Der Fall Kallmann

Roman

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Wie lebt es sich im Schatten eines Mordes?

Wer war Eugen Kallmann? Warum musste der beliebte Gesamtschullehrer in der beschaulichen schwedischen Kleinstadt sterben? Wirklich nur ein Unglücksfall, wie die Polizei behauptet? Als sein Nachfolger im Schwedischunterricht, Leon Berger, nach der langen Sommerpause seinen Dienst antritt, findet er im Pult unter Kallmanns Sachen eine Reihe von Tagebüchern, die sich als eine Mischung aus Dichtung und Wahrheit entpuppen und ihn schon bald daran zweifeln lassen, dass sein Vorgänger tatsächlich eines natürlichen Todes gestorben ist. Denn in seinen Einträgen behauptet Kallmann unter anderem, er würde die Gabe besitzen, in den Augen anderer Menschen erkennen zu können, ob sie gemordet haben. Und er scheint in den letzten Monaten seines Lebens einem nie entdeckten und nie gesühnten Verbrechen auf der Spur gewesen zu sein. Leon Berger will den Fall Kallmann lösen – seine privaten Ermittlungen setzen etwas in Gang, das schließlich die ganze Kleinstadt erschüttert.


Aus dem Schwedischen von Paul Berf
Originaltitel: Eugen Kallmanns ögon
Originalverlag: Albert Bonniers Förlag
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-20817-2
Erschienen am  30. Oktober 2017
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Schlechter Klappentext - gutes literarisches Werk

Von: alex.gedankenwelt aus Lensahn

06.08.2019

Nach dem Unfalltod von Frau Helena und Tochter Judith verlässt Leon Berger 1995 Stockholm und nimmt einen neuen Lehrerjob in einer Kleinstadt an. Ludmilla Kovacs, Beratungslehrerin dort und ehemalige Mitstudentin von Berger, hat ihm den Job schmackhaft gemacht. Allerdings hat sie ihm nicht erzählt, dass diese Stelle nur frei wurde, weil der bisherige Lehrer Eugen Kallmann vor Kurzem verstorben ist. Dieser fiel im Suff die Treppe hinunter und brach sich das Genick. So sagt es die Polizei und stellt sämtliche Ermittlungen ein, aber sicher ist sich niemand. Als Berger den Arbeitsplatz Kallmanns freiräumt stößt er auf vier Tagebücher des Verstorbenen. Der Zeitraum der Tagebücher umfasst die Jahre 1980 – 1994 und alle lesen sich sehr geheimnisvoll. Fiktion oder Wahrheit? Gemeinsam mit Ludmilla Kovacs und dem Kollegen Igor Masslind, versucht Berger die Tagebücher zu entschlüsseln. Wurde Kallmann doch ermordet und wenn ja, was war der Grund dafür? Haben die fremdenfeindlichen Parolen in der Schule etwas damit zu tun? Einige Schüler und Lehrer mit Migrationshintergrund erhielten kürzlich Drohbriefe, unterzeichnet von „der Putzkolonne“! Auch Kallmann soll sich lange im Ausland aufgehalten haben. Und dann ist da noch der merkwürdige, hochbegabte Schüler Charlie. Vermutlich der einzige Mensch, der wirklich Kontakt zu Kallmann hatte und nach dessen Tod „Interviews“ mit den Schülern führt. Besonders die Schülerin Andrea Wester fühlt sich von ihm stark bedrängt. Ein weiterer Toter wird gefunden, doch irgendwie passt alles nicht zusammen. Als ein letztes Tagebuch von Egon Kallmann auftaucht, scheint die Lösung ganz nahe zu sein. Dieses Buch von Hakan Nesser ist kein typischer Kriminalroman. Unglaublich viele sympathische Charaktere, deren Lebenshintergründe oftmals ein düsteres Geheimnis verbergen. Die vielen Kapitel sind in Ich-Form geschrieben. Die Überschrift eines jeden Kapitels ist mit entsprechendem Namen versehen. So weiß der Leser, um wen es sich in dem jeweiligen Abschnitt handelt. Die Handlung spielt in einer schwedischen Kleinstadt, deren Namen nicht genannt wird. Die eigentliche Geschichte betrifft hauptsächlich das Schuljahr 1995/1996. Doch auch Kallmanns Kindheit in den vierziger Jahren ist ein Thema. Enden wird der Roman im Jahr 2015. Jede Person wird von Hakan Nesser pingelig durchleuchtet und trotzdem wird vieles nur angedeutet.. Das Cover ebenso geheimnisvoll. Alles in allem eher ein außergewöhnlicher, melancholischer Roman mit leisen Tönen. Mein persönliches Fazit: Wer bisher noch keine Bücher von Hakan Nesser gelesen hat und nach einem spannenden, kurzweiligen Kriminalroman sucht, der wird hier nicht fündig werden. Meiner Meinung nach lässt der Klappentext andere Schlüsse auf den Inhalt des Buches zu. Wer diesen liest erwartet einen typischen Krimi. Geplante Morde, spannende Ermittlungen und ein klares Ende. Die Leser die dieses Abenteuer suchen, sollten sich dann eher für ein Buch aus der „Kommissar-Van-Veeteren-Reihe“ entscheiden. Die ersten 100 Seiten hätte ich mir gerne ein Notizbuch daneben legen können. Gerade am Anfang fand ich es nicht einfach, der Geschichte zu folgen. Zu häufig wechselten die Charaktere und ihre Erzählungen. Aber erstmal in der Geschichte angekommen lässt sich der Roman sehr schön lesen. Anders, aber gut, anspruchsvolle Literatur! Für den in meinen Augen „unpassenden“ Klappentext habe ich einen Stern abgezogen. Einen halben Stern für das Ende des Buches, das ich mir anders gewünscht hätte und mich nicht überzeugen konnte. 3,5 Sterne von 5 Sterne , hier aufgerundet auf 4

