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Flüchtige Seelen Roman

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-630-87384-8

Erschienen: 26.05.2014
Dieser Titel ist lieferbar.

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In ihrem neuen Roman folgt Madeleine Thien den Erinnerungen, Verletzungen und Träumen ihrer Figuren aus dem Kanada der Gegenwart in den tropischen Dschungel Kambodschas in den siebziger Jahren, als dort die Roten Khmer mit brutalem Terror und der Ermordung von Millionen von Menschen eine neue Gesellschaftsordnung errichten wollten. Mit klarer, sanfter Sprache erzählt sie vom Verlust und von der Wiedergewinnung der Menschlichkeit.

""Flüchtige Seelen" ist ein schrecklich schöner Roman, tieftraurig und zutiefst berührend."

Claudia Kramatschek / Neue Zürcher Zeitung (28.08.2014)

Madeleine Thien (Autorin)

Madeleine Thien wurde 1974 in Vancouver, British Columbia, geboren. Ihre Eltern stammen aus Malaysia und China und emigrierten in den 1960ern nach Kanada. Als Kind begann Thien mit Ballett, Stepptanz und Akrobatik, später studierte sie Tanz, wechselte dann 1994 über zu Literatur. Ihr erstes Buch "Einfache Rezepte", eine Sammlung von Kurzgeschichten, wurde mit vier kanadischen Literaturpreisen ausgezeichnet, und ihr Debütroman "Jene Sehnsucht nach Gewissheit" wurde in sechzehn Sprachen übersetzt. Für ihren Roman "Flüchtige Seelen" wurde Thien 2015 mit dem LiBeraturpreis der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet. Ihr neuer Roman kam 2016 auf die Shortlist des Man Booker Prize und wurde ausgezeichnet mit dem Governor General's Literary Award und dem Scotiabank Giller Prize, den höchsten Literaturpreisen Kanadas. Madeleine Thien lebt in Montreal.


Almuth Carstens (Übersetzerin)

Almuth Carstens, 1948 in Kiel geboren, hat u. a. Soziologie studiert und lebte längere Zeit in Amerika. Sie ist Übersetzerin von u. a. Kathy Acker, Jane Rogers, Alice Sebold und Jeff Talarigo. Sie lebt heute in Berlin.

""Flüchtige Seelen" ist ein schrecklich schöner Roman, tieftraurig und zutiefst berührend."

Claudia Kramatschek / Neue Zürcher Zeitung (28.08.2014)

Ein psychologisch tiefgründiger und poetisch erzählter Roman, der Gegenwart und Vergangenheit komplex verwebt, und der fragt: Bin ich nicht mehr als die Summe meiner Erinnerungen?

Katharina Borchardt / Weltempfänger, Litprom- Bestenliste (01.09.2014)

"Madeleine Thien gelingt es, auf eine poetische und zugleich bewegende Weise über ein generationsübergreifendes Thema und seine weitreichende Wirkung zu schreiben."

Katja Lückert / Deutschlandradio Kultur (05.06.2014)

Madeleine Thien erzählt mit leiser Intensität, mit großer zarter Ausdruckskraft."

Susanne Lenz / Frankfurter Rundschau (09.07.2014)

"Madeleine Thien streut Sätze wie Blütenblätter: Das Grauen darin kommt umso verstörender zur Wirkung."

Badische Zeitung (06.09.2014)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Englischen von Almuth Carstens
Originaltitel: Dogs at the Perimeter
Originalverlag: McClelland & Stewart

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 256 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-630-87384-8

€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Luchterhand Literaturverlag

Erschienen: 26.05.2014

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Folgende Rezensionen beziehen sich auf eine andere Ausgabe (eBook)

lesenswert

Von: Kerstin Scheuer Datum: 08.09.2015

www.kerstin-scheuer.de

Wieder einmal habe ich mich bei der Wahl meiner Lektüre auf Litprom verlassen und den Gewinnerroman des LiBeratur Preises 2015 gelesen, ohne mich im Vorfeld genauer darüber zu informieren. Mit „Flüchtige Seele“ von Madeleine Thien habe ich einen anspruchsvollen und traurigen Roman über das oft lebenslängliche Leiden von Flüchtlingen gefunden. Leider war dieses hochaktuelle Thema in einer sehr emotionslosen Sprache erzählt, die mich nicht berühren konnte.

Worum geht es?

Als Janies Vorgesetzter und Mentor Hiroji von einem Tag auf den anderen spurlos verschwindet, macht sich Janie selbst auf die Suche nach ihm. Die Spur führt ausgerechnet nach Kambodscha, wo Hirojis Bruder vor vielen Jahren verscholl, nachdem er dort als Mitarbeiter für das Rote Kreuz tätig war. So wird Janie, die selbst als junges Mädchen vor der Roten Khmer aus Kambodscha floh, von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt.

Warum habe ich es gelesen?

Madeleine Thien wurde für „Flüchtige Seelen“ in diesem Jahr mit dem LiBeratur Preis ausgezeichnet. Mir war sie bis dahin völlig unbekannt. Da sie sich aber gegen starke Konkurenz durchsetzen konnte, wurde ich neugierig auf diesen Roman, der mit der Flüchtiglingsthematik ein dieser Tage so brandaktuelles Thema aufgreift.
Wie war mein erster Eindruck?

