Montana

Roman

(6)
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In den abgeschiedenen Tälern und nahezu undurchdringlichen Bergwäldern im Nordwesten von Montana ist der Sozialarbeiter Pete Snow unterwegs, um Kindern zu helfen. Da gibt es drogensüchtige Mütter, gewalttätige Väter, Waffen- und Bibelnarren, aber vor allem die ganz normale Armut. Als eines Tages Benjamin, ein halb wilder, vernachlässigter Junge, in seiner Stadt auftaucht, lernt er dessen Vater Jeremiah Pearl kennen, einen Anarchisten und Weltverschwörer, der im Wald lebt und sich gegen die Endzeit wappnet …

Pete Snow ist Sozialarbeiter in der kleinen Stadt Tenmile im Nordwesten von Montana, und es gibt viel zu tun in den Dörfern und abgelegenen Farmen mitten in der Wildnis. Das Leben vieler Leute ist geprägt von Armut, Gewalt, Alkohol und Drogen, und oft steht Pete zwischen seinen Klienten und der Polizei. Über sein eigenes Leben verliert Pete zusehends die Kontrolle, vor allem als seine halbwüchsige Tochter Rachel davonläuft und er immer wieder vergeblich nach ihr sucht.

Eines Tages trifft Pete in Tenmile auf Benjamin Pearl, einen unterernährten elfjährigen Jungen, der offenbar in der Wildnis lebt, und als er dessen Vater kennenlernt, stößt er fast an seine Grenzen, als Sozialarbeiter wie als Mensch. Denn Jeremiah Pearl ist ein paranoider Anarchist, der außerhalb des Gesetzes lebt. Nach und nach gewinnt Pete Jeremiahs Vertrauen, und eine seltsame Annäherung findet zwischen den beiden so unterschiedlichen Vätern statt. Bis plötzlich Polizei und FBI in Aktion treten, die Jeremiah Pearl schon länger im Visier haben …

Ein großer, packender amerikanischer Roman, der eine ganz eigene Stimme hat und der wie Richard Ford, Jonathan Franzen oder Cormac McCarthy wichtige Themen berührt, die diese komplexe und widersprüchliche Nation ausmachen.

"Wort- und bildgewaltig in Szene gesetzt. Das ist episches Erzählkino, so dass es mir wirklich Gänsehaut bereitet hat."

Karoline Laarmann / WDR 1 LIVE (24. April 2016)

Aus dem Amerikanischen von Walter Ahlers, Sabine Roth
Originaltitel: Fourth of July Creek
Originalverlag: Ecco
eBook epub (epub)
ISBN: 978-3-641-15813-2
Erschienen am  25. April 2016
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Ein berührendes Buch

Von: wonderful.colourful

29.09.2019

Nach längerer Zeit hatte ich mal wieder Lust auf einen Roman, der durch und durch realistisch ist. Da kam mir Montana grade recht, verspricht der Klappentext doch eine Geschichte, die einen packt und durch die „dunklen Seiten Amerikas“ führt. Und genau dies bietet der Autor seinem Leser. Mit einem sehr fesselnden und teilweise ausergewöhnlichen Schreibstil erzählt Smith Henderson die Geschichte des Sozialarbeiters Pete Snow, der im ländlichen Montana mehreren Familien versucht zu helfen und bei ihren Problemen zu unterstützen, doch auch mit eigenen großen und kleinen familiären Problemen zu kämpfen hat. Einige der Kapitel sind in einer wirklich außergewöhnlichen Art geschrieben, die es mir wirklich angetan hat. Die Geschichte selbst konnte mich nicht immer zu einhundert Prozent gefangen nehmen, aber hatte einige Momente, die mich berühren konnten, da Henderson ohne Umschweife und schonungslos von den menschlichen Schicksalen berichtet. Die familiären Probleme, die Pete selbst hat, waren mir teilweise zu sehr im Hintergrund gelagert, in Anbetracht dessen, was bei ihm alles schief läuft. In den Momenten, in denen er versuchte diese Probleme zu lösen wirkte es gezwungen in den Vordergrund gerückt. 7.5/10 Buchstapel 📚