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Mord im Auge des Betrachters

Von: Mikka Liest

08.12.2017

Obwohl das Buch von Klappentext und Thema her so klingt, ist es in meinen Augen weder ein Thriller noch ein Krimi, sondern ein Roman mit Spannungselementen, der seinen ganz eigenen Sog entwickelt. Der Unterschied liegt für mich darin, dass hier streng genommen nicht immer viel passiert: die Ermittlungen im Fall Kallmann stehen tatsächlich über lange Passagen nicht im Mittelpunkt, während das Augenmerk auf den Gedanken und Gefühlen der handelnden Personen liegt, auf der Dynamik ihrer Familien, auf den gesellschaftlichen Strukturen ihres Umfelds – und dennoch wurde es mir niemals langweilig. Ganz im Gegenteil! Ich war beim Lesen ganz verliebt in das Buch, und mehr als einmal fragte ich mich, wie ich das später in meiner Rezension nur begründen sollte... Zum großen Teil lag es sicher am Schreibstil des Autors: literarisch, subtil, mit viel Gespür für Atmosphäre und menschliche Zwischentöne. Er erzählt die Geschichte aus mehreren Perspektiven und verleiht dabei jedem Charakter seine ganz eigene Stimme. Auch wenn es den Protagonisten selber nicht immer bewusst ist, überschneiden sich ihre Perspektiven und Erlebnisse, und irgendwie ist der Dreh- und Angelpunkt immer wieder Eugen Kallmann. Auch er selber kommt über seine Tagebücher posthum zu Wort, und er ist ein faszinierender Charakter! Man weiß nie so recht: was ist hier Wahrheit, was Fiktion? Meint Kallmann wirklich alles ernst, was er schreibt? So behauptet er zum Beispiel, er habe seine Mutter getötet, als er gerade mal 11 Jahre alt war, und könne andere Mörder seitdem erkennen, wenn er ihnen in die Augen blickt. Tatsächlich erinnern sich Schüler und Kollegen daran, dass er niemals Augenkontakt aufnahm, unter gar keinen Umständen. Ob man das als Leser nun für ein Hirngespinst Kallmanns hält, vielleicht sogar Wahnsinn, so fragt man sich doch schnell, ob er vielleicht wirklich einem Mörder auf der Spur wahr, wie er in seinen Tagebüchern behauptete – und ob dies letztendlich sein Tod war. Das fragen sich auch diejenigen Protagonisten, durch deren Augen man die Geschichte hauptsächlich sieht. Es sind mehrere Gruppierungen, die jeweils ihre eigenen Ermittlungen anstellen, ohne zu ahnen, dass sie damit nicht alleine sind. Das entwickelt eine Eigendynamik, die noch ganz andere Dinge bewirkt, so kommen zum Beispiel gut gehütete Familiengeheimnisse zum Vorschein. Dazu kommt noch, dass der Fall Kallmann nicht das Einzige ist, mit dem sich die Charaktere beschäftigen müssen: eine jüdische Lehrerin bekommt Drohbriefe von einer mysteriösen "Puztkolonne", Schüler mit Migrationshintergrund werden drangsaliert und verprügelt... Und schließlich kommt es zu einer erschreckenden Tat. Ich fand zutiefst originell, wie der Autor zwar einige Motive verwendet, die in einem 'Standardkrimi' nicht fehl am Platz wären, daraus aber etwas macht, dass sich nicht in diese Schublade zwängen lässt. Auch die Charaktere sind meines Erachtens alle wunderbar geschrieben. Es gibt eine Liebesgeschichte, die mich zunächst nicht überzeugte, die Geschichte aber auch nicht störte. Im Laufe des Buches habe ich mich damit auch noch mehr angefreundet, obwohl sie in meinen Augen nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Fazit: Der beliebte Lehrer Eugen Kallmann hatte so seine Marotten. So glaubte er, in den Augen eines Menschen erkennen zu können, ob dieser schon einmal getötet hat, und wähnte sich einem Mörder auf der Spur. Hirngespinste? Tatsache ist, Kallmann ist tot, und sein Tod möglicherweise kein Unfall. Die Polizei tritt dennoch nur am Rande auf, stattdessen folgt man den Gedanken verschiedener Menschen, denen der Tod Kallmanns keine Ruhe lässt. Das wirkte auf mich weder wie ein Krimi noch wie ein Thriller – und dennoch spannend, auf subtile, ruhige, oft langsame Weise. Man muss sich darauf einlassen, dass die Dinge in diesem Buch ihre Zeit brauchen und das Augenmerk oft mehr auf dem Zwischenmenschlichen liegt als auf dem Kriminalfall. Der Schreibstil ist in meinen Augen außergewöhnlich, die Charaktere authentisch, die Handlung intelligent konstruiert... Dies war mein erstes Buch von Håkan Nesser, aber ganz sicher nicht mein letztes.

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Vita

Håkan Nesser, geboren 1950, ist einer der beliebtesten Schriftsteller Schwedens. Für seine Kriminalromane erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, sie sind in über zwanzig Sprachen übersetzt und mehrmals erfolgreich verfilmt worden. Håkan Nesser lebt abwechselnd in Stockholm und auf Gotland.

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Paul Berf

Paul Berf, geboren 1963 in Frechen bei Köln, lebt nach seinem Skandinavistikstudium als freier Übersetzer in Köln. Er übertrug u. a. Henning Mankell, Kjell Westö, Aris Fioretos und Selma Lagerlöf ins Deutsche. 2005 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Schwedischen Akademie ausgezeichnet.

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