Vorallem ihre wunderschönen Sprachbilder, die in einem scheinbaren Gegensatz zur todtraurigen Geschichte stehen, hatten es mir sofort angetan. Ich las beispielsweise von einer Katze, die in „Sonnenscheinpützen“ badete und hatte sofort ein deutliches Bild dieser Szene vor Augen. Madeleine Thiens Umgang mit Sprache ist wunderschön und voller zarte Poesie, die dem Grauen, über das sie berichtet, etwas die Schärfe nimmt.

Wie fand ich den Aufbau?

Dicht verwebt Madeleine Thien in „Flüchtige Seelen“ Erinnerungsfragmente, fiktive Tagebucheinträge und Flashbacks zu einer atmosphärisch dichten Einheit. Immer wieder werden ihre Figuren von grauenhaften Szenen von ihrer Flucht und anderen Erinnerungen auf ihrer Vergangenheit unter der Terrorherrschaft der Roten Khmer eingeholt. Dabei gelingt es Madeleine Thien, dass ich stets den Überblick über Ort und Zeit behalte. Zu groß ist der Kontrast zwischen dem Heute im winterlichen Kanada und dem Gestern im schwülen kambodschanischen Dschungel.

Zudem wechselt die Erzählperspektive je nach Gattung des Textes. Zwar ist der Hauptteil in der dritten Person verfasst; Tagebucheinträge und Erinnerungsfragmente sind jedoch teilweise Inder Ich-Perspektive geschrieben. Auch das sorgt für Klarheit dem Leser.

Auch dass die einzelnen Kapitel jeweils einem bestimmten Charakter zugeordnet sind, erleichterte mir die Orientierung. So war stets klar, über wessen Vergangenheit und Erinnerungen ich nun lesen werde. Stück für Stück fügen sich so im Laufe des Romans die einzelnen Teile ineinander, bis ein komplexes vollständiges Bild entsteht.
Wie fand ich die Charaktere?

Madeleine Thien kommt in „Flüchtige Seelen“ mit gerade einmal sechs Charakteren aus, die alle wunderbar ausdifferenziert und komplex dargestellt werden. Was die Sache bisweilen etwas kompliziert erscheinen lässt, ist, dass alle Protagonisten verschiedene Identitäten annehmen, um unter der Roten Khmer und während der Flucht überleben zu können. Es erfordert etwas Aufmerksamkeit, um mitzubekommen, um wen es sich eigentlich handelt. Ich hatte hiermit während des Lesens jedoch nie ein Problem.

Ich fand es interessant und spannend, zu erfahren, welche unterschiedlichen Leben die einzelnen Figuren bereits führten. Bisweilen hat man den Eindruck, dass es sich um einen vollkommmen anderen Menschen und eine vollkommen andere Zeit handelt, so unvereinbar erscheinen die verschiedenen Identitäten. Etwas schade fand ich jedoch, dass Madeleine Thien in einem relativ emotionslosen Stil die einzelnen Szenen jeweils nur von außen – einem reinen Beobachter gleich – beschreibt. So konnte ich mich nicht wirklich mit ihren Figuren identifizieren und blieb von dem Gelesen trotz all der Grausamkeiten erstaunlich unberührt. Andererseits zeigt jedoch auch sehr gut die innere Zerrissenheit, die Terror und Flucht bei Thiens Figuren ausgelöst haben. Bei all den furchtbaren Erfahrungen wie Folter, Gehirnwäsche und dem Tod naher Angehöriger, ist ihnen ein halbwegs normales Leben nur möglich, weil sie die Vergangenheit so gut es geht verdrängt oder vermeintlich anderen Personen zugeschrieben haben.

Wie fand ich das Buch insgesamt?

Mit „Flüchtige Seelen“ legt Madeleine Thien einen anspruchsvollen und traurigen Roman über ein ebenso ernstes wie aktuelles Thema vor. Am Beispiel Kambodschas unter der Herrschaft der roten Khmer zeigt sie auf eindrucksvolle Weise, was Terror und Flucht in einem Menschen bewirken. Auch lange nach ihrer Auswanderung ins sichere, ferne Kanada bleiben Thiens Figuren innerlich zerrissen, erleben immer wieder die dramatischen Szenen ihrer Flucht und ihres Lebens davor und scheitern hierdurch in ihrem neu aufgebauten Leben.

„Flüchtige Seelen“ ist keine leichte Kost, die den Leser unterhalten will. Vielmehr ist es eine anstrengende Reise in die Gefühlswelt eines Menschen auf der Flucht vor einem unmenschlichen Staat in ein besseres, freieres Leben. Dabei verschweigt Madeieine Thien nicht, dass dies einigen gar nicht, anderen nur zum Teil und mit Einschränkungen gelingt. Im Ergebnis entsteht so ein ebenso komplexer wie ehrlicher und trauriger Roman über die unterschiedlichen Schicksale von Flüchtlingen, den ich erstaunlich schnell gelesen hatte und der mich noch lange beschäftigte.

Das hochaktuelle Thema und die gekonnte, anspruchsvolle Umsetzung, ohne jede Form der Effekthascherei, überzeugen. Vollkommen zu Recht erhielt Madeleine Thien für dieses Werk den LiBeratur Preis. Gerade in diesen Tagen wünsche ich mir für „Flüchtige Seelen“ viele aufmerksame Leser.

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