Im Bann der Fledermausinsel

Ein Fall für Frey und McGray 4

(4)
Taschenbuch
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Die Highlands 1889. Als der junge Erbe der betuchten Familie Koloman eine Todesdrohung erhält, reisen Inspector Frey und sein Kollege McGray unverzüglich zum nebelverhangenen nördlichen Zipfel des Landes. Dort, am abgelegenen Loch Maree, kommen sie im unheimlichen Herrenhaus der Kolomans unter. Die nahegelegene Insel ist von Fledermäusen befallen, und jeder der Bewohner scheint etwas zu verbergen. Als kurz darauf ein grausamer Mord im Wald geschieht, ist den Ermittlern klar: Um die Geheimnisse des mysteriösen Loch Maree zu wahren, geht jemand über Leichen …


DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Peter Beyer
Originaltitel: The Loch of the Dead
Originalverlag: Penguin
Taschenbuch, Broschur, 576 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung
ISBN: 978-3-442-48887-2
Erschienen am  16. Dezember 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Ein Fall für Frey und McGray

Leserstimmen

Mit jedem Band besser!

Von: Wuschel

17.03.2020

Klingt es jetzt sehr böse, wenn ich sage, dass der dritte Band mein Liebling war? Nicht? Gut! Denn böse ist es nicht gemeint. Auch diese neue Geschichte fand ich wieder sehr gelungen, besonders, weil sich McGray eingestehen musste, dass er Schwächen hat und dass manche Dinge einfach Humbug sind. Was aus dem Klappentext nämlich nicht hervor geht, ist, dass er den Fall hauptsächlich deswegen annimmt, weil man eine Möglichkeit auf die Heilung seiner Schwester erwähnt. Die Geschichte um seine Schwester ist vermutlich einer der Gründe, weshalb ich nicht empfehlen würde die Reihe durcheinander zu lesen oder erst später einzusteigen, da diese einiges an Raum einnimmt. Alternativ bestünde auch einfach die Option, dass Frey dezente aufgetaut ist und dem schottischen Kollegen immer mehr Paroli bietet. Manchmal fragte ich mich wessen Art denn nun eigentlich derber ist.  Ich musste etwas schmunzeln als ich irgendwann auf eine mögliche Lösung kam bzw. eine Spekulation über die Familie Koloman im Hinterkopf hatte. Es hat mich etwas gewundert, dass diese nicht bereits von McGray auf den Tisch gebracht wurde. Im Nachhinein würde ich behaupten, dass Frey in diesem Fall eine größere Rolle innehatte. Oder lag es einfach dran, dass McGray öfter nachgab? Das Zusammenspiel der beiden war zumindest viel harmonischer als sonst. Die Atmosphäre war wieder sehr gut getroffen. Dem Vergleich der Landschaft mit bayrischen Bergen war ich sehr zugetan, denn ich liebe Bayern und nach „Long Way Round“, wo Ewan McGregor so ziemlich alles mit dem schottischen Idyll vergleich, war ich doppelt begeistert. Der Stil von de Muriel war wie immer sehr gut zu lesen. Witz, Charme und einfach spannende Unterhaltung. Zudem fand ich es sehr schön, dass er im Nachwort wieder einige Worte zur Auflösung bzw. den Hintergründen schrieb, um zu erklären, wie er wieder natürliche Dinge so darstellen konnte, dass man beim Lesen das Gefühl hatte, dass es dafür keine logische Erklärung geben könne. Einer der Dinge, die mich so sehr an der Reihe begeistern. Fazit: Ein absolut gelungener vierter Teil, den ich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann.