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Suchende in Montana

Von: Thursdaynext

04.06.2018

Wir alle sind auf der Suche, nach Liebe, Sicherheit, Schönheit, Glück. Autor Smith Henderson erzählt In seinem Debüt Montana von dieser Suche und denen, die sich auf eine solche begeben. Unaufdringlich, ohne zu werten, doch furios, hart, schonungslos, brutal, ehrlich und extrem packend – trotz des nicht unbeträchtlichen Umfangs seines Romans. Schwere Kost ist es, die er auftischt in dieser Schilderung des Lebens in Montana. Er berichtet nicht von Intellektuellen. Die Verlorenen und Suchenden sind sein Sujet. Auch Protagonist Pete Snow ist ein solcher, einer der versucht, fremdes Leid zu mildern, Sozialarbeiter beim Kinderschutz in einem kleinen Kaff in Montana. Wälder, Berge, Religion, Arbeitslosigkeit, Alkohol und Drogen gehören für viele Menschen dort zum Alltag. Es gibt Menschen die, aufgrund ihrer Vorgeschichte und Sucht, nicht mehr fähig sind die “richtigen“, pragmatischen Entscheidungen zu treffen. Die Kinder dieser Leute zu retten und zu unterstützen ist Petes Aufgabe. Er gibt sich keinen Illussionen hin, ist er doch selbst ein „Rudernder“ der verzeifelt versucht immer wieder an der Oberfläche zu treiben, nicht unterzugehen. Was ihn dennoch ein wenig sympathisch macht, ist dieser unbändige Wille seinen Schutzbefohlenen zu helfen. Trotz aller Widrigkeiten die sich ihm dabei in den Weg stellen und obwohl viele sich nicht helfen lassen wollen. Doch auch Pete trifft Entscheidungen die nicht immer gut sind, bläst sich mit Drogen oder Sex weg um das Denken, das Elend abzuschalten. Sein Elend, seine Ängste und später auch seine Furcht die unaufhaltsam über ihn kommt nachdem er seine Frau und Highschoolliebe verlassen hat weil sie ihn betrogen hat und die gemeinsame Tochter Rachel bei ihr ließ, obwohl gerade er, der Sozialarbeiter es besser hätte wissen sollen. Seine unerfreuliche Kindheit unter einem harten Vater, den stolz zu machen ihm nie gelang belastet ihn. Sein Bruder versteckt sich vor dem Knast,und der Bewährungshelfer verfolgt Pete. Einfach ist Pete Snows Leben nicht, noch dazu treibt ihn etwas es zusätzlich noch eigenhändig zu verkomplizieren. Joshua Smith Henderson wechselt die Perspektiven, ein neutraler Berichterstatter schildert Petes alltägliches Leben, seine Gedanken und Gefühle, gibt Dialoge wieder. Rachel, – nachdem sie ihrer Mutter weggelaufen ist und versucht ihren eigenen Weg zu finden, sich selbst zu finden – hier erzählt Smith Henderson direkt, in Form von Gedankensplittern die ihre Verzweiflung, ihr Misstrauen, ihre Wut authentisch transportieren. Smith Henderson, der selbst in Montana aufgewachsen ist, Sozialarbeiter und Gefängniswärter war, schildert ein Amerika der verlorenen Seelen, der Kämpfer, der Säufer, der Menschen die um ihre Exsitenz kämpfen. Amerika von unten. Die grandiose Natur Montanas bildet dazu Kulisse und Bühne zugleich für jene deren Gottesfurcht wie bei Bens Vater Jermiah Pearl in Irrsinn und Paranoia abdriften, wie auch für die Menschen die einfach irgenwie versuchen ihre Existenz zu ertragen. Ihnen allen ist gemein, dass sie kaum bis gar kein Vertrauen in den Staat haben. Der Autor schafft es den Leser direkt mit nach Montana zu nehmen, ihn diesen eigenen kleinen Mikrokosmos der Verwahrlosung, des stillen Leidens und der Hoffnung erspüren zu lassen. Er zieht einen immer mehr in seinen Bann, entwickelt einen Sog, macht diesen Roman zu einem Buch, das man nicht weglegen möchte bis alles aufgelöst ist. Ja, das Zitat des Guardian auf dem Cover stimmt, es liest sich wirklich wie Tom Waits Song. Intensiv und, trotz des schnörkellosen, schlichten Stils durchdrungen von leiser poetischer Melancholie.

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Vita

Smith Henderson, geboren und aufgewachsen in Montana, hat als Sozialarbeiter und Gefängniswärter sowie in einer Werbeagentur gearbeitet und lebt inzwischen als Schriftsteller in Los Angeles. Für seine Shortstorys erhielt er mehrere Preise, darunter 2011 den PEN Emerging Writers Award. Sein erster Roman »Montana« löste in den Feuilletons amerikaweit Begeisterung aus, wurde in zahlreichen Zeitungen als eines der »Best Books of the Year« empfohlen, wurde ausgezeichnet mit dem Montana Book Award 2014 und kam auf mehrere Shortlists, u.a. für den Ken Kesey Award for the Novel und den Fiction’s Flaherty-Dunnan First Novel Prize.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

"Kristallklare Gesellschaftskritik im Gewande eines Spannungsromans, selbstbewusst komponiert und keine Zeile zu lang."

Stern (04. Mai 2016)

"Hendersons Buch reiht sich würdig ein in die Reihe der großen sozialkritischen, fern allen Flaggenschwenkens realistischen amerikanischen Romane."

Ulrich Rubens-Laarmann / Hellweger Anzeiger (07. Mai 2016)

„Die präzise Sozialstudie über die Unterschichten des amerikanischen Bundesstaats ist krass – auf berührende wie beängstigende Weise.“

Glamour (06. Mai 2016)

"Es ist eine im Untergang befindliche Welt, die Smith Henderson in seinem großen, stellenweise mitreißend erzählten Roman beschreibt."

Peter Henning / WDR 3 (31. Mai 2016)

"Das Amerika der Reagan-Ära von unten: Nie zuvor wurde es dermaßen eindringlich und bedrückend ausformuliert."

Sascha Krüger / Galore (02. August 2016)

"Ein einmaliger Roman voller Wärme und Menschlichkeit."

New York Times Book Review

"Als spannender Chronist des modernen amerikanischen Lebens muss Henderson den Vergleich mit Jonathan Franzen nicht scheuen."

Toronto Star