Dating

Eine Kulturgeschichte

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Taschenbuch
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Früher hat man nicht gedatet. Erst als Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts allein in die Städte aufbrachen, um dort zu leben und zu arbeiten, änderte sich das. Die Geschichte des Datings ist also auch eine Geschichte des Feminismus. Und eine Geschichte ökonomischer Realitäten, die das Date schon immer maßgeblich beeinflusst haben und es bis heute tun. Moira Weigel hat die erste Kulturgeschichte des Datings geschrieben. Darin spricht sie über die ersten Kinos und besorgte Eltern, über Sex im Auto, Online Dating und was Romantik mit harter Arbeit zu tun hat.


DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Anna-Nina Kroll
Originaltitel: Labor of Love - The Invention of Dating
Originalverlag: Farrar, Straus & Giroux
Taschenbuch, Broschur, 352 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung
ISBN: 978-3-442-71559-6
Erschienen am  12. März 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Vielschichtig und erhellend

Von: Lesen - was sonst?

02.10.2018

Ausgehend von ihren eigenen Erfahrungen breitet die Autorin eine Kulturgeschichte des Datings aus. Umfassend, intelligent und kurzweilig werden die Balzrituale von Männlein und Weiblein in den verschiedenen Epochen beschrieben. Doch es bleibt nicht bei blossen Beschreibungen. Die Autorin geht einen Schritt weiter und bewertet die jeweils geltenden sozialen Do's und Dont's in Bezug auf die Bedeutung für die beiden Geschlechter. Sie zeigt auf, dass Dating für Frauen meist mit mehr Arbeit und für Männer meist mit mehr Vergnügen einherging. Die Autorin zeigt ebenfalls die Entwicklungen und Strömungen auf, die in den nicht-heterosexuellen, nicht-weissen, nicht-Mittelklasse-Schichten entstanden und wie durch sie die Mainstream-Kultur des Datings beeinflusst wurden. Erhellend waren ihre Ausführungen über die Auswirkungen von AIDS auf die Datingkultur, erschreckend die Schilderungen zu verschiedenen Dating-Apps, die heute gängig sind. Die Autorin bewertet auch eine ganze Reihe von in ihrer Zeit häufig gelesenen Ratgebern in Liebesdingen für Männer und Frauen. Die meisten kommen dabei nicht gut weg. Es ist der Autorin ein Anliegen, auf die unterschwellige Frauenfeindlichkeit der meisten Dating-Tools hinzuweisen. Sie setzt sich dafür ein, dass gesellschaftliche Veränderungen (in Richtung umfassender Krankenversicherungen, Verbesserungen zum Mutterschaftsschutz etc.) notwendig seien, um zu mehr echter Gleichberechtigung beider Geschlechter zu kommen. Das Buch hält, was es verspricht und hat mir das eine oder andere Aha-Erlebnis beschert.

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Einen Termin für die Liebe finden, ein kluges, spannendes Sachbuch

Von: Stephanie Schuster

25.09.2018

Auch wenn sich dieses spannende Sachbuch über das „Werben um die Liebe“ hauptsächlich auf die Flirtgepflogenheiten in Amerika bezieht, ist es durchaus auf Europa zu münzen, denn viele der Einwanderer in die USA Anfang des 20. Jahrhunderts stammten aus Europa. So quetschten sich in die engen Stadtwohnungen, in den bereits Iren hausten, nach und nach zugereiste Italiener und Osteuropäer. Moira Weigel schreibt in lockerem Kolumnenstil, was sich gerade dadurch spannend liest und interessante Einblicke in ein, wie ich finde, schwer zu greifendes Thema gibt. Ausgehend von der Gegenwart, dass das Dating tot sei und „einem Durcheinander an Mutmaßungen und Überzeugungen“ in ihrem eigenen Bekanntenkreis, forscht Moira Weigel in der Vergangenheit. Alles fing mit dem „weiblichen Begehren“ an. Früher, auf dem Land, gab es kaum unbeobachtete Gelegenheiten, dass sie junge Paare trafen. Außerdem war fast jeder auf einem Dorf, mit dem man sich verabredete, jemand, den man sowieso schon kannte. In der Anonymität der Großstadt fing „frau“ an, über sich selbst zu bestimmen. Doch in die engen Räumlichkeiten, meist von mehreren Verwandten bewohnten Zimmer, jemanden mitzubringen, war fast unmöglich, also traf man sich in der Öffentlichkeit. Man hatte ein „Date“. Moria Weigel erzählt nicht nur Anekdoten rund um das aufregende erste Treffen, sie bezieht auch Romane, Fernsehserien und Filme mit ein. Mit ihrer klugen Kulturgeschichte bringt sie Struktur in die Gefühle zwischen zwei Menschen und gibt uns Lesern Einblick in das komplizierte Verhalten, das wir nicht nur vom Hörensagen kennen. Dabei erfahren wir mehr über den Umgang mit Sexualität, Beziehungen und Wertvorstellungen unserer Vorfahren, die sich versteckt oder offensichtlich auch in der Gegenwart wiederfinden. Am Ende sind wir bei den Errungenschaften der Emanzipation oder bei der Liebe (wie das letzte Kapitel heißt), wobei es Feministinnen gibt, die behaupten, die Liebe sei schlecht für uns. Verlassen wir uns lieber auf das Mindesthaltbarkeitsdatum.

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Vita

Moira Weigel wurde 1984 in Brooklyn geboren, arbeitet an ihrer Doktorarbeit und lehrt an der Yale University. Ihre Texte werden u.a. in Die Welt, The Guardian, The Nation und n+1 veröffentlicht, sie hat Henrich von Kleist und Werner Herzog ins Englische übersetzt. Heute lebt sie mit ihrem Mann in San Francisco und nach Jahren der persönlichen Recherche in Sachen Dating, hat sie nun die erste Kulturgeschichte des Datings geschrieben.

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