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Ermittler in Droschken

Von: Miss Cooper

05.02.2020

Bereits zum vierten Mal nimmt Oscar de Muriel mich mit auf eine literarische Schnitzeljagd durch das viktorianische Großbritannien. Einer Epoche die geprägt ist von Wirtschaftskrisen, der Ausbeutung von Arbeitern, Hungersnöten, Elend und Krankheit, aber auch die der Industriellen Revolution und der radikalen Frauenrechtsbewegungen um Emmeline Pankhurst. Einer Zeit in der man noch zum Telegrafenamt ging, um eine Nachricht „mal eben schnell“ zu senden und man sich eine Droschke samt Pferd mietete, anstatt sich ein Taxi zu rufen. Besonders in den Elendsvierteln Londons war die Verbrechensrate zur Zeit Queen Victorias hoch, sehr hoch, die Aufklärung dieser hielt sich allerdings in Grenzen. Es gab weder eine Form der forensischen Genetik, noch konnte man etwas mit Indizien anfangen. Die Aufklärung eines Verbrechens glich also der einer schicksalhaften Fügung. Man war stets auf Zeugen angewiesen, oder besser noch, der Täter wurde gleich auf frischer Tat ertappt. Hin und wieder half es auch Foltermethoden anzuwenden, um dem Verdächtigen ein Geständnis abzupressen. Doch man musste nicht immer auf den Zufall vertrauen, oder der Grausamkeit freien lauf lassen. Manchmal brauchte es auch nur einen gewieften Ermittler, oder wie es in Oscar de Muriels viktorianischer Krimiserie der Fall ist, zwei findige Ermittler. Der versnobte Dandy, Ian Frey, wurde aus seinem geliebten London nach Edinburgh zwangsversetzt, um sich dort einer neu gegründeten, recht fragwürdigen Abteilung des CID (Criminal investigation Department, oder kurz, die britische Polizei) unterstellen zu lassen. Deren Auftrag ist es, sich allen ungelösten Mordfällen zu widmen, die einen Zusammenhang zum Paranormalen bilden, doch dies empfindet er nicht mal als das bitterste an der Sache. Sondern seinen neuen Vorgesetzten Adolphus McGray, einen bärbeißigen, resoluten Schotten, mit einem Faible für alles Okkulte, der es sich nicht eine Sekunde nehmen lässt an Frey Spitzen auszuteilen und ihn aufzuziehen. Doch so gegensätzlich die beiden Männer in ihren Charaktereigenschaften auch sind und so wenig angetan sie auch vom jeweils anderen sind, ergänzen sie sich doch ganz hervorragend. So wurden beide mit Scharfsinn, Weitsicht und dem Gespür für Details gesegnet. Knapp ein Monat ist vergangen, seit Frey und McGray den Fall um Irvings Theatertruppe zu den Akten legen konnten. Einer augenscheinlich erholsamen Zeit. Während McGray seine jüngere Schwester Amy auf den Oakley Inseln besucht, die, seit sie ihre Eltern sechs Jahre zuvor tötete, kein Sterbens Wörtchen mehr gesagt hat. Wird Frey von Millie Fletcher, dem Dienstmädchen einer wohlhabenden und angesehenen Familie aus den Highlands kontaktiert. Sie berichtet, das sie siebzehn Jahre zuvor von dem Bruder ihres Dienstherren vergewaltigt und geschwängert wurde. Das Sie das Baby, um diese Eskapade zu vertuschen einem Priester anvertrauen musste. Und das dieser fast schon erwachsene Junge nun doch zurückkehren soll, um das Erbe seines kürzlich verstorbenen Vaters anzutreten. Allerdings möchte irgendjemand ganz offensichtlich nicht, das Millies Sohn nach Hause kommt, denn sie erhielt einen Brief, der ihrem Sohn mit dem Tod droht, sollte dieser zurückkommen. Nun erhofft Millie sich Geleitschutz von McGray. Im Gegenzug bietet sie ihm an, seine Schwester vom Wahnsinn zu befreien. Natürlich springt McGray, als er davon erfährt sofort darauf an. Er könnte es sich nie verzeihen, würde er auch nur eine Sache unversucht lassen um seine geliebte Schwester von ihrer Manie zu erlösen. Also macht er sich auf den Weg in den äußersten Norden Schottlands um Benjamin abzuholen und in das Herrenhaus der Familie Koloman am Loch Maree zu begleiten. Der besonnene und ruhige sechzehnjährige ist zwar