Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens

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Taschenbuch
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Don verwandelt sich vor den Augen seiner Frau in einen Baum. Ronda hält Goldfische, die nicht bleiben wollen. Die Zwillinge aus dem dritten Stock sind gar keine. Doch von Toni und Bell wissen alle. Die Menschen in Nummer 29 sind seltsam verschworen, kennen sich dabei kaum und teilen längst nicht jedes Geheimnis. Es gibt einen unbemerkten Mitbewohner, der sich im Aufzug einnistet, es gibt ein Kind, das sich durch Mauern beißt, und eine Wohnung, die ihre Mieter förmlich verschluckt. Rita, fast so alt wie das Haus selbst, sieht, was keiner zeigt, und sie versteht, was keiner sagt. Doch bevor sie ihr Wissen unter den Nachbarn weitergeben kann, ist die kleine Maia auf rätselhafte Weise verschwunden.

»Kálnay spielt so freihändig und gekonnt mit Erzählhaltungen, Tonlagen und literarischen Formen, dass man nur beeindruckt sein kann von diesem poetischen Schelmenstück voller doppelter Böden und Fallstricke.«

Cornelius Wüllenkemper, Süddeutsche Zeitung (06. Februar 2017)

Originalverlag: Verlag Klaus Wagenbach
Taschenbuch, Broschur, 192 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung
ISBN: 978-3-442-71684-5
Erschienen am  10. Dezember 2018
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Eine sehr eigene Hausgemeinschaft mit all ihren skurrilen Bewohnern

Von: Marina Büttner aus Berlin

20.12.2018

Der 1988 geborenen Juliana Kálnay ist ein außergewöhnlicher Debüt-Roman gelungen. Selten genug ist es, dass eine Debütantin sich sogleich den dritten Platz auf der SWR-Bestenliste sichert. Kalnáys kurzer Roman spielt in einem Haus mit der Nummer 29 und erzählt von ihren seltsamen Bewohnern. Die Kapitel werden überschrieben mit den jeweiligen Orten im Haus, an dem sie spielen, wie etwas 3. Etage links oder Treppenhaus, nachts oder hinterm Haus. Zwischen diese Episoden fügt die Autorin Dialoge oder Kapitel mit besonderen Ereignissen im Haus ein. Obgleich die Geschichte im Titel als Chronik bezeichnet wird, berichtet die Erzählerin nicht durchgehend in logischer Reihenfolge von den Geschehnissen. Das und auch die wechselnden Erzählperspektiven könnten den Leser verwirren, wenn nicht schon die Protagonisten selbst es täten. Erst gegen Ende hin lassen sich Zusammenhänge und Verknüpfungen zwischen den einzelnen Sequenzen erkennen. „An dem Tag, an dem meine Mutter von einem vorbeihuschenden Schatten so erschreckt wurde, dass sie auf der Treppe die Kiste mit dem Geschirr fallen ließ und die bunten Scherben über die Stufen sprangen; an dem Tag, an dem mein Vater, vom selben Schatten überrascht, einen Schrei ausstieß, den man angeblich noch drei Straßen weiter hören konnte, und sie beide in das Haus mit der Nummer 29 zogen, wurde ich geboren. Zumindest erzählten sie das, wenn ich sie fragte.“ Im Haus leben Familien mit Kindern, Einzelpersonen und Paare. So wie Lina, deren Mann offiziell verschwunden ist, der sich aber in Wirklichkeit in einen Baum auf ihrem Balkon verwandelt hat, aus dessen Früchten sie Marmelade kocht oder die chronisch Schlaflosen, die in großer Anzahl in einer einzigen Wohnung leben oder Maia, die gerne Löcher gräbt und sich darin versteckt, die allerdings irgendwann ganz verschwunden ist oder der alte Oskar, der in seinem Badezimmer etwas Geheimes versteckt und der deshalb eines Tages von Polizeibeamten abgeführt wird oder Tom, der es sich im Fahrstuhl gemütlich gemacht hat oder die Zwillinge, die man immer nur einzeln antrifft und viele andere mehr. Wie ein echtes Unikum mutet Rita an, die am längsten im Haus lebt und quasi mit ihm verwachsen ist. Rita mit dem Spiegel auf dem Balkon, die strickt und die alles sieht, alles hört, alles weiß, was im Haus geschieht und sich nicht selten einmischt … und das Haus selbst, dass irgendwie lebt, geheimnisvolle Türen verbirgt und immer öfter Stromausfälle produziert … Leser, die eingängige Geschichten mit eindeutigem Plot lieben, werden sich mit diesem Roman schwer tun. Viele Fragen stellt man sich im Laufe der Lektüre, Fragen die am Ende offen bleiben, Handlungen, die plötzlich abbrechen oder im Sande verlaufen, Sätze, die nicht vollständig ausgeschrieben werden. Es wimmelt nur so von extravagantem, schrägem Personal und seltsamen Begebenheiten. Unter der Rubrik „magischer Realismus“ könnte man diese Geschichte einordnen, wobei es für den Lesegenuss vollkommen egal ist, ob real oder surreal. Was zählt ist, dass Juliana Kálnay ein etwas anderes Debüt geschrieben hat, dass ihr Roman sich konsequent abhebt von vielem, was derzeit auf den Buchmarkt geworfen wird.

