Len Howard in ihrer Forschung und Beobachtung und ist unheimlich interessant, liebevoll und mit ihrer Leidenschaft gespickt. Persönliche Namen der Vögel sowie ihre Verhaltensmuster bringen dem Leser diese sehr schlauen und liebevollen Tiere noch näher und konnten mich begeistern, berühren und auch den Blickwinkel auf Vogelarten nochmals verändern bzw. verstärken. Das Buch würde ich jedem empfehlen da es sich um Lebewesen dreht die man täglich hört, sieht oder "näher" kennenlernen kann und durch seine Liebe zu den Vogelarten besticht. Eine klare Leseempfehlung!

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Vita

Eva Meijer, geboren 1980 in Hoorn, Niederlande, ist Philosophin, Schriftstellerin, Singer-Songwriter und bildende Künstlerin. Sie hat Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und essayistische Bücher veröffentlicht und wurde zu einem Thema über die Sprachen der Tiere promoviert. Ihr Roman »Das Vogelhaus« gewann den Leserpreis des BNG-Literaturpreises und wurde für den Libris- und den ECI-Literaturpreis nominiert. Eva Meijer lehrt an der Universität von Amsterdam und an der Dutch Research School of Philosophy (OZSW). 2017 wurde Eva Meijer für ihr Gesamtwerk mit dem Halewijn-Preis ausgezeichnet, und »Was Tiere wirklich wollen« erhielt den Hypatia-Preis für das beste philosophische Buch, das von einer Frau geschrieben wurde.

Zur AUTORENSEITE

Hanni Ehlers

Hanni Ehlers, geb. 1954 in Ostholstein, studierte Niederländisch, Englisch und Spanisch am Institut für Übersetzen und Dolmetschen der Universität Heidelberg und ist die Übersetzerin von u.a. Joke van Leeuwen, Connie Palmen und Leon de Winter.

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