nicht begeistert seine Heimat und seinen Ziehvater zu verlasen, um künftig einer Familie anzugehören, von deren Existenz er erst in diesem Moment erfahren hat, aber er erklärt sich einverstanden mit McGray zu gehen. Doch etwas grausames ereignet sich in der Nacht vor seiner Abreise, Vater Thomas wird ermordet. Warum jetzt? Was wusste Benjamins Ziehvater, was nicht ans Licht kommen durfte. Um das zu entschlüsseln fehlt McGray allerdings die Zeit, er gibt den Fall an den Örtlichen Constable weiter und fährt zusammen mit dem Jungen und seinem plötzlich auftauchenden blasierten Cousin Dominik Koloman zum Loch Maree. Unterdessen ist Frey, der seinen Onkel Maurice im Schlepptau hat, bereits im Herrenhaus der Kolomans eingetroffen. Eine geistreiche und doch eigentümliche Familie wie Frey findet. Mit einem Schwesterngespann deren gebaren fast ans unanständige grenzt und die selbst bei den so seltenen Schottischen Sonnenstunden hinter zugezogenen Vorhängen ihren Experimenten nachgehen, anstatt sich draußen aufzuhalten. Als McGray endlich eintrifft, wird die zu ihren Ehren gegebene Willkommensfeier jäh ein Ende gesetzt, als aus dem nahegelegenen Wald Schreie ertönen. Ein Mann hängt tot am Baum, nicht ein tropfen Blut ist mehr in seinem Körper. „Eine klaffende Wunde zog sich quer über seine Kehle, das Blut war noch nicht geronnen und tröpfelte langsam herab. Es war ein gerader, sauberer Schnitt, ausgeführt mit der Präzision und der Erfahrung eines Chirurgen. Die Haut oberhalb der Schnittwunde war blass, geradezu ekelhaft grau, sein Gesicht darunter gerötet. Ich musste unwillkürlich an den dunklen Bodensatz von Wein denken, der sich unten in einem Glas absetzt und Klümpchen bildet.“ „Im Bann der Fledermausinsel“ ist ein traditioneller, routiniert erzählter Whodunit, ohne viel Chichi. Durch den mich zwei grandios skizzierte Protagonisten führen. Wie in seinen drei vorangegangenen Büchern schlägt de Muriel auch hier einen gradlinigen Stil ein, der mich durch seine wenig gestelzte und authentische Ausdrucksweise überzeugt. Erneut wechselt er zwischen zwei Erzählperspektiven, die, des Ich-Erzählers in Form von Frey, der an eine Berichterstattung angelehnt ist und dem des Auktorialen -Erzählers der mich über McGrays Schulter schauen lässt. Genauso treu bleibt er seinen Hauptcharakteren, die sich weiterhin einen permanenten verbalen Schlagabtausch liefern, die sich allerdings auch im laufe der Bände weiterentwickelt haben, allen voran Ian Frey, der immer mehr seine kühle und überhebliche Art ablegt. Gleichermaßen wie um seine Protagonisten kümmert sich de Muriel auch um das Randpersonal, besonders angetan hat es mir Onkel Maurice, der noch englischer als Frey ist, mit einer wundervollen Taktlosigkeit glänzt und der gegenüber McGray immer eine kleine Gemeinheit auf den Lippen hat. Auch das Lokalkolorit der beinahe Märchenhaften Kulisse lässt er lebendig erscheinen. Trotz alledem, ist „Im Bann der Fledermausinsel“ kein literarisches Meisterwerk. Als Krimi vielleser bin ich vielleicht zu abgebrüht, aber ich finde es fehlt dem ganzen an Spannung, erst auf den letzten Seiten wird es so richtig stürmisch und einige Passagen habe ich absolut nicht voraussehen können, dennoch hätte ich mir mehr solcher Effekte gewünscht. Auch den Mystischen Anteil, der de Muriels Krimireihe von anderen unterschied, habe ich in „Im Bann der Fledermausinsel“ etwas vermisst.

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Vita

Oscar de Muriel

Oscar de Muriel wurde in Mexico City geboren und zog nach England, um seinen Doktor zu machen. Er ist Chemiker, Übersetzer und Violinist und lebt heute in Cheshire. Mit seiner viktorianischen Krimireihe um das brillante Ermittlerduo Frey und McGray feiert er in seiner neuen Heimat und darüber hinaus große Erfolge.

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