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Vita

Juliana Kálnay

Juliana Kálnay, geboren 1988 in Hamburg, wuchs zunächst in Köln und dann in Málaga auf. Sie veröffentlichte in deutsch- und spanischsprachigen Anthologien und Zeitschriften und erhielt das Arbeitsstipendium Literatur der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein 2016. Sie lebt und schreibt in Köln. Ihr erster Roman »Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens« wurde mit dem aspekte-Literaturpreis 2017 ausgezeichnet.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

»Ein ganz großes Talent.«

Esther Willbrandt, Radio Bremen (06. Februar 2017)

»Der Debütroman von Juliana Kálnay ist eine literarische Entdeckung«

Die Zeit (20. April 2017)

»Virtuos in der poetischen Schwebe«

taz (19. Mai 2017)

»Mit Mut zur Phantasie und dichter romantischer Beschreibung skizziert Kálnay die Biographien der Hausbewohner, ohne je mehr über sie preiszugeben als nötig.«

Simon Strauß, Frankfurter Allgemeine Zeitung (28. Februar 2017)

»... ein Roman wie eine Wunderkugel: Mit jeder Seite, die man umblättert, verschwimmt die Szene kurz und setzt sich aufs Neue zusammen.«

Simon Strauß, Frankfurter Allgemeine Zeitung (28. Februar 2017)

»So unwahrscheinlich das Erzählte ist, hat es eine magische, fesselnde Wirkung.«

Cornelia Geißler, Frankfurter Rundschau (16. Februar 2017)

»Fesselnd geschrieben, mit einem ganz eigenen Ton und einer außergewöhnlichen Bildwelt.«

Esther Willbrandt, Radio Bremen (06. Februar 2017)

»... eine farbig sinnliche Sprache, die mitten in der Realität wurzelt und von da ins Groteske, Surreale treibt.«

Ruth Bender, Kieler Nachrichten (08. Februar 2017)

»Ihre Sprache ist dabei glasklar, jeder Satz in sich stimmig.«

Julia Encke, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (19. Februar 2017)

»In ihrer Literatur - und das ist ganz wunderbar - öffnet sie Assoziationsräume, deutet Motive wie Einsamkeit, Außenseitertum, Sehnsucht an, aber sie schafft keine Eindeutigkeiten ...«

Carola Ebeling, taz (19. Mai 2018)

»Juliana Kálnay wechselt gekonnt die Register.«

Rainer Moritz, Die Literarische Welt (04. Februar 2017)

»Nichts ist ganz sicher in diesem Versteckspiel. ›Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens‹ ist eine im besten Sinne amüsante Fantasterei.«

Carolin Haentjes, Der Tagesspiegel (08. Juni 2017)

»Dieses Debüt ist ein Schelmenstück, in der Fantasie verankert, magischer Realismus. ... Das liest sich gut, es ist unterhaltsam.«

Roland Mischke, Nürnberger Nachrichten (06. März 2017)

»Lass dich betören von diesen Geschichten! Juliana Kalnáy erzählt mit bunten Farben, frei von vielen Konventionen. Ein Fest reiner Fantasie!«

literaturblatt.ch (20. Juni 2017)

»Dies ist ein feiner Roman für Liebhaber von literarischen Prismen... Leben und leben lassen, das wünsche ich Ihnen herzlich mit diesem ungewöhnlichen, sehr lesenswerten Buch.«

schmitzkatze (01. Juni 2017)

»Juliana Kálnay beschreibt mit verwirrend schemenhafter Präzision dieses Haus, das eher einem sich ständig verändernden Organismus gleicht.«

Christiane Pfau, Münchner Feuilleton (01. Juli 2017)

»Die flüchtigen Begegnungen vermitteln durch die reiche, präzise, aber geschmeidige Sprache eine Ahnung von Tiefgründigem hinter der Fassade.«

Wiener Zeitung (17. Juni 2017)

»Ungewöhnlich erzählt, lohnt sich unbedingt!«

Radio Fritz, rbb

»Ein phantastisch erzähltes Debüt«

literaturblatt (01. Mai 2018)

»Rätselhaft. Unglaublich. Spannend. Magisch anziehend. Einzigartig. Muss man gelesen haben. Unbedingt.«

Christine Bartholomae, FORUM. Das Wochenmagazin (11. August